Der Preis für Zivilcourage der Solbach-Freise-Stiftung wird von der Solbach-Freise-Stiftung für Zivilcourage mit Sitz in Bodenwerder seit 1995 einmal jährlich an Menschen vergeben, die sich zivilcouragiert verhalten und für mehr Gerechtigkeit eingesetzt haben. Der Preis richtet sich an Einzelpersonen oder Gruppen, wurde aber auch bereits geteilt vergeben.
Geschichte und Dotierung Preisgeberin ist die am 23. März 2014 verstorbene Realschullehrerin Anne Solbach-Freise, die Ende der 1930er Jahre geboren wurde. Sie wurde Ende der 1960er Jahre als Lehrerin in Lüdenscheid von ihrem damaligen Schulleiter gemobbt und später von der Schulbehörde mit sofortiger Wirkung pensioniert, wogegen sie erfolgreich klagte. Solbach-Freise wechselte dann die Schule, fühlte sich aber beschädigt und wurde zudem depressiv. Neben ihrem Schuldienst engagierte sie sich unter anderem im Natur- und Umweltschutz und in der Friedensbewegung.Melanie Mühl, Marcus Jauer: Zivilcourage. Der entscheidende Moment. In: FAZ, 16. November 2009. (Aufgerufen am 13. Dezember 2010.)
1995 gründete Solbach-Freise eine private Stiftung für Zivilcourage und schrieb unter dem Motto „Demokratie wagen – Zivilcourage zeigen“ einen Preis aus, den sie jedes Jahr selbst vergab und aus eigenen Mitteln finanzierte. Motivation der Stifterin war es, „Zivilcourage als Bürgertugend zu fördern und durch die Verleihung des Preises den mutigen Einsatz von Personen und Organisationen für Gerechtigkeit zu ehren“. Die nach der Stifterin benannte Solbach-Freise-Stiftung für Zivilcourage hat ihren Sitz in Bodenwerder, dem Wohnsitz von Solbach-Freise, wo auch jährlich der Preis bei einer Feier verliehen wird.. In: Westfälische Nachrichten, 8. November 2010. (Aufgerufen am 13. Dezember 2010.)
Dem aus vier Personen bestehenden Stiftungsrat gehören die Lehrerin Christiane Harbort-Ring, die Gebärdendolmetscherin Mechtild Steinhauer, der Pastor i. R. Heiko Limburg und der Lehrer Franz-Josef Hanisch an. Die Stiftung wird seit dem 1. April 2014 von dem vom Stiftungsrat einstimmig gewählten Tom Jürgens als Stiftungsvorstand weitergeführt.
Die Stifterin unterstützte seit Gründung der Stiftung vor allem Menschenrechtler und Atomkraftgegner sowie Kriegs- und Globalisierungsgegner.Andreas Schwarzkopf: Häufig gegen den Strom. In: Frankfurter Rundschau, 14. November 2009. (Aufgerufen am 14. Dezember 2010.) Über die Stiftung und die Preisverleihungen wurde mehrmals in regionalen und überregionalen Medien berichtet, wie in Zeitungen und Zeitschriften sowie im Rundfunk und Fernsehen.Berichterstattungen erfolgten zum Beispiel u. a. im Schweizer Magazin (2007); in der Fachzeitschrift umwelt-medizin-gesellschaft (2009); in den überregionalen deutschen Tageszeitungen FAZ, Frankfurter Rundschau und taz (jeweils 2009); in der umweltpolitischen Monatszeitschrift (jeweils 2010); im Lokalsender (2009); sowie in mehreren regionalen Tageszeitungen, wie beispielsweise alleine im November 2010 in: Deister- und Weserzeitung, Pyrmonter Nachrichten und . (Jeweils aufgerufen am 19. Dezember 2010.)
Der Preis war anfangs mit einem Preisgeld von 5000 DM dotiert, später mit 4000 Euro und ab 2009 mit 5000 Euro.(saw): „Wer so starke Feinde hat, der muss ein mutiger Mensch sein“. In: Deister- und Weserzeitung, 15. November 2009. (Aufgerufen am 14. Dezember 2010.) Im Jahr 2010 erhöhte Solbach-Freise einmalig das Preisgeld auf 10.000 Euro, außerdem wurde der Preis erstmals an eine Organisation verliehen.(saw): Bodenwerder. „Es reicht nicht, einfach nur dagegen zu sein“. In: Deister- und Weserzeitung, 7. November 2010. (Aufgerufen am 13. Dezember 2010.)
Bisherige Preisträger Hinweis: Die Angaben zum Wohnort und teils zum Beruf sowie zur Begründung der Preisvergabe beruhen jeweils auf den Bemerkungen auf der Website der Solbach-Freise-Stiftung bzw. sind an diese angelehnt.
