mini|hochkant|Aufnahme vor 1897 Karl Borromäus Landsteiner (* 30. August 1835 auf Schloss Stoitzendorf bei Eggenburg (Niederösterreich); † 3. April 1909 in Nikolsburg) war ein österreichischer katholischer Priester, Landesprälat in Mähren, Schriftsteller, Novellist und Ehrenpräsident des Wiener Tierschutzvereines.Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Er schrieb unter dem Pseudonym Arthur Landerstein.

Biografie Karl Borromäus Landsteiner wurde im Jahre 1835 als Sohn des Franz Landsteiner (1787–1859), stiftsherrlicher Guts- und Schlossverwalter in Stoitzendorf, und der Theresia Antonia Schaur geboren. Der Vater, Sohn eines Justiz- und Landesgerichtsverwalters in Weinern, war auch Zeichner und Maler. Sein Großvater Anton Schaur war Waisenamtsverwalter im Stift Lilienfeld, der Bruder des Vaters, Columban Landsteiner,Ignaz Franz Keiblinger: Geschichte des Benedictiner-Stiftes Melk in Niederösterreich, seiner Besitzungen und Umgebungen, Fr. Beck’s Universitätsbuchhandlung, Wien 1851, S. 1077 war Dechant und Konventuale des Stifts Melk.

Landsteiner studierte Theologie und Philologie und legte die Staatsprüfung in Geschichte, Kunstgeschichte, Geographie und Germanistik ab. Im Jahre 1857 trat er dem Piaristenorden bei und erhielt 1860 die Priesterweihe. Sein Übertritt in den Weltpriesterstand erfolgte im Jahre 1873. Landsteiner war als katholischer Priester Studienpräfekt im gräflich löwenburgischen Konvikt in Wien, kaiserlich königlicher Professor für Deutsch und Geschichte an den Piaristen-Gymnasien in Krems (1864–1869) und in Wien (1869–1886). Nebenbei engagierte er sich als Mitglied des Wiener Gemeinderats von 1876–1886. Karl Borromäus Landsteiner war Mitglied des Landesschulrates, Schulreferent im Wiener erzbischöflichen Konsistorium, Ehrendoktor, ab 1880 Domherr zu St. Stephan und zuletzt Propst von Nikolsburg in Mähren, wo er 1909 verstarb. Er wurde auf dem Oberen Stadtfriedhof in Klosterneuburg bestattet.

Als Schriftsteller verfasste er Erzählungen in Wochenzeitungen und Kalendern, Artikel zum Tierschutz, Romane, Epen, Dramen, Gedichte und vor allem Novellen, welche zum größten Teil in Zeitschriften erschienen.

Über sich selbst sagte er, sein Wahlspruch sei: Wie Gott will. Um eine Selbsteinschätzung gebeten, zitierte er eines seiner Gedichte: Was gibt es schön’res auf der Welt, Als durch die Welt zu wandern, Von einem Ort zum andern. Wie’s Vöglein unterm Himmelszelt?

So wand’re ich unter Gottes Schutz, So zieh’ ich froh durchs Leben, Bin ich dem Rechte stets ergeben, So biet’ der ganzen Welt ich Trutz.

