mini|Schriftzug „Lanz Bulldog“ mini|Lanz Bulldog Typ HL (Bj. 1928): Einzylinder-Zweitakt-Glühkopfmotor, 6,2 Liter Hubraum, 12 PS (weitere Daten in Bildbeschreibung) alternativtext=|mini|Lanz Bulldog D7506/3 (Bj. 1939): Einzylinder-Zweitakt-Mitteldruck-Glühkopfmotor, 4,7 Liter Hubraum, 25 PS mini|Schematische Darstellung eines Glühkopfmotors: 1. Verdampfer, 2. Zylinder, 3. Kolben, 4. Kurbelgehäuse
Lanz Bulldog war die Verkaufsbezeichnung für Ackerschlepper, die die 1956 von John Deere übernommene Heinrich Lanz AG in Mannheim von 1921 bis 1957 herstellte.Der Spiegel: LANZ-TRAKTOREN Unter amerikanischer Flagge. Auf: spiegel.de; abgerufen am 25. August 2012. Durch diese Traktoren prägte sich der Name Bulldog in Teilen Deutschlands als umgangssprachlicher Gattungsname für einen Ackerschlepper.
Ursprünglich war Bulldog die Bezeichnung für den von Lanz hergestellten stationären Einzylinder-Zweitakt-Glühkopfmotor, zunächst noch mit Wasser-Verdampfungskühlung und erst später mit Thermosiphonkühlung, dessen Aussehen eine Ähnlichkeit mit dem Gesicht einer Bulldogge hatte. Er war die Grundlage des ersten Ackerschleppers Lanz Bulldog HL12, den die Heinrich Lanz AG 1921 auf der DLG-Ausstellung in Leipzig vorstellte und der als „Ur“-Bulldog gilt.„Acker-Bulldog“, 12 PS mit Allradantrieb, Abbildung und Information in Der Motorwagen, XXV. Jahrgang, Verlag von M. Krayn, Berlin, 1922, Seite 477 (online bei archive.org)
Der Erfolg des Bulldogs war in seiner Einfachheit und Robustheit begründet. Hinzu kam, dass er als Vielstoffmotor mit kostengünstigem Rohöl u. ä. betrieben werden konnte und gegenüber den ersten Dieseltraktoren als zuverlässiger galt. In anderen Disziplinen wie Zugleistung, Technologie oder Verbrauch waren die Bulldogs den Dieselschleppern allerdings eher unterlegen. Trotzdem konnten sich Lanz-Bulldog-Ackerschlepper zumindest in Deutschland für viele Jahrzehnte behaupten, da ihr einfaches Glühkopfmotor-Prinzip günstig zu produzieren war und geringe Ansprüche an Zündwilligkeit und Klopffestigkeit des Kraftstoffs stellt.
Bulldog-Motor Der Bulldog-Motor ist ein ab etwa 1918 von dem Ingenieur Fritz Huber entwickelter Glühkopfmotor. Er arbeitet nach dem Akroyd-Verfahren mit innerer Gemischbildung und Fremdzündung (ist also kein Dieselmotor). Anders als der ursprüngliche Viertakt-Akroydmotor arbeitet der Bulldog-Motor im Zweitakt mit Kurbelgehäusespülung. Die Verdichtung ist gering, nicht höher als bei Ottomotoren jener Zeit. Deshalb hat der Motor keine Selbstzündung, sondern benötigt eine Zündquelle. Zündquelle ist der sogenannte Verdampfer (auch Glühnase genannt) im Zylinderkopf; er glüht während des Betriebes mit schwacher Rotglut. Der Kraftstoff wird mit geringem Druck in den Verdampfer eingespritzt, wo er verdampft und sich an den heißen Wandungen entzündet. Zum Starten muss der Verdampfer daher mit einer Lötlampe zum Glühen gebracht werden.Friedrich Sass: Geschichte des deutschen Verbrennungsmotorenbaus von 1860 bis 1918. Springer, Berlin/Heidelberg 1962, ISBN 978-3-662-11843-6. S. 415–419. Ist die Temperatur des Glühkopfes (etwa durch langen Leerlauf) auf einen zu geringen Wert gesunken, reicht die Temperatur der als Zündquelle dienenden Wandungen nicht mehr aus, um die Zündung sicher einzuleiten, sodass der Glühkopfmotor stehen bleibt. Spätere Varianten mit zusätzlicher Zündkerze ließen sich mit Benzin starten und wurden, nachdem sie warmgelaufen waren, auf Dieselkraftstoff umgestellt. Zündkerzen und Einspritzdüsen sitzen im Zylinderkopf.
