Elsey ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Hohenlimburg der kreisfreien Großstadt Hagen in Nordrhein-Westfalen. 2018 lebten insgesamt 9290 Einwohner in den beiden Wohnbezirken Elsey-Nord und Elsey-Süd. 2024 waren es insgesamt 9303 Einwohner.Einwohnerzahlen Stadt Hagen – Instantatlas.
Geografie Elsey wird im Westen durch die Lenne begrenzt. Im Norden führt die Bundesautobahn 46 vorbei, die Elsey von den Ortsteilen Reh und Henkhausen trennt. Beide Ortsteile sind historisch mit Elsey verbunden. Im Osten reicht Elsey bis an die Hagener Stadtgrenze zu Iserlohn und im Süden bis zum Stadtteil Hohenlimburg-Mitte und dem Naturschutzgebiet Steltenberg, das an den Ortsteil Oege grenzt. Die höchste Erhebung Elseys ist der 257 m hohe Steltenberg. mini|Evangelische Kirche Elsey
Geschichte Elsey ist einer der ältesten Orte im Raum Hagen und wohl schon ab dem 9. Jahrhundert als karolingischer Königshof an der Lennestraße bzw. am Heerweg von Hohensyburg nach Altena entstanden. Eine erste schlichte Kirche in Elsey, St. Fabian und St. Sebastian geweiht, existierte wahrscheinlich ab der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts.Bleicher, Wilhelm: 750 Jahre Hohenlimburg, Verlag Werner Dorau, Hohenlimburg 1979, S. 69–71 und 93. Beide Vermutungen eines Heimatforschers sind aber spekulativ und historisch nicht belegt.
Erstmals wurde Elsey im Jahre 1200 urkundlich erwähnt, als Methildis von Holland, Gemahlin des Grafen Arnold I. von Altena-Isenberg, die Einkünfte zweier Höfe (due curtes in Elseyge) und den Zehnten in Elsey als Witwengut erhielt.Knipping, Richard (Bearb.): Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, 2. Band 1100–1205, Bonn 1901, Urk 1581 S. 323.Stirnberg, Reinhold in: Bevor die Märker kamen, Teil VI: Die Grafen von Altena und das Ende des deutschen Thronstreits, pdf. Der Name des Dorfes wurde über Jahrhunderte unterschiedlich geschrieben mit: Elseyge (1200), Elseie (1226), Elseye (1246), Elze (1341), Elzey (1379), Eilsey (1468) oder Else. Ausgesprochen in nd. Mundart: Älsę.Brandes, Friedrich Ludwig: Die niederdeutschen Mundarten des südwestfälischen Raumes Breckerfeld–Hagen–Iserlohn, Groningen 2011, S. 6. Der Ortsname kann als „Erlenaue“ oder „mit Erlen bestandenes Gewässer“ gedeutet werden. Flöer benennt ihn mit „Stelle, wo es Erlen gibt“.Michael Flöer: Die Ortsnamen der Stadt Dortmund und der Stadt Hagen, in: Westfälisches Ortsnamenbuch, Band 16, Bielefeld 2021, S. 91–92.
Elsey war ein Oberhof und hatte Ende des 12. Jahrhunderts etwa zwanzig Höfe oder Kotten. Einige waren Lehen benachbarter Adeliger. So gehörten mehrere Höfe den Isenberger Grafen, weitere den von Berchem, von Ardey, von Hardenberg oder von Letmathe.Esser, Hermann: Hohenlimburg und Elsey, Dortmund 1907, S. 44–45, Digitale Sammlungen der Universitäts- und Landesbibliothek Münster, pdf. Erste Namen Elseyer Bauern erscheinen 1268 mit den beiden Schultheißen Vrowinus et Lifhardus, villici in Elsey als Zeugen in einer Urkunde des Klosters Elsey. Die Nachfolgehöfe des alten Königsgutes im Umfeld des Klosters werden mit „Holtschmit auf’m Berge“, Schultenhof, Raschen Hof, Holtschmit-Hof und Sundernhof bezeichnet.Wilhelm Bleicher / Reinhold Stirnberg: Zur Rekonstruktion des Klosters Elsey von 1223, pdf. Die Elseyer Mark umfasste 4000 Morgen; dazu gehörten der Mühlenberg bis zur Oeger Höhle und das Ostfeld an den Grenzen zur Letmather und Reher Mark. Eine Lennefähre gab es nördlich von Elsey, zwischen Reh und Herbeck. Eine Lennefurt zwischen dem Kloster Elsey und dem Sundernhof war lange Zeit auf der Strecke Altena–Ruhr für Fuhrwerke die einzige Möglichkeit zum anderen Ufer zu kommen. Eine Holzbrücke über die Lenne wurde in der Freiheit Limburg erst ab dem Jahr 1435 erwähnt.Esser, Hermann: Hohenlimburg – Festschrift zur 700 Jahrfeier, Hohenlimburger Verlag 1930, pdf.
