mini|Thomas Rowlandson Dr. Primrose, Pfarrer von Wakefield Der Pfarrer von Wakefield (englisch The Vicar of Wakefield. A Tale. Supposed to Be Written by Himself) ist der einzige Roman des irischen Autors Oliver Goldsmith, der 1766 erstmals veröffentlicht wurde. Der Roman beschreibt aus der Sicht der Titelfigur das Schicksal von Pfarrer Dr. Primrose und seiner Familie. Der Roman beginnt mit einem harmonischen Familienidyll einer finanziell abgesicherten Pfarrersfamilie auf dem Land. Es folgt eine Serie von Schicksalsschlägen, von Verlust des Vermögens, Krankheit und Verschwinden der beiden Töchter, bis sich die Probleme schließlich durch den Eingriff eines Freundes der Familie zum Guten wenden.

Während die literarische Kritik dem Roman zwiespältig gegenüberstand und andere Romane, etwa von Samuel Johnson, höher bewertet, war The Vicar of Wakefield von Anfang an ein Publikumserfolg. Der Roman war im 18. und 19. Jahrhundert überaus erfolgreich und diente als Vorbild für spätere Hausväterromane.

Inhalt Handlung miniatur|Der Kauf des Hochzeitskleides von William Mulready Dr. Charles Primrose lebt ein beschauliches Leben in einer ländlichen Pfarrei zusammen mit seiner Frau Deborah, dem Sohn George, den Töchtern Olivia und Sophia und drei weiteren Kindern. Sein Gehalt als Vikar spendet er den Armen und Kriegsveteranen des Ortes, da er von den Zinsen eines ererbten Vermögens gut leben kann. Sein ältester Sohn George, der ein Studium in Oxford abgeschlossen hat, wirbt um Arabella Wilmot, die schöne Tochter eines Geistlichen aus der Nachbarschaft, die eine bedeutende Mitgift zu erwarten hat. Am Vorabend der Hochzeit stellt sich heraus, dass Primrose sein gesamtes Vermögen durch die Machenschaften eines Betrügers verloren hat, woraufhin der Vater von Arabella die Hochzeit absagt.

Angesichts der geänderten finanziellen Lage ist die Familie gezwungen, sich neu zu orientieren: Der Sohn George soll das Beste aus seiner Ausbildung an der Universität machen und wird nach London geschickt, um dort ein Auskommen zu finden. Pfarrer Primrose sucht nach einer neuen Stellung als Pfarrer und zieht mit seiner Familie in ein bescheideneres Haus auf dem Grundbesitz des Gutsherrn Thornhill. Auf dem Weg zu ihrer neuen Bleibe machen sie in einem Gasthaus Halt. Der Gastwirt kennt die zukünftige Heimat der Primroses und auch den Gutsherrn Thornhill; er warnt sie vor Thornhill, der einen schlechten Ruf als notorischer Schürzenjäger hat.

Primrose freundet sich mit einem Gast an, Herrn Burchell, dem Primrose aus der Klemme hilft, weil dieser seine Rechnung nicht bezahlen kann. Burchell schließt sich Primrose und seiner Familie als Reisegefährte an, da er zum Teil dieselbe Reiseroute hat. Das Gespräch während der weiteren Reise kommt auch auf Sir William Thornhill, den Onkel ihres zukünftigen Gutsherrn Thornhill: Sir William Thornhill soll einen guten Ruf als Menschenfreund haben, aber auch ein Exzentriker sein. Als Sophia auf dem Weg plötzlich vom Pferd fällt und in einen Bach stürzt, rettet Burchell sie vor dem Ertrinken, worauf sich sowohl Sophia als auch die Familie dankbar zeigen. Kurz darauf trennen sich die Wege von Burchell und der Familie.

An ihrem neuen Wohnort widmet sich Charles Primrose der Familie, amtiert als örtlicher Pfarrer und bewirtschaftet ein kleines Pachtgut in der Hoffnung, dadurch das kleine Einkommen von 15 Pfund aufzubessern. Sie lernen schließlich auch ihren Gutsherrn, Ned Thornhill, kennen, der sich als attraktiver und charmanter Mann herausstellt und der Interesse an der hübschen Olivia zeigt. In der Folge pflegen Herr Thornhill und sein Gefolge und die Familie Primrose einen regelmäßigen Kontakt, der die Hoffnung vor allem der Mutter und Töchter auf sozialen Aufstieg nährt.

Auch Herr Burchell taucht wieder auf und besucht die Familie regelmäßig. Es wird deutlich, dass Herr Burchell ein Interesse an der jüngeren Tochter Sophia hat, und auch Sophia, so muss Primrose feststellen, scheint verliebt in Burchell, was Primrose jedoch missfällt, da Burchell ein armer Mann zu sein scheint.

