mini|Stempelentwurf 250 Jahre Salomo Sachs im Jahr 2022 zum Gedenken an den Regierungsbauinspektor und seinen Turmbau 1829 zu Birkholz (Bernau bei Berlin)rahmenlos|zentriert|150px|class=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift Regierungsbauinspektor Salomo Sachs Salomo Sachs (, geboren am 22. Dezember 1772 in Berlin; gestorben am 14. Mai 1855 ebenda) war ein jüdisch-preußischer Regierungsbauinspektor, Architekt, Astronom, Baubeamter, Mathematiker, Zeichenlehrer für Architektur, Lehrer für Maschinenzeichnungen, Sachverständiger, Bauökonom, Schriftsteller, Spieleautor, Sach- und Schulbuchautor und Universalgelehrter. Er und sein Vetter Major Meno Burg waren die einzigen Männer im preußischen Staatsdienst, die ihrem jüdischen Glauben nicht abgeschworen hatten. Vor Sachs hatte in geringem Ausmaß der Oberhofbankier Isaak Daniel Itzig Aufgaben in der preußischen Hofbauverwaltung übernommen.

Leben Sachs war Sohn des Lotterieeinnehmers und Schutzjuden Joel Jacob Sachs (geboren am 30. Juli 1738 in Berlin; gestorben am 18. April 1820 in Berlin) und dessen zweiter Ehefrau Esther Sachs (ca. 1746–1813), Tochter des Daniel Hirsch (unbekannt – 1784). Aus der ersten Ehe des Vaters mit Frommet geb. Libschitz (geboren 1743; gestorben am 6. September 1766) gingen zwei Halbgeschwister von Salomo hervor. Sein Vater war Vorsteher des Vereins Bedek Habajith der Jüdischen Gemeinde Berlins („Die Schäden des Hauses“; „Instandhaltung des Gebäudes“ hier „Bauunterhaltung“)Gelehrtes Berlin: im Jahre … 1845 (1846). S. 307Berlin in Geschichte und Gegenwart. Landesarchiv Berlin, 2009, S. 113 (books.google.de)Veröffentlichungen der Berliner Historischen Kommission beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, Band 28. Walter de Gruyter, Berlin 1968, S. 59 (books.google.de).In: juden-in-mecklenburg. Die Schutzjuden Rechte und Pflichten.Werner Heegewaldt, Oliver Sander: Mein fünfzigjähriges Dienstleben und literarisches Wirken – Ich büße für meinen Glauben – Jüdische Memoiren. Band 3. Verlag Hentrich&Henrich, S. 117.Geschichte der jüdischen Literatur, Band 2. Gustav Karpeles, Oppenheim 1886, S. 642.Stefi Jersch-Wenzel, Barbara John, Eckart Birnstiel: Von Zuwanderern zu Einheimischen Hugenotten, Juden, Böhmen, Polen in Berlin. Nicolai Verlag, 1990, ISBN 3-87584-262-6, S. 212; google.de/books

Ausbildung und Qualifikation mini|hochkant|1790–1809 Königliche Akademie der bild. Künste und mech. Wissenschaften Im Alter von 18 Jahren studiert er von 1790 bis 1792 Baukunst und Zeichnen an der Königlichen Akademie der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften in Berlin. Am 9. Dezember 1792 erfolgte seine Vereidigung als Eleve beim Oberhofbauamt in Berlin, sein Lehrer und Vorgesetzter im Dienst war der Königliche Oberhofbaurat und Geheime Kriegsrat Friedrich Becherer.

