Rastede (//, auch //;NDR 2-Radiobericht über die korrekte Aussprache von Rastede in NDR2-Morgen vom 23. März 2011. ) ist eine Gemeinde im Landkreis Ammerland im Nordwesten von Niedersachsen, und liegt etwa 12 Kilometer nördlich von Oldenburg. Die Entfernung zur Nordsee beträgt rund 25 Kilometer. Rastede gehört zur Region Weser-Ems. Seit 2011 ist Rastede als Ausflugsort staatlich anerkannt.

Etymologie, Namensvarianten Etymologisch kennzeichnet „Rode“, „rod(a)“ oder „roth“ einen Rodungsnamen, „Stede“ oder „stedi“ bedeutet Stätte. Historischen Namensvarianten sind Rastede (1059), Radestad (1123), Radestad (1158), Radestad (1190), Rarstad (1202), Rastede (1237), Rastede (1290), Radstede (1407), Rastede (1420), Radstede (1424), Rastede (1458), Rastede (1630).

Wappen und Flagge mini|100px

Das Gemeindewappen zeigt auf gelbem (goldenem) Schildgrund oben einen schreitenden roten Löwen, darunter zwei rote Zickzackbalken, die Ammerländischen Blutbalken.Hauptsatzung der Gemeinde Rastede (PDF) abgerufen am 11. September 2014 Die Farben der Flagge sind blau-rot; sie zeigt als Symbol das Wappen.

Geografie Rastede liegt am Ostrand der Oldenburger Geest, die auf dem Gemeindegebiet in die Wesermarsch übergeht.

Gemeindegliederung mini|300px|Rastede aus der Luft; der Schlosspark liegt unten links, das Schloss Rastede am linken Bildrand

Zur Gemeinde Rastede gehören die folgenden 27 Ortsteile:

Tabelle Ortsteile: Rastede I Rastede II Leuchtenburg Hostemost Südende I Südende II Kleibrok Delfshausen Kleinenfelde Neusüdende I Neusüdende II Hankhausen I Hankhausen II Loy Lehmdermoor Barghorn Wahnbek Ipwege Ipwegermoor Hahn Lehmden Nethen Bekhausen Wapeldorf Heubült Rastederberg Liethe  

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Wiefelstede (Landkreis Ammerland) im Westen, Varel (Landkreis Friesland) im Norden, Jade (Landkreis Wesermarsch) im Nordosten, etwas östlicher Ovelgönne (Landkreis Wesermarsch), Elsfleth (Landkreis Wesermarsch) im Südosten und die kreisfreie Stadt Oldenburg im Süden.

Varel (20 km) Jade (15 km) Ovelgönne (26 km) Wiefelstede (8 km) Windrose Elsfleth (25 km) Oldenburg (Oldb) (16 km)

Die Entfernungsangaben sind ungefähre Angaben und beziehen sich auf die Entfernung bis zum Orts-/Stadtzentrum.

Flächennutzung +Flächennutzung 2019 Nutzung Fläche in ha Gebäude- und Freifläche 1.308,44 Erholungsfläche 168,00 Verkehrsfläche 679,63 Waldfläche 1.421,50 Wasserfläche 207,89 Landwirtschaftsfläche 8.464,78 Betriebsfläche 32,88 Flächen anderer Nutzung 23,31 Gesamtfläche 12.306,43

Die FlächennutzungstabelleStatistisches Jahrbuch 2019 der Gemeinde Rastede – Katasterflächen in Hektar (PDF; 514 kB), abgerufen am 21. März 2020. rechts zeigt den hohen Anteil der Landwirtschaftsflächen an der Gesamtfläche Rastedes. Mit knapp 70 Prozent übertrifft Rastede deutlich den bundesdeutschen Durchschnitt von 52 Prozent. Grund hierfür sind vor allem die weiten, sehr dünn besiedelten Niederungsgebiete im Norden und Osten der Gemeinde, die vorwiegend als Grünland genutzt werden. Die Wohn- und Gewerbegebiete konzentrieren sich dagegen entlang der Hauptverkehrsachsen auf dem höher gelegenen Geestrücken, der ungefähr in nord-südlicher Richtung verläuft.

