mini|Luftaufnahme Lohsa, , ist die flächengrößte Gemeinde im sächsischen Landkreis Bautzen in der Oberlausitz. Die Einheitsgemeinde Lohsa liegt an der Kleinen Spree, östlich der Städte Wittichenau und Hoyerswerda, und zählt zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben.Sächsisches Sorbengesetz, Anlage zu § 3 (2).
Mehrere Seen des entstehenden Lausitzer Seenlands liegen teilweise oder ganz im Gemeindegebiet. Das Speicherbecken Lohsa I – das sind der Mortkasee und der mit ihm in Verbindung stehende Silbersee – sind die Restlöcher ehemaliger Braunkohletagebaue, deren Flutung im Februar 1971 begann. Nördlich von Lohsa entstand 2001 der Dreiweiberner See nach der Flutung des 1989 stillgelegten Braunkohlentagebaues Lohsa. Östlich von Weißkollm befindet sich mit dem Speicherbecken Lohsa II ein weiterer Tagebausee. Südlich des früheren Ortsteils Bärwalde schließt sich in geringer Entfernung zur Gemeindegrenze der Bärwalder See an.
Ortsgliederung Zur Einheitsgemeinde Lohsa gehören folgende 15 Ortsteile: Dreiweibern (Tři Žony); Einwohner Driewitz (Drěwcy); Einwohner Friedersdorf (Bjedrichecy; mit Womjatke, auch als Neu Friedersdorf bezeichnet); Einwohner Groß Särchen (Wulke Ždźary); Einwohner Hermsdorf/Spree (Hermanecy); Einwohner Koblenz (Koblicy); Einwohner Lippen (Lipiny); Einwohner Litschen (Złyčin); Einwohner Lohsa (Łaz); Einwohner Mortka (Mortkow; in der Zeit vom 30. November 1936 bis 1947 in Grube Ostfeld umbenannt); Einwohner Riegel (Roholń); Einwohner Steinitz (Šćeńca; mit Kolbitz und Neu Steinitz); Einwohner Tiegling (Tyhelk); Einwohner Weißig (Wysoka); Einwohner Weißkollm (Běły Chołmc); Einwohner
Die Einwohnerzahlen der einzelnen Orte stammen vom Meldeamt Lohsa (Stand: ) und weisen auf Grund unterschiedlicher Berechnungsvorschriften in ihrer Summe eine Abweichung zu den Einwohnerzahlen der Gemeinden auf, die vom Statistischen Landesamt des Freistaates Sachsen herausgegeben werden.
Aufgrund des Braunkohlenabbaus sind auf den heutigen Gemeindefluren folgende Dörfer teilweise oder ganz devastiert worden: Buchwalde (1926–1932), Dreiweibern (teilweise, 1985), Geißlitz (1960), Kolpen (1960), Lippen (teilweise, 1960–1961), Neida (von 1936 bis 1947 in Köhlergrund umbenannt, 1951–1952 abgerissen), Neu-Lohsa (1943–1944), Ratzen (1960), Scheibe (1984), Ziegen(p)fauze (1955).
Geschichte mini|hochkant|Kirche in Lohsa mini|Kriegerdenkmal in Lohsa mini|Feierhalle auf dem Lohsaer Friedhof mini|Steinkreuze in der Friedhofsmauer Der Ort Lohsa wurde erstmals 1343 unter dem Namen „Lose“ urkundlich erwähnt. 1346 wird die Lohsaer Kirche erstmals in einer Urkunde erwähnt und ist damit eine der ältesten Kirchen der nördlichen Oberlausitz.
