mini|hochkant=1.2|Wohn- und Jagdgebiet der Potawatomi vor 1641 mini|hochkant=1.2|Verbreitung der Anishinaabe(g)-Stammesgruppe um 1800
Die Potawatomi (auch Pottawatomie oder Pottawatomi) sind ein indigenes Volk der Algonkin-Sprachfamilie aus der Region des oberen Mississippi River. Kulturell sowie historisch zählen die Potawatomi zur Stammesgruppe der Anishinaabe(g) („Erstes Volk“, „Originales Volk“, oder „Wesen Geschaffen aus dem Nichts“), die verschiedene Varianten und Dialekte des Anishinaabemowin sprachen – der auch die Anishinabe (Ojibwe oder Chippewa), Saulteaux (Salteaux), Mississauga, Odawa (Ottawa), Algonkin (Algonquin), Nipissing und Oji-Cree (Severn Ojibwa) angehören.
Heute gibt es in Kanada neun First Nations und in den USA acht staatlich anerkannte Stämme (federally recognized tribes) der Potawatomi oder mit großer Potawatomi-Bevölkerung; die Potawatomi zählen heute insgesamt rund 28.000 Stammesangehörige.
Name Die Potawatomi nannten und nennen sich selbst „Neshnabé“ (ohne Synkope: „Eneshenabé“, Plural: „Neshnabék“),History of the Potawatomis (Neshnaabe/Neshnabek)Neshnabek: The People eine Wortgleichung von Anishinaabe(g) und Nishnaabe(g), der Selbstbezeichnung der Anishinabe (Ojibwe oder Chippewa) und Odawa (Ottawa).
Die Potawatomi gehörten dem Council of Three Fires („Rat der drei Feuer“, in Anishinaabemowin: Niswi-mishkodewin) an, einer losen, mächtigen Allianz mit den benachbarten Anishinabe (Ojibwe und Chippewa) und Odawa (Ottawa).
Der Name „Potawatomi“ leitet sich von Potawatomink(g) oder Boodewaadamii (in Odawa (Nishnaabemwin, Daawaamwin): Boodwadmii(g)), der Bezeichnung der benachbarten Anishinabe (Ojibwe und Chippewa) für die Neshnabék her, und bedeutet so viel wie „Bewahrer des Herdfeuers“, was sich auf das Ratsfeuer des Council of Three Fires bezieht. Die Neshnabék übernahmen die Bezeichnung und nannten und nennen sich seither gegenüber Außenstehenden meist Bodéwadmi (ohne Synkope: Bodéwademi, Plural: Bodéwadmik, abgel. von: bodewadm oder bodewadem – „das Herdfeuer bewahren/hüten“).
Sprache Das PotawatomiOmniglot - Potawatomi (Bode'wadmi) (auch Neshnabémwen, manchmal Bodéwadmimwen, Bodéwadmi Zheshmowen – „Potawatomi-Sprache“) ist eng verwandt mit der Sprache der Ojibwe (Anishinaabemowin), Cree–Montagnais–Naskapi, Menominee (Omāēqnomenew), Miami-Illinois (Myaamia), Mesquakie-Sauk-Kickapoo (Meshkwahkihaki), wobei es dem Ojibwe am nächsten steht – jedoch ist es kein Dialekt des Ojibwe, wie früher angenommen wurde. Es weist nicht nur Parallelen in Klang und Struktur mit dem südlichen Ojibwe und Odawa (Nishnaabemwin, Daawaamwin) auf, sondern teilt auch zahlreiche ähnliche Vokabeln mit den Meskwaki-, Sauk- und Kickapoo-Dialekten.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 15: Northeast, S. 725/726
Es gibt zwei regionale Dialektgruppen innerhalb des Neshnabémwen (Potawatomi): Südliches Potawatomi in Kansas und Oklahoma und Nördliches Potawatomi im Gebiet der Großen Seen.
Einige westliche Potawatomi bedienen sich heute bei ihren Ritualen bestimmter Gedächtnisstützen in Form von Piktogrammen, die auf Birkenrinde gezeichnet werden. Damit bleiben lange und komplexe religiöse Zeremonien besser in der Erinnerung erhalten. Charles F. Hockett entwickelte 1960 ein phonetisches Alphabet für die Potawatomi-Sprache, doch es fand weder größere Akzeptanz noch praktische Anwendung. Ein zweites System wurde 1974 von John Nichols zusammen mit den Forest County Potawatomi of Wisconsin entwickelt.
