Der Bahnhof Rüdesheim (Rhein) an der rechten Rheinstrecke ist der Bahnhof der Stadt Rüdesheim am Rhein im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen.

Geographische Lage Der Bahnhof liegt am westlichen Stadtrand von Rüdesheim, eingeengt zwischen den nördlich angrenzenden Steillagen der Weinbaugemarkung und dem Ufer des Mittelrheins im Süden, das teilweise nicht mehr als 20 Meter von den Gleisanlagen entfernt ist. Für den Straßenverkehr erschlossen wird der Bahnhof von der Stadt aus durch die Bundesstraße 42, die hier den Namen Rheinstraße trägt und nördlich parallel zu den Bahngleisen verläuft. Kurz vor dem Bahnhofsgelände überquert die B42 auf einem durch Schranken gesicherten Bahnübergang die Gleise, um im weiteren Verlauf bis Lahnstein stets zwischen Bahnlinie und Rheinufer zu bleiben. Gleich jenseits des Bahnübergangs beginnt die ampelgeregelte Zufahrt der Rheinfähre Bingen–Rüdesheim. Auf diese Weise liegt hier am Bahnhof Rüdesheim ein Ausgangspunkt für viele Verkehrsstaus im Rheingau während des Berufs- und Ausflugsverkehrs. Seit Jahrzehnten sind alle Versuche, diesen Verkehrsknotenpunkt zu entschärfen, im Sande verlaufen.

Geschichte Am 9. August 1856 fuhr der erste fahrplanmäßige Zug der Nassauischen Rheinbahn von Wiesbaden kommend ohne große öffentliche Aufmerksamkeit an der provisorischen Endstation Rüdesheim neben dem Adlerturm ein.Notizen aus dem Stadtarchiv von Rolf Göttert: Die Eisenbahn in Rüdesheim am Rhein Nachdem am 22. Februar 1862 die Strecke bis Oberlahnstein in Betrieb ging, war er Durchgangsbahnhof.Odenwald-Bahn.de: Die Eisenbahn in Wiesbaden Zugleich ging mit einer Fährrampe 1500 Meter westlich des Bahnhofs das Trajekt Bingerbrück–Rüdesheim in Betrieb, das bis 1900 bestand. 1907 wurde der Bahnhof, um Verwechslungen mit dem Kleinbahnhof von Rüdesheim (Nahe) zu vermeiden, in Rüdesheim a. Rh. umbenannt.Eisenbahn-Directionsbezirk Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 21. September 1907, Nr. 47. Bekanntmachung Nr. 500, S. 491.

Zum 1. Dezember 1925 wurde die Behandlungsanlage für (Dampf)lokomotiven in Rüdesheim geschlossen. Lediglich der Wasserkran blieb vorläufig in Betrieb.Reichsbahndirektion in Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion in Mainz vom 7. November 1925, Nr. 55. Bekanntmachung Nr. 1061, S. 568.

Von 1915 bis 1945 war 1500 Meter östlich des Bahnhofs die Verbindungskurve zur Hindenburgbrücke in Betrieb.

Am 10. Juli 2026 hielt der vermutlich letzte Personenzug im Bahnhof. Im Rahmen der Korridorsanierung der Rechten Rheinstrecke wird der Bahnhof geschlossen und durch einen neuen barrierefreien Haltepunkt ersetzt.

Empfangsgebäude mini|hochkant|Empfangsgebäude mini|hochkant|Straßenansicht des Empfangsgebäudes Das Empfangsgebäude ist ein doppelgeschossiger Putzbau des Klassizismus. Es zählt heute zu den Kulturdenkmalen im UNESCO-Welterbe „Oberes Mittelrheintal“.

