mini|hochkant|Roland Berger (2012) Roland Berger (* 22. November 1937 in Berlin) ist ein deutscher Unternehmer, Unternehmens- und Politikberater, Investor, Stifter und Kunstsammler. Er ist Gründer der Unternehmensberatung Roland Berger und der Roland Berger Stiftung. Berger ist außerdem Honorarprofessor der BTU Cottbus-Senftenberg und Honorargeneralkonsul von Singapur in Bayern und Thüringen.

Leben und beruflicher Werdegang Roland Berger wurde 1937 in Berlin geboren. Nach der Eheschließung seiner Eltern Georg und Thilde Berger (geborene Altmann) im Jahr 1938 erhielt er den Familiennamen Berger. Sein Vater Georg Berger, Mitglied der NSDAP von 1931 bis zum Parteiausschluss im Sommer 1944Gutachten: Aufklärung oder Rufmord? Roland Berger, sein Vater und das Handelsblatt - S. 21f Veröffentlicht auf www.walther-rathenau-akademie.de am 31. Mai 2020, abgerufen am 17. Juni 2020, war von 1936 bis 1939 Finanzchef der Hitler-Jugend.Gutachten: Aufklärung oder Rufmord? Roland Berger, sein Vater und das Handelsblatt - S. 49 Veröffentlicht auf www.walther-rathenau-akademie.de am 31. Mai 2020, abgerufen am 17. Juni 2020 Von Oktober 1940 bis Juli 1942 war er Generaldirektor der Wiener Ankerbrotfabrik, eines der damals größten Lebensmittelunternehmen im Großdeutschen Reich. Entgegen früheren Angaben von Roland Berger war sein Vater kein aktiver Gegner des NS-Regimes, wurde aber – offenbar aufgrund seiner versteckten Zusammenarbeit mit den jüdischen Eigentümern der von ihm geführten, „arisierten“ Wiener FabrikGutachten: Aufklärung oder Rufmord? Roland Berger, sein Vater und das Handelsblatt - S. 11 ff, 27, 29, 33 f, besonders S. 42 und 50 Veröffentlicht auf www.walther-rathenau-akademie.de am 31. Mai 2020, abgerufen am 10. Januar 2022 – seit Mitte 1942 von der NS-Justiz und Gestapo verfolgt und von Juli bis September 1944 von der Gestapo in München inhaftiert. Seine Mutter, Thilde Berger, arbeitete von 1952 bis 1967 als Geschäftsführerin eines Münchner Möbelhandelsunternehmens.

Nach dem Grundschulbesuch in Wien und Egglkofen folgte der Gymnasiumsbesuch in Landshut, München und Nürnberg, wo er 1956 das Abitur am humanistischen Neuen Gymnasium Nürnberg ablegte.Rainer Frenkel: Die Reizfigur. In: Die Zeit, Nr. 7, 5. Februar 2004. Er studierte in Hamburg und München Betriebswirtschaftslehre; neben dem Studium betrieb er eine Wäscherei mit zuletzt 15 Mitarbeitern sowie einen „Spirituosen-Discounter“ (Berger).Roland Berger kritisiert Corona-Politik als ‘Schrecken ohne Ende‘, Interview mit der Augsburger Allgemeinen vom 28. März 2021, abgerufen am 1. März 2021 In einem Interview im März 2021 resümierte er diese Zeit so:„Die Uni fiel mir leicht. Ich hatte also Zeit fürs Unternehmertum. So entdeckte ich eine Marktlücke: Ende der 50er Jahre ging es einigen schon wieder so gut, dass sie in der Lage waren, ihre Wäsche außer Haus zu geben. Sie hatten aber noch nicht genügend Geld, sich eine Waschmaschine zu kaufen. Also habe ich eine Wäscherei in München aufgemacht. (...) Meine Mutter, damals Geschäftsführerin bei einem Münchner Möbelhändler, war so vertrauensvoll, für einen Kredit über 35000 D-Mark zu bürgen. Mit dem Geld habe ich Maschinen gekauft und die Wäscherei eingerichtet. Auch investierte ich eigene gesparte 5000 D-Mark. Wenn ich pleitegegangen wäre, wäre auch meine Familie pleite gewesen. Denn ich war noch nicht volljährig und die Wäscherei lief auf den Namen meiner Mutter.“

