Die Loreley war ein Aviso der Preußischen und der Kaiserlichen Marine. Das 1859 vom Stapel gelaufene Schiff nahm am Deutsch-Dänischen und am Deutschen Krieg teil und war lange Zeit als Stationsschiff im Nahen Osten tätig. Von 1870 bis 1873 erfolgte ein Komplettumbau auf der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven. Der Aviso wurde 1896 außer Dienst gestellt und verkauft.

Geschichte Entwicklung und Bau mini|links|Gemälde der Loreley von Lüder Arenhold 1905.

1855 erwarb die preußische Marine die Fregatte Thetis im Tausch gegen die beiden Radavisos Nix und Salamander von der britischen Royal Navy. Dadurch mangelte es an einem kleineren maschinengetriebenen Schiff, das den Ruderkanonenschaluppen und -jollen als Führerschiff im Kriegsfall dienen konnte. Die 1856 in Auftrag gegebene Grille war für diesen Zweck ungeeignet, da als königliche Yacht geplant. Die Technische Abteilung der Admiralität konstruierte daher 1857 einen Entwurf für einen radgetriebenen Aviso. Sowohl von der Verwendung eines Schraubenantriebs als auch eines eisernen Rumpfes sah man aufgrund von Bedenken zur Verwendbarkeit ab. Die mit dem Bau beauftragte Königliche Werft in Danzig streckte am 1. Februar 1858 den Kiel des Schiffes. Die Benennung des Neubaus nach dem berühmten Loreleyfelsen wurde am 5. März durch eine „Allerhöchste Cabinettsordre“ festgelegt. Der Stapellauf erfolgte am 20. Mai 1859. Die Loreley wurde anschließend innerhalb von vier Monaten fertiggestellt. Die Gesamtkosten für den Neubau beliefen sich auf 103.000 Taler.

Erste Einsatzzeit Die erste Indienststellung des Radavisos fand am 28. September 1859 statt. Die durchgeführten Probefahrten zeigten, dass die Leistung der von der Maschinenfabrik der Preußischen Seehandlung in Berlin-Moabit gebauten Dampfmaschine geringer ausfiel als vertraglich gefordert. Trotz dessen erfolgte keine Nachbesserung. Nach kurzer Zeit wurde die Loreley wieder außer Dienst gestellt.

Erster Auslandsdienst Die im Zuge des Risorgimentos in Italien herrschenden Unruhen und dem Vormarsch der Freischärler unter Giuseppe Garibaldi im Königreich beider Sizilien ließen den Schutz der dort lebenden Staatsangehörigen Preußens und anderer deutscher Bundesstaaten wünschenswert erscheinen. Die Loreley wurde daher am 23. Juli 1860 wieder aktiviert und für den Auslandseinsatz ausgerüstet. Als Bewaffnung kamen behelfsmäßig Kanonen an Bord, die 1848/49 auf der Preußischer Adler eingesetzt worden waren. Die beiden eigentlich für die Loreley bestimmten Geschütze hatte die Gießerei zu diesem Zeitpunkt noch nicht geliefert. Um notfalls deutsche Residenten evakuieren zu können, charterte die Marine den Schraubendampfer Ida von der Danziger Werft J. W. Klawitter. Neben der zivilen Besatzung erhielt das Schiff ein militärisches Kommando, bestehend aus einem Leutnant zur See I. Klasse, drei Maaten und fünf Matrosen, und wurde dem Kommandanten der Loreley, Korvettenkapitän Hans Kuhn, unterstellt.

Die Loreley lief am 31. Juli aus Danzig aus, die Ida folgte ihr am 9. August. Beide Schiffe trafen sich am 31. August vor Neapel. Am 7. September zogen Garibaldis Truppen in Neapel ein, nachdem König Franz II. und seine Frau Marie am Tag zuvor mit einem spanischen Kriegsschiff nach Gaeta geflohen waren. Die beiden preußischen Schiffe hatten in der Folge die preußische und die österreichische Gesandtschaft und zwei päpstliche Sekretäre ebenfalls nach Gaeta zu bringen. Für die Loreley folgte eine Fahrt nach Messina zur Überbringung eines Briefes des Königs an den dortigen Gouverneur. In Neapel zurück hatten beide Schiffe den ansässigen Deutschen Schutz vor den Kampfhandlungen zu geben. Dadurch zogen sie sich den Unwillen der Befürworter der italienischen Einigung zu.

