Die Mitgliedschaft des Repräsentantenhauses im 112. Kongress der Vereinigten Staaten basierte auf dem Ergebnis der Kongresswahlen vom 2. November 2010. Dabei musste die Demokratische Partei, die zuvor im 111. Kongress eine klare Mehrheit besessen hatte, eine schwere Niederlage hinnehmen: Sie verlor 63 Mandate und kam nur noch auf 193 Abgeordnete. Die Republikanische Partei gewann 63 Sitze hinzu und errang mit 242 Mandaten die Mehrheit. Mit John Boehner stellten die Republikaner in der vom 3. Januar 2011 bis zum Januar 2013 laufenden Sitzungsperiode daher auch den Sprecher des Repräsentantenhauses; er löste die Demokratin Nancy Pelosi ab.

Insgesamt fanden während der Sitzungsperiode zehn Nachwahlen für vakant gefallene Sitze statt. Dabei konnten die Demokraten zwei und die Republikaner einen vorher von der anderen Partei gehaltenen Wahlbezirk für sich gewinnen. Drei zuvor von den Demokraten besetzte Mandate blieben nach Mandatsniederlegungen bis zum Ende der Sitzungsperiode vakant.

Änderungen während der Legislaturperiode

New York, 26. Wahlbezirk: Chris Lee (Republikanische Partei) trat am 9. Februar 2011 nach dem Bekanntwerden einer außerehelichen Affäre zurück. Die Nachwahl am 24. Mai 2011 gewann die demokratische Kommunalpolitikerin Kathy Hochul aus dem Erie County gegen die Republikanerin Jane Corwin, Abgeordnete in der New York State Assembly.

Kalifornien, 36. Wahlbezirk: Jane Harman (Demokratische Partei) trat am 28. Februar 2011 zurück, um Leiterin des Woodrow Wilson International Center for Scholars zu werden. Die für mehrere Kandidaten von jeder Partei offene Vorwahl fand am 17. Mai 2011 statt. Da dort kein Bewerber die absolute Mehrheit errang, gab es am 12. Juli eine Stichwahl der beiden Erstplatzierten, in der sich die favorisierte Demokratin Janice Hahn, Mitglied des Stadtrats von Los Angeles, mit 54,6 Prozent der Stimmen gegen den republikanischen Geschäftsmann Craig Huey durchsetzte.

Nevada, 2. Wahlbezirk: Dean Heller (Republikanische Partei) legte sein Mandat am 9. Mai 2011 nieder, um innerhalb des Kongresses in den Senat zu wechseln und dort den Platz den zurückgetretenen John Ensign einzunehmen. Der demokratische Secretary of State von Nevada, Ross Miller, setzte die Nachwahl für den 13. September 2011 an und legte gleichzeitig fest, dass es in der sogenannten „Jungle Primary“ keine Teilnahmebeschränkung für Kandidaten einer Partei geben werde. Erreiche kein Kandidat die absolute Mehrheit, müsse eine Stichwahl der beiden Erstplatzierten statt abgehalten werden. Die Republikanische Partei Nevadas legte Einspruch gegen diese Entscheidung ein, weil die Parteiführung fürchtete, die Spaltung der eigenen Anhängerschaft könnte die Demokraten begünstigen. Ein Bezirksrichter gab diesem Ansinnen am 19. Mai 2011 statt, woraufhin Miller sich zwecks einer endgültigen Entscheidung an den Supreme Court of Nevada wandte. Das höchste Staatsgericht regte eine Verschiebung der Wahl an, um sich eingehender mit den Argumenten auseinandersetzen zu können. Letztlich blieb es aber beim vorgesehenen Termin und – wie durch das Bezirksgericht angeordnet – einem Kandidaten für jede Partei. Für die Demokraten trat Nevadas Finanzministerin Kate Marshall an; bei den Republikanern fiel die Wahl auf Mark Amodei, Vorsitzender der Partei auf Staatsebene und ehemals Mitglied des Senats von Nevada. Die ehemalige Senatsbewerberin Sharron Angle, Mitglied der Tea-Party-Bewegung, verzichtete überraschend auf eine Kandidatur. Amodei setzte sich in dem republikanisch dominierten Distrikt sehr deutlich mit 58:36 Prozent der Stimmen durch.