Zu seiner zweiten Unternehmung als Student sagte er im Interview mit der Augsburger Allgemeinen:„Ich habe einen Spirituosen-Discounter gegründet. […] Das Nachfragepotenzial für internationale Luxusspirituosen wie Cognac, Whisky, Wodka und Champagner war riesig. Aber diese Getränke waren 70 bis 100 Prozent teurer als die schon hochpreisigen deutschen, die der Preisbindung unterlagen. Die große Geschäftschance bestand nun darin, Importgetränke in preislicher Nähe zu deutschen Spirituosen zu verkaufen. […] Die Nachfrage in den vier Monaten, in denen ich das Geschäft betrieben habe, war hoch. Da kamen Kunden aus Baden-Württemberg in einem 600er-Mercedes zu uns. Solche Kunden kauften kistenweise Whisky und Champagner.“

1962 schloss er sein Studium als Diplom-Kaufmann an der Ludwig-Maximilians-Universität München als Jahrgangsbester ab.Karrierefragen an … Roland Berger. In: Die Zeit, Nr. 44/2004. Seine Wäscherei konnte er 1962 für 600.000 DM und den Spirituosenhandel für „einige hunderttausend DM“ verkaufen. „Ich war also früh D-Mark-Millionär“, sagte er rückblickend im März 2021 im Interview mit der Augsburger Allgemeinen.

Von 1962 bis 1967 arbeitete Berger als Berater bei dem italo-amerikanischen Beratungs-Joint-Venture Pietro Gennaro Associati in Mailand und wurde dort Partner. 1967 machte er sich als Unternehmensberater in München selbständig und gründete das Vorgängerunternehmen der heutigen Roland Berger Strategy Consultants.

1974 gründete Roland Berger die TAm Akademie in München und somit die älteste Trainer Akademie Deutschlands.

Seit 1996 hat Berger einen Lehrauftrag als Gastprofessor an der TU München und seit 2000 ist er Honorarprofessor für Betriebswirtschaft und Unternehmensberatung an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus.Julia Löhr, Henning Peitsmeier: faz.net, FAZ, 8. Juni 2010.

Zu seinem 70. Geburtstag im Jahr 2007 bezeichnete ihn das Handelsblatt als „Berater der Nation“. Sein Name sei „Synonym […] für Strategieberatung hierzulande“, er sei der „Vater aller Berater“. Weiter schreibt Christoph Hardt in der Wirtschaftszeitung:„Er ist es, der die Deutschland AG bis in die geheimsten Herzkammern untersucht hat, er hat aus diesem Wissen und seinem fast unglaublichen Geschick, Kontakte zu knüpfen und sie zu erhalten, viel Kapital geschlagen. […] Die Kunst, sein alles andere als kleines Ego im entscheidenden Moment zurückzunehmen, um die Entscheidung dem Kunden zu überlassen, er hat sie perfektioniert.“

Das Manager Magazin schrieb 2008 über ihn:„Er hat das Consulting in Deutschland hoffähig gemacht und gilt als Synonym für die ganze Zunft. Er hat zig Aufs und Abs der Ökonomie erlebt und bereitwillig kommentiert: Wirtschaftswunder und Wiedervereinigung, Internetblase und 9/11-Crash - und nun die wahrscheinlich schärfste Rezession seit Langem. Er hat als Politikhelfer für Kohl, Schröder, Merkel einen gut Teil deutscher Nachkriegsgeschichte mitgeschrieben, auf diesem langen Weg unter anderem die Cebit erfunden, die Treuhandanstalt konstruiert und etliche Vorstandsvorsitzende auf ihre Posten empfohlen.“Dietmar Student: , Manager Magazin, Dietmar Student: Unter Alpha-Männern, 21. November 2008

Die Süddeutsche Zeitung notierte 2018:„Bergers Netzwerk ist legendär, mehr als 4000 Namen stehen in seinem Adressbuch.“

Heute ist Berger neben seinen beruflichen Mandaten und Ehrenämtern als Senior Advisor in den USA, in China, in Italien und in Deutschland aktiv. Er ist als Vortragsredner tätig und kümmert sich als Kuratoriumsvorsitzender um seine Roland Berger Stiftung. Als Investor hält Berger privat und unter seinen Firmen Roland Berger Industries GmbH und Roland Berger Family Office GmbH Beteiligungen an über 30 Unternehmen, darunter Fresenius SE, einigen marktführenden mittelständischen Unternehmen sowie Start-ups aus den Bereichen Medizin und Medizintechnik, Finanzdienstleistungen, Konsumgüter, Einzelhandel und Reisen, High-Tech, Internet und künstliche Intelligenz in Europa, den USA und China. Seine Investment-Philosophie beschrieb Berger 2017 im Interview mit dem Manager Magazin so:„Meine Beratungsfirma war immer sehr profitabel, sodass ich Geld für andere Investments hatte. Meine Philosophie ist relativ simpel: Ich investiere opportunistisch. Ich muss überzeugt sein vom Produkt oder der Dienstleistung, der Technologie, dem Markt und von den Menschen. Und ich muss gleichzeitig in der Lage sein, mein Know-how, mein Netzwerk und meinen Namen zu kapitalisieren. Dann ist mein Finanzinvestment gering im Vergleich zum Gesamtnutzen und zu anderen Investoren.“Dietmar Student: , Manager Magazin:"Ich brauche stets Skeptiker an meiner Seite", Interview mit Roland Berger zum 80. Geburtstag, Ausgabe November 2017, abgerufen am 19. Januar 2021.