Zu diesem Zeitpunkt regierte Friedrich Wilhelm II., der mit der Privilegierung von einigen wenigen jüdischen Familien und Persönlichkeiten, zum Beispiel Liepmann Meyer Wulff, Familie Itzig, Familie Ephraim (Benjamin Veitel Ephraim), Familie Mendelssohn in den Städten wie Berlin, sogenannte „Adelsbürger“ (Begriff nach Jacob Toury) schuf. Durch das Wohlwollen des Königs wurde auch Sachs Laufbahn erst ermöglicht.Uta Lohmann: Haskala und allgemeine Menschenbildung: David Friedländer und Wilhelm von Humboldt im Gespräch. Waxmann, Münster 2020, S. 17 Daniel Itzig.www.musenblaetter.de MendelssohnHans Liebeschütz, Arnold Paucker (Hrsg.): Das Judentum in der deutschen Umwelt: 1800–1850 : Studien zur Frühgeschichte der Emanzipation. Mohr, Tübingen 1977 Adelsbürger, S. 156.Hans Liebeschütz, Arnold Paucker (Hrsg.): Das Judentum in der deutschen Umwelt: 1800–1850 : Studien zur Frühgeschichte der Emanzipation. Mohr, Tübingen 1977, S. 157 (books.google.de) mini|hochkant|Berliner Bauakademie Am 1. Juli 1794 erlangte Sachs das Patent zum Ober-Hof-Bau-Konducteur und am 26. September 1799 zum Ober-Hof-Bau-Inspektor beim Oberhofbauamt. Während seiner Ausbildung gehörte auch Johann Albert Eytelwein zu seinen Lehrern, dem er 1827 sein Werk Vollständiger Unterricht in der Anfertigung der Baubeschläge widmete. Als Bauinspektor übernahm er die Führung der Baupolizei in seinem Departement und den Vorsitz der Prüfungskommission der Baugewerksmeister. Im Zeitraum 1790 bis 1796 plante man das Grundstück im Bereich Molkenmarkt 1 für den Bau der neuen Stadtvogtei vorzusehen. Von Mitgliedern des Oberhofbauamts wurden dazu Projekte entworfen und 1791 unter Leitung von Paul Ludwig Simon und Friedrich Gilly mit dem Bau begonnen. Salomo Sachs hatte, nicht amtlich aufgefordert, dazu zwei Fassaden entworfen. Es waren die Fassaden des Portals und die Front zur Spreeseite, diese nahm die Behörde sehr wohlwollend auf, zur Ausführung kamen und für die er seine erste öffentliche Anerkennung erhielt. Die Akademie der Künste und der mechanischen Wissenschaft gab seit 1786 den Katalog zur jährlich stattfinden Akademieausstellung heraus. In den Folgejahren wurde der Zweijahresrhythmus eingeführt. Hier wollte man sich für das Berliner Publikum von den anderen Akademien in Kassel und Dresden abheben. In den Jahren 1786 bis 1816 nahmen hauptsächlich architektonische Modelle und Entwürfe nach antiken Vorbildern Raum ein. Einen hohen Anteil an den Einsendungen hatten die Akademieschüler und jüngeren Kondukteure. 1794 konnten Johann Carl Gottlieb Schlaetzer, Salomo Sachs, August Ferdinand Mandel (1771–1846), Johann Georg Moser und Paul Ludwig Simon ihre Entwürfe zu Kirchen, Gefängnissen, einem Schauspielhaus und Jagdschloss, Land- und Bürgerhäusern, Gartenhäusern und Totengrüften in die Ausstellung und den Katalog einbringen. 1798 entwarf Sachs für die Gesellschaft der Freunde eine Leichenhalle, die aber aus finanziellen Gründen nicht zur Ausführung kam. Von 1799 bis 1806 lehrte er als Zeichenlehrer für Architektur und Lehrer für Maschinenzeichnungen an der am 6. Juli 1799 von König Friedrich Wilhelm III. neu gegründeten Bauakademie. Im Jahre 1803 wohnte Sachs in der Friedrichstraße Nr. 58 () und im Jahre 1805 in der Münzstraße Nr. 22 ().Mario Zadow: Karl Friedrich Schinkel, ein Sohn der Spätaufklärung. S. 189; books.google.deVollständiger Unterricht in der Anfertigung der Bau-Anschläge 1827 Salomo Sachs. S. 3 (Cover).Werner Heegewaldt, Oliver Sander: Mein fünfzigjähriges Dienstleben und literarisches Wirken – Ich büße für meinen Glauben – Jüdische Memoiren. Band 3. Verlag Hentrich&Henrich, S. 12.Klaus Jan Philipp: Um 1800: Architekturtheorie und Architekturkritik in Deutschland zwischen 1790 und 1810. S. 23Uta Motschmann (Hrsg.): Handbuch der Berliner Vereine und Gesellschaften 1786–1815 S. 837–848 Gesellschaft der FreundeWerner Heegewaldt, Oliver Sander: Mein fünfzigjähriges Dienstleben und literarisches Wirken – Ich büße für meinen Glauben – Jüdische Memoiren. Band 3. Verlag Hentrich&Henrich, S. 8 u. S. 11.Handbuch über den Königlich Preussischen Hof und … 1806. S. 394 (babel.hathitrust.org).Catalogus Professorum. TU Berlin Gründungsdaten unter Königliche Bauakademie

Das Projekt Neue Wache in Berlin und der Beginn des Krieges Kurz vor dem Beginn des französischen Krieges erhielt 1806 das Collegium der Bauakademie von oberster Stelle den Auftrag, Pläne für den Umbau der Opern-Brücke mit in der Nähe liegenden Wache und dem Aufbau einer massiven Hunde-Brücke auszuarbeiten und einzureichen. Hier waren die älteren und höherstehenden Beamten des Collegiums gefragt, beispielsweise Johann Heinrich Gentz.Friedrich Eggers (Hrsg.): Deutsches Kunstblatt Stuttgart: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk, 2. Jahrgang, 1851, S. 197; Verlag von Rudolph und Theodor Oswald Weigel, Leipzig; Salomo Sachs als junger Beamter war so fasziniert von dieser Aufgabe, dass er eigene Zeichnungen, Ideen und Entwürfe ganz in Stille erarbeitete. Er legte sie seinem Lehrer dem Geheimerath Becherer vor, der die Zeichnungen zur Prüfung einreichte. Gegen alle Prachtzeichnungen der Spezialisten gewannen seine Entwürfe der Schloss-Brücke und der Neuen Wache den Preis. Aloys Hirt der zur Prüfungskommission gehörte, sprach sich besonders lobend über Sachs Entwürfe aus. Durch den Beginn des Krieges verzögerten sich die Pläne.Gerhart Rodenwaldt: Griechisches und Römisches in Berliner Bauten des Klassizismus. S. 23; books.google.de