Stationäre Motoren Bulldog hieß zuerst eigentlich nur der Motor, den man in ortsfester Bauweise als Ortsbulldog und in ortsbeweglicher Bauweise als Gespannbulldog (nicht selbstfahrend, sondern von Pferden gezogen) als preiswerten Ersatz für eine Lokomobile erwerben konnte.
Damit begann der Siegeszug des Bulldogs im Wettbewerb gegen die betriebskosten- und wartungsintensiven Dampfmaschinen und sein Ruf war bereits gefestigt, als Wettbewerber anfingen, preiswerte und brauchbare Traktoren mit Otto- oder später auch Dieselmotoren zu bauen. Es gab den Bulldog sogar in Feldbahnen (Typ FM) und Lokomotiven (Schienenbulldog).
Ackerschlepper mini|links|Lanz Acker-Bulldog, 12 PS, Allrad, Knicklenker (1922)
Als man erkannte, dass der Bulldog nicht nur Sägen, Mühlen, Steinbrecher und Dreschmaschinen antreiben, sondern auch sich selbst zusammen mit Ackergeräten fortbewegen konnte, entstanden etwa um 1921 die Lanz-Ackerschlepper mit dem robusten Glühkopfmotor, die ab 1923 in Serie gingen.
Lanz stellte 1922 folgende Treckertypen vor: 38-PS-Trecker, genannt „Feldmotor“; 22-PS-Trecker, genannt „Kraftgespann“; 12-PS-Trecker, genannt „Acker-Bulldog“. Der Acker-Bulldog war als Knicklenker gebaut und hatte als Besonderheit Allradantrieb.Lanz neue Trecker 1922, in Der Motorwagen, XXV. Jahrgang, 1922, Seite 477 online bei archive.org.
Die ersten Ackerschleppertypen, der HL-Bulldog sowie der bereits mit Allradantrieb und Knicklenkung versehene HP-Bulldog, hatten noch den ersten Motor mit einer Bohrung von 190 mm und einem Hub von 220 mm (das ergibt etwas über 6,2 Liter Hubraum) und 12 PS bei 320 min−1, später 420 min−1. Der HP war mit einer verbesserten Siedekühlung (Verdampfungskühlung) ausgestattet, die ohne Wasserpumpe auskam. Durch die geringe Breite von 1280 bis 1345 mm war der Bulldog für den Weinbau geeignet.
Ein bemerkenswertes Merkmal war, dass der Bulldog-Motor bereits über eine Membran-Einlasssteuerung verfügte, die sich im Zweitaktmotorenbau erst viel später durchsetzte.
alternativtext=|mini|Lanz Bulldog HR7-D8506 (Bauzeit 1937–55): Einzylinder-Zweitakt-Mitteldruck-Glühkopfmotor, 10,3 Liter Hubraum, 35 PS mini|Eil-Bulldog D2531 der Luftwaffe (Sonderausführung, Bj. 1943): Einzylinder-Glühkopfmotor, 10,4 Liter Hubraum, 55 PS alternativtext=|mini|Lanz Bulldog D3506 (Bj. 1949): Einzylinder-Zweitakt-Mitteldruck-Glühkopfmotor, 4,7 Liter Hubraum, 20 PS mini|links|Technische Daten von Lanz-Fahrzeugen mini|Lanz Bulldog D8506 (Bj. 1951): Einzylinder-Zweitakt-Mitteldruck-Glühkopfmotor, 10,3 Liter Hubraum, 35 PS mini|Vorwärmen des Glühkopfs mit einer Lötlampe bei einem Lanz Bulldog mini|Ein Lanz Bulldog in Fahrt mini|Alte Dreschmaschine, angetrieben von einem Lanz-Bulldog mini|Beispiel für den detailgetreuen Nachbau des Lanz Bulldogs D1506, der Pampa Bulldog aus Argentinien.
