mini|Blick auf ältere Teile der Brauerei in der Karlsbergstraße in Homburg
Die Karlsberg Holding GmbH in Homburg ist die Führungsgesellschaft des Karlsberg-Verbunds, welche aus der gleichnamigen Brauerei entstand und neben der Produktion von Bier- und Biermischgetränken in den Bereichen des Getränkevertriebs sowie der Transport- und Eventdienstleistungen aktiv ist. Der Kernbereich des Unternehmens ist die 1878 durch Christian Weber in Homburg gegründete Karlsberg Brauerei, aus welcher durch diverse Übernahmen und Ausgründungen die heutige Unternehmensgruppe entstand. Die Unternehmen des Karlsberg-Verbunds mit ca. 1.100 Mitarbeitern bieten Getränke und (Gastro-, Transport-)Dienstleistungen an.
mini|Werbung mit dem Gartenzwerg Hansi UrPils (2004)
Struktur und Leitung Die Karlsberg Holding GmbH (auch als Karlsberg Verbund bezeichnetWebsite des Karlsberg Verbunds) fungiert als Muttergesellschaft der Gruppe, welche direkt und indirekt Beteiligungen an den operativen Unternehmen der Gruppe wie z. B. der Karlsberg Brauerei GmbH, den französischen Töchtern in Saverne, darunter die Brasserie Licorne SAS, verschiedenen Vertriebstöchtern sowie an der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach GmbH & Co. KGaA hält.
Die Geschäftsführung der Holding besteht aus Richard Weber, Christian Weber, Martin Adam und Markus Meyer. Der langjährige Unternehmensleiter Richard Weber war ab 2002 bis Juli 2008 Präsident des Deutschen Brauer-Bundes. Die Karlsberg-Gruppe wird von Christian Weber als Generalbevollmächtigter geleitet. Christian Weber wurde im Juni 2023 zum Präsidenten des Deutschen Brauer-Bundes gewählt, zuvor war er DBB-Vizepräsident. Im Mai 2025 wurde Christian Weber zum Präsidenten des europäischen Brauer-Bundes Brewers of Europe gewählt.
Geschäftsführer der Karlsberg Holding GmbH ist Markus Meyer, der 2021 die Position des CEO Deutschland des Karlsberg Verbunds übernommen hat und damit für das gesamte Deutschland-Geschäft der Gruppe, inklusive der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach GmbH & Co. KGaA verantwortlich ist. Meyers Position als Geschäftsführer der Vertriebstochter Vendis Gastro GmbH & Co. KG übernahm am 1. November 2021 André May. Zum 1. Februar 2022 wurde die Vendis Gastro GmbH & Co. KG in Karlsberg Direkt GmbH & Co. KG umbenannt.
Betriebsgröße Die Karlsberg Brauerei GmbH in Homburg beschäftigt 180 Mitarbeiter (Stand: 2024). Die Mitarbeiterzahlen der Karlsberg Gruppe liegen bei ca. 1.100 Mitarbeitern insgesamt (Stand 2024), davon etwa 700 am Stammsitz in Homburg.
Der Umsatz ging im Jahr 2008 auf rund 296 Millionen Euro zurück, nach 310 Millionen Euro im Jahr 2007. Der Bierausstoß von Karlsberg lag 2008 bei 3,5 Millionen Hektolitern, davon fielen 450.000 Hektoliter auf Mixery. Bericht vom 24. Juni 2009 auf globalmalt.de Der Umsatz der Karlsberg Brauerei GmbH alleine lag 2019 bei 125,8 Mio. €. Im Geschäftsjahr 2024 verzeichnete die Karlsberg Brauerei GmbH einen Umsatz von 123,4 Millionen Euro.
Aktivitäten Biersegment Deutschland und Frankreich Die Karlsberg Brauerei GmbH betreut das Biersegment in Deutschland. Dazu gehört auch die Karlsberg Direkt GmbH & Co. KG.
Partner für das Exportgeschäft in Frankreich ist die Licorne Gruppe (Brasserie Licorne SAS, Karlsbräu CHR und Saverne Transport) in Saverne.
Alkoholfreie Getränke und Non Beverage Zur Karlsberg Holding GmbH gehört das gesamte Segment der alkoholfreien Getränke einschließlich der Beteiligungen an der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach GmbH & Co. KGaA.
Zum Bereich Non Beverage gehören auch die konzernzugehörigen Immobilienverwaltungen und bis 31. Dezember 2022 auch die Fascination Food Tiefkühlkost-Zentrale in St. Ingbert.