New York, 9. Wahlbezirk: Anthony Weiner (Demokratische Partei) legte sein Mandat am 16. Juni 2011 nieder. Vorausgegangen war ein Skandal um freizügige Bilder Weiners, die über seinen Twitter-Account verschickt worden waren. Nach tagelanger Leugnung, dies selbst getan zu haben, räumte Weiner diesen Umstand ein; einige Tage später trat er zurück. Gouverneur Andrew Cuomo setzte die Nachwahl für den 13. September 2011 an. Der lange favorisierte Demokrat David Weprin, Abgeordneter in der State Assembly, geriet in den Wochen vor der Wahl bei den Umfragen gegenüber dem Republikaner Bob Turner ins Hintertreffen, der nach seiner Niederlage gegen Weiner im Jahr 2010 erneut nominiert worden war. Letztlich gewann Turner mit 53:47 Prozent der Stimmen.

Oregon, 1. Wahlbezirk: David Wu (Demokratische Partei) legte sein Mandat am 3. August 2011 nieder. Grund waren sexuelle Avancen gegenüber der 18-jährigen Tochter eines Wahlkampfunterstützers. Zunächst hatte er lediglich angekündigt, sich nicht um die Wiederwahl zu bewerben, ehe er sich dann doch zum Rücktritt entschloss. In der Primary am 8. November 2011 entschieden sich die Demokraten für Staatssenatorin Suzanne Bonamici als Kandidatin, die mit 65,3 Prozent vor dem zunächst favorisierten Arbeitsminister von Oregon, Brad Avakian (22,1 Prozent), siegte. Die Wahl der Republikaner fiel mit 72,8 Prozent noch deutlicher auf den gegen Wu im Jahr 2010 unterlegenen Geschäftsmann Rob Cornilles. Bei der eigentlichen Wahl am 31. Januar 2012 gewann Bonamici sicher mit 64:36 Prozent der Stimmen.

Arizona, 8. Wahlbezirk: Gabrielle Giffords (Demokratische Partei) legte ihr Mandat am 25. Januar 2012 nieder. Grund war ein auf sie verübtes Attentat ein Jahr zuvor, bei dem sie lebensgefährlich verletzt worden war. Um sich gesundheitlich vollständig von den Folgen erholen zu können, verzichtete sie auf die weitere Wahrnehmung ihres Parlamentssitzes. Gouverneurin Jan Brewer setzte die Wahl für den 12. Juni 2012 an. Für die Demokraten trat Ron Barber an, Giffords' Wahlkampf-Bezirksdirektor, der bei dem Attentat selbst verletzt wurde. Die Republikaner nominierten erneut Jesse Kelly, im Jahr 2010 knapp an Giffords gescheitert. Barber setzte sich mit 52:45 Prozent der Stimmen durch.

New Jersey, 10. Wahlbezirk: Donald M. Payne (Demokratische Partei) verstarb am 6. März 2012. Um Kosten zu sparen, wurde die Nachwahl auf den Termin der regulären Kongresswahl am 6. November 2012 gelegt. Die demokratische Primary gewann der Sohn des Verstorbenen, Donald Payne Jr., selbst Präsident des Stadtrates von Newark, mit 71:25 Prozent der Stimmen gegen Ronald C. Rice, Mitglied im Stadtrat von Newark. Aufgrund der Stärke der Demokraten in diesem Distrikt galt Payne als vorweggenommener Wahlsieger, zumal die Republikaner für die Nachwahl auch keinen Kandidaten aufgestellt hatten. Bei der regulären Wahl trat Brian C. Kelemen an. Payne gewann beide Wahlen ungefährdet.

Washington, 1. Wahlbezirk: Jay Inslee (Demokratische Partei) legte sein Mandat am 20. März 2012 nieder, um seine Kandidatur als Gouverneur von Washington vorzubereiten. Die Nachwahl fand zeitgleich mit der regulären Kongresswahl am 6. November 2012 statt. Die demokratische Nominierung ging an Suzan DelBene, Direktorin der staatlichen Steuerbehörde, die 2010 im achten Distrikt gegen Dave Reichert verloren hatte. Bei den Republikanern trat der 2010 im zweiten Bezirk gescheiterte John Koster erneut an. DelBene siegte deutlich mit 60:40 Prozent der Stimmen.

