Mit der Bezeichnung Aufstellungswelle werden die verschiedenartigen Divisionstypen mit unterschiedlicher Gliederung und Waffenausstattung innerhalb des Heeres der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg unterschieden.
mini|Gliederung einer Infanterie-Division der 1. Welle der Wehrmacht Nach der Mobilmachung 1939 war es aufgrund der wechselnden Personal-, Material- und Ausbildungslage nicht möglich, alle Divisionen gleichmäßig zu gliedern und auszustatten. Die Divisionen einer Aufstellungswelle wurden im gleichen Zeitraum aufgestellt (neu gebildet) und hatten die gleiche Gliederung und Ausrüstung.Bernhard R. Kroener, Rolf-Dieter Müller, Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 5/1 Kriegsverwaltung, Wirtschaft und personelle Ressourcen 1939–1941, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 710 Maßgebend dafür war der Kriegsstärkenachweis auf dem personellen und der Kriegsausrüstungsnachweis auf dem materiellen Sektor. Ab 1944 waren teilweise auch Divisionen innerhalb einer Aufstellungswelle uneinheitlich gegliedert.
Grundsätzlich kann bei den Aufstellungswellen zwischen Infanterie-Division (ID), Sicherungs-Division (SD), Grenadier-Division (GD), Sicherungs-Brigaden, Feldausbildungs-Divisionen und Schatten-Divisionen unterschieden werden.
Aufstellungswellen Von 1934 bis 1945 kamen insgesamt 35 Aufstellungswellen zur Durchführung. Alle Divisionen, die vor der Mobilmachung am 26. August 1939 aufgestellt wurden, gehörten zur 1. Aufstellungswelle. Die 35. Aufstellungswelle rief das Oberkommando der Wehrmacht im März 1945 auf.
Aufstellungs-welle Divisionen Anzahl Aufstellungs-zeitraum Bemerkungen 1. 1.–36. Infanterie-Division (ID), 44.–46. ID, 50. ID 40 1934 bis 1939 Bewaffnung aus deutschen Beständen Die 50. ID wurde aus bereits existierenden Grenztruppen des Friedensheeres zusammengestellt. 2. 52. ID, 56.–58. ID, 60.–62. ID, 68. ID, 69. ID, 71.–73. ID, 75. ID, 76. ID, 78. ID, 79. ID, 86. ID, 87. ID 18 26. August 1939 Zur 2. Aufstellungswelle:
hauptsächlich mit Reservisten bedient Die 72. ID und 60. ID wurden aus bereits existierenden Grenztruppen des Friedensheeres zusammengestellt.
Zur 3. Aufstellungswelle:
hauptsächlich aus Landwehr bedient Die 205. ID wurde ursprünglich als 14. Landwehr-Division aufgestellt und erst Anfang 1940 umbenannt.
Grundsätzlich:
Mobilmachung Bewaffnung aus deutschen Beständen 3. 205.–209 ID, 211.–218. ID, 221. ID, 223. ID, 225. ID, 227. ID, 228. ID, 231. ID, 239. ID, 246. ID, 311. ID 22 4. 251.–258 ID, 260. ID, 262. ID, 263. ID, 267.–269. ID 14 5. 93.–96. ID, 98. ID 5 September 1939 13. Kompanie der Infanterie-Regimenter (IR) hatte Granatwerfer statt Infanteriegeschütze 14. Panzerabwehr-Kompanie der IR hatte pferdebespannte statt motorisierte Panzerabwehrgeschütze III./IR 271 der 93. ID erhielt den Ehrennamen Feldherrenhalle statt Aufklärungsabteilung nur Radfahr-Kompanie Pionier-Bataillon pferdebespannt Bewaffnung aus tschechoslowakischen Beständen, welche im März 1939 in die Hände der Wehrmacht gefallen waren nach siebenwöchiger Ausbildung als „frontverwendungsfähig“ erklärt -Divisionskommandos z. b. V.: 401.–413., 417., 418., 421.–432., 441.–445., 539., 540.33Oktober 1939Für das Rückwärtige Heeresgebiet:
401.–413., 417., 418.: Einsatz in Deutschland 421.–432.: Einsatz in den besetzten polnischen Gebieten 441.–445.: Einsatz am Westwall 539., 540.: Einsatz im Protektorat Böhmen und Mähren Die Divisionskommandos z. b. V. wurden auch als „Sicherungs-Divisionen“ bezeichnet ohne die Aufgaben einer solchen zu übernehmen. Zum Westfeldzug hin wurden die Divisionskommandos z. b. V. 422.–425. aus dem Generalgouvernement mit der 9. Aufstellungswelle in die 365. ID, 369. ID, 393. ID und 399. ID überführt. - - -nach dem Polenfeldzug geplant Divisionen der 2. bis 4. Welle sollten vollständig aufgefüllt werden und ältere durch jüngere Jahrgänge ersetzt werden. Divisionen der 5. Welle sollten vollständig ausgerüstet werden. Grenztruppen sollten in die bestehenden Divisionen eingegliedert werden und Stäbe voll aufgefüllt werden.