Die ältere Tochter Olivia beginnt Gefallen an Thornhill zu finden. Die Damen aus Thornhills Gefolge freunden sich mit Sophia und Olivia an und machen ihnen Hoffnung auf einen längeren Besuch in London. Dieser Plan zerschlägt sich jedoch, denn es gelingt Burchell durch einen Brief, diesen Besuch zu vereiteln, wodurch es zu einem Bruch zwischen Burchell und den Primroses kommt.

mini|E. Frére: Dr. Primrose wütend nach Olivias Verschwinden (Kap. 17)

Zu einem Wendepunkt kommt es für die Familie, als Olivia verschwindet und das Gerücht umgeht, dass sie mit einem Mann durchgebrannt sei. Dr. Primrose macht sich allein auf die Suche nach ihr, findet sie zunächst jedoch nicht und erkrankt so schwer, dass er für drei Wochen in einem Gasthaus pausieren muss.

Auf seinem Rückweg nach Hause trifft er auf Arabella Wilmot und ihren Onkel und ihre Tante, die in der Region wohnen, sowie auf seinen Sohn George, der nach langen Abenteuern in England und auf dem europäischen Kontinent sich einer Schaustellergruppe angeschlossen hat. Es wird deutlich, dass die Liebe zwischen Arabella und George nicht nachgelassen hat, obwohl es Gerüchte gibt, dass Arabella Ned Thornhill heiraten soll.

Herr Thornhill, der ebenfalls zu Besuch bei Arabellas Onkel und Tante eintrifft, bietet George eine Stelle als Soldat an. Da dieser kein Geld hat und keinen Verdacht schöpft, dass Thornhill ihn vielleicht loswerden will, bricht er sofort nach London auf.

Auf seiner Rückreise nach Hause findet Primrose schließlich durch Zufall auch seine verloren geglaubte Tochter Olivia in einem Gasthaus. Wie sich herausstellt, wurde sie von Herrn Thornhill dazu überredet, mit ihm fortzugehen, nachdem er ihr Zuneigung vorgetäuscht hatte. Thornhill hat Olivia zwar geheiratet, aber dies war wohl nur eine vorgetäuschte Trauung mit einem bestochenen Geistlichen, ein Trick, den Thornhill bekanntermaßen schon bei anderen Frauen angewandt hat. Thornhill hat sie dann in einem Haus zurückgelassen, in dem Frauen lebten, die vermutlich der Prostitution nachgingen.

Als Olivia und ihr Vater endlich nach Hause zurückkehren, steht ihr Wohnhaus in Flammen. Die Familienmitglieder können zwar alle gerettet werden, aber die Familie verliert durch den Brand all ihren Besitz und muss in eine Scheune ziehen. Gleichzeitig erhalten sie eine Bestätigung der Gerüchte, dass Herr Thornhill beabsichtigt, Arabella Wilmot zu heiraten, was die von Thornhill betrogene Olivia in noch größeren Kummer stürzt.

Herr Thornhill fügt ihrem Missgeschick noch weiteres Unglück hinzu, denn er leugnet den Betrug an Olivia. Außerdem besteht er auf der Zahlung eines Schuldscheins und des ausstehenden Pachtzinses, obwohl die Familie mittellos ist. Dr. Primrose ist empört, kann nicht zahlen und wird ins Schuldgefängnis eingewiesen.

Es folgen weitere Schicksalsschläge für die Familie: Dr. Primrose hört im Gefängnis, dass Olivia krank und schließlich verstorben und Sophia entführt worden sei. George wird blutverschmiert und in Ketten in das Gefängnis als weiterer Insasse eingeliefert, denn er hat – erfolglos – Thornhill zu einem Duell gefordert, woraufhin Thornhill George hat verprügeln und verhaften lassen.

In dieser verzweifelten Situation taucht Herr Burchell im Gefängnis auf, gefolgt von zunächst Ned Thornhill und dann Arabella Wilmot und ihrem Vater. Wie sich herausstellt, ist Herr Burchell in Wahrheit Sir William Thornhill, der Onkel ihres bösartigen Gutsherrn Ned Thornhill. Sir William gefällt es, gelegentlich in Verkleidung durch die Lande zu ziehen. Sir William ist es gelungen, Sophia zu retten, die tatsächlich beinahe entführt worden wäre. Außerdem stellt sich heraus, dass die erkrankte Olivia nicht tot ist.

