mini|Emil Ferdinand Fehling
Emil Ferdinand Fehling (* 3. August 1847 in Lübeck; † 3. August 1927 ebenda) war ein deutscher Rechtsanwalt und Notar, Senator und Bürgermeister der Hansestadt Lübeck.
Leben Herkunft Fehling war Sohn des Kaufmanns Johannes Christoph Fehling (1800–1882) und dessen Frau Anna Emilie, geb. Oppenheimer (1803–1885). Seine Onkel waren der Chemiker Hermann Christian von Fehling und der Jurist Georg Oppenheimer, seine Brüder waren der Senator Johannes Fehling (1835–1893) und der Konsul Hermann Wilhelm Fehling (1842–1907).
Laufbahn Fehling besuchte von 1854 bis Ostern 1857 die Kandidatenschule und dann bis zum Abitur 1866 das Katharineum.Hermann Genzken: Die Abiturienten des Katharineums zu Lübeck (Gymnasium und Realgymnasium) von Ostern 1807 bis 1907. Borchers, Lübeck 1907 (Digitalisat), Nr. 624 Er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg, Leipzig und Göttingen. In Heidelberg war er Konkneipant beim Corps Vandalia Heidelberg.Aus meinem Leben, S. 30 1869 wurde er in Göttingen mit dem höchsten Prädikat („egregie“) zum Dr. jur. promoviert. Albert Wolffson war sein enger Studienfreund.
mini|hochkant=0.3 Fehling kehrte nach Lübeck zurück, wo er nach seinem Examen vor dem Oberappellationsgericht der vier Freien Städte 1869 und einem Studienaufenthalt in Paris, Rom und London 1869/70 als Rechtsanwalt und Notar praktizierte. Als Mitglied des Lübecker Anwaltvereins wurde er zu dessen Vorsitzendem. Am 23. September 1879 ging die Gerichtsbarkeit des Oberappellationsgerichtes im Zuge der von der Reichsverfassung erlaubten Neuordnung an das neu errichtete Reichsgericht in Leipzig über. Im Gerichtshaus in der Mengstraße fand die feierliche Einsetzung der neuen Gerichtsbehörden statt. Im Anschluss wurde ein Diner im Hotel Stadt Hamburg eingenommen. An der gleichzeitigen Einsetzung in Hamburg nahmen im Namen des lübeckischen Senates Hermann Rittscher und in dem der lübeckischen Anwälte Alphons Plessing, Robert Peacock und Fehling teil.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 21. Jahrgang, Nummer 77, Ausgabe vom 24. September 1879, S. 436. Als Ausgleich für den Verlust des Oberappellationsgerichts wurde die Stadt Sitz der nach dem Erlass des letzten großen Sozialversicherungsgesetzes unter Otto von Bismarck für die Beschäftigten in den drei Hansestädte zuständigen Hanseatischen Versicherungsanstalt für Invaliditäts- und Altersversicherung.Die "Hanseatische Versicherungsanstalt für Invaliditäts- und Altersversicherung" war die Bezeichnung für eine der früheren Landesversicherungsanstalten (LVA), die für die Durchführung der gesetzlichen Rentenversicherung für Angestellte und Handwerker zuständig war.später Landesversicherungsanstalt der Hansestädte, 1938 aufgelöst Ihr Ausschuss trat am 3. November 1893 erstmals in der von Julius Grube entworfenen Königstraße 1 zusammen.
1876 wurde er in die Lübecker Freimaurerloge Zur Weltkugel aufgenommen.
Bald darauf trat er auch im öffentlichen Leben Lübecks hervor. Im Jahr 1879 in die Bürgerschaft erwählt, wurde er am 18. Juli 1887 als Wortführer an die Spitze dieser Körperschaft berufen. Die Geschäfte des Wortführers im Bürgerausschuss hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr lang wahrgenommen.
1883 gehörte er zu den Gründern des Vaterstädtischen Vereins. E. F. Fehling. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1916/17, Nr. 11, Ausgabe vom 10. Dezember 1916, S. 41–42. Fehling war Mitglied der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit und sollte von 1895 bis Ende 1897 Direktor der Gesellschaft sein. Von ihm verfasste Artikel erschienen in den Lübeckischen Blättern, Mitteilungsblatt der Gesellschaft, unter der Chiffre 99. Während seines Direktorats drohten diese jedoch einzugehen. Durch seine Arbeit wurde das Organ der Gesellschaft in eine neue Form übergeleitet und erholte sich. Bürgermeister Dr. Fehling. In: Lübeckische Blätter, 63. Jg., Nummer 31, Ausgabe vom 5. August 1917, S. 390–391.