Das Lohsaer Gut wird 1350 erstmals als Besitz derer von Pannewitz und Schreibersdorf in der Herrschaft Neschwitz erwähnt. Im Jahr 1470 wird Balthaser von Schreibersdorf als Besitzer von Lohsa, Friedersdorf und Weißkollm genannt. Im Jahre 1523 erwirbt Bernhard von Gersdorf das Gut Lohsa. 1547 kauft Christoph von Schreibersdorf zu Lohsa die Dörfer Litschen, Driewitz und Lippen. Vom Ende des 16. bis Mitte des 17. Jahrhunderts wechselt das Gut Lohsa mehrfach die Besitzer. Genannt werden die Familien von Dallwitz und von Muschwitz.Walter von Boetticher: Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635–1815. Band 3, Hrsg. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, Selbstverlag, Oberlößnitz/Görlitz 1919, S. 585 f. Online
Im frühen 19. Jahrhundert erwerben die Vorfahren der briefadeligenBriefadel: Nach 1400 vom jeweiligen Landesherrn geadelt. Anerkennung in den Nachbarstaaten (Sachsen/Preußen beispielsweise) konventionell üblich. Familie von Loebenstein, hier Robert Loebenstein (um 1780–1833), ursprünglichMarcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels, Band 1, Hrsg. Königliches Herolds-Amt, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892, S. 55 ff. Online aus Mähren stammend, und dann eine Bankiersfamilie in der Niederlausitz und mit Gutsbesitz bei der Stadt Luckau ausgestattet, das Gut in Lohsa sowie Ober- und Nieder-Wartha; zu Beginn ist Wartha kurz das Hauptgut. Der Sohn, Robert Alexander von Loebenstein (1811–1855), bestimmt Lohsa zum Hauptwohnsitz und nutzt Niederwartha, Lohsa mit Mortka, Ratzen mit Kolpen und Geislitz im Kreis Hoyerswerda als Nebengüter. 1839 wurde er in Preußen nobilitiert.Hans Friedrich v. Ehrenkrook, Erik Amburger, Ernst-Otto v. Dewitz, Friedrich Wilhelm Euler et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel) 1954. Band I, Band 9 der Gesamtreihe GHdA (1951 bis 2015), C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1954, S. 266–270. Der Rittmeister ist historisch interessiert und Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften.Joh. Karl Otto Jancke: Neues Lausitzisches Magazin 1850, 27. Band, G. Heintze & Comp., Görlitz 1850. S. 92. Online Namhaftester Vertreter der Familie in Lohsa und als GutsherrF. G. Eduard Anders: Historische Statistik der Evangelischen Kirche in Schlesien. Neue Ausgabe. Regierungs-Bezirk Liegnitz, Wilhelm Gottlob Korn, Breslau 1867, S. 543 f. Online der Kirchenpatron war der Landrat Alfred von Loebenstein-Lohsa (1837–1886).Walter v. Hueck, Erik Amburger, Ernst-Otto v. Dewitz, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel) 1986. Band XVII, Band 89 der Gesamtreihe GHdA (1951 bis 2015), C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1986, S. 231–236. Er war zweimal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe stammte die Tochter Marie (1863–1947), die den Vetter Friedrich von Loebenstein (1855–1921) heiratete und der Gutsmitinhaber wurde. Deren gemeinsamer gleichnamiger Sohn Friedrich Victor von Loebenstein verkaufte Lohsa 1931. 1937 ist die Eintracht Braunkohlenwerke und Brikettfabriken AG mit Sitz in Welzow der Eigentümer der Herrschaft Lohsa, 2589 ha. Als GüterdirektorGüter-Adreßbuch Schlesien 1937. Nieder- und Oberschlesien, 15. Ausgabe, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1937, S. 450–451. Reprint Bod Norderstedt, Klaus D. Becker, Potsdam 2020. ISBN 978-3-88372-244-3. Auszug/Online agiert Julius Haare mit Sitz in Schloss Wartha.
Am 19. Oktober 1991 wurde in der evangelischen Dorfkirche von Lohsa in Anwesenheit der Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf und Manfred Stolpe sowie der Bundesministerin für Frauen und Jugend Angela Merkel die Stiftung für das sorbische Volk gegründet.Gründungsveranstaltung der Stiftung für das sorbische Volk am 10. Oktober 1991, Filmmaterial des Sorabia-Film-Studios.
Eingemeindungen Dreiweibern und Ratzen gehören seit 1938 zu Lohsa. Im Jahr 1994 wurden fünf Gemeinden eingegliedert,StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands von denen Bärwalde 1998 nach Boxberg/O.L. umgegliedert wurde.Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, Hrsg. StBa Wiesbaden. Lippen wechselte im Jahr 1996 von Uhyst nach Lohsa.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands Die 1995 neu gebildete Gemeinde KnappenseeStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands wurde 2005 aufgelöst. Ihre Ortsteile Groß Särchen und Koblenz kamen zu Lohsa.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Bärwalde 1. Januar 19571. Januar 19781. Januar 19941. Januar 1998 Eingemeindung nach Merzdorf,Ausgliederung aus Merzdorf,Eingemeindung nach Lohsa,Umgliederung nach Boxberg/O.L. Dreiweibern 1. April 1938 Driewitz 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Litschen Friedersdorf 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Litschen Groß Särchen 1. Oktober 19951. Januar 2005 Eingemeindung nach Knappensee,Umgliederung nach Lohsa Hermsdorf/Spree 1. Januar 1994 Knappensee 1. Januar 2005 Eingemeindung nach Lohsa und Königswartha Koblenz 1. Oktober 19951. Januar 2005 Eingemeindung nach Knappensee,Umgliederung nach Lohsa Lippen 1. Mai 19741. Januar 1996 Eingemeindung nach Uhyst,Umgliederung nach Lohsa Litschen 1. Januar 1994 Mortka 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Litschen Ratzen 1. April 1938 Riegel 1. Januar 1978 Eingemeindung nach Weißkollm Scheibe 1. April 1938 Eingemeindung nach Riegel Steinitz 1. Januar 1994 Weißig 1. April 193819451948 Eingemeindung nach Hermsdorf/Spree,Umgliederung nach Steinitz,Umgliederung nach Hermsdorf/Spree Weißkollm 1. Januar 1994
Bevölkerung und Sprache Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von 467, darunter 432 Sorben (93 %) und 35 Deutsche. Ernst Tschernik zählte 1956 in der Gemeinde Lohsa mit Ratzen und Dreiweibern einen sorbischsprachigen Bevölkerungsanteil von nur noch 37,3 %. Seitdem ist der Gebrauch des Sorbischen im Ort weiter stark zurückgegangen.