In den 1970er Jahren gab es bei den Potawatomi den Umzug zahlreicher Personen in andere, häufig weit entfernte Gemeinden. Stammesangehörige vermischten sich zum Beispiel mit weißen Amerikanern, Menominee, amerikanischen und kanadischen Chippewa und Odawa, sowie Kansas Kickapoo. Zudem lebten viele ältere Potawatomi-Sprecher in den Städten, zusammen mit ihren Englisch sprechenden Kindern und Enkeln, und hatten keine Gelegenheit, ihre traditionelle Sprache anzuwenden. Um 1970 gab es nur noch wenige Orte, in denen Potawatomi gesprochen wurde. Vermutlich zählten sie nicht mehr als rund 1000 Personen, die meisten davon im Kansas Potawatomi und Kickapoo Reservat (350) und in Oklahoma (200).
Council of Three Fires Einst waren die verschiedenen Anishinaabemowin-sprechenden Anishinaabe(g) ein Volk oder ein Zusammenschluss eng verwandter bands (englisch „Stammesgruppen“) aus dem Nordosten Nordamerikas. Später spalteten sich die Anishinaabe(g) in eine nördliche Gruppe (Algonkin (Algonquin), Nipissing, Mississaugas und Oji-Cree (Severn Ojibwa)) und in eine südliche Gruppe – wobei die südliche Gruppe (Anishinabe (Ojibwe oder Chippewa), Odawa (Ottawa) und Potawatomi) sich eine enge politisch-militärische Einheit bewahrten und den Kern der Allianz der Council of Three Fires bildeten.
Die einzelnen Mitglieder der Allianz entwickelten spätestens als sie auf ihren Wanderungen von der Atlantikküste nach Westen Michilimackinac erreichten jeweils eigenständige Identitäten als Anishinabe, Odawa sowie Potawatomi.
Innerhalb der Allianz galten die Anishinabe (Ojibwe oder Chippewa) als die „Ältesten Brüder“ (‘Oldest Brother’) sowie als „Hüter/Bewahrer des Glaubens“ (‘Keeper of the Faith’), die Odawa (Ottawa) als die „Mittleren Brüder“ (‘Middle Brother’) sowie als „Hüter/Bewahrer des Handels“ (‘Keepers of the Trade’) und die Potawatomi als „Jüngste Brüder“ (‘Youngest Brother’) sowie als „Bewahrer des Herdfeuers“ (‘Keepers/Maintainers of/for the Fire’). Folglich, wenn die drei Anishinaabe Nationen in dieser speziellen Reihe nacheinander erwähnt werden, ist dies immer ein Anzeichen, dass hiermit meist auch das Council of Three Fires als Ganzes gemeint ist.
Obwohl die Allianz mehrere Versammlungsorte hatte, wurde Michilimackinac auf Grund seiner zentralen Lage der bevorzugte Ort für die Ratsversammlung der verbündeten Stämme. Hier trafen sich diese, um über Krieg, Frieden und Politik sowie über Handel und Diplomatie zu beraten; zudem unterhielten sie von dort aus Kontakt zu den verwandten – und oftmals verbündeten – Ozaagii (Sauk), Odagaamii (Meskwaki), Omanoominii (Menominee), Wiinibiigoo (Ho-Chunk) sowie den Irokesisch-sprachigen Nii'inaawi-Naadawe (auch: Nii'inaa-Naadowe – die „Naadawe/Nadowe (Irokesen) innerhalb unseres Stammesgebiets“, d. h. die Wyandot, da diese oft unter ihnen siedelten) und den Wemitigoozhi (Neu-Frankreich).Virtual Museum of New France - French Colonial Expansion and Franco-Amerindian Alliances Zu den Feinden des Council of Three Fires zählten folglich zuerst die Zhaaganaashi (Britisches Weltreich) sowie deren Verbündete den Naadawe (Irokesen-Liga) und den Naadawensiw oder Natowessiw (Sioux) und später der Gichi-mookomaan (Vereinigte Staaten).
Meist jedoch konnten die verbündeten Stämme mittels Handel und Diplomatie Frieden mit den benachbarten Völkern bewahren, jedoch kam es während der sog. Biberkriege (auch Franzosen- und Irokesenkriege, von 1640 bis 1701) sowie auf Grund des wachsenden Siedlungsdrucks der nach Westen vordringende Siedler zu heftigen und besonders grausamen kriegerischen Auseinandersetzungen mit der Irokesen-Liga sowie den Sioux. Während des French and Indian War (auch: Great War for the Empire oder Guerre de la Conquête, von 1754 bis 1763) kämpfte die Allianz zusammen mit der Wabanaki-Konföderation, den Shawnee, Algonkin, den Lenni Lenape sowie den Seven Nations of Canada (Tsiata Nihononwentsiake – „Seven Fires Alliance“, auch The Great Fire of Caughnawaga) (Wyandot, Mohawk von Akwesasne, von Kahnawake und von Kanesetake (einschließlich Algonkin und Nipissing), Abenaki von Odanak und von Becancour (jetzt Wôlinak) sowie Onondaga von Oswegatchie) gegen England; während des Northwest Indian War (auch Little Turtle’s War, von 1785 bis 1795) um das Nordwestterritorium und im Britisch-Amerikanischen Krieg (meist Krieg von 1812) kämpften sie dann gegen die Vereinigten Staaten.