Als Ersatz des behelfsmäßigen Bahnhofs am Adlerturm wurde das Empfangsgebäude nach Entwürfen des Architekten Heinrich Velde aus Diez im Jahr 1862 am westlichen Ende der Stadt errichtet. Es entspricht dem für diese Zeit einheitlichen Bautyp mit Eingangshalle und Funktionsräumen im Erdgeschoss, im darüber liegenden Obergeschoss die Wohnung des Stationsvorstehers. Die verputzte Fassade mit einfacher Reihung von Fenstern spricht die Architektursprache klassizistischer nassauischer Verwaltungsbauten. Außer in Rüdesheim ist dieser Typus in reiner Form im Mittelrheintal noch bei den Bahnhöfen von Oberwesel und Bacharach an der linken Rheinstrecke zu finden.

Anlässlich des Kaiserbesuchs zur Einweihung des Niederwalddenkmals am 28. September 1883 wurde die gerade neu errichtete öffentliche Wartehalle des Trajektbetriebs über den Rhein als provisorischer Fürstenbahnhof genutzt.Rowald: Warteräume für fürstliche Personen. In: Centralblatt der Bauverwaltung 5 (1895), S. 295f. (296).

2002 wurde das stark heruntergekommene Bahnhofsensemble von den Brüdern Heil aus Rüdesheim erworben und komplett saniert und instand gesetzt. Außer dem Empfangsgebäude gehören zu dem erworbenen Komplex noch die Güterhalle und ein Büroneubau, die als Sachgesamtheit unter Denkmalschutz stehen.

Für die vorbildliche Sanierung wurde den Privateigentümern für ihr außergewöhnliches denkmalpflegerisches Engagement 2007 der Hessische Denkmalschutzpreis verliehen.Denkmalschutzpreis 2007 – Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst Der Bahnhof stellt jetzt wieder das repräsentative Empfangsgebäude der Stadt Rüdesheim dar, als das er einst gebaut wurde.

Betrieb mini|Bahnsteige und Gleise Der Bahnhof ist nicht barrierefrei. Der Zugang zu den Bahnsteigen wird erst bei Einfahrt des Zuges geöffnet. Wenn der Zug aus Koblenz auf Gleis 2 ankommt, muss Gleis 1 gesperrt werden, weil die ein- und aussteigenden Fahrgäste dieses überqueren müssen.

Stellwerk

mini|Stellwerk Rüdesheim Das Stellwerk Rüdesheim Rf wurde 1952 im Stil der Neuen Sachlichkeit als elektromechanisches Stellwerk errichtet. 1960 wurde es zu einem Gleisbildstellwerk Dr S2 umgerüstet.

Fernverkehr Rüdesheim (Rhein) ist seit Jahren vom Netz des Schienenpersonenfernverkehrs abgekoppelt, nicht zuletzt deshalb, weil sich dieser entlang der Rheinschiene auf die Linke Rheinstrecke sowie seit 2002 auf die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main konzentriert, während auf der rechten Rheinstrecke der langsame Schienengüterverkehr fährt. Zuletzt verkehrten saisonal bis 2017 der IC 2412Datenbank Fernverkehr IC 2412 in Rüdesheim (Rhein) und bis 2016 der IC 2415.Datenbank Fernverkehr IC 2415 in Rüdesheim (Rhein) Bei Bauarbeiten oder Sperrung der linken Rheinstrecke halten hier auch rechtsrheinisch umgeleitete Fernverkehrszüge.

Regionalverkehr Der Bahnhof Rüdesheim (Rhein) wird im Schienenpersonennahverkehr stündlich, im Berufsverkehr teilweise auch halbstündlich, durch die Linie RB10 bedient.

Linie Linienverlauf Takt

Neubau Haltepunkt Rüdesheim

Bis Dezember 2026 entsteht etwa einen Kilometer östlich des Bahnhofs ein neuer, vollständig barrierefreier Haltepunkt. Nach Fertigstellung werden die bestehenden Bahnsteiganlagen am jetzigen Bahnhof zurückgebaut, während das denkmalgeschützte Empfangsgebäude erhalten bleibt.https://eisenbahn.de/eisenbahn