Werke Diese Aufzählung erfasst nur einen Teil seines Schaffens. (anonym), An die Eisenbraut, 1859, Lyrik Lessing als Bibliothekar, Progr. des Josefst. Gymn., 1860, Essay Aus dem Leben eines Unbekannten. Freiburg im Breisgau, Herder, 1860. In dritter Auflage unter dem Titel: Trautheim, Roman Die Kinder des Lichtes, Freiburg im Breisgau, Herder, 1861; Auflage 1889 unter dem Titel: Der Geist der Revolution, Roman Pulsschläge, 1862; Auflage 1866 mit: Tannhäuser, Fragment einer Tragödie, Lyrik Edmund Fröhlich der Abenteurer, Leipzig, Fleischner, 1862, Roman Der österreichische Einheitsstaat in historischer Entwicklung, Progr. des Josefst. Gymn., 1863, Aufsatz Festpredigt, 1865 Die Rose von Jericho, Aachen, Jacobi, 1866, Novelle Otto I. im Kampf mit den deutschen Herzögen, Progr. des Kremser Gymn., 1867, Aufsatz Vater Eisenhammer, Würzburg, Woerl, 1867, Roman Die Landtagskandidaten, Würzburg, Woerl, 1867, Lustspiel Ein gemütlicher Mensch, 1867, Drama Nicolaus Lenau’s Geistesprozeß, Progr. des Josefst. Gymn., 1868 Reste des Heidenglaubens in Sagen und Gebräuchen des niederösterreichischen Volkes, Progr. des Kremser Gymn., 1868 Hans Makart und Robert Hamerling, eine vergleichende Studie, Wien, Alfred Hölder, 1869 Die Kaiserstadt an der Donau, 1869 (anonym), „Österreichs letzter Rettungsanker“, 1870 (ein politisches Programm der Völkerversöhnung auf verfassungsrechtlicher Grundlage) Das Babel des Ostens, Bilder aus dem Wiener Leben, 1870 Anton Krothentaller, 1871, Abhandlung Ein österreichischer Schulmeister (Johann Wurth), Progr. des Josefst. Gymn., 1871 Das Leben eines Paria, Ein Schmerzensschrei (Autobiografie), 1872 Des Kaisers Jubeltag, 1873, Festrede Wiener Licht- und Schattenbilder, 1873 Erwin, Wien, Alfred Hölder, 1874, Epos Kants Ding an sich, (erhielt einen Preis) (Hrsg.) Da Naz, a niederösterr. Bauernbui geht in d’ Fremd, 1875, von seinem Ordensbruder Joseph Misson (Hrsg.) Erzählungen des Pfarrers von Kirchtal, von Ordensbruder Podlahn, wurde ins Ungarische und Französische übersetzt Der Segenswunsch der Völker, 1881 (zur Vermählung des Kronprinzen Erzherzog Rudolf), Drama Festpredigt, 1881 Österreichs Jubeltag, 1882, Festrede Der Bürgermeister von Wien, 1883, Festspiel, anlässlich der Türkenfeier in Wien Die ewige Stadt, Wien, Alfred Hölder 1887, Gedichtzyklus Mariša, Leipziger Illustrierte Zeitung und Novellenbuch der Leipziger Illustrierten Zeitung, 1889 Ein fahrender Sänger, 1889, Epos Das Ideal, 1889, Drama Der Römerturm (erhielt einen Preis) Im Wächterhause, Leipziger Illustrierte Zeitung 1891 Der Antichrist, Trauerspiel der letzten Zeiten, Wien, Alfred Hölder, 1891 Im Walde, 1893; Wien, Alfr. Hölder, Auflage 1896 unter dem Titel: Eine Weihnachtsgabe; Wien, Alfred Hölder, 1898 unter dem Titel: Vor dem Abstieg, Lyrik Marietta und Lorenzo, ein Idyll vom Karst, Leipzig, Robert Claußner, 1893, Epos Böhmerwaldpassionsspiel, 1894, Drama Die grausamste aller Moden, Wiener Tierschutz-Verein, Wien, 1894 Höritzer Passions- u. Osterspiel, 1894, Drama Der heilige Severin, der Apostel Norikums, Wien, Alfred Hölder, 1896, Liederspiel, vertont durch den Organisten Bauer Anno dazumal, Erzählung aus der Franzosenzeit Wiens, 1896, 2. Auflage Wien, H. Kirsch, 1904 Edel sei der Mensch! Verlag des Wiener Tierschutz-Vereines, Wien Alfred Hölder, 1897, Gedichtzyklus Aus der Tiefe, 1898, Drama Atlantis, 1899, Drama Ein Jünger Ahasvers, Regensburg, Nationale Verlagsanstalt, 1900, Roman Die Geister des Sturmes, Regensburg, Manz, 1902, Roman Josef Wichner, 1903, Abhandlung Walter von Habenichts, 1906, Roman Tierschutz und Vivisektion, Verband der Schweizer Vereine gegen die Vivisektion

Vertonte Gedichte Jungmann: Kaiserjubiläumslied Max von Weinzierl (1841–1898): Morgenlied Frei: Glöcklein im Herzen vierstimmiger Chor: Frühlingstraum Behr: Ein Lied Jörgen Melling: Stete Sehnsucht, vier Gedichte

Ehrungen Im Jahre 1876 erhielt er die Goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst. Goldene Salvatormedaille Römischer Ehrendoktor für die Arbeit „Kants Ding an sich“ Goldenes Jerusalem-Pilgerkreuz, 1902 verliehen durch Papst Leo XIII. Nach ihm wurde im Jahre 1909 die Landsteinergasse (Ottakring) benannt.

Literatur

Martin Maack: Die Novelle. Ein kritisches Lexikon über die bekanntesten deutschen Dichter der Gegenwart mit besonderer Berücksichtigung der Novellisten. Lübeck 1896, S. 63. Franz Binder und Georg Jocher (Hrsg.): Historisch-Politische Blätter für das katholische Deutschland. Theod. Riedel, München 1904, S. 759 ff.

Weblinks

Bestand in den Katalogen der Österreichischen Nationalbibliothek Wien

Einzelnachweise

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