Banksia aemula (englische Bezeichnung „wallum banksia“) ist eine Pflanzenart in der Familie der Silberbaumgewächse (Proteaceae).
Dieser Strauch oder Baum besitzt unterirdisch verholzte Knollen (Lignotuber), aus denen er nach Buschbränden wieder austreiben kann. Eine raue, braune Borke bedeckt den Stamm, die gezähnten Laubblätter sind glänzend grün. Im Herbst erscheinen die hellgelben Blüten, die in großen Blütenständen zusammengefasst sind. Im Verblühen werden die Blütenstände grau, es bilden sich große, graue Balgfrüchte. Die Blütenstände werden von vielen unterschiedlichen Säugetieren, Vögeln und Insekten besucht, die eine Bestäubung bewirken; Honigfresser (Meliphagidae) sind besonders auffällige Besucher.
Banksia aemula kommt an der australischen Ostküste von Bundaberg im Norden bis Sydney im Süden vor. Die Pflanzen wachsen auf tiefgründigen Sandböden in einer küstennahen Heidelandschaft, die als „wallum“ bezeichnet wird. Gelegentlich werden sie als Zierpflanze verwendet, jedoch seltener als Banksia serrata.
Der Botaniker Robert Brown, der im 19. Jahrhundert die Erstbeschreibung verfasste, benannte die Art aemula, „ähnlich“, was auf die Ähnlichkeit zur nah verwandten Banksia serrata hinweist. Innerhalb der Art werden keine Varietäten anerkannt. Eine Zeit lang wurde auch der von Richard Anthony Salisbury geprägte Name Banksia serratifolia verwendet.
Beschreibung mini|Banksia aemula, verblühter Blütenstand mit den großen Balgfrüchten Banksia aemula wächst meist als Strauch oder kleiner Baum mit unregelmäßiger Krone mit einer Wuchshöhe bis 8 m, bleibt aber oft kleiner. Aus verholzten Knollen kann die Pflanze nach Buschbränden wieder austreiben. Der Stamm ist mit einer dicken, orange-braunen, runzligen und warzigen Borke bedeckt. Die Rinde junger Zweige ist behaart und verkahlt mit der Zeit. Das Wachstum der neuen Triebe findet im Frühjahr und Sommer statt.
Die glänzend grünen Blätter sind und bei einer Länge von 3 bis 22 cm und einer Breite von 1 bis 2 cm verkehrt-eiförmig bis länglich geformt. Das Blatt endet gerade abgeschnitten, die Ränder sind gesägt, aber nicht gewellt.
Blütezeit liegt im Herbst und reicht von März bis Juni. Die hellgelben bis grünlich-gelben Blütenstände stehen endständig an den Zweigen und überragen das Blattwerk. Die Länge des Blütenstands beträgt 4 bis 20 cm, der Durchmesser 8 bis 9 cm. An der holzigen Blütenstandsachse sind 800 bis 1700 einzelne kleine Blüten angeordnet. Die Blüten eines Blütenstands öffnen sich innerhalb von ein bis zwei Wochen von unten nach oben; der Pollen wird dabei von den Staubblättern auf einem weißen, konischen Teilstück des Griffels aufgebracht. Jede Büte produziert nach dem Aufblühen etwa sieben Tage lang Nektar. Die Blütenstände werden nach dem Verblühen grau, es werden bis zu 25 graue, fein behaarte Balgfrüchte gebildet. Diese können recht groß werden und messen 3 bis 4,5 cm in der Länge, 2 bis 3,5 cm Höhe und 2 bis 3,5 cm Breite. Sie öffnen sich entweder nach einem Brand oder ohne diesen Auslöser. Die Samen sind oval mit einer Länge von 4 bis 4,7 cm, sie bestehen aus einem keilförmigen Körper (1 bis 1,5 cm lang und 1,1 bis 1,6 cm breit) und einem gekrümmten Flügel (2 bis 3,2 cm breit).
Banksia aemula ähnelt stark der Banksia serrata, die sich durch einen grauen, nicht orange-braunen Stamm und mehr als 2 cm breite Blätter unterscheiden lässt. Die Blütenstände von Banksia serrata sind matter grau-gelb gefärbt, der Teil des Griffels mit Pollen ist länger (2 bis 3 mm) und spindelförmig bis zylindrisch. Schließlich sind die Balgfrüchte kleiner.