Durch den Beginn des Westfeldzugs folgte aber wieder eine beschleunigte Aufstellung anstelle der Umsetzung der o. g. Punkte. 6. 81.–83. ID, 88. ID 4 14. November 1939 13. Infanteriegeschütz-Kompanie der Infanterie-Regimenter (IR) nicht aufgestellt 14. Panzerabwehr-Kompanie der IR hatte pferdebespannte Panzerabwehrgeschütze Panzerjäger-Abteilung und Aufklärungs-Abteilung jeweils nur eine Kompanie Pionier-Bataillon und Versorgungstruppen pferdebespannt Feldersatz-Bataillon wurde nicht aufgestellt. Bewaffnung aus tschechoslowakischen Beständen die 88. ID wurde aus der Grenzkommandantur St. Wendel auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr gebildet. 7. 161.–164. ID, 167.–170. ID, 181. ID, 183. ID, 196.–199. ID 14 November/Dezember 1939 Zur 7. Aufstellungswelle:
Aufstellung erfolgte aus Einheiten des Ersatzheeres und aus Verbänden der Division der 3. Aufstellungswelle. Der Wehrkreis I stellte mit der 161. ID und 199. ID sogar zwei neue Divisionen auf. Die zwei Wehrkreise der Ostmark stellten keine neue Divisionen auf. Die 181. ID und 196. ID besaß Ausrüstung einschließlich Bewaffnung aus französischen und norwegischen Beständen (Beute aus dem Norwegenfeldzug). Aus Personalmangel wurde erst nur sechs Batterien (anstatt neun) für das Artillerie-Regiment und zwei Infanterie-Regimenter (anstatt drei) je Divisionen gebildet. Ab Ende Dezember 1939 erfolgte der Aufbau des dritten Infanterie-Regiments. Besonderheit war die Nummerngebung der unterstellten Einheiten, welche nicht mehr unmittelbar fortlaufend war (wie z. B. die 161. ID mit IR 336, IR 364 und IR 371 und die 162. ID mit IR 303, IR 314 und IR 329). IR mit Dreihunderter-Nummern
Zur 8. Aufstellungswelle:
Truppenteile, wie 7. Aufstellungswelle, aber vereinzelt hatten die Panzerabwehr-Abteilungen unterschiedliche Ausrüstungen und Bewaffnungen. IR mit Fünfhunderter-Nummern
Grundsätzlich:
Panzerabwehr-Abteilung besaß zusätzlich zu den drei Panzerabwehr-Kompanien eine Radfahr-Kompanie. Pionier-Bataillon pferdebespannt Bewaffnung aus deutschen Beständen, bis auf 181. ID und 196. ID. 8. 290.–299. ID 10 Februar 1940 9. 351. ID, 358. ID, 365. ID, 372. ID, 379. ID, 386. ID, 393. ID, 395. ID, 399. ID Zusätzlich noch vier Stellungsdivisionen (Oberrheindivisionen). 9+4 Februar/März 1940 Divisionen waren als Landesschützen-Divisionen vorgesehen, wodurch das Personal auf Kommandanturen und Grenz- und Wachverbänden und bestehenden Divisionskommandos z. b. V. (Aufstellung im Oktober 1939) zusammengeführt wurden. Gliederung mit jeweils drei IR mit je einem Reiterzug, einer Infanteriegeschütz-, Pionier- und Nachrichten-Kompanie, einer Artillerie-Batterie und einer Radfahr-Schwadron IR mit Sechshunderter-Nummern kamen nicht zum Einsatz und wurden bereits am 22. Juni 1940 wieder aufgelöst Zusätzlich zählen zu der Aufstellungswelle noch vier Stellungsdivisionen (Stellung am Oberrhein): 554. ID., 555. ID, 556. ID und 557. ID. Diese wurden Ende August 1940 aufgelöst. 10. 270.–273. ID, 276.–280. ID 9 Mai/Juni 1940 im Generalgouvernement untergebracht für einen befürchteten längeren Feldzug im Westen aufgestellt, noch während der Aufstellung wieder aufgelöst und Gebiet durch u. A. 161., 168., 291.+292., 297.+298. ID abgesichert. - - -„Ernteurlaub“: Juli/August 1940Beurlaubung:
neun Divisionen der 3. Aufstellungswelle 81. bis 83., 88., 93. bis 96. und 98. ID 11. 121.–123. ID, 125. ID, 126. ID, 129. ID, 131. ID, 132. ID, 134. ID, 137. ID 10 Oktober 1940 Für das Unternehmen Barbarossa vorgesehen Personal aus bestehenden Divisionen und Wehrpflichtigen des Geburtsjahrganges 1920 Beschleunigte Ausbildung sollte bis Ende Februar 1941 abgeschlossen sein. Bewaffnung aus französischen Beständen - - -Oktober 1940Umgliederung einiger bestehender Divisionen in motorisierte Verbände oder Panzerdivisionen 12. 97. ID, 99.–102. ID, 106. ID, 110.–113. ID 10 November 1940 für das Unternehmen Barbarossa vorgesehen Divisionen waren wie Friedensdivisionen gegliedert. 