Produkte mini|Urpils in Stubbiflasche (Design 2018–2020)
Zu den Produktinnovationen der Brauerei zählt das 1996, abgerufen am 2. Januar 2017 eingeführte Karlsberg MiXery. Es war das erste Biermischgetränk aus Cola und Bier auf dem deutschen Markt. Karlsberg ist damit bis heute Marktführer., Pressebeitrag der Karlsberg Brauerei vom 10. Februar 2015 Ebenfalls 1996 führte Karlsberg Desperados (Bier mit Tequila-Aroma) im deutschen Markt ein. Der Vertrieb ging im Januar 2010 an Heineken Deutschland.
Die frühere Karlsberg Brauerei KG Weber (heute: Karlsberg Brauerei GmbH) erzielte im Geschäftsjahr 2004/2005 etwa 50 % ihrer Umsätze mit Bier, ihrem ursprünglichen Kerngeschäft. Diese Entwicklung entspricht dem seit 1994 angestrebten Vorhaben, neben dem reinen Biergeschäft ein Standbein im Markt der alkoholfreien Getränke aufzubauen.
Biere mini|Trierer Löwenbräu, Logo
Neben Karlsberg UrPils (Pils), welches von der Brauerei als Premiummarke beworben wird, stellt Karlsberg rund 20 weitere Biere her, darunter Export, Helles, Pils, Kellerbier, Starkbier (Karlsberg Bock) und verschiedene Weizenbier-Varianten. Auch werden lokal Biere unter dem Namen übernommener Brauereien vertrieben, bspw. Becker’s Pils und Trierer Löwenbräu.
Alkoholfreies Bier Unter der Marke Gründel's produziert Karlsberg seit 1988 alkoholfreies Bier. 2020 erfolgte eine Umbenennung in Karlsberg Pilsner alkoholfrei. Zudem wird ein alkoholfreies Weizen produziert. Zusätzlich produziert Karlsberg Malzbier. Bis zur alleinigen Übernahme der Vitamalz-Produktion durch Krombacher braute Karlsberg als Mitglied des Vitamalz-Verbundes unter dieser Marke. Zusätzlich wurde ein eigenes Malzbier unter dem Namen Fit Malz hergestellt. Seit einer Anpassung der Markensystematik wird das Malzbier als Karlsberg Brauermalz vertrieben. Ebenfalls im alkoholfreien Portfolio ist das feinherbe Pilsener sowie seit 2026 das Ur-Pils 0,0.
Biermischgetränke Den nationalen Durchbruch schaffte die Brauerei mit dem Trendgetränk MiXery, einem Gemisch aus Bier und Cola und einem geheim gehaltenen weiteren Zusatzstoff, genannt „X“, der wohl eher als Marketing-Gag zu verstehen ist. Heute steht das „X“ für die Mischkompetenz. MiXery war das erste Biermischgetränk dieser Art am nationalen und internationalen Markt und ist immer noch Marktführer. Unter der Marke MiXery werden inzwischen auch weitere Biermischgetränke in diversen Geschmacksrichtungen angeboten, beispielsweise Cola-Bier Orange, Lemon und Cherry sowie Iced Blue als Mix mit Energy-Drink.
Das Sortiment umfasst ebenso ein Radler.
Alkoholfreie Biermischgetränke Die vormals unter der Marke Gründel's alkoholfreien Biermischgetränke, alkoholfreier Radler sowie Gründel's Fresh (ein Mix mit Apfelsaft) werden seit 2020 unter der Dachmarke Karlsberg vertrieben. Gleichzeitig wurde das Angebot um einen Mix mit Grapefruit erweitert.
Fruchtsäfte Im Jahr 2004 festigte Karlsberg seine Stellung im Saftmarkt durch den Zusammenschluss mehrerer im Konzernbesitz befindlicher und vormals getrennt voneinander operierender Fruchtsafthersteller (Merziger Fruchtgetränke GmbH und Klindworth Fruchtsäfte GmbH mit der Niehoffs-Vaihinger Fruchtsäfte GmbH) zur Tucano Vertriebs GmbH & Co. KG. An der Tucano-Holding GmbH, zu deren Marken auch Merziger zählt, waren bis zum 31. Dezember 2007 die Karlsberg Brauerei KG Weber mit 75 % und Friedrich Niehoff mit 25 % beteiligt. Mit Wirkung vom 1. Januar 2008 wurde das Unternehmen inkl. Tochterunternehmen an die mehrheitlich zu Karlsberg gehörende Mineralbrunnen Überkingen-Teinach GmbH & Co. KGaA verkauft. Im Januar 2015 wurde die ehemalige Niehoffs Vaihinger GmbH in die Niehoffs Vaihinger Fruchtsaft GmbH umfirmiert. Die Saftgesellschaften, die Tucano Holding GmbH und deren Beteiligungen inklusive der Lauterecker Fruchtsaft GmbH wurden zur Niehoffs Vaihinger Fruchtsaft GmbH zusammengeführt. Von 1999 bis 2014 zählte auch der Fruchtsafthersteller Erwin Dietz GmbH in Osterburken zur Karlsberg-Gruppe.