Die Loreley erhielt im Oktober den Befehl zur Verlegung nach Griechenland und die Türkei. Zunächst lief der Aviso Piräus an. Da Preußen nach dem Ende des Krimkrieges das Recht zugesprochen wurde, auf der Sulinamündung dauerhaft ein Kriegsschiff zu stationieren, hatte die Loreley anschließend auch in das Schwarze Meer weiterzudampfen. Das Schiff stand im Juni 1861 der preußischen Gesandtschaft in Konstantinopel zur Verfügung. Dabei wurde auch eine Fahrt zum Berg Athos unternommen. Im Sommer 1862 trat die Loreley schließlich die Heimreise an. Am 7. August wurde der Radaviso auf dem Dänholm außer Dienst gestellt.

Deutsch-Dänischer Krieg Ende des Jahres 1863 nahm die Gefahr eines erneuten Krieges mit Dänemark stetig zu. Die preußische Marine wurde daher am 8. Dezember in Kriegsbereitschaft versetzt. Neun Tage später erfolgte die organisatorische Zusammenfassung der Kanonenboote der Camaeleon- und der Jäger-Klasse sowie der Kanonenschaluppen und -jollen zu einer Flottille unter dem Kommando von Hans Kuhn, zu diesem Zeitpunkt bereits zum Kapitän zur See befördert. Als Flaggschiff für diesen in fünf Divisionen gegliederten Verband war die Loreley vorgesehen. Der Radaviso wurde nach Beginn des Deutsch-Dänischen Krieges am 21. Februar 1864 in Dienst gestellt und erhielt Swinemünde als Hauptliegehafen. Am 15. März führten die Loreley und drei der Kanonenbootsdivisionen Übungen in den Gewässern um Rügen durch. Ein für den nächsten Tag geplantes Manöver mit der I. Division, bestehend aus Comet, Hay, Hyäne, Pfeil, Scorpion und Wespe, musste wegen eines aufgekommenen Sturms dicht unter Land erfolgen.

mini|Loreley und Nymphe im Gefecht mit der Sjaelland, Gemälde von Alexander Kircher

Nach Stralsund zurückgekehrt, erhielt die Loreley vom Chef der Marinestation und Befehlshaber der Streitkräfte, Kapitän zur See Eduard Jachmann, den Befehl zum erneuten Auslaufen in die Gewässer östlich von Rügen. Dort waren am 16. März dänische Blockadeschiffe gesichtet, jedoch aufgrund der einbrechenden Dunkelheit nicht angegriffen worden. Die Loreley lief gemeinsam mit der I. Division sowie der zur III. Division gehörenden Sperber aus. Im Prorer Wiek sichtete der Aviso am 17. März vormittags die fünf dänischen Schiffe Skjold, Tordenskjold, Själland, Heimdal und Thor und meldete sie gegen 13 Uhr an Jachmann. Gegen 14.30 Uhr begann der Angriff der preußischen Schiffe auf die Dänen. Neben der Loreley waren die Nymphe sowie Jachmanns Flaggschiff Arcona an diesem Seegefecht direkt beteiligt, während die Kanonenboote aufgrund eines falsch verstandenen Befehls in Richtung Granitz vorstießen. Während des Gefechts erhielt die Loreley einen Treffer in den Davit des Steuerbord-Kutters. Dieser wurde dabei weggerissen und ein Mann der Besatzung getötet. Nach 16 Uhr wurde der Angriff abgebrochen. Die unterlegenen preußischen Schiffe konnten keinen Sieg erringen. Jedoch verhinderte das Gefecht die befürchtete enge dänische Blockade um die deutschen Häfen.Hans H. Hildebrand, Albert Röhr, Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Band 1: Geschichtlicher Überblick, Schiffsbiographien von Adler bis Augusta. Mundus Verlag, Ratingen, S. 240. Während die beiden Korvetten nach Swinemünde abliefen, steuerten die Loreley und die Kanonenboote wieder Stralsund an.

Bereits am 27. März wurde Prinz Adalbert von Preußen Befehlshaber der Seestreitkräfte. Zwei Tage später wurden alle Dampfkanonenboote in Stralsund zusammengezogen. Die vier in Dienst befindlichen Boote der Camaeleon-Klasse bildeten fortan die Reserve-Division. Am 14. April sowie erneut am 3. Juli geriet die III. Division, am 6. Mai die Reserve- und die I. Division in Gefechtsberührung mit dänischen Schiffen. Die Loreley war jedoch, obwohl weiterhin Führerschiff der Kanonenboote, an allen drei Gefechten nicht beteiligt. Jedoch führte der Aviso die am 5. Juni bei Swinemünde stattfindende Parade der Divisionen vor König Wilhelm I. an. Das Flottillenkommando wurde zum 31. August aufgelöst, nachdem bereits am 31. Mai und am 25. Juni mehrere Boote außer Dienst gestellt worden waren. Am 23. September wurde auch die Loreley in Danzig außer Dienst gestellt.