Geschichte Mittelalter Die Geschichte des Ortes Rastede beginnt im Hochmittelalter 1059 mit der Kirchengründung durch Graf Huno von Rustringen. Das Stiftungsdatum der St.-Ulrichs-Kirche gilt als das Gründungsdatum Rastedes, da es die erste urkundliche Erwähnung der Gemeinde und vieler zu ihr gehörender Siedlungen und Einzelhöfe ist. Im Jahr 1091 wurde nur wenige Hundert Meter von der Kirche entfernt ein Benediktiner-Kloster gegründet. Fünf Jahre später erhielt dieses Kloster eine Klosterkirche. Rastede hatte in dieser Zeit eine herausragende Stellung in der Region. Diese Stellung basierte einerseits auf der religiösen bzw. kirchenpolitischen Stellung, andererseits auf den verkehrstechnischen und geologischen Gegebenheiten.

Das Kloster Rastede wurde von seinem Stifter reich mit Besitztümern beschenkt. So verfügte es nicht nur über Ländereien in und um Rastede, sondern auch über große Flächen in ganz Norddeutschland und Westfalen. Durch den zu zahlenden Zehnt und die daraus resultierende materielle Unabhängigkeit wurde das Kloster Rastede schnell zu einem geistigen Zentrum in Norddeutschland. Eine günstige Verkehrsanbindung verhalf dem Ort zu weiterem wirtschaftlichen Aufschwung. Rastede lag an der Friesischen Heerstraße, einem strategisch wichtigen Militär- und Handelsweg zwischen Bremen und Friesland. Der Rasteder-Wiefelsteder Geestrücken war für die Anlage einer Straße, anders als das Marschland, besonders geeignet.

Das Kloster wurde zum Hauskloster der Grafen von Oldenburg, die teilweise auch in Rastede wohnten und sich entsprechend in klösterliche Angelegenheiten einmischten. Das hatte negative Folgen für die Mönche und für die Entwicklung des Ortes. So lebte der berüchtigte Raubgraf Gerd der Mutige im Kloster und ließ es 1476 sogar zu einer Festung ausbauen. Die Bauern litten unter den Raubzügen des Grafen. Gerds Opfer kamen, von Rachedurst getrieben, nach Rastede, um die umliegenden Höfe zu plündern und zu brandschatzen. Als Folge der ständigen Einbeziehung in kriegerische Handlungen und der stetig steigenden Abgabenlast wanderten viele Bauern zu dieser Zeit aus dem Herrschaftsgebiet aus.

Von der Grafschaft bis zur Revolution Mit der Reformation im Oldenburger Land verlor auch das Kloster seine geistliche Grundlage. Die Oldenburger Grafen zahlten die verbliebenen Mönche aus und nahmen das Kloster in Besitz. Der erste gräfliche Bewohner der Anlage, Christoph von Oldenburg, ließ 1565 in Rastede die erste Volksschule der Region errichten. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts baute Graf Anton Günther die säkularisierte Anlage zu seiner gräflichen Sommerresidenz mit Jagdschloss und Pferdeställen um.

Nach dem Tode Anton Günthers im Jahr 1667 fielen die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen an das dänische Königshaus. Die stiefmütterliche Behandlung des Landes Oldenburg durch Dänemark ließ letztlich auch das Schloss verfallen und sorgte für wirtschaftliche Stagnation in Rastede.

Nach einem viertägigen Zwischenspiel 1773, in dem Rastede zum russischen Zarenreich gehörte, erlangte das inzwischen zum Herzogtum erhobene Oldenburg wieder seine Selbständigkeit (siehe: Vertrag von Zarskoje Selo). Im Jahr 1777 erwarb Herzog Peter Friedrich Ludwig das Schloss zurück und ließ es ausbauen, nachdem es unter der dänischen Herrschaft bereits in bürgerlichen Besitz verkauft worden war. Mit der Novemberrevolution 1918 wurde auch in Oldenburg die Monarchie abgeschafft. Großherzog Friedrich August zog sich aus den Regierungsgeschäften zurück und machte seine Sommerresidenz in Rastede zu seinem ständigen Wohnsitz. Rastede blieb bis zu dessen Abschaffung ein Teil des Freistaates Oldenburg. Die Gemeinde Rastede und ihre Bürger sind auch heute noch eng mit dem Hause Oldenburg verbunden.

Aufstieg des Bürgertums Nach der Annexion 1810 des Herzogtums Oldenburg durch Napoleon gehörte Rastede bis 1814 zum französischen Kaiserreich. Die Mairien Rastede und Wiefelstede bildeten den Kanton Rastede, der sich im Arrondissement Oldenburg und im Département des Bouches du Weser befand. Im Zuge der Neuordnung nach dem Sturz Napoleons setzte man das Amt Rastede aus den Gemeinden Wiefelstede, Rastede, Jade und Schweiburg zusammen. 1840 wurden diese drei Siedlungen zum heutigen Ort zusammengefasst und durch eine breite Allee miteinander verbunden. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden viele der sogenannten Oldenburger Hundehütten, ein populärer Haustyp des bürgerlichen Wohnens, die noch heute das Ortsbild zu großen Teilen prägen.

