mini|350px|Logo der Türkischen Föderation in Deutschland. Dieses Emblem der ADÜTDF zeigt zwei Minarette und den „türkischen Halbmond“

Die Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland (, ADÜTDF; kurz auch Türk Federasyon, ) ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Frankfurt am Main. Als Mutterorganisation der „Föderation“ wird die rechtsextreme türkische Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) angesehen.Vgl. Zentrum für Türkeistudien (Hrsg.), Faruk Şen, Martina Sauer, Dirk Halm: Intergeneratives Verhalten und (Selbst-)Ethnisierung von türkischen Zuwanderern. Gutachten des ZfT für die Unabhängige Kommission „Zuwanderung“, Essen 2001, S. 78, Tabelle 19. Das Institut Zentrum für Türkeistudien der Universität Duisburg-Essen beschrieb die ADÜTDF in einem Gutachten für die Unabhängige Kommission „Zuwanderung“ im Jahr 2001 mit den Worten „Türkisch-islamische Synthese; Nationalistisch, Einsatz für ein großtürkisches Reich, stark politisch“. Die Mitgliederzahl des Vereins, der „als Sammelbecken extrem nationalistischer Türken gilt“,Andreas Rigo: Türkische Rechtsnationalisten feiern in Filderstadt. Umstrittene Organisation nutzt die Uhlberhalle für ein Jugendfest. Filder-Zeitung vom 10. Dezember 2009. wird auf etwa 7000 Mitglieder in rund 200 Ortsvereinen geschätzt.Majd El-Safadi: „Denen hacken wir die Köpfe ab“. Die Doku „Im Visier der Grauen Wölfe“ zeigt auf, wie gefährlich die türkische rechtsextreme Gruppierung ist. Hunderte Morde gehen auf ihr Konto. In Deutschland breitet sie sich ungehindert aus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. August 2025, S. 13. Sie sind vor allem unter der Bezeichnung „Graue Wölfe“ (Bozkurtçular) bekannt. Die Türk Federasyon selbst betont in ihrer Selbstdarstellung, dass sie türkische Bürger darin unterstütze, „im Rahmen der Gesetze der jeweiligen Länder, ihre demokratischen Rechte wahrzunehmen“.fubos.de: (türkisch). Im Verfassungsschutzbericht des Landes Baden-Württemberg von 2009 ist die ADÜTDF unter „sicherheitsgefährdende Bestrebungen von Ausländern“Innenministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2009, S. 5. sowie unter „Ausländerextremismus“Innenministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2009, S. 128–132. aufgeführt.

Hintergrund Die „Idealisten-Bewegung“ (Ülkücü Hareket), zu der die ADÜTDF zählt, „verfolgt nationalistisch-pantürkische Ziele“Parteien und Glaubensgemeinschaften, in: Die Zeit, 14/1995, zitiert nach https://www.zeit.de/1995/14/Parteien_und_Glaubensgemeinschaften., das heißt, sie wird als eine am Panturanismus orientierte Bewegung angesehen, die als Variante des türkischen Nationalismus eine Vereinigung der Siedlungsgebiete aller Turkvölker anzielt oder aller Mitglieder und Gebiete einer postulierten „turaniden Rasse“. Als ein „Idealist“ (Ülkücü) – diese Bezeichnung wird auch im Namen der Organisation verwendet – wird von den Anhängern jemand verstanden, der sich in ihrem politischen Sinn einsetzt und nach deren streng umrissenen Werten handelt, dieser Begriff ist also wesentlich enger und spezifischer gefasst als im allgemeinen Sprachgebrauch üblich. Die „Mutterorganisation“, die türkische Partei MHP, setzte 2007 im Wahlkampf ihren Schwerpunkt auf Agitation gegen die EU und gegen die „Arbeiterpartei Kurdistans“ PKK. Auch die Büyük Birlik Partisi, BBP (deutsch: Partei der Großen Einheit), gehört zur Idealisten-Bewegung. Die ADÜTDF wird als eine „Graue-Wölfe-Gruppe“ angesehen, und als „türkische Rechtsradikale“,Zitiert nach Till-R. Stoldt: Graue Wölfe. Türkische Rechtsextreme schleichen sich in CDU. Artikel vom 16. April 2010, in WeltOnline.bundestag.de: die Organisationen MHP und ADÜTDF als „‚rassistisch, gewaltbereit‘, ‚totalitär organisiert‘ und geprägt von Verschwörungstheorien, in deren Zentrum Amerikaner, Kurden und immer wieder Juden stünden“. Winfried Becker, Fachmann für neuere und neueste Geschichte, zieht als Bilanz zum Thema „Religionsgemeinschaften und der Staat“, dass die ADÜTDF türkisch-nationalistisch sei und „die Kurden und andere angebliche Zerstörer der Türkei“ bekämpfe.Winfried Becker: Religionsgemeinschaften und der Staat. In: Hans-Peter Schwarz: Die Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz nach 60 Jahren. München 2008. S. 550. ISBN 978-3-412-20237-8.