Die Keimzelle von Elsey war das 1223 gegründete Kloster Elsey. Ebenso entstand um diese Zeit (um 1220) auf den Fundamenten des Vorgängerbaus der spätromanische, dreiteilige Hallenbau der Stiftskirche.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 261. Sie war gleichzeitig auch Pfarrkirche für das umliegende, zum ersten Mal 1582 erwähnte Kirchspiel.Johann Dietrich von Steinen: Westphälische Geschichte, Teil 4 (1760), VI. Kapitel Vom Kirchspiel Elsey, S. 1361–1365, Uni Münster, pdf. Es handelt sich dabei um die einzige noch weitgehend in ihrer ursprünglichen Baugestalt aus dem frühen 13. Jahrhundert erhaltene Kirche im Raum Hagen. Sie war Begräbnisstätte der 1511 hier erloschenen Grafen von Limburg aus dem Hause Isenberg sowie des 1626 ausgestorbenen Grafenhauses Bentheim-Limburg, von dem noch heute in der Kirche das große Epitaph von 1619 für Graf Konrad Gumprecht zeugt.
Im Kirchspiel Elsey liegen die früheren Bauerndörfer Reh und Henkhausen. Reh wurde als Rethei erstmals 1229 erwähnt. 1268 mit einem niederadeligen Arnoldus de Redhe. Ab 1839 war der Ort geteilt in Nieder- und Ober Reh. Der Ortsname kann als „Stelle mit Ried“ benannt werden. Henkhausen wurde als ville Heinkhusen erstmals um 1223 erwähnt. 1246 mit einem Wernherum de Heienchusen. Später Henghausen, ab 1880 Henkhausen genannt. Im Jahr 1816 wurde neben einer Mineralquelle ein Badehaus errichtet und diese Stelle „Bad Henkhausen“ genannt. Der Ortsname Henkhausen kann als „bei den Häusern der Leute des Heio“ gedeutet werden.Michael Flöer: Die Ortsnamen der Stadt Dortmund und der Stadt Hagen, in: Westfälisches Ortsnamenbuch, Band 16, Bielefeld 2021, S. 126, 208–209. Beide Dörfer waren bis in das 20. Jahrhundert landwirtschaftlich stark geprägt. 1580 veranlasste Graf Adolf von Neuenahr-Alpen den Abbau von Alaun in der Umgebung des Dorfes Reh. 1582 erhielt Peter Wichlinghausen aus Elberfeld die Genehmigung, die im Hasselbachtal bei Henkhausen vorhandenen reichen Alaun-Vorkommen auszubeuten.Esser, Hermann: Hohenlimburger Heimatbuch, Verlag Mark & Kreutzberg Hohenlimburg 1925, pdf. Der Bergbau auf Alaun wurde in der „Reher Heide“ danach bis in das 19. Jahrhundert mit mehr als 100 Arbeitern intensiv betrieben.Ralf Blank / Stephanie Marra / Gerhard E. Solbach: Hagen – Geschichte einer Großstadt und ihrer Region, Klartext Verlag, Essen 2008, S. 356.Fritz Emde: Hohenlimburg Industriestadt im Kranz grüner Wälder, Druck und Verlag P. A. Santz, Altena, 1961, S. 126.
Eine erste Ansiedlung von Juden in der Grafschaft Limburg erfolgte gegen Ende des 17. Jahrhunderts unter dem bis 1710 regierenden Grafen Friedrich Moritz von Bentheim-Tecklenburg. Im Jahr 1683 erhielt Samuel Levi für vier Rtlr. Tribut jährlich Erlaubnis, sich im Kirchspiel Elsey niederzulassen.Herzig, Arno: Berührungspunkte und Konfliktzonen von jüdischer Minderheit und christlicher Gesellschaft im 18. Jahrhundert am Beispiel der beiden Westfälischen Kleinstaaten Paderborn und Limburg. In: Freimark, Peter / Richtering, Helmut (Hrsg.): Gedenkschrift für Bernhard Brilling, Hamburg 1988, S. 150–189.