1865 bis 1868 In den folgenden Jahren wurde der Aviso jeweils im Sommer aktiviert. Dabei war die Loreley auch während des Deutschen Krieges im Dienst, so etwa bei der Eroberung von Stade und bei der kampflosen Besetzung hannoverscher Küstenbatterien in der Emsmüdung am 22. Juni 1866.Mirko Graetz: Von Helgoland bis Agadir – Kampfeinsätze preußischer und deutscher Kriegsschiffe vor 1914, 2., erw. Auflage, Lulu Enterprises Inc., Morrisville, 2008, ISBN 978-1-4092-2130-2, Seite 43–44. 1868 erfolgte zunächst ein kurzer Einsatz vom 21 April bis zum 6. Mai, ein weiterer folgte in diesem Jahr vom 13. Juli bis zum 1. November.

Umbau Zu Ende der 1860er Jahre machte der Zustand der Loreley eine umfangreiche Grundüberholung notwendig. Mit den Arbeiten wurde die neu gegründete Königliche Werft in Wilhelmshaven beauftragt, die sie unter der Baunummer 1 ausführte. Der Umbau war so umfassend, dass er amtlich sogar als „Neubau“ bezeichnet wurde. Tatsächlich fand aber keine Streichung der Loreley aus der Liste der Kriegsschiffe statt, es entstand also in dieser Hinsicht kein neues Schiff. 1870 begannen die Arbeiten am Schiff, das vor allem einen neuen mit Eisenspanten versehenen, aber holzbeplankten Rumpf erhielt. Aufgrund des Krieges gegen Frankreich kam es zu Verzögerungen, weshalb der Aviso erst am 19. August 1871 wieder zu Wasser gelassen werden konnte. Bis Anfang des Jahres 1873 wurde der Umbau fertiggestellt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 151.500 Taler.

Der Umfang der Arbeiten und die offizielle Bezeichnung als Neubau einerseits sowie die durchgängige Führung des Schiffs im Schiffsregister der Marine andererseits führen in der Fachpresse zu unterschiedlichen Einordnungen als Neu- oder Umbau. So spricht beispielsweise Erich Gröner von einem Umbau, der „fast nur der Entholzung“ diente.

Zweite Einsatzzeit Tender der Marinestation der Nordsee Die Loreley konnte am 16. April 1873 wieder in Dienst gestellt werden. Der Aviso wurde der Marinestation der Nordsee als Tender zugeteilt. Im Juli und August diente das Schiff dem Kronprinzen Friedrich und seiner Familie während eines Aufenthaltes auf Föhr. Im September folgte eine Küstenbereisung, zu der sich Offiziere des Generalstabes an Bord befanden. Am 3. November wurde die Loreley wieder außer Dienst gestellt.

Vom 17. März 1874 wurde der Aviso wieder aktiviert und knapp fünf Jahre lang durchgängig als Tender der Marinestation der Nordsee in Dienst gehalten. Am 18. Juni 1878 erhielt die Loreley den Befehl, an der Bergung der vor Folkestone untergegangenen Großer Kurfürst mitzuwirken. Auch die Beisetzung der geborgenen Leichen hatte die Besatzung der Loreley zu überwachen. Nach Abschluss dieser Arbeiten war der Aviso am 21. September wieder in Wilhelmshaven zurück und nahm den Dienst als Tender wieder auf. Dieser endete vier Monate später am 23. Januar 1879.

Stationär in Konstantinopel Im Frühjahr 1879 wurde die Loreley durch die Kaiserliche Werft Wilhelmshaven zum Stationär für Konstantinopel hergerichtet, wobei auch ein neuer Kessel eingebaut wurde. Die Mittelmeerstation war bis zu diesem Zeitpunkt nur gelegentlich besetzt worden, jedoch plante die Marine die dauerhafte Stationierung eines Kriegsschiffes. Dieses sollte auch der deutschen Botschaft zur Verfügung stehen. Nach der Indienststellung der Loreley am 1. Juli 1879 trat sie am 20. Juli die Ausreise an und erreichte am 30. August den Bosporus. Bis zum April 1880 erfolgte eine Rundreise durch das Stationsgebiet. Die Repräsentation des Deutschen Reiches, der Schutz und die Förderung seiner Wirtschaftsinteressen gehörten zu den Hauptaufgaben des Avisos. Entsprechend wurde auch im Jahr 1881 eine Rundreise unternommen.