2019 beauftragte er den Historiker Michael Wolffsohn mit der Aufarbeitung der Vergangenheit seines Vaters Georg Berger. Die Ergebnisse wurden am 31. Mai 2020 veröffentlicht.

Unternehmen und Stiftungen Roland Berger Strategy Consultants

Ein erster großer Erfolg nach Gründung der Unternehmensberatung war für ihn 1968 die Empfehlung, aufgrund seiner Prognose einer außerordentlichen Zunahme der Charterflüge aus den Firmen Touropa, Scharnow, Hummel und Dr. Tigges das Reiseunternehmen TUI, den heute größten Reiseveranstalter der Welt, zu gründen. Das Handelsblatt schildert Bergers „Meisterstück“ so:„Berger (…) ist mit Tui berühmt geworden. Kaum selbstständig, entwickelt er für das Touristikunternehmen Touropa eine neue Marketingstrategie. Touropa ist ein kleiner Auftrag, aber er wird zum Meisterstück. Berger plädiert für die große Lösung, schlägt vor, Touropa, Scharnow, Hummel und Dr. Tigges zu fusionieren und daraus Tui zu machen. Zum ganz großen Erfolg braucht es jetzt nur noch den Ehrgeiz, die legendäre Zähigkeit.“Während des Auf- und Ausbaus von Roland Berger Strategy Consultants beriet Roland Berger mit Partnern und Beratern nationale und internationale Großunternehmen aller Branchen. Darunter waren, nach einem ersten Auftrag der Deutschen Bank im Jahr 1971, alle DAX-30-Unternehmen und global marktführende mittelständische und Familienunternehmen, aber auch die öffentliche Hand in Deutschland und international.

Mit der Eröffnung einer Mailänder Niederlassung 1969 setzte Roland Berger auch auf eine Internationalisierung seiner Beratungstätigkeiten; mittlerweile ist das Unternehmen mit 50 Büros in 36 Ländern weltweit aktiv. Zunehmend gewann er auch Ministerien, Behörden und andere staatliche Institutionen als Kunden. Heute ist Roland Berger Strategy Consultants die führende Strategieberatung europäischen Ursprungs.

Die Deutsche Bank erwarb 1988 für knapp 100 Millionen Mark 75,1 Prozent der Anteile bei „Roland Berger & Partner GmbH International Management Consultants“. 1997 erhöhte die Bank ihren Anteil auf 95 Prozent. Dem Beirat gehörten zu dieser Zeit Alfred Herrhausen (nach dessen Ermordung 1989 Hilmar Kopper), Klaus Liesen und Roland Berger selbst an. 1998 kaufte Berger sich mit seinen Partnern die Firma wieder zurück.

Von 2003 bis 2010 wurde die Gesellschaft Roland Berger Strategy Consultants von Burkhard Schwenker geleitet, von 2010 bis 2014 von Martin C. Wittig, dem vorherigen Finanzvorstand. Von 2014 bis 2019 übernahm der Franzose Charles-Édouard Bouée den Vorstandsvorsitz. Roland Berger selbst war von 2003 bis 2010 Vorsitzender des Aufsichtsrats des Unternehmens. 2010 übernahm Burkhard Schwenker dieses Amt, und Berger wurde zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt.

Humaine Kliniken Parallel zum Ausbau seiner Strategieberatung baute Roland Berger mit Partnern zwei signifikante Unternehmen auf, nämlich 1984 die Humaine Kliniken, eine private Krankenhauskette, die durch Privatisierung öffentlicher Krankenhäuser entstand. Diese verkaufte er 2006 an die Fresenius SE gegen Aktien dieser Gesellschaft. 2008 wurde er Aufsichtsrat und Vorsitzender des Prüfungsausschusses dieses DAX-Unternehmens.

Payback Gemeinsam mit seinem Beratungspartner Alexander Rittweger, mit der Deutschen Lufthansa und der Metro AG als Gesellschafter formte er Payback. 2011 wurde das Unternehmen für einen hohen neunstelligen Eurobetrag an American Express verkauft.