Stark leiden mussten die Elseyer Bewohner bis Ende des 18. Jahrhunderts unter Seuchen (Pest, Blattern), Hungersnöten, Raubzügen und Brandschatzungen. In den Kriegen unter Plünderungen, Einquartierungen und Überfälle. 1587 während des Kölnischen Krieges wurde das Kloster durch Brandschatzung ein Raub der Flammen (Neubau an gleicher Stelle bis ins 17. Jahrhundert). Furchtbar waren die Raubzüge und Brandschatzungen in Elsey 1599 und 1616 unter dem Befehl des Francisco de Mendoza während des Spanisch-niederländischen Krieges. 1616 brannte die gräfliche Kornmühle am Lenne-Mühlengraben ab (Neubau bis 1619). Im Dreißigjährigen Krieg war Elsey mal von Hessen und Schweden, mal von kaiserlichen Truppen besetzt. Leidvoll die Einquartierungen in Elsey und Limburg von 1633 bis 1636 unter dem kaiserlichen Generalfeldwachtmeister Lothar von Bönninghausen. Im Jahre 1654 waren die Dorfbewohner verarmt, viele Häuser zerstört und die Äcker der Bauern verwüstet. Während des Siebenjährigen Krieges war Elsey 1761 von dem gefürchteten Fischer’schen Freicorps besetzt, die zudem die Blattern mitbrachten und 68 Bewohner daran starben. Besonders schlimm traf es auch die Bewohner von Reh, als am 29. April 1783 fast das ganze Oberdorf mit 14 Wohnhäusern und zahlreichen Scheunen, Ställen und angrenzendem Wald abbrannte.Esser, Hermann: Hohenlimburger Heimatbuch, Verlag Mark & Kreutzberg Hohenlimburg 1925, pdf.
mini|Möllerdenkmal in Elsey 1618 wird auf dem Hof des Müllers zu Elsey ein Freistuhl erwähnt. Später tagte neben der Kirche auf dem Elseyer Marktplatz unter der alten Gerichtslinde einmal jährlich das limburgische Gogericht. Die letzte bekannte Urteilsverlesung (Todesurteil) fand hier am 14. März 1807 statt, die darauffolgende Hinrichtung am 19. Juni 1807. Die Richtstätte (Reher Galgen) selbst war aber weit entfernt am Weg zwischen Reh und Schälk.Heimatverein Ergste e. V. – Die letzte Hinrichtung am Reher Galgen, pdf. Der von einer Mauer umschlossene Kirchhof war bis 1843 der Friedhof für die Einwohner des Kirchspiels sowie bis 1810 auch der Angehörigen des Stiftsadels, wie mehrere im Bereich der Kirche erhaltene Grabplatten belegen. Unter dem Grafenhaus Bentheim erfolgte im frühen 17. Jahrhundert im Stift Elsey die Einführung der Reformation. Von den verschiedenen Stiftspredigern erlangte vor allem Johann Friedrich Möller (1750–1807) eine große Bekanntheit und Ausstrahlung. Seine theologischen und historischen Arbeiten sowie sein politisches Engagement reichten weit über die Territorien der Grafschaften Mark und Limburg hinaus.Ralf Blank / Stephanie Marra / Gerhard E. Solbach: Hagen – Geschichte einer Großstadt und ihrer Region, Klartext Verlag, Essen 2008, S. 161–164. Hoch über dem Lennetal wurde ihm zu Ehren 1814 am Klippchen ein Denkmal errichtet. Später auch eine Straße nach ihm benannt.
Eine Elseyer Schule gab es schon Mitte des 16. Jahrhunderts zur Zeit des Grafen Adolf von Neuenahr.Bleicher, Wilhelm: 750 Jahre Hohenlimburg, Verlag Werner Dorau, Hohenlimburg 1979, S. 256. Die Polizeiordnung des Grafen von 1582 belegt auch eine Schützenkompanie und ein Schützenfest in Elsey. 1654 gab es in Elsey 48 Bauern und Kötter. Die Mehrzahl der Höfe gehörten dem Kloster Elsey, 11 waren in Besitz des Grafen und einige in Besitz der Kirche oder Schule. Laut Volkstabelle der Grafschaft Limburg von 1786 gab es im Kirchspiel Elsey mit den Bauerschaften Elsey und Reh, ein Fräuleinstift, 47 Bauernhöfe, 59 Einzelhäuser und 505 Einwohner. Elseyer Stiftsamtmann war Anfang des 19. Jahrhunderts Friedrich Moritz Holtschmit (1766–1844), später ab 1818 Königlicher Bürgermeister des Verwaltungsbezirks Limburg (Limburg, Elsey, Letmathe und Oestrich) und ab 1841 Amtmann des Amtes Limburg. In Elsey war er zudem Landwirt, Gastwirt mit eigener Braustätte, Ziegelbrenner und Kalksteinbruchbesitzer.