Nach ununterbrochener Präsidialführung im Bürgerausschuss und in der Bürgerschaft wurde Fehling am 4. Mai 1896 als Nachfolger des zum Hanseatischen Gesandten anstelle des verstorbenen Friedrich Krüger bestellten Karl Peter Klügmann als Senator in den Lübecker Senat, die höchste Körperschaft des lübeckischen Staatswesens, gewählt. Er war von Beginn an Mitglied der Finanzdeputation. Dort war er Vorsitzender in der Abteilung Stadtgüter und der sogenannten Begutachtungskommission.
Zusätzlich wurde Fehling 1898 in die „Kommission für Auswärtige Angelegenheiten“ berufen.
Als Mitglied des Hansischen Geschichtsvereins wurde Fehling 1903 Nachfolger des zum Bürgermeister erwählten Wilhelm Brehmer in dessen Amt als Präsident des Vereins.
Als Johann Georg Eschenburg zum Lübecker Bürgermeister gewählt wurde, ernannte der Senat Fehling zu dessen Nachfolger als stellvertretenden Bundesratsbevollmächtigten des Hanseatischen Gesandten, erst Klügmann, dann Sieveking, in die Hanseatische Gesandtschaft in der Tiergartenstraße 17a.J. Bielefeld: Berlin und die Berliner (1905). Europäischer Hochschulverlag, 2011, ISBN 978-3-8457-2001-2, S. 477 f. ernannt. Hier nahm er stets deren Interessen, beispielsweise Lübeck als Sitz der Hanseatischen Versicherungsanstalt auszuwählen,Wochen-Chronik aus Lübeck und Umgegend. In: Vaterstädtische Blätter. Jg. 1905, Nr. 1, Ausgabe vom 1. Januar 1905, S. 4.
An der Einweihung des Berliner Doms am 27. Februar 1905, die in Gegenwart des Kaiserpaares und zahlreicher Fürstlichkeiten stattfand, nahmen als Vertreter der Freien und Hansestadt Lübeck dessen Bürgermeister und, als Vertreter des Kirchenrats, Senator Fehling teil.Wochen-Chronik aus Lübeck und Umgegend. In: Vaterstädtische Blätter. Jg. 1905, Nr. 10, Ausgabe vom 5. März 1905, S. 44.
Während der Lübecker Senat zum Treffen der Senate in Bremen war, wohnte Fehling vom 3. bis 6. Juni 1905 als Vertreter des lübeckischen Senates der Vermählung des Kronprinzen mit der Herzogin zu Mecklenburg bei und schenkte im Namen des Senats ein Nachbildung des Engel-Kronleuchters aus dem Lübecker Dom.Wochen-Chronik aus Lübeck und Umgegend. In: Vaterstädtische Blätter. Jg. 1905, Nr. 24, Ausgabe vom 11. Juni 1905, S. 100.
Bis zum 1. Oktober 1913 führte der Hanseatische Gesandte im Bundesrat die Stimme Lübecks. Der Senat hatte beschlossen, dass fortan Senator Fehling dort stimmführend sei, und den neuen Hanseatischen Gesandten, Karl Sieveking, zu dessen dortigem Stellvertreter bestimmt. Damit folgte Lübeck seinen Schwesterstädten. So hatte Hamburg nach dem Tode des Bürgermeisters Johann Heinrich Burchard Senator Friedrich Sthamer und Bremen nach dem Tod des Bürgermeisters Victor Marcus Senator Martin Donandt zum stimmführenden Bundesratsbevollmächtigten bestellt. Auf diesem Wege wurde eine engere Fühlung des Senates mit dem Bundesrat hergestellt.Senator Dr. Fehling, Bevollmächtigter Lübecks zum Bundesrat. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1912/13, Nr. 47, Ausgabe vom 14. August 1913, S. 201–202.
mini|27. Januar 1917 Ende 1916 wurde Fehling für die Wahlperiode 1917/18 als Eschenburgs Nachfolger zum Bürgermeister der Hansestadt berufen. Seine erste Amtszeit sollte durch den Krieg geprägt sein. Die Feier des Kaisergeburtstages, die in Friedenszeiten auf dem seit Ausbruch des Krieges Platz für das Barackenlazarett bietenden Burgfeld stattfand, wurde auf dem Buniamshof abgehalten. An deren Ende verlieh der Bürgermeister in Gegenwart des stellvertretenden Kommandeurs der 81. Infanterie-Brigade, Generalmajor Harry von Wright, „verdienten“ Lübecker Kriegern das lübeckische Hanseatenkreuz.Kaisers Geburtstag. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1917, Nr. 19, Ausgabe vom 4. Februar 1917.