Politik Gemeinderat
Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 19 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:Kommunalwahl 2019: Wahlergebnis für Lohsa. CDU: 6 Sitze Freie Wähler Lohsa: 6 Sitze AfD: 3 Sitze Wählervereinigung für die Einheitsgemeinde Lohsa: 2 Sitze Linke: 2 Sitze +letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU628,8833,91357,2Freie Wähler Lohsa (2014: Freie Wähler Knappensee)627,9314,3313,0AfD327,1220,0––Wählervereinigung für die Einheitsgemeinde Lohsa29,3417,7313,8Linke26,9211,2316,0FDP–––3,0––Wahlbeteiligung71,3 %69,3 %56,9 %
Bürgermeister –2001: Klaus Gutschke (parteilos) 2001–2015: Udo Witschas (CDU) seit 2016: Thomas Leberecht (CDU) +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2023Thomas Ronny LeberechtCDU69,9201650,32015Udo Witschas69,7200875,5200169,81994Klaus GutschkeGutschke55,2
Gemeindewappen Seit 1992 hat Lohsa ein Wappen.
Tourismus mini|Dreiweiberner See Die Gemeinde befindet sich im südlichen Teil des Lausitzer Seenlandes, welches aus gefluteten Tagebaurestlöchern entsteht. Der Silbersee (Slěborny jězor; Tagebau Werminghoff II; 315 ha; 1972), direkt südlich von Lohsa, Teil des Speicherbeckens Lohsa I, ist wegen Sicherungsarbeiten gesperrt. Der Knappensee (Hórnikečanski jězor; Tagebau Werminghoff I; 286 ha; 1953) bei Groß Särchen / Koblenz wird bis mindestens 2030 wegen Sanierungsarbeiten der LMBV gesperrt. Der Dreiweiberner See (Třižonjanski jězor; Tagebau Dreiweibern; 286 ha; 2002), direkt nördlich von Lohsa, wurde 2005 freigegeben. Östlich von Weißkollm entsteht mit dem Speicherbecken Lohsa II ein weiterer Tagebausee, der noch keinen eingängigen Namen hat und vorrangig als Wasserspeicher dient.
Das südliche und östliche Gemeindegebiet ist Teil des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, mit vielen Teichen, viel Wald, dem Fischotter, dem Wolf und vielen seltenen Vögeln.
Jährlich im Spätsommer findet die Triathlonveranstaltung KnappenMan statt. Um die 1000 Teilnehmer absolvieren die verschiedenen Triathlonstrecken, wie die Langdistanz, Halbdistanz und olympische Distanz.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Die Oberschule in Lohsa Bildung Die Gemeinde Lohsa verfügt über eine Grundschule in Groß Särchen sowie eine Oberschule.
Verkehr Östlich der Gemeinde verläuft die Bundesstraße 156, westlich die B 96, über die die nordwestlich verlaufende B 97 erreichbar ist. Mit einem Bedarfshaltepunkt ist Lohsa an die Bahnstrecke Niesky–Hoyerswerda(–Falkenberg (Elster)–Roßlau (Elbe)) angebunden. Hier verkehrt die Linie RB 64 (Hoyerswerda–Görlitz) aller zwei Stunden als Seenland-Neisse-Shuttle.
Sehenswürdigkeiten mini|Handrij-Zejler-Denkmal am Marktplatz Lohsaer Seenlandschaft Geologischer Lehrpfad mit über achtzig Findlingen am Silbersee
Bauwerke siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Lohsa Fledermausschloss Weißig Evangelische Kirche in Lohsa Denkmal für Handrij Zejler am Marktplatz
Museen und Ausstellungen Zejler-Smoler-Haus
Naturschutz
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Rosemarie Ackermann (* 1952), Hochspringerin und Olympiasiegerin Martha Israel (1905–?), sorbische Abgeordnete der Volkskammer der DDR Jan Paul Nagel (1934–1997), sorbischer Komponist Julius Ferdinand Räbiger (1811–1891), Theologe und Hochschullehrer