Verbreitung und Standorte mini|Verbreitungsgebiet von Banksia aemula Die Fundorte von Banksia aemula liegen an der Ostküste Australiens, im Norden reicht das Areal bis etwa 70 km nördlich von Bundaberg im zentralen Queensland, südlich bis Sydney. Genauer gesagt liegt das südlichste Vorkommen bei La Perouse an der Nordseite der Botany Bay. Das Verbreitungsgebiet umfasst auch K’gari, Moreton und North Stradbroke Island. Fast alle Populationen wachsen nur wenige Kilometer von der Küste entfernt, bis auf eine bei Agnes Banks im westlichen Sydney, zwei bei Grafton und eine Weitere etwa 30 km südwestlich von Bundaberg.
Banksia aemula wächst meist auf tiefgründigen sandigen Böden, entweder auf Dünen oder an eher flachen Stellen, die zeitweise vernässt sein können. Auf den Küstendünen im südlichen Queensland ersetzt sie Banksia serrata, die weiter südlich dieselbe Nische besetzt. Die flachen, sandigen Stellen, mit offenem Wald oder mit Heide bewachsen, werden „wallum“ genannt. In einigen dieser Gegenden entwickelt sich Banksia aemula zu einem kleinen Baum und wächst gemeinsam mit kleinwüchsigen Corymbia gummifera. In Queensland findet man Banksia aemula zusammen mit Banksia robur, die feuchtere Senken besiedelt, während Banksia aemula auf Hängen und Kuppen wächst. Sie ist auch zusammen mit Banksia oblongifolia anzutreffen. Im Great-Sandy-Nationalpark überragt sie, gemeinsam mit Melaleuca quinquenervia und Eucalyptus umbra, die ansonsten nur 0,5 bis 2 m hohe Vegetation aus den Gräsern und Sträuchern Xanthorrhoea fulva, Empodisma minus, Petrophile shirleyae, sowie Hakea- und Leptospermum-Arten. Im zentralen Küstenabschnitt von New South Wales bleibt Banksia aemula ein 1 bis 2 m hoher Strauch und bildet damit die oberste Schicht der Banksia-aemula-Heide, die auf stark ausgewaschenen, weißen pleistozänen Sanden wächst. Diese Vegetation findet sich etwa am Wybung Head in der Munmorah State Conservation Area sowie in der Nähe der Myall Lakes. Weitere Pflanzenarten, die dort wachsen, sind Ricinocarpos pinifolius, Brachyloma daphnoides, Dillwynia glaberrima, Dillwynia retorta, Allocasuarina distyla, Bossiaea ensata, Aotus ericoides, Phyllota phylicoides und Empodisma minus. Durch Sandabbau wurde ein Großteil dieser Vegetation rund um Redhead vernichtet. Auf nährstoffreicheren, gelben Sandböden wird diese Pflanzengesellschaft (und Banksia aemula) durch eine höherwüchsige Heide mit Banksia serrata and Banksia oblongifolia ersetzt.
An der Südgrenze ihres Verbreitungsgebietes bildet Banksia aemula einen Teil des „Eastern Suburbs Banksia Scrub“ (Banksia-Buschland der östlichen Vororte von Sydney), die als gefährdete ökologische Einheit ausgewiesen ist. Diese Pflanzengesellschaft wächst auf jüngeren, noch durch Windbewegung beeinflussten Sanden, als die weiter nördlich gelegenen Heiden.
Das Agnes-Banks-Waldland im Westen Sydneys ist ein weiteres bedrohtes Ökosystem. Dort wächst Banksia aemula im Unterwuchs, gemeinsam mit Banksia oblongifolia, Conospermum taxifolium, Ricinocarpus pinifolius, Dillwynia sericea und Persoonia nutans, während Eucalyptus sclerophylla, Angophora bakeri und Banksia serrata das Kronendach bilden.
Auf North Stradbroke Island ist Banksia aemula eine von drei Arten, die die Kronenschicht ausmachen. Der 12 bis 15 m hohe Wald wird von Eucalyptus signata dominiert, weiters kommt Eucalyptus umbra vor. Dieser Wald wächst auf einer etwa 100 m hohen Erhebung, einer alten Sanddüne. Der Adlerfarn Pteridium esculentum dominiert im Unterwuchs. Weitere hohe Sträucher dort sind Persoonia cornifolia und Acacia concurrens. Einzelne Exemplare von Banksia aemula erreichen hier Höhen von 8,3 bis 12,1 m bei einem maximalen Brusthöhendurchmesser von 44 cm.