Das hinterhältige Verhalten von Sir Williams Neffen, Herrn Thornhill, wird endlich aufgedeckt, so dass Arabella darauf verzichten will, ihn zu heiraten. Stattdessen wird sie George heiraten, den sie immer noch liebt und der von Sir William aus dem Gefängnis befreit wird. Arabellas Vater gibt nun auch seine Zustimmung. Sophia wiederum nimmt den Heiratsantrag von Sir William an.

Auch Olivias missliche Situation bessert sich, denn die angebliche Scheinheirat mit Herrn Thornhill stellt sich als echt heraus. Thornhill wurde von seinem Diener hereingelegt, der ihm einen echten Geistlichen für die Hochzeit brachte und ihn bei Gelegenheit mit dem echten Trauschein unter Druck setzen wollte.

Der Roman endet mit der Doppelhochzeit von George und Arabella sowie Sir William und Sophia. Ned Thornhill ist durch die Aufdeckung seiner Missetaten ruiniert und lebt mit einem kleinen Unterhalt von Sir William geduldet weit weg von Olivia bei entfernten Verwandten. Schließlich ist auch das Vermögen des Pfarrers Primrose gerettet, denn der bankrotte Händler, der mit dem Geld Primroses verschwunden war, wird aufgefunden.

Personen

Charakter Details Reverend Dr. Charles Primrose Erzähler, Pfarrer Deborah Primrose Ehefrau von Dr. Primrose George Primrose ältester Sohn der Familie Primrose, ehemaliger Oxfordstudent, später Ehemann von Arabella Wilmot Olivia Primrose älteste Tochter der Familie Primrose, später Ehefrau von Ned Thornhill Sophia jüngste Tochter der Familie Primrose, später Ehefrau von Sir William Thornhill Moses zweitältester Sohn der Familie Primrose, soll einmal Geschäftsmann werden Dick und Bill die beiden jüngsten Kinder der Familie Primrose Ned Thornhill Neffe von Sir William Thornhill, Frauenheld und versuchter Polygamist, später Ehemann von Olivia Sir William Thornhill, Mr. Burchell wohlhabender Grundbesitzer, der sich als Vagabund ausgibt, später Ehemann von Sophia

Weltbild Der Roman vermittelt zu Beginn und zum Ende ein Bild des ländlichen Glücks, in dem sich die Pfarrersfamilie in Harmonie um den heimischen Kamin versammelt. Der Literaturwissenschaftler Theo Stemmler bezeichnet die Darstellung als „gestörte Idylle“, denn das Familienglück des Pfarrers Dr. Primrose wird durch verschiedene Ereignisse gestört, darunter die für die Familie unheilvolle Bekanntschaft mit Ned Thornhill, ihrem Gutsherrn, sowie das Verschwinden der Tochter Olivia und der Brand in ihrem Haus, der das Heim und alle Habseligkeiten der Familie zerstört.Theo Stemmler: Nachwort. In: Der Pfarrer von Wakefield. Aus dem Englischen übersetzt von Ernst Susemihl (1841), Durchsicht der Übersetzung von Theo Stemmler. Goldmann, München 1984, ISBN 3-442-07642-0, S. 208–212.

Form Struktur und Erzählperspektive Der Ich-Erzähler und Protagonist Dr. Charles Primrose schildert im Rückblick, wie es zum Abstieg und Aufstieg seiner Familie kam. Da der rückblickende Erzähler mehr Wissen über das Geschehen hat als die Figur selbst im Moment des Erlebens, kann er dem Leser immer wieder Hinweise zum weiteren Verlauf der Handlung geben. Die Perspektive des Erzählers ist auf Dr. Primrose begrenzt, so dass der Leser nur erfährt, was Primrose denkt oder vermutet.

Die Ich-Erzählsituation wird mehrfach von nicht narrativen Elementen durchbrochen, so z. B.: BalladeAlle Belege aus: Oliver Goldsmith: The Vicar of Wakefield. Oxford University Press, Oxford 2008, hier S. 35–40.; Gespräch über die sich verändernde Welt (S. 62), Allegorie über Schuld und Schande (S. 68f.), Klagelied (S. 76f.), Allegorie über das Wandeln durch das finstere Tal des Elends (S. 82f.), Primroses Monolog über Freiheit, Politik, Reichtum, Handel und Monarchie (S. 85–88), Unterhaltung mit Mitgliedern der Theatergruppe über den gegenwärtigen Geschmack (S. 83f.), Predigt im Gefängnis über Bestrafung, (S. 133f.), Matildas Tragödie (S. 115–117), Geschichte vom Riesen und vom Zwerg (S. 57f.).

Des Weiteren gibt es mehrere kurze Binnenerzählungen, die in indirekter Rede aus der Perspektive anderer Charaktere erzählt werden. Dementsprechend berichtet George von seinem Verbleib und Sophia und Olivia von ihren Entführungen.

Motive