mini|Radweg und Schrebergärten an der Kräuterwiese mit der Autobahnbrücke im Hintergrund mini|Blick auf Kürnach (2016) mini|Marxhof im Altort mini|Postkarte um 1910

Kürnach ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg in Bayern.

Die im Jahr 779 erstmals urkundlich erwähnte Gemeinde entwickelte sich seit Ende des 20. Jahrhunderts von einem ländlich strukturierten Dorf zu einer modernen Stadtrandgemeinde im Umfeld des Oberzentrums Würzburg, an der Entwicklungsachse Würzburg–Schweinfurt. Durch die zahlreichen Wohngebiete, die rund um den Ortskern entstanden, stieg die Einwohnerzahl von rund 1300 im Jahr 1950 auf rund 5000 im Jahr 2019. Mit der Einwohnerentwicklung ging eine stetige Verbesserung der Infrastruktur einher.

Geographie Geographische Lage Der Ort Kürnach liegt im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken, acht Kilometer nordöstlich von Würzburg und 25 Kilometer südwestlich von Schweinfurt. Die Gemeinde grenzt direkt an den Landkreis Kitzingen. Die Kürnach entspringt östlich der gleichnamigen Gemeinde. Sie fließt durch Estenfeld und Lengfeld, bis sie schließlich nach 11,6 Kilometer in die Pleichach mündet. Die mittlere Höhenlage beträgt 250 Meter über Normalnull.

Gemeindegliederung Zum Hauptort gehören die Obere Mühle, Mittlere Mühle (Herrenmühle) und die Grießmühle (Untere Mühle). Durch das Wachstum des Ortes befinden sich diese mittlerweile teilweise im Ortsgebiet.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Kürnach. Sie hat eine Fläche von 12,273 km² und ist in 3006 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4082,91 m² haben.

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind Estenfeld, Unterpleichfeld, Prosselsheim, Rimpar, Rottendorf und Dettelbach.

Geologie Die Gemeinde liegt im schmalen Südwestende der Bergtheimer Mulde, an die sich im Osten das Volkacher Gewölbe anschließt. Die einzelnen in Kürnach vorhandenen Schichten sind (von unten nach oben) der Mittlere Muschelkalk, der Obere Muschelkalk, der Untere Keuper und der Mittlere Keuper.

Klima Das Klima in Kürnach gilt als gemäßigt, aber warm (Cfb). Die Temperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 9,0 °C mit durchschnittlichen Höchstwerten von 18,2 °C im Juli und Tiefstwerten von −0,6 °C im Januar. Jährlich fallen etwa 626 Millimeter Niederschlag. Dabei ist der Februar mit durchschnittlich 38 Millimetern der trockenste Monat, während der Juni mit 74 Millimetern die größten Niederschlagsmengen aufweist.

Namen Etymologie Der Name der Gemeinde (ursprünglich Quirnaha) leitet sich von der Kürnach, dem gleichnamigen Bach, der durch den Ort fließt, ab. Im lokalen Dialekt lautet er „Körni“.

Frühere Schreibweisen Folgende Schreibweisen von Kürnach gab es im Laufe der Geschichte: 779 Quirnaha 1070 Cvrnhaa 1165 Curnhaa 1177 de Curnahe 1249 Curna 1262 Curnach 1279 Kvrnach 1633 Körnach 1891 Kürnach

Geschichte Vorgeschichte Auf Kürnacher Gemarkung wurden Arbeitsgeräte aus Hornstein und grauem Feuerstein mit Sichelglanz gefunden, die von umherstreifenden Jägern in der Altsteinzeit, also zwischen 600 000 und 10 000 v. Chr., zeugen. In der Jungsteinzeit, also zwischen 4500 und 1800 v. Chr., wurde das klimatisch günstige Kürnachtal mit seinen fruchtbaren Böden von Menschen besiedelt, die Ackerbau und Viehzucht betrieben, Tongefäße mit bandschlingenartigen Verzierungen herstellten (Linearbandkeramiker) und in etwa 20 m langen Holz-Lehmhäusern wohnten. Die tiefgründigen Löß-Lehmböden um das Kürnachtal eigneten sich zur Züchtung von Wildgräsern zu Getreide wie Weizen, Gerste und Hirse. Auch der Flachsbau war bekannt. Es wurde ein Randleistenbeil aus der Bronzezeit, die etwa von 1800 bis 1200 v. Chr. dauerte, auf Kürnacher Gemarkung gefunden. Seine Form ähnelt sehr Ötzis Beil. Es ist heutzutage im Museum für Franken auf der Festung Marienberg in Würzburg ausgestellt. Eine Siedlung der späten Bronzezeit wurde 1983 südlich der Straße nach Prosselsheim und nördlich des Wäldchens Geißbühl gefunden. Aus der Urnenfeldzeit, also aus dem letzten Abschnitt der Bronzezeit, liegt eine Gussform für einen Schmuckanhänger aus Glimmerschiefer vor, die östlich der Pfarrkirche St. Michael gefunden wurde. Diese Gussform zeigt sehr vereinfachte, nach unten zeigende Vogelköpfe, die im donauländischen Kulturkreis als Heilszeichen galten. Des Weiteren liegen Funde aus der Eisenzeit und von den Kelten vor. Siedlungsplätze der Hallstattkultur in der Gemarkung Kürnachs lagen in der Nähe der Höllberghalle, zwischen dem Wäldchen Geißbühl und der Prosselsheimer Straße, südlich des alten Sportplatzes, nördlich des Dorfes an der Umgehungsstraße und auf der Flur Hüthstatt oberhalb der Grießmühle.

