Röllshausen ist der nach Einwohnerzahl zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Schrecksbach im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.
Geographie Der Ort liegt am Westrand der Aueniederung der Schwalm. Zum Ort gehört auch die etwa 3 km östlich gelegene Gehöftgruppe Röllhausen. Östlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 254.
Ortsgeschichte Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde soweit bekannt das Dorf im Jahre 1223, als der Ritter Ludwig von Schönberg im Tausch von der Propstei Neuenberg Besitz in „Regilhusen“ erwarb.In erhaltenen Urkunden wurde Röllshausen unter den folgenden Namen erwähnt: Regilhusen (1223), Reylhusen (1224), Reilshusen (1240), Reileshusen (1243) und Relshausen (um 1580); () Röllshausen war Sitz des Gerichts Röllshausen. mini|Panorama des Burgküppels Propst Eckehard und der Konvent der Propstei Neuenberg verpachteten am 29. Juni 1264 dem Kloster Haina gegen eine jährliche Abgabe von 6 Pfund fuldischer Pfennige – je 3 zu Mariae Lichtmeß und Johannistag und 3 Pfund Wachs für das Neuenberger Kustosamt ihre sämtlichen Güter zu Sconenberg, „Reyleshusen“, Udorph und Leusel (Lutzela) mit allem Zubehör an Leuten, Höfen, Wäldern, Äckern usw., ausgenommen den Patronat der Kirche zu Schönberg und ein von der Abtei Fulda rührendes Lehen.HStAM, Urkunde 26, 1274.
Der Zusammenhang zwischen Burgstall Burgküppel und dem Ort ist aufgrund fehlender Quellen noch nicht genau geklärt. Genauso wenig wie die Zeitstellung der Turmhügelburg geklärt ist, die zumindest eine Ringwall aus Steinen besaß und wohl schon im 13. Jahrhundert wieder aufgegeben wurde.
Neuzeit Die evangelische Kirche, von 1722 bis 1724 von L. Gruber errichtet, ist ein Saalbau mit dreiseitigem Schluss und eingestelltem Turm. Die Ausstattung stammt aus der Bauzeit. Im zentralen Fenster hinter dem Altar befindet sich eine Glasmalerei mit der Kreuzigung Christi zwischen Maria und Johannes, um 1900 von der Marburger Werkstatt K.J. Schultz und Söhne geschaffen. Aus der gleichen Zeit stammt die 1896/97 von C. Euler geschaffene Orgel, deren Werk 1960 verändert wurde. Im Jahre 1943 dienten die Kirche und der Ort Röllshausen als Kulisse für den von Curt A. Engel gestalteten Agfacolor-Dokumentarfilm Bauernhochzeit in der Schwalm.https://www.youtube.com/watch?v=0NGLg1xtP6c
Der Ort besitzt eine große Anzahl Kulturdenkmäler.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 1. Januar 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Röllshausen mit den zugehörigen Weilern Schönberg und Trockenbach, im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz, in die Gemeinde Schrecksbach eingegliedert. Für Röllshausen wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Röllshausen angehört(e):
vor 1277: Heiliges Römisches Reich, Vogtei und Gericht Röllshausen als fuldisches Lehen der Grafschaft Ziegenhain vor 1580: Heiliges Römisches Reich, Vogtei und Gericht zeitweise adliger Besitz ab 1580: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt NeukirchenDie Zugehörigkeit des Amtes Neukirchen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich (bis 1806), Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Neukirchen ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Ziegenhain, Amt Neukirchen 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Neukirchen ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Neukirchen ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis ZiegenhainVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74 f.Trennung von Justiz (Justizamt Neukirchen) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Ziegenhain ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis, Gemeinde Schrecksbach
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Röllshausen 1188 Einwohner. Darunter waren 6 (0,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 195 Einwohner unter 18 Jahren, 465 zwischen 18 und 49, 270 zwischen 50 und 64 und 258 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 462 Haushalten. Davon waren 120 Singlehaushalte, 108 Paare ohne Kinder und 186 Paare mit Kindern, sowie 56 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 72 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 318 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1585: 65 Hausgesesse • 1639: 34 Männer, 11 Witwen • 1681: 52 Hausgesesse, 7 Ausschuss, 1 Junggesellen • 1747: 79 Feuerstellen
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 26 evangelisch-reformierte, 224 evangelisch-lutherische Einwohner • 1881: 750 evangelische, 17 jüdische Einwohner • 1885: 723 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 1027 evangelische (= 86,52 %), 1027 katholische (= 12,81 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1838: Familien: 48 Ackerbau, 45 Gewerbe, 46 Tagelöhner. • 1961: Erwerbspersonen: 245 Land- und Forstwirtschaft, 214 produzierendes Gewerbe, 34 Handel und Verkehr, 49 Dienstleistungen und Sonstiges.
Politik Für Röllshausen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Holzburg mit den Ortsteilen Schönberg und Trockenbach) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat Röllshausen 55,18 %. Es erhielten die SPD mit 45,10 % der Stimmen drei Sitze, die CDU mit 13,15 % einen Sitz und die „Unabhängige Wählergemeinschaft Schrecksbach“ (UWG) mit 41,74 % drei Sitze. Der Ortsbeirat wählte Bernd Helmbold (UWG) zum Ortsvorsteher.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
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Kategorie:Ortsbezirk von Schrecksbach Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Schwalm-Eder-Kreis) Kategorie:Ersterwähnung 1223 Kategorie:Gemeindeauflösung 1974 Kategorie:Ort im Schwalm-Eder-Kreis