1867 baute die Großherzogliche Oldenburgische Eisenbahn eine Bahnstrecke von Bremen über Oldenburg und Rastede ins preußische Wilhelmshaven, was zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führte. Zur Jahrhundertwende fertigte der Rasteder Bahnhof über 100.000 Reisende im Jahr ab. 1868 wurden die beiden nördlichen Gemeinden Jade und Schweiburg dem Amt Varel und die beiden Ammerländer Gemeinden Rastede und Wiefelstede dem Amt Oldenburg zugeordnet.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde die Gemeinde Rastede um die Ortsteile Wahnbek und Ipwege erweitert und an das Amt Ammerland angegliedert, den späteren Landkreis Ammerland. Durch den Verlust seiner Eigenständigkeit wurde Rastede in seiner Bedeutung zurückgesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Rastede wurde 1946 ein Teil des neuen gegründeten Bundeslandes Niedersachsen. Trotz der militärisch bedeutenden Eisenbahnlinie und des zum Rüstungsbetrieb ausgebauten Brötje-Werks wurde Rastede mit nur 3 % verhältnismäßig wenig zerstört. Insgesamt fielen 652 Soldaten aus der Gemeinde, 282 Soldaten wurden vermisst. Zu einem deutlichen Bevölkerungswachstum kam es durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den Ostgebieten sowie von Personen, die durch die Bombardierungen der Städte ihre Wohnung verloren hatten. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Einwohnerzahl von 8.800 auf 15.000 an, und es entstanden am Ortsrand neue Siedlungen mit Reihenhäusern und Wohnblöcken.

1949 wurde im Schlosspark ein Turnierplatz für den Pferdesport errichtet. Dort fand 1950 als erste Veranstaltung zum ersten Mal das 2. Oldenburger Landesturnier statt. 1959 wurde anlässlich der 900-Jahr-Feier das neue Rathaus eingeweiht.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Rastede von 1910 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle Jahr Einwohner 1910 6.463 1939 8.793 1950 14.435 1961 14.235 1970 16.559 1998 19.929 1999 20.029 2000 20.008 Jahr Einwohner 2001 19.876 2002 20.035 2003 20.039 2004 20.145 2005 20.161 2006 20.522 2007 20.613 2008 20.698 Jahr Einwohner 2009 20.667 2010 20.769 2011 20.953 2012 21.059 2013 21.121 2014 21.447 2015 21.796 2016 22.207 Jahr Einwohner 2017 22.401 2018 22.531 2019 22.7082020 22.7432021 22.802

Religionen mini|Die St.-Ulrichs-Kirche zu Rastede mini|St. Ulrich mit Friedhof

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 (Stand 15. Mai 2022) waren 46,4 % (10.466) der Einwohner evangelisch, 6,7 % katholisch und 46,9 % waren Sonstige.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion) Tabelle 1000A-1018 Personen: Religion, abgerufen am 14. April 2026

2015 gab es noch 12.000 Gemeindemitgliedern, mit Stand 2025 sind es noch knapp 9000 geblieben (weniger 40 %).

Christentum Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Rastede ist mit dem Gebiet der politischen Gemeinde Rastede identisch. Sie ist in der Gemeinde an drei Standorten vertreten. Die am 11. September 1059 gestiftete St.-Ulrichs-Kirche im Stadtzentrum ist die älteste Kirche von Rastede. Diese Saalkirche mit Krypta hat eine Länge von 26,5 Meter und eine Breite von 9,5 Metern. Der freistehende Glockenturm der Kirche steht an der südwestlichen Seite der Kirche. Der Gottesdienst an der St.-Ulrichs-Kirche wird seit 1524 in lutherischer Tradition durchgeführt. Erster evangelischer Prediger der Gemeinde war Oltmann Kröger. Die Kirchengemeinde ist in die vier Pfarrbezirke Mitte, Ost, Süd und Nordwest unterteilt. Direkt neben der St.-Ulrichs-Kirche stehen am Denkmalsplatz das Gemeindebüro und das Gemeindehaus. Weitere Kirchen sind die St.-Johannes-Kirche von 1956 im Ortsteil Hahn-Lehmden sowie die Willehad-Kirche von 1958 im Ortsteil Wahnbek.Evangelische Kirchengemeinden Rastede und Wiefelstede - Standorte, Abruf am 7. Dezember 2023