mini|Fehling und Plessing inmitten des Offizierskorps Begleitet von Regierungsrat Plessing besuchte der Bürgermeister das nach schweren Kämpfen im Arras-Abschnitt nach Masny aus der vordersten Linie zurückgezogene Regiment Lübecks vom 1. bis 4. Juni 1917, um ihm die Grüße aus der Heimat zu überbringen. Die erste Berührung mit der Truppe war eine unter der Leitung des Divisions-Kommandeurs Mutius abgehaltene Übung. Ihr folgte nahe dem Stabsquartier eine Parade. Nachdem Krieger, die sich bei den Kämpfen der vergangenen Wochen besonders hervorgetan hatten, das Hanseatenkreuz erhalten hatten, erfolgte ein Vorbeimarsch der Kompanien.Der Besuch Sr. Magnifizenz des Präsidierenden Bürgermeisters Dr. Fehling beim Regiment „Lübeck“. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1917, Nr. 39, Ausgabe vom 24. Juni 1917, S. 155–157.
mini|Fehling und Plessing mit Lübecker Landeskindern vor der russischen Kathedrale in Warschau
Kurz nach dem Fall Rigas begab sich der Bürgermeister, wieder in Begleitung des Regierungsrates Plessing, an die Ostfront nach Warschau, Brest-Litowsk, Kowel, Białystok, Wilna, Mitau, Libau (Kriegshafen) und Riga. Bei jedem Halt im besetzten russischen Gebiet wurde von der Heeresleitung dafür gesorgt, dass sie von den lübeckischen Landeskindern begrüßt wurden. Mehrfach wurden einzelne Tage ganzen Truppenteilen, die ausschließlich oder vorwiegend aus der Hansestadt ihren Ersatz erhielten, gewidmet. In den Städten, die Sitze deutscher Gouvernements, Armeeoberkommandos oder Militärverwaltungen waren, traf man mit den leitenden Personen zusammen. So ließ sich es im Bereich der Heeresgruppe Linsingen deren Oberbefehlshaber nicht nehmen, als lübeckischer Veteran mit den Lübeckern die Abordnung in einem bischöflichen SchlossLinsingen residierte zu der Zeit des Zusammentreffens in dem Schloss. zu empfangen.
Den Höhepunkt der Reise bildete aber die Stadt, die von Hansischen Kaufleuten, vor allem waren dies Lübecker, zuerst besiedelt worden war. Der Stadthauptmann empfing den Bürgermeister mit sämtlichen Stadtvätern. In dessen Ansprache wurde besonders dem Bande zwischen beiden Städten und den Eintreten der lübeckischen Regierung während des Krieges für die baltischen Interessen in der Handelspolitik.
Die Festivitäten des Kaisergeburtstages fanden 1918 nur noch auf dem Markt statt.
Nach der Schlacht um den Kemmel befand sich das Regiment zur Regeneration in Knocke und Westkapelle. Als Fehling mit einigen Senatsmitgliedern das Regiment vor Ort besuchen wollten, wurde ihnen wegen der steten Fliegergefahr, des häufigen Alarmzustandes und der ständigen Gefahr einer Beschießung von See her davon abgeraten.Knocke – Westkapelle.: In Otto Dziobek: Geschichte des Infanterie-Regiments Lübeck (3. Hanseatisches) Nr. 162, Verlag Gerhard Stalling, 1922 Oldenburg i. O., S. 305–306.
Als die aus Kiel kommende Novemberrevolution die Stadt erreichte, geriet auch diese zunächst in deren Sog. Die Offiziere wurden im „Hotel International“, Am Bahnhof Nr. 17, interniert und drei Senatoren baten, als das Rathaus rot beflaggt war, um ihre Versetzung in den Ruhestand.Die Umwälzung in Lübeck. In: Lübeckische Blätter, 60. Jg., Nummer 46, Ausgabe vom 17. November 1918, S. 577–579. Als in den kritischen Novembertagen in allen deutschen Staaten die Regierungen vor dem Ansturm der Revolution zusammenbrachen, bestand Lübecks Senat allein unter der Führung des Bürgermeisters die große Belastungsprobe. Es kam zu keinen gewalttätigen Unruhen. Bürgermeister Dr. Emil Ferdinand Fehling †. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1926/27, Nr. 23, Ausgabe vom 7. August 1927, S. 91.
mini|Begrüßung des heimgekehrten Regiments