Mittelalter Zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert erfolgte die fränkische Besitznahme des von Alamannen, Thüringern und Resten keltischer Bevölkerung bewohnten Gebietes. Kürnach wurde erstmals im Jahr 779 mit der Bezeichnung Quirnaha-Mühlbach urkundlich erwähnt. Später behielt die älteste Siedlung am Bach diesen Namen. Im Jahr 822 wurde die Siedlung in einer Bestätigung zum Gütertausch Kaiser Ludwig des Frommen genannt. 844 bestätigte Ludwig der Deutsche ebenfalls einen Güter- und Manicipientausch.

Von 1070 bis 1090 existierte in der heutigen Bachgasse ein Fronhof des Benediktinerinnenklosters Kitzingen. Diesen hatte das Kloster vermutlich durch königliche Schenkung erhalten. Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts musste Kürnach Teile seines Zehents dem aus dem Kloster hervorgegangenen Spital Kitzingen geben. In den Hof gingen die Edelfreien Ritter von Grumbach 1151 als Vögte des Kitzinger Klosters ein und aus und kontrollierten die jeweiligen Meier, also die Verwalter dieses Grundbesitzes. Außerdem brachten die Grumbacher die Mühle des Fronhofes, die Grießmühle und Teile der Einnahmen des klösterlichen Fronhofes an sich. Sie gehörten zu den ältesten Edelfreien im Bistum Würzburg und waren Teil des Ritterkantons Steigerwald.

Zahlreiche Verkaufsurkunden aus dem 12., 13. und 14. Jahrhundert geben Nachricht von den Weinbergen in der Kürnacher Markung. So erhielt das Kloster St. Stephan, dem die Mittlere Mühle in Kürnach gehörte, im Jahre 1103 von Egispert und seiner Frau Mathild ein Gut in Himmelstadt und einen Weingarten „bei dem Dorfe oder an dem Bache Kürnach“. 1348 wird weiterer Weinbesitz des Klosters St. Stephan „in villa Kürnach“ erwähnt. 1346 vererbrechtet das Dittricherspital zu Würzburg an die Witwe Kunne Otte in Kürnach fünf Morgen Weingärten „uf den Röthen“, dem Südhang des Wachtelberges, 1809 „Steigsweinberg“ genannt.

In Kürnach gab es zwischen 1156 und 1313 ein Ministerialengeschlecht, das sich nach seinem Sitz „de Curnhaa“ („von Kürnach“) nannte. Dieses bestand aus Beamten des Bischofs von Würzburg, die zu Hof- und Kriegsdiensten herangezogen wurden. So fanden diese Aufnahme in den Niederen Adel. Die Ministerialen waren Männer, die sich bemühten, wie die Edelfreien Ritter zu leben, die zu Kriegsdiensten bereit sein mussten, aber auch als Urkundenzeugen zur Verfügung zu stehen hatten. Sie bildeten im Dorf ein Gegenpol zu den Edelfreien Rittern von Grumbach und lebten in einer kleinen Burg mit der dazugehörigen Hube namens Weidenhof in der Prosselsheimer Straße. Diese befand sich jedoch nicht an der Stelle des heutigen Geschäftshauses, welches den gleichen Namen trägt. „Daz Burglin“ ging später in das Eigentum der Ritter von Grumbach über, bevor diese es 1388 an das Bürgerspital Würzburg veräußerten. Der erste bekannte Kürnacher Ministeriale war Cunradus de Curnhaa, der Bischof Herold um 1165 zur Zeit Kaiser Barbarossas diente.