Michigan, 11. Wahlbezirk: Thaddeus McCotter (Republikanische Partei) legte sein Mandat am 6. Juli 2012 nieder. Vorausgegangen waren Irritationen um die Gültigkeit der von seinem Stab gesammelten Bürgerunterschriften, die notwendig waren, um auf dem Wahlzettel zu stehen. Zwar waren 2000 Unterschriften übermittelt worden, doch ergab eine Prüfung, dass weniger als die notwendigen 1000 davon gültig waren. Nachdem McCotter zunächst seinen Mandatsverzicht zum Ende der Legislaturperiode erklärt hatte, gab er wenig später seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Die Nachwahl fand zeitgleich mit der regulären Kongresswahl am 6. November 2012 statt. Bei den Republikanern gewann der Tea-Party-Aktivist Kerry Bentivolio die Primary gegen die ehemalige Staatssenatorin Nancy Cassis, die dann auf eine kurzzeitig erwogene Write-In-Kandidatur verzichtete. Für die Demokraten kandidierte David Curson, Vertrauensmann einer Gewerkschaft ohne politische Erfahrung. Syed Taj, der die Primary für die zeitgleiche reguläre Wahl gewann, verzichtete auf die Teilnahme an der Nachwahl. Das Resultat fiel ungewöhnlich aus: Curson gewann die Nachwahl gegen Bentivolio mit 51:49 Prozent der Stimmen und erhielt damit für knapp sechs Wochen einen Sitz im Kongress. Der Sieg bei der regulären Wahl ging hingegen an Bentivolio, der folglich Curson am 3. Januar 2013 ablöst.

Kentucky, 4. Wahlbezirk: Geoff Davis (Republikanische Partei) legte sein Mandat am 31. Juli 2012 nieder. Als Grund gab er einen Krankheitsfall in seiner Familie an, dem er seine Zeit widmen müsse. Zuvor hatte er bereits seinen Rücktritt zum Ende der Legislaturperiode erklärt. Gouverneur Steve Beshear legte den Nachwahltermin auf den 6. November. Der republikanische Lokalpolitiker Thomas Massie gewann erwartungsgemäß gegen den Demokraten Bill Adkins.

Kalifornien, 18. Wahlbezirk: Dennis Cardoza (Demokratische Partei) trat am 14. August 2012 „aus familiären Gründen“ vorzeitig zurück; zuvor hatte er bereits angekündigt, sich im November nicht erneut um ein Mandat zu bewerben. Eine Nachwahl gab es nicht mehr; das Mandat blieb bis zum Ende der Legislaturperiode vakant.

Illinois, 2. Wahlbezirk: Jesse Jackson Jr. (Demokratische Partei) legte sein Mandat am 21. November 2012 nieder, nachdem er erst kurz zuvor für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt worden war. Er gab einerseits gesundheitliche Gründe an; andererseits waren aber auch Untersuchungen gegen ihn aufgrund ethischer Verstöße ausschlaggebend. Das Mandat blieb bis zum Ende der Legislaturperiode vakant.

Kalifornien, 51. Wahlbezirk: Bob Filner (Demokratische Partei) legte sein Mandat am 3. Dezember 2012 nieder, nachdem er zum Bürgermeister von San Diego gewählt worden war. Der Sitz blieb bis zum Ende der Legislaturperiode vakant.

Liste der Abgeordneten zum Ende der Sitzungsperiode

Nicht stimmberechtigte Abgeordnete

Im Repräsentantenhaus sitzen insgesamt sechs nicht stimmberechtigte Delegierte aus den amerikanischen Territorien, darunter erstmals ein Vertreter der Nördlichen Marianen.

Siehe auch

112. Kongress der Vereinigten Staaten Liste der Mitglieder des Senats im 112. Kongress der Vereinigten Staaten

Einzelnachweise

Weblinks

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