Nach der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1776, bildete das Council of Three Fires das Kernstück der sich neu formierten pan-indianischen Western Confederacy (auch bekannt als Western Indian Confederacyoftmals irrtümlicherweise als Miami Confederacy von den Amerikanern bezeichnet, da sie die militärische sowie numerische Macht der Miami innerhalb der Western Confederacy überschätzten), die aus Mitgliedern der Irokesen-Liga, der Seven Nations of Canada, der Wabash Confederacy (Wea, Piankashaw, sowie Kickapoo und Mascouten), der Illini-Konföderation sowie den Miami, Mississaugas, Wyandot, Menominee, Shawnee, Lenni Lenape, Chickamauga Cherokee (Lower Cherokee) und Oberen Muskogee bestand. In diesen Kämpfen beteiligten sich auch die Algonkin, Nipissing, Sauk, Meskwaki und andere Stämme.
Das Council of Three Fires war eine der bedeutendsten und mächtigsten Stammeskonföderationen, die auch als People of the Three Fires; Three Fires Confederacy oder als United Nations of Chippewa, Ottawa, and Potawatomi Indians bekannt war.
Im Osten war die Allianz oftmals mit den verwandten Mississaugas (abgeleitet von Missisakis – „viele Flussmündungen“) sowie den verschiedenen Stammes-Konföderationen der Algonkin verbündet – insbesondere der Wabanaki-Konföderation sowie den östlichen Cree-Gruppen.
Integration in die Cree-Konföderation (Nehiyaw-Pwat) Als die Saulteaux (Anihšināpē) in den 1770er Jahren weiter westwärts und südwestwärts in die Prärieprovinzen Kanadas sowie auf die Nördlichen Plains der USA zogen, entwickelten sie eine auf dem Pferd basierende nomadische Plains-Kultur, gingen auf Bisonjagd und wurden als Plains Ojibwe / Plains Ojibwa bekannt.
Dort schlossen sie sich der mächtigen Cree-Assiniboine-Konföderation (in Cree: Nehiyaw-Pwat – „Cree-Assiniboine“, im Englischen auch: Iron Confederacy) an. Die Cree (‘Nehiyaw’) und Assiniboine (‘Pwat-sak’, inklusive der Stoney) repräsentierten die Mehrheit innerhalb der Konföderation, gefolgt von den Saulteaux / Plains Ojibwa (in Cree: ‘Soto’ genannt). Neben diesen drei dominanten Ethnien zählten kleineren Bands benachbarter Stämme (Chipewyan, Daneẕaa, Kutenai, Flathead, Secwepemc), indianische Händler im Nordwesten – die sich ethnisch zu den Irokesen zählten –, sowie durch Heirat verwandte Métis ebenfalls zu den Nehiyaw-Pwat.
Die verschiedenen Cree-, Assiniboine-, Stoney- und Ojibwa-Bands der Nehiyaw-Pwat heirateten oft untereinander oder gingen Allianzen ein, die durch Familienbande gestärkt wurden – so dass fast jede Band der Iron Confederacy ethnisch und sprachlich gemischter Herkunft war. Viele Bands waren nur noch nominell (dem Namen nach) Cree (‘Nehiyaw’), Nakoda (‘Pwat-sak’ – ‘Assiniboine’ – ‘Stoney’) oder Plains Ojibwa (‘Soto’), da sie von Außenstehenden oft ethnisch und politisch nicht voneinander zu unterscheiden waren. Generell waren die südlich auf den Plains lebenden Bands tendenziell überwiegend nominell Nakoda, die östlichen und südöstlichen Bands nominell Soto und die nördlichen sowie nordwestlichen Bands nominell Cree. Diese Bezeichnungen sagten meist wenig über die ethnische und sprachliche Identität und Herkunft der so bezeichneten Bands aus – es gab sogar, besonders im Nordwesten und später im Südosten, Gruppen der Nakoda und Soto, die ursprünglich Secwepemc, Kutenai, Daneẕaa oder gar Métis waren. Wichtige Persönlichkeiten sowie manch berühmte Häuptlingsfamilien (Cayen dit Boudreau, Piche, Cardinal, George Sutherland, Belanger) der Nehiyaw-Pwat waren kulturell zwar Indianer, ethnisch jedoch Métis.