97. ID, 99. ID, 100. ID, 101. ID als leichte ID mit nur zwei IR aufgestellt. Zum Teil aus Truppenteilen bestehender Divisionen gebildet, welche im Oktober 1940 umgegliedert worden waren. Zum Teil IR mit Zweihunderter-Nummern. Bewaffnung aus französischen Beständen 13. 302. ID, 304.–306. ID, 319.–321. ID, 323. ID, 327. ID 9 November/Dezember 1940 als Besatzungsdivisionen für Westeuropa aufgestellt, daher kaum Personal aus dem Feldheer, mehrfach Geburtsjahrgänge 1905 bis 1919 die drei IR hatten keine Infanteriegeschütz-Kompanie Panzerjäger-Kompanie nur als ein Zug mit 3,7-cm-Pak Aufklärungs- und Nachrichten-Abteilung wurden nicht aufgestellt Panzerjäger-Abteilung nur mit einer Kompanie und einer Radfahr-Schwadron AR mit drei leichten Abteilungen zu zwei Batterien kaum Versorgungstruppen Beschleunigte Ausbildung sollte bis Mitte April bzw. Ende April 1941 abgeschlossen sein. Bewaffnung und Ausrüstung aus französischen Beständen 14. 332. ID, 333. ID, 335.–337. ID, 339. ID, 340. ID, 342. ID 8 15. 702. ID, 704. ID, 707.–719. ID 15 April/Mai 1941 als Divisionen für den Balkan, Norwegen und Westeuropa mit Besatzungs- und Sicherungsaufgaben aufgestellt Bewaffnung aus französischen und britischen Beständen (Beute aus dem Westfeldzug). zwei IR, eine Artillerie-Abteilung mit drei Batterien, jeweils einer Pionier- und Nachrichten-Kompanie 713. ID wurde im Januar 1942 Festungs-Division Kreta 704. ID, 714. ID, 717. ID und 718. ID wurden im Frühjahr 1943 zu Jäger-Divisionen umgebildet 16. 201.–204. Sicherungsbrigade Zusätzlich 416. ID 4 Juni 1941 Brigaden wurden aus Landesschützen als sogenannte Ersatz- oder Sicherungsbrigade mit jeweils Stab und drei Regimenter (jeweils mit zwei Bataillonen) gebildet wurden im Sommer 1942 in die 201. und 203. Sicherungs-Division umgegliedert 202. Sicherungsbrigade und 203. Sicherungsbrigade wurden im Winter 1941/42 aufgelöst Die 416. ID war für den Einsatzraum Dänemark vorgesehen und wurde aus älteren Geburtsjahrgängen gebildet. 17. 328.–331. ID 4 Dezember 1941/Januar 1942 für den Einsatz in der Sowjetunion vorgesehen „Walküre“-Divisionen des Ersatzheeres; Zusammenstellung aus Ausbildungspersonal und Genesenen 18. 383.–385. ID, 387. ID, 389. ID 5 für den Einsatz in der Sowjetunion vorgesehen, nach kurzer Ausbildung Ende März/Anfang April 1942 nach Russland transportiert Durchschnittsalter der Mannschaften von 27 Jahren ohne schwere Artillerie-Abteilung mit jeweils nur einer Pionier-Kompanie -207. SD, 213. SD, 221. SD, 281. SD, 285. SD, 286. SD, 403. SD, 444. SD, 454. SD9März 1942An der Ostfront werden aus drei Divisionen der 3. Aufstellungswelle (207. ID, 213. ID und 221. ID) und Besatzungstruppen neun Sicherungs-Divisionen gebildet. So entstanden 207. SD, 281. SD und 285. SD bei der Heeresgruppe Nord und 221. SD, 286. SD und 403. SD bei der Heeresgruppe Mitte. 213. SD, 444. SD und 454. SD waren der Heeresgruppe Süd unterstellt. 19. 370. ID, 371. ID, 376. ID, 377. ID 4 März/April 1942 unter dem Oberbefehlshaber West aufgestellt für den Einsatz in Frankreich als Austausch der in Westeuropa liegenden Kampfdivisionen, welche an die Ostfront transportiert werden sollten, vorgesehen Aufstellung durch Wehrkreise VI, VII, VIII und IX mit jeweils drei IR und einem AR (mit unterschiedlicher Gliederung) - - -Für die Sommeroffensive 1942 Auffrischung von Divisionen im Westen beschränkte Auffrischung von Divisionen im Osten Kürzung der Infanterie um 1/3 der Gesamtstärke: Reduzierung von drei auf zwei Infanterie-Regimenter oder Reduzierung von drei auf zwei Bataillone je Infanterie-Regiment 20. 38. ID, 39. ID, 65. ID 3 Juli 1942 „Walküre“-Divisionen des Ersatzheeres für den Einsatz an der französischen Kanalküste vorgesehen -326. ID, 334. ID, 338. ID, 345. ID, 386. ID5November 1942 „Kriemhild“-Divisionen: ohne Wellenbezeichnung aus Verbänden des Ersatzheeres auf unterschiedlichen Truppenübungsplätzen aufgestellt