Riemenscheiben-Abtrieb Wie Lokomobile hatten die meisten Lanz-Traktoren eine kuppelbare Riemenscheibe, die im stationären Betrieb als Treibriemenantrieb für eine Vielzahl von Zusatzgeräten (wie Großmahlwerk, Dreschmaschine, Windfege, Ballenpresse, Heu- und Erntegutförderer, Feldhäcksler (Ernteguthäcksler), Steinbrecher, (Brennholz)-Kreissäge, Kegelspalter, Wasserpumpe, Werkstattmaschinen usw.) genutzt werden konnte. Somit vereinte der Bulldog die Vorteile einer Acker- und Zugmaschine und eines stationären Antriebsmotors zum Betrieb von Zusatzgeräten. / / Bild 1, / Bild 2, / Bild 3, / Bild 4, / Bild 5, / Bild 6, (Quelle: Lanz Bulldog Homepage, www.lanz-bulldog-homepage.de), Bild 7, / Bild 8, (Quelle: fahrzeugbilder.de) / (Quelle: Schaumburger Nachrichten vom: 17. März 2013) / Lanz-Bulldog mit mobilem Mahlwerk (Quelle: willi-winsen.de) / Kreissäge mit Transmissionsantrieb (Quelle: Wikipedia) / Kieler Nachrichten vom: 20. August 2012. / (Archiv).
Getriebe Anfangs hatten die Bulldogs entweder ein Einganggetriebe oder ein Zweiganggetriebe. Das Zweiganggetriebe des Verkehrs-Bulldog HL von 1923 ließ sich nur im Stand schalten. Durch das hohe Drehmoment konnte man aber im zweiten Gang anfahren. Immerhin erreichte die schnellste Ausführung 12 km/h, gegenüber 4,2 km/h beim ersten HL.
Umsteuern zum Rückwärtsfahren Alle frühen Bulldogs hatten keinen Rückwärtsgang. Zum Rückwärtsfahren musste die Drehrichtung des Motors geändert werden (Umsteuern) – ein Vorgang, der Übung erforderte: Dazu musste die Drehzahl so weit gesenkt werden, dass der Motor fast zum Stehen kam, um dann durch Gasgeben im richtigen Moment (mit etwas Geschick) eine Frühzündung auszulösen, die den Motor im Kompressionstakt zurückwarf, sodass er in entgegengesetzter Richtung weiterlief. Erst der „Kühlerbulldog“ von 1928 hatte einen Rückwärtsgang.
Varianten und Modelle Es gab noch in geringer Stückzahl eine 8-PS-Variante (ca. 3 Liter Hubraum) mit dem Namen Mops sowie eine vom Lanz-Feldmotor, einem Benzintraktor in Rahmenbauweise, abgeleitete Glühkopf-Variante mit einem stehenden Zweizylinder-Glühkopfmotor mit 12,4 Liter Hubraum, den sogenannten Felddank (38 PS; 28 kW). Als geeignete Brennstoffe nannte Lanz in seinen Prospekten „Braunkohlenteer-Gasöl, mineralisches Gasöl, vegetabile und animalische Öle, Petroleum“. Der Bulldog-Motor war also ein Vielstoffmotor. Der HP sowie der Felddank waren jedoch angesichts der Inflation und der Weltwirtschaftskrise zu aufwendig und teuer. Die Verkaufserfolge blieben aus (Felddank ca. 800 Stück, HP ca. 720 Stück Gesamtproduktion). Eine einfachere preisgünstigere Variante wurde gebraucht.
