mini|hochkant=1.6|Felix Manz wird in der Limmat ertränkt. Darstellung aus dem 17. Jahrhundert.

Etwa 1000 historisch erfasste Täufer, von ihren Gegnern als Wiedertäufer oder Anabaptisten bezeichnet, ließen im 16. und 17. Jahrhundert aufgrund ihrer Glaubensüberzeugungen als Märtyrer der Täuferbewegung ihr Leben.Auszug aus dem Märtyrerspiegel (englisch); abgerufen am 22. Februar 2009

Hintergrund Die radikalreformatorisch-christliche Bewegung der Täufer entstand im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts in verschiedenen Teilen Europas. Wichtige Konzepte der frühen Täufer waren die Nachfolge Christi, die Kirche als Bruderschaft und die Gewaltlosigkeit.Bender: (1944). Ihr Denken und Verhalten begründeten sie ganz aus der wortgetreuen Auslegung des Neuen Testamentes (sola scriptura), was auch in ihrem Sakramentsverständnis (Gläubigentaufe, Abendmahl) zum Ausdruck kam. Hinzu kamen Forderungen nach Glaubensfreiheit, nach Trennung von Kirche und Staat, nach Gütergemeinschaft und nach Absonderung (Gemeinschaft der Gläubigen).

Es setzte bald eine heftige Verfolgung der Täufer ein, wobei zu härtesten Maßnahmen wie Vertreibung, Folterung und Ermordung gegriffen wurde. Täufer wurden ihres Besitzes beraubt, außer Landes verwiesen und in die Sklaverei verkauft. Nur wenige Landesherren gewährten den Täufern – oft nur vorübergehend – Schutz.

Die rechtliche Grundlage der Täuferverfolgung im 16. und 17. Jahrhundert bildete das sogenannte Wiedertäufermandat, das 1529 auf dem Reichstag zu Speyer beschlossen worden war. Auch das nach wie vor gültige Augsburger Bekenntnis der lutherischen Kirchen legitimierte die Verfolgungen, indem es die Täufer ausdrücklich verdammte. An den Verfolgungen waren die jeweiligen Landesherren und gleichermaßen die Römisch-katholische Kirche, die lutherische und reformierte Geistlichkeit beteiligt.

Opfer mini|Auszug aus der Märtyrer-Tafel des Geschichtbuchs der Hutterischen Brüder

Zu den ersten Märtyrern der Täuferbewegung gehörten Eberli Bolt, Hans Krüsi (auch Hans Nagel genannt) sowie Felix Manz, der am 5. Januar 1527 in der Limmat bei Zürich ertränkt wurde. Weitere bekannte Märtyrer waren Balthasar Hubmaier, Jörg Blaurock und Michael Sattler.

Der mennonitische Märtyrerspiegel führt etwa 800 täuferische Märtyrer namentlich auf. Das Geschichtbuch der Hutterischen Brüder beschreibt auf rund 670 Seiten viele Einzelschicksale täuferischer MärtyrerRudolf Wolkan (Hrsg.): Geschicht-Buch der Hutterischen Brüder. Wien 1923. Im vorangestellten Register des Buches findet sich auf S. XXXII ff. eine chronologische Zusammenstellung der beschriebenen Täuferschicksale; auf Seite 182–184 findet sich eine Tafel der Märtyrer im Zeitraum 1527 bis 1544. und enthält eine sogenannte Märtyrer Tafel.

Die Täuferforschung geht davon aus, dass die in den Schriften dokumentierte Opferzahl mindestens verdoppelt werden muss. Der Täuferforscher Wolfgang Krauß spricht im Blick auf das Ausmaß des Martyriums, das die Täufer durchlitten haben, von einem „Ekklesiozid“.Wolfgang Krauss: down-to-earth.de, S. 3; abgerufen am 1. Januar 2010. Krauss spricht von „Ekklesiozid“ (= Kirchenmord) in Parallele zum „Genozid“ (= Völkermord)

Die Martertafel des Geschichtbuches der Hutterischen Brüder Die im Geschichtbuch der Hutterischen Brüder aufgeführte sogenannte Märtyrer Tafel enthält als Seitenanmerkung den Eintrag: „Märtyrer Tafel, wie Gott zu allen Ecken deutscher Lande sein Wahrheit mit Blut bezeuget und an Tag gebracht hat“.Rudolf Wolkan (Hrsg.): Geschicht-Buch der Hutterischen Brüder. Wien 1923, S. 182. Aufgelistet werden hier unter Angabe der Region und der Orte die Zahlen der Täufermärtyrer des 16. Jahrhunderts.Die Martertafel findet sich auch abgedruckt bei Michael Holzach: Das vergessene Volk. Ein Jahr bei den deutschen Hutterern in Kanada. Hamburg 1980, ISBN 3-455-08844-9, S. 244–246 (Anhang); als Taschenbuch: dtv 30008, München 1996, ISBN 3-423-30008-6.