Es existierte 1265 der „Hof Kürnach“ hinter dem Falkenhaus (mit dem ehemaligen „Falkenhof“) in Würzburg. Diesen Hof besaß zwischen 1265 und 1274 Heinrich von Bayreuth, der zu jenen Patriziern gehörte, die 1274 als Anhänger des Bischofs Berthold von Henneberg aus der Stadt vertrieben wurden. Dies war der Ort, in den die Zehentabgaben aus Kürnach abgeliefert werden mussten. Ebenfalls wurde von 1279 bis 1300 ein Kloster der Zisterzienser in Kürnach betrieben. Seine Ausstattung war außerordentlich gering und beschränkte sich auf Liegenschaften und Nutzungsrechte in der allernächsten Umgebung des Klosters. Zum letzten Mal wird dieses Kloster 1320 in einer Urkunde des Zisterzienserinnenklosters Heiligenthal erwähnt. 1280 hatte das Kloster Ebrach Besitz in der heutigen Gemeinde. Im Jahr 1288 wurde die Mittlere Mühle, die Mühle des Klosters St. Stephan in Würzburg, in den Klosterurkunden genannt.

1292 wurde erstmals ein Pfarrer der damaligen Pfarrkirche erwähnt, die zuerst nach Blasius von Sebaste und später bis zur Erbauung der neuen Kirche nach dem Heiligen Petrus in Ketten benannt war. Der Ort erhielt den Pfarrer in Zusammenhang mit der Errichtung des Zisterzienserinnenklosters in Kürnach. Eine Urkunde von 1320 lässt die Schlussfolgerung über die früheste Geschichte der Pfarrei Kürnach zu. Das Kirchengebäude wurde im Laufe der Zeit zu klein und konnte die Zahl der Gläubigen nicht mehr fassen.

Bis 1327 tagte das Zentgericht auf Kürnacher Gemarkung. 1328 erwarben die Ritter von Wolffskeel und Grumbach in Kürnach Besitz. Die Herren von Grumbach gehörten dem fränkischen Uradel an und galten zeitweise als reichstes Adelsgeschlecht Frankens. Sie gehörten dem Ritterkanton Rhön-Werra an und sind von den Edelfreien von Grumbach zu unterscheiden. Das Geschlecht hatte seinen Stammsitz im benachbarten Burggrumbach. Ihr größter Besitz in Kürnach war die Grießmühle, die noch zur Zeit Julius Echters von Mespelbrunn (1581) ein Lehen der Grumbacher war. 1388 wurde „daz Burglin“, also eine kleine Burg, erwähnt. Diese diente zuerst dem Kürnacher Ministerialengeschlecht und später den Rittern von Grumbach als Sitz. 1388 wurde das gesamte Areal von den Grumbachern an das Bürgerspital zum Heiligen Geist in Würzburg verkauft. Der heute nicht mehr vorhandene „Weidenhof“ befand sich in der Prosselsheimer Straße. An dieser Stelle steht heutzutage ein Geschäftshaus, das den gleichen Namen trägt. Es liegt eine Aufzeichnung vor, die besagt, dass es bereits in demselben Jahr ein Gasthaus, das den Namen „Zum Kürnach“ trug, in der Pfarrei St. Peter in Würzburg gab. Dieses wurde von den Nachfahren des Kürnacher Ministerialengeschlechts betrieben.

1413 gab es sechs Höfe, die dem Hochstift Würzburg gehörten. Aus dem Jahr 1450 liegt die erste bekannte Dorfordnung für Kürnach vor, in der der Fürstbischof Herr über alle Güter zu Kürnach war. Allerdings gab es für die zwei Höfe des Stiftes Aschaffenburg, die ihren eigenen Vogt und ihre eigene Gerichtsbarkeit hatten, bereits 1400 eine Weisung. In diesem Aschaffenburger Weistum findet sich die Pflicht, nur innerhalb des Ortes zu heiraten. Um 1450 gehörte Kürnach zur Vogtei „Unser lieben Frauenberg“, die nach der Festung Marienberg benannt war. Diese unterstand selbst dem jeweiligen Fürstbischof und danach seinem Obervogt.

Neuzeit Vier Jahre vor dem Bauernkrieg, 1521, war Fürstbischof Konrad II. von Thüngen in Kürnach, um sich Erbhuldigung geben zu lassen. Der Eintrag darüber im Einnahmebuch des Fürstbischofs lautet: „Kürnach ist Erbhuldigung genommen uf Donnerstag nach Martini Anno 21 und sind Hans Kontz, Hans Schmidt uf dem Wallweg gein Aachen, Michael Schmidt und Klaus Volcker uf dem Wallweg zu St. Wolfgang desmals gewesen. Ist bevolhen in ihr Heimfahrt gein Würzburg zu kommen und allda Erbhuldigung zu tun.“ Zwei Kürnacher Männer hatten die lange und beschwerliche Reise zu Fuß nach Aachen unternommen, eine damals beliebte Wallfahrt.

Nach den Aufständen während des Krieges begann am 8. Juni das große Blutgericht, die Strafe für den Ungehorsam. Die Männer aus den umliegenden Dörfern mussten sich auf dem Rennweg in Würzburg aufstellen. Hierbei starben 36 Bauern. Man muss annehmen, dass die Kürnacher Männer mit auf dem Rennweg standen.