So entstand der erste „Großbulldog“, der Typ HR (beginnend mit der Typenbezeichnung HR2, später hochnummeriert bis HR9) mit 22/28 PS (16/21 kW) und Siedekühlung (Verdampfungskühlung). Er hatte bereits das typische Bulldog-Aussehen, das bis zur Einstellung der Fertigung prägend blieb. Verändert wurde es nur noch durch die einige Jahre später eingeführte, wesentlich effektivere Thermosiphonkühlung. Ab dieser Zeit hießen die Bulldogs „Kühlerbulldog“.
Die HR-Baureihe hatte auch schon den bis zur Umstellung auf Halbdiesel- und Volldieseltechnik eingebauten Motor mit ca. 10,3 Liter Hubraum, resultierend aus einem Bohrung-Hub-Verhältnis von 225 mm/260 mm. Der Prototyp des HR war sogar noch mit Allradantrieb und Differentialsperren ausgestattet.
Dem Zwang zur Einsparung wurde jedoch der Allradantrieb und sogar die Differenzialsperre geopfert, und ab dieser Zeit gab es nur mehr einzylindrige hinterradangetriebene Bulldogs bis zum Ende der Fertigung. Durch Änderung der Enddrehzahl von zuerst 500 min−1 mit 22/28 PS (16/21 kW), später 35 PS (26 kW) bis zu 750 min−1 mit 45/55 PS (33/40 kW) konnte dieser Motor bis in die 1950er-Jahre im Wettbewerb bestehen. VDI-Nachrichten Sonderdruck vom 15. November 1952 (PDF, 4 S., 2,1 MB).. Der hohe Verbrauch der Glühkopftechnik erforderte jedoch ein Umdenken, und so wurde in den 1950er-Jahren zuerst auf Mitteldruckmotor und Mitteldruck-Glühkopfmotor mit Direkteinspritzung später auf Dieselmotor umgestellt. In: VDI-Nachrichten. Sonderdruck vom 15. November 1952 (PDF, 4 S., 2,1 MB) Auf: schlepperfreunde-nordbaden.de
Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde ein weiterer kleinerer Bulldog mit 15 PS (11 kW) vorgestellt, der sogenannte Bauernbulldog. Er hatte bereits ein mechanisches Hubwerk für Anbaugeräte. Auch eine mittlere Baureihe (Typ HN) mit ca. 4,7 Liter Hubraum wurde gebaut.
Sondermodelle Während der Bulldog-Ära gab es verschiedene Baureihen mit heute zum Teil seltsam anmutenden Namen vom einfachen „Ackerluft-Bulldog“ über „Verkehrs-Bulldog“ bis hin zum Schnellläufer „Eil-Bulldog“, den es mit festem Führerhaus und Schnellgang gab. Diese Begriffe, zu denen noch der „Gummibulldog“, der „Doppelbulldog“, der „Teerölbulldog“ und etliche weitere gehören, bezeichneten Ausstattungsmerkmale.
Der Gummibulldog war die Straßenausführung des HL mit Elastikbereifung (eine Vollgummibereifung, bevor die Luftreifen eingesetzt wurden), der Doppelbulldog hatte – im Gegensatz zum normalen HL – ein Zweiganggetriebe. Der Teerölbulldog war speziell für den Einsatz dieses Treibstoffs mit einem geänderten Zündsack im Glühkopf ausgerüstet. Von diesen Fahrzeugen existieren heute weltweit nur noch wenige. In Deutschland sind noch drei Exemplare bekannt, davon eines als „Ackerluft-Teeröl-Bulldog“ (D 9506 d), der so 1936 original ausgeliefert wurde. Ansonsten wurde er nur als Acker-Teeröl-Bulldog (D 9500 d) produziert.
Nachbauten In Frankreich wurde der Traktor 7506 unter dem Namen Le Percheron in Lizenz gebaut.