Mineralwasser und Limonaden mini|Karlsberg Brauerlimo in der NRW-Flasche (2021–2022)
Der Anteil der Karlsberg-Gruppe an den Stammaktien der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach GmbH & Co. KGaA in Bad Teinach-Zavelstein lag zum Jahresende 2024 bei 42,68 %. Diese stellt Mineralwasser, stilles Wasser, Heilwasser und andere alkoholfreie Getränke auf Wasserbasis her. Zu Karlsberg gehörte bis 2020 auch die Gesundbrunnen Bad Rilchingen GmbH in Rilchingen-Hanweiler.
Unter der Sorte Karlsberg Brauerlimo wurde zudem bis Frühjahr 2025 eine Limonade in der Geschmacksrichtung Cola-Orange vertrieben.
Sonstige Aktivitäten Neben dem Getränkesegment bedient der Karlsberg Unternehmensverbund auch die Bereiche Logistik und E-Commerce (u. a. mit Saverne Transports S.A.R.L. und Karlsberg Direkt GmbH & Co. KG). Außerdem veranstaltet die Brauerei mehrere Volksfeste wie das Karlsberg Bockbierfest und die Braunacht (in Homburg und anderen Städten der Region).
Firmengeschichte mini|Historische Flasche der Karlsberg-Brauerei.
Als Quelle der nachfolgenden Geschichtsangaben diente, falls nicht anders angegeben, die Website der Karlsberg Brauerei., Website der Karlsberg Brauerei, abgerufen am 11. Oktober 2012
1878 bis 1899 Gegründet wurde die Karlsberg Brauerei 1878 unter dem Namen Bayerische Bierbrauerei zum Karlsberg von dem einheimischen Kaufmann und Kolonialwarenhändler Christian Weber. Zu dieser Zeit war die Saarpfalz ein Teil der Pfalz (Bayern). Namensgeber der Brauerei war die ehemalige Schlossanlage Schloss Karlsberg in der Nähe der heutigen Braustätte. Die Brauanlagen, Brunnen und Immobilien erwarb der Kaufmann aus der Versteigerung der bankrotten Brauerei Jacoby.
Hinsichtlich des starken Wachstums der Brauerei wurde 1884 der Umzug an den Homburger Stadtrand notwendig. Ein neues Brauhaus sowie weitere Neu- und Umbauten ermöglichten höhere Produktionsmengen. Mit dem Bau einer Eismaschine im Jahre 1896 wurde die ganzjährige Kühlung der Biererzeugnisse möglich. 1897 wurde die Bayerische Bierbrauerei zum Karlsberg in eine Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 1,1 Millionen Mark umgewandelt. Christian Weber hielt 98 Prozent der Aktien. Eine Inventur des Vorjahres zeigt: Innerhalb von nur 18 Jahren seit der Gründung vervielfachte Christian Weber durch Investitionen in Anlagen, Inventar und Immobilien den Wert der Brauerei. 1898 betrug die Kapazität der Brauerei bereits 90.000 Hektoliter pro Jahr.
1900 bis 1929 Mit der Kapazitätserweiterung wuchs das Vertriebsgebiet der Brauerei deutlich: Neben Kohlerevieren und Industrieregionen im Saarland fand Karlsbräu auch in der Pfalz, in Lothringen und in Luxemburg regelmäßige Abnehmer. Die Brauerei erwarb eigene Eisenbahnwaggons, um den Transport zu bewerkstelligen. Das erste motorisierte Lastauto erhöhte 1910 den Vertriebsradius. Im gleichen Jahr übernahm Richard Weber (1897–1946), Sohn des Firmengründers, die Leitung der Brauerei. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Karlsberg unter den 180 größten deutschen Brauereien.
Trotz ungünstiger Absatzbedingungen – unter anderem durch den Friedensvertrag von Versailles im Jahre 1918, der zur Folge hatte, dass Märkte in Lothringen, Luxemburg und der Pfalz wegbrachen – blieb die Brauerei auf Wachstumskurs. Zum 50. Firmenjubiläum im Jahre 1928 wurde die Christian-Weber-Stiftung ins Leben gerufen, die Mitarbeitern in sozialen Notlagen hilft.
1930 bis 1949 Nach dem Erwerb weiterer Immobilien und umfassenden Investitionen in die Produktion, darunter der Neubau eines Sudhochhauses in der Karlsbergstraße, erzielte die Brauerei einen stetig wachsenden Bierausstoß. 1937 wurde die Aktiengesellschaft in eine Kommanditgesellschaft mit persönlich haftendem Gesellschafter umgewandelt. Richard Weber wurde alleiniger geschäftsführender Gesellschafter, 1942 trat Paul Weber als Prokurist in die Karlsberg Brauerei ein. Der Zweite Weltkrieg endete mit dem Verlust zahlreicher Mitarbeiter und der vollständigen Zerstörung der Brauerei.
1950 bis 1960