Ökologie Wie alle Banksia-Arten und die meisten Silberbaumgewächse besitzt Banksia aemula Proteoidwurzeln, Wurzeln mit einem dichten Geflecht kurzer Seitenwurzeln, die sich im Boden direkt unter der Humusauflage befinden. Diese Wurzeln sind zu einer Nährstoffaufnahme in besonders nährstoffarmen Böden befähigt, wie die an Phosphor armen Böden Australiens. Eine Studie an sechs Arten der „wallum“ genannten Pflanzengesellschaft, darunter auch Banksia aemula, konnte feststellen, dass alle an sehr niedrige Phosphor-Konzentrationen angepasst sind. Dies geht so weit, dass erhöhte Phosphor-Werte auf die Pflanze toxisch wirken. Es gibt Hinweise, dass Kalium von ihnen sehr effizient verwendet wird, und dass auch Calcium in höheren Konzentrationen nicht vertragen wird. Eine Feldstudie auf North Stradbroke Island stellte ein erhöhtes Wurzelwachstum im Herbst (April) fest, ansonsten war das Wurzelwachstum gleichmäßiger als das anderer dort untersuchter Pflanzen, wahrscheinlich weil die tiefer reichenden Wurzeln von Banksia aemula das Grundwasser erreichten.
Eine 1998 im Bundjalung-Nationalpark im nördlichen New South Wales durchgeführte Studie ergab, dass die Blütenstände von Banksia aemula von verschiedenen kleinen Säugetieren besucht werden, darunter Beutelsäuger wie die Gelbfuß-Beutelmaus (Antechinus flavipes) und Nagetiere wie Rattus tunneyi, Rattus lutreolus, Melomys burtoni und sogar die Hausmaus (Mus musculus). Diese Tiere trugen Pollen in ähnlicher Größenordnung wie Nektar fressende Vögel und waren effektive Bestäuber der Blüten. Graukopf-Flughunde (Pteropus poliocephalus) wurden ebenfalls als Blütenbesucher beobachtet, mit Kopf und Bauch berühren sie beim Fressen die Narbe. Vogelarten, die an den Blüten von Banksia aemula fressen, sind unter anderen der Allfarblori (Trichoglossus haematodus), Myzomela sanguinolenta, und der Goldohr-Honigfresser (Meliphaga lewinii). Bei dem Kartierungsprojekt „The Banksia Atlas“ wurden weitere Honigfresser beobachtet, darunter der Weißaugen-Honigfresser (Phylidonyris novaehollandiae), Lichmera indistincta, Phylidonyris nigra, Gliciphila melanops, Manorina melanocephala, Anthochaera chrysoptera und der Lärmlederkopf (Philemon corniculatus). Die Feldstudie im Bundjalung-Nationalpark ergab, dass Lichmera indistincta wesentlich mehr Pollen von Banksia aemula trug als andere untersuchte Vogelarten wie Phylidonyris nigra, Lichenostomus chrysops und Zosterops lateralis. Ameisen und Bienen, darunter die in Australien eingeführte Honigbiene (Apis mellifera), wurden ebenfalls an den Blüten beobachtet.
Nach einem Feuer schlägt Banksia aemula aus der verholzten Knolle oder aus Adventivknospen wieder aus. Für das Management von Heideflächen mit Banksia aemula im Südosten Queenslands wird ein Intervall der Brände von sieben bis 20 Jahren empfohlen. Für die Flächen des „Eastern Suburbs Banksia Scrub“ wird eine Häufigkeit von zehn bis 15 Jahren empfohlen, da die Sträucher sonst vom höher wachsenden Leptospermum laevigatum verdrängt werden. Versuche zur Samenkeimung und zur Entwicklung der jungen Pflanzen haben gezeigt, dass Phosphor für die Keimlinge schädlich ist. Steigt die Konzentration auf das Doppelte des normalerweise im Boden vorhandenen Wertes an, stagniert das Wachstum, steigt sie auf das Vierfache an, sterben die Keimlinge ab. Durch Gaben von Kalium und Magnesium kann dieser Effekt abgeschwächt werden, zu hohe Kalium-Werte sind aber ihrerseits schädlich für das Wachstum. Verglichen mit anderen Pflanzenarten wachsen junge Pflanzen von Banksia aemula in den ersten 21 Wochen recht langsam. Die Gründe dafür sind unklar, dieses Verhalten könnte Vorteile in der an Nährstoffen und Wasser armen Umgebung bieten. Die Samen überleben eine Temperatur von 100 °C, bei 150 °C sterben sie ab.