Region Orte Täufermärtyrer insgesamt Böhmen Prag (11) 11 Ungarn Kirchschlag (3), Loren (3), Nusel (2) 8 Mähren Brünn (4), Znaim (7), Olmütz (4) 15 Österreich Wien (23), Neustadt (2), Kreuzenstein (6), Melk (3), Grein (1), Lembach (45), Mödling (4), Pöggstall (1), Ybbs (1), Krems (3), Behemskirch (2), Ottental (4), Puttehofen (4), Feldsberg (1), Falkenstein (5) 105 Land ob der Enns Mathausen (1), Gmünden (2), Enns (1), Kropfhall (2), Steyr (30), Wels (10), Fesselspruck (4), Grametsteten (3), Freynstadt (10), Falkendorf (1), Vöcklabruck (8), Weißenburg (2), Linz (72) 146 Bayern München (9), Rosenheim (1), Aibling (3), Wasserburg (1), Mühldorf (5), Ötting (7), Landshut (5), Lampach (22), Burckhausen (7), Riedt (4), Schärding (3), Passau (2), Filzhofen (1), Meermeß (1), Ingolstadt (2), Nüneburg (3), Julbach bei Braune (1), Freyburg (2) 79 Steiermark Graz (7), Bruck an der Mur (12), Huntzmarkt (1), Grichsbach (5) 25 Kärnten Sankt Veit (7), Kemeten (3), Göppingen (5), Wolfsburg (3) 18 Pustertal Silgen (3), Taufers (1), St. Lorenzen (11), Kyens (5), Schöneck (4), Michelsberg (24) 48 Etschland Brixen (16), Clausen (7), Kaltern (4), Kuntersweg (9), Bozen (11), Neumarkt (9), Terlen (3), Sterzing (30), Gufidaun (19), Roteneck (4), Schlanders (1), Trient (1) 114 Salzburg Salzburg (38), Titmonig (4), Berchtesgaden (18), Marklibat (2), Kuchel im Kucheltal (3), Appenau (1) 66 Inntal Kopfstein (16), Rattenberg am Inn (71), Schwaz (20), Hall (2), Innsbruck (8), Landteck (1), Kitzbühel (68), Stams (3), Petersberg (2), Imst (8), Rotholz (1) 200 Frankenland Ansbach (1), Bamberg (1), Kitzingen (20), Frankenhausen (1), Fehelspruck (3), Würzburg (10) 34 Schwaben Augsburg (2), Landsberg (19), Laugingen (2), Tillingen (2), Höchstätt (2), Weißenhorn (1), Zusmarshausen (8), Nördlingen (1), Schwäbisch Gmünd (7), MantelhofDer Mantelhof gehört heute zur Stadt Aalen im Ostalbkreis in Baden-Württemberg (siehe LeoBW, Landeskunde entdecken) (20), Kaufbeuren (5), Sundhofen (1), Wardhausen (1), Günzburg (6), Reuten (1) 78 Markgräflerland Baden (20), Pforzheim (2), Pretheim (9), Durlach (12), Bruchsal (1), Pühel (2), Gersbach (1) 47 Württemberg Urach (1), Esslingen (3), Illingen (10), Schorndorf (1), Tübingen (5), Weil (2), Stuttgart (2), Rottenburg am Neckar (13), Rothenburg ob der Tauber (24), Herrenberg (12), Schlüsselfeld (1), Stätz (18), Deutschnofen (1), Ulmerfeld (2), Waldshut (5), Wilhelmsbruck (1), Weiden (3), Königsberg (3), Kirch an der Eck (1) 108 Kurpfalz Alzey (350) 350 Rheinstrom Speyer (1), Kislach (1), Pühelsberg (1) 3 Niederlande Aurea (1), Andorf (5), Lagrenzen (1), Brüssel (2), Aachen (5) 14 Hessen Fulda (18) 18 Elsass Ensisheim (600), Mühlhausen (17) 617 Schweiz Zürich (16), Basel (3), Bern (1), Schwyz (5), Appenzell (1), Konstanz am Bodensee (3), Walza (11), Ettach (1), Baden (3) 44 Welschland Venedig (3), Laffern (3), Lechensteg (4) 10

Liste von Täufermärtyrern (Auswahl) Die folgende Liste der Täufermärtyrer nennt historisch bezeugte Daten von Personen der Täuferbewegung, die wegen ihrer Überzeugungen im 16. und 17. Jahrhundert ihr Leben lassen mussten. Viele von ihnen blieben unbekannt; über andere liegen schriftliche Zeugnisse vor.Zum Beispiel: dyndns.org; abgerufen am 27. Februar 2009 Neben chronologischen Angaben werden auch – soweit bekannt – die jeweilige Hinrichtungsart, der Hinrichtungsort sowie dessen damalige konfessionelle Majorität genannt.