Die Koalitionskriege und der Befreiungskrieg 1813–1815 und die Suche nach neuen Aufgaben mini|Ansicht der Neuen Wache von der Straße Unter den Linden. Architekten Salomo Sachs (Architektonischer Entwurf 1806) und Friedrich Schinkel (Adaptierter Entwurf und Ausführung 1816) mini|Friedrich Wilhelm III von Preußen Nach dem verlorenen Krieg fiel die Finanzierung von Bauakademie und Oberhofbauamt den staatlichen Sparmaßnahmen zugunsten der Kontributionen an Frankreich zum Opfer und Sachs verlor seine Anstellung. Von der Regierung bezog er von 1808 bis 1816 Wartegeld. Erst nach Kriegsende wurde der Plan durch Friedrich Schinkel wieder aufgenommen, aber jetzt mit seinen Adaptierungen umgesetzt. Da der Entwurf Schinkels die Neue Wache nicht in einer Linie mit der Universität vorsah, zeigte seine Planzeichnung von 1816 die Neue Wache um wenige Meter hinter dieser Flucht. Nach Vorlage der Zeichnung beim König, wurde sie von Friedrich Wilhelm III. selbst mit Bleistift korrigiert und in Flucht zur Universität und mittig zwischen dieser und dem Zeughaus gesetzt. (siehe Planzeichnung: Landesarchiv Berlin, Pr.Br.Rep.042 1817, 1820, 1821 Karten, Bleistiftkorrektur des Friedrich Wilhelm III.)

Es kann somit vermutet werden, dass sich die Ausführung der Neuen Wache, auf Wunsch des Königs, an dem gekürten Wettbewerbsentwurf (Akademieausstellung im Jahre 1806 in Berlin) von Salomo Sachs orientieren sollte.

Salomo Sachs merkte erst 1842 in seiner Autobiografie an, dass besonders die neue Wache seinen Grundentwürfen glich, ausgenommen der meisterlichen Ausschmückungen des Gebäudes durch Schinkel.D. Collin: Geschichte der Juden in Berlin. I. Als Festschrift zur zweiten Säkular-Feier. Bearbeitet von Ludwig Geiger. Verlagsbuchhandlung I. Guttentag, Berlin 1871, S. 194; .

Das fliegende Adressenregister und die Kommunalsteuer Sachs erstellte 1812 den ersten vollständigen Allgemeinen Straßen und Wohnungs-Anzeiger für die Residenzstadt Berlin. Es war ein bahnbrechendes Werk auch für zukünftige Adressbücher, selbst im Ausland fand dieses Meisterwerk seine Abnehmer. Der König bestellte 4 Exemplare und der Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg orderte 12 Exemplare. Die Polizeireviere orderten auch, da die Kartenpläne und Adressen sehr genau waren. Leider verhinderte der Beginn des zweiten französischen Krieges damit ein gutes finanzielles Auskommen für ihn. So eröffnete sich aber durch das Adresswerk eine andere Möglichkeit, da der Geheime Staatsrath Friedrich August von Staegemann Vorstand der Finanzpartei sich gerade mit der Organisation der Vermögenssteuer beschäftigte, war die Idee eines fliegenden Catasters geboren. Sachs eröffnete für die Bewältigung dieser Aufgabe ein Büro, um mit dem geringsten Personal die Kontrolle über die Steuerpflichtigen zu erlangen. Berlin wurde dabei in 12 Steuerreviere geteilt, wovon jedem Revier, per Formular, die Informationen über Aufenthaltsveränderungen der Bürger jeden Tag zugingen und stündlich aktualisiert wurden. So entstanden auch die ersten Einwohnermeldeämter und bei jedem Polizeirevier der Residenzstadt Berlins wurden polizeirelevante Teile des fliegenden Catasters aufgestellt und genutzt. Vom Geheimen Oberfinanzrat von Staegemann erhielt Sachs den Auftrag, Vorschläge zu machen, um dem Staat Einnahmen von einigen Millionen Talern durch eine geeignete Steuer zu erbringen. Sein Vorschlag führte zur noch heute gültigen Kommunalsteuer und wurde damals erstmals als Mieth-Steuer-Abgabe umgesetzt.

Die Einquartierungsbehörde mini|Die nationale Erhebung 1813 (1870, Anton von Werner)