Jahr Preisträger Wohnort,ggf. Beruf Begründung der Stiftung für die Preisvergabe 1995 Hermann FockeCloppenburg, VeterinärKämpft gegen quälende Tiertransporte quer durchs Land. 1996 Uwe ChrobrockHamburg, PolizeibeamterKämpft gegen unwürdige Behandlung von Flüchtlingen durch Kollegen. 1998 Conrad LinkBayernFür seinen Widerstand gegen Atomkraft und Rüstungsindustrie. 1999 Erika DreesStendalSetzt sich gegen Menschenrechtsverletzungen (schon in der DDR) ein, sowie gegen Atomwaffen und Rüstungsindustrie. 2000 Axel Köhler-SchnuraDüsseldorfIst weltweiter Leiter der „Coordination gegen BAYER-Gefahren“. 2001 Gregor BöckermannFrankfurtBekämpft die kapitalistische Globalisierung und gehört zur „Initiative Ordensleute für den Frieden“. 2002 Bernhard NolzSiegen,LehrerKämpft gegen Kriegseinsätze der USA – Vorsitzender der „Pädagogen für den Frieden“, Gründer des Siegener „Zentrums für Friedenskultur“. 2003 Gertrud BeckerNordenhamFür 35 Jahre Kampf gegen die Vergiftungen (Blei/Zink, Radioaktivität) in ihrer Heimat. 2004 Traute Kirsch, Susanne KamienBeverungen bzw. LüchowFür ihren jahrzehntelangen Widerstand gegen Atomkraftwerke in ihrer Heimat. 2005 José BovéMillau, FrankreichFür seinen jahrzehntelangen Kampf für gesunde Lebensmittel und besonders für seine weltweiten Aktivitäten gegen Agrogentechnik. 2006 Siegwart Horst GüntherSt. Peter-OrdingFür seinen Einsatz zur Öffentlichmachung der Folgen von Munition aus abgereichertem Uran (depleted uranium, DU) im Irak und auf dem Balkan. 2007 Peter BinzTrierEr hat sich viele Jahre lang für Umweltgift-Geschädigte eingesetzt – gegen alle Angriffe von Wirtschaft, Behörden oder Kollegen. 2008 Friedrich MüllnMünchenFür seinen langjährigen mutigen Einsatz gegen Massentierhaltung und andere Tierquälereien. 2009 Jürgen GrässlinFreiburgFür 25 Jahre wagemutigen Widerstand gegen die deutsche Rüstungsindustrie. 2010 urgewald e. V.SassenbergAnwalt für Umwelt und Menschenrechte. Einsatz gegen Konzerne und Banken, die Kredite für ungerechte und umweltschädliche Projekte vergeben. 2011 Margrit LichtinghagenNordrhein-Westfalen, JuristinFür die unerschrockene Arbeit als Staatsanwältin für Steuerfahndung [am Landgericht Bochum]. Nach der Festnahme von Ex-Postchef Klaus Zumwinkel folgte in schlimmster Weise eine „Abstrafung“. 2012 Jörg BergstedtMittelhessenFür seine konsequenten, mutigen Aktivitäten gegen Weltfirmen wie Monsanto, BASF und Bayer (Gentechnik). 2013 Internationaler Versöhnungsbund, Regionalgruppe Cochem-Zell, Elke KollerLeienkaulFür ihren Einsatz gegen Atomwaffen in Deutschland und ihre Friedensaktivitäten an den amerikanischen Militärbasen. 2014 Margrit HerbstBrokstedtFür die Aufdeckung der Anfänge des deutschen BSE-Skandals im Jahre 1994, die zu ihrer Entfernung aus dem Dienst als amtliche Tierärztin für Fleischhygiene führte. 2015 Inge BultschniederRheda-WiedenbrückFür ihren Einsatz mit der IG WerkFAIRträge gegen die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen der MitarbeiterInnen bei Europas größtem Schlachthaus in Rheda-Wiedenbrück. 2017 Jana GrebeWorpswedeFür einen menschenwürdigen Umgang mit Hilfeempfängern im Jobcenter (Hartz IV).2019„Jugend RETTET“ und Kapitän Benedikt FunkeFür Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer, für die 10 Aktivist:innen angeklagt wurden2021Irmela Mensah-SchrammFür Dokumentation und Entfernung von rassistischen und antisemitischen Aufklebern und Graffiti2023"Letzte Generation" vertreten durch Lina Eichler und Lars Nicolai Werner als Anerkennung für ihren selbstlosen Einsatz. "Die Einstufung als kriminelle Vereinigung ist haltlos überzogen."2025Birgit und Horst Lohmeyerhaben sich für eine lebendige Demokratie in Jamel gegen Rechtsextremismus eingesetzt, Mut zum Handeln gezeigt und sich für Vielfalt und Toleranz engagiert.
Literatur Wolfgang Keim (Red.): Kritik der Transformation. Erziehungswissenschaft im vereinigten Deutschland. Lang, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-631-50913-8, S. 377. (Jahrbuch für Pädagogik, 2002) Bernhard Nolz: Institution and Movement. On the Situation of „Peace Education“ in Germany. In: Werner Wintersteiner et al. (Hrsg.): Peace education in Europe. Visions and experiences. Waxmann Verlag, Münster 2003, ISBN 3-8309-1260-9, S. 187. (European studies in education, Bd. 19; englisch)
Weblinks Internetpräsenz der Solbach-Freise-Stiftung für Zivilcourage
Einzelnachweise
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