Nach der Präsidenten- und Parlamentswahl in der Türkei 2018 besteht der Eindruck, dass die Türkei versucht, die Extremistengruppe Graue Wölfe in Deutschland hoffähig zu machen. Cemal Çetin, Vorsitzender des Dachverbandes der Grauen Wölfe in Europa und frisch gewählter Abgeordneter der MHP, gehörte der türkischen Delegation beim NATO-Gipfel im Juli 2018 an und wurde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen fotografiert.

Symbolik Wolfsgruß Die Mitglieder und Sympathisanten der ADÜTDF, die so genannten Idealisten (Ülkücüler), verwenden eine ausgeprägte Symbolik. So zeigen sie den sogenannten Wolfsgruß, ein spezifisches Handzeichen, das mit abgespreiztem Zeigefinger und Kleinem Finger – für die Ohren – und zusammengelegtem Daumen, Mittel- und Ringfinger – für die Schnauzenpartie – der rechten Hand an ausgestrecktem Arm erboten wird. Das soll einen Wolfskopf darstellen. Der ausgestreckte Arm ist ein gemeinsames Erkennungszeichen rechtsextremer bzw. faschistischer Bewegungen.

Drei weiße Halbmonde mini|100px|links|Logo der MHP

Oft bedienen sie sich auch des Logos der MHP, das aus drei weißen Halbmonden auf rotem Untergrund gebildet wird und an die osmanische Kriegsflagge erinnert – alles typische Zeichen für diese nationalistisch-völkische Bewegung. Eine vereinfachte Darstellung des Logos mit den drei Halbmonden sind drei Wiederholungen des Buchstabens „C“, also „CCC“, „cCc“ oder „CcC“. Mitunter sind bei vor allem jugendlichen „Idealisten“ (Grauen Wölfen) Halsketten mit dem heulenden Wolf sowie Kettenanhänger oder Ringe mit den drei Halbmonden zu sehen.

Idealisten-Eid Ferner gibt es bei den Anhängern den so genannten „Eid der Idealisten“ („Ülkücü Yemini“). Dieser „militaristische ‚Idealisten-Eid‘“Baden-Württemberg, Landesamt für Verfassungsschutz: , 07/2005. ist eine Art Fahneneid, wird typischerweise in einem entschlossenen, kämpferischen Ton abgelegt und ist inhaltlich eine knappe Zusammenfassung der Ziele der Grauen Wölfe. Somit kommt in ihm „ungebrochene Kampfbereitschaft zum Ausdruck“. Der Eid lautet wie folgt:

“Allah’a, Kur-an’a, Vatana, Bayrağa yemin olsun. Şehitlerim, gazilerim emin olsun Ülkücü Türk Gençliği olarak, Komünizm’e, Kapitalizm’e, Faşizm’e, Siyonizme ve her türlü Emperyalizm’e karşı mücadelemiz sürecektir. Mücadelemiz son nefer, son nefes, Son damla kana kadardır. Mücadelemiz milliyetçi Türkiye’ye, Turan’a kadardır. Ülkücü Türk Gençliği olarak, yılmayacağız, yıkılmayacağız, Başaracağız, başaracağız, başaracağız. Allah Türk’ü korusun ve yüceltsin.”„Ich schwöre bei Allah, dem Koran, dem Vaterland, bei meiner Flagge Meine Märtyrer, meine Frontkämpfer sollen sicher sein Wir, die idealistische türkische Jugend, werden unseren Kampf gegen Kommunismus, Kapitalismus, Faschismus, Zionismus und jegliche Art von Imperialismus fortführen Unser Kampf geht bis zum letzten Mann, bis zum letzten Atemzug, bis zum letzten Tropfen Blut Unser Kampf geht weiter, bis die nationalistische Türkei, bis das Reich Turan erreicht ist Wir, die idealistische türkische Jugend, werden niemals aufgeben, nicht wanken, wir werden siegen, siegen, siegen Möge Allah die Türken schützen und sie erhöhen“Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2009, Pressefassung. S. 81.Vgl. den Ülkücü Yemini in İbrahim Sarı: Ülkücünün El Kitabı, S. 42.

Unter dem „Reich Turan“ versteht man eine Zusammenfassung der von einer als „turanische Rassentheorie“ angesehenen Ethnien wie Türken, Ungarn, Finnen, Esten, Mongolen, Mandschuren und Jakuten zu einem Reich, dem turanischen Imperium, das von der Adria bis weit nach China hinein beziehungsweise zur Beringstraße reichen sollte, oder alternativ zumindest eine Vereinigung aller Turkvölker.Vgl. Wolfdieter Bihl: Die Kaukasuspolitik der Mittelmächte. Teil 1: Ihre Basis in der Orient-Politik und ihre Aktionen 1914–1917. Verlag Böhlau, Wien 1975.

Heulender Wolf und MHP-Fahnen Auch Fahnen der MHP und dergleichen sind öfter zu sehen. Weiter finden sich als typisches Zeichen Abbildungen eines stark nach oben sich biegenden heulenden Wolfes. Insbesondere jugendliche Anhänger zeigen sich auch mit Kleidungsstücken, auf denen ein solcher heulender Wolf abgebildet ist. Zudem werden bei Kundgebungen Schultern mit Fahnen überdeckt, auf denen wie auch auf Kopftüchern das Motiv eines Wolfes zu sehen ist, der von drei Halbmonden umgeben ist. Auch gibt es Gürtelschnallen oder Halsketten mit einem Wolfskopf. Dies findet seine Erklärung darin, dass ein solcher heulender Wolf „Symbol der 1968 entstandenen und paramilitärisch ausgebildeten Jugendorganisation der MHP“ ist, der „Ülkücü Gençlik“. Dieses Motiv des Bozkurt („Wolf“) ist der türkischen Mythologie entnommen, er galt als Erretter und Verteidiger türkischer Gruppen, Ethnien oder Personen.

Ideologie Nach Kemal Bozay stützt sich

In Europa hätten sich – ausgehend von der Türkei – „drei rechtsnationalistische Dachverbände“ gebildet: Die „Türk Federasyon (Föderation der Idealistenvereine in Europa, ADÜDTF), ATIB (Türkisch-Islamische Union Europa) und ANF (Föderation der Weltordnung in Europa)“.Kemal Bozay: Die Rückkehr der Wölfe. In: Jungle World Nr. 45, 8. November 2007.

Wurzeln Als das Osmanische Reich zerfiel und sich aufgelöst hatte, kam es zu einer Gegenbewegung, da dieser Zerfall als demütigend und negativ empfunden wurde. In ihr wurde ein Wiederaufbau eines türkischen Großreichs gefordert, als ein Zusammenschluss all derer, die sich zum Türkentum bekennen oder „rassisch“ (ethnisch) als dazugehörig empfunden wurden. Verstärkend wurde postuliert, dass die Welt oder die Gegner weiterhin an einer Schwächung interessiert seien. Deshalb solle man sich ideal stärken und herausbilden, um diesem großen Ziel optimal zu nutzen. Einer der Vordenker der „Idealisten“ (Ülkücü-Bewegung) war Hüseyin Nihal Atsız, ein rassistisch-nationalistischer und antisemitischer Autor.

Verständnis des Islam und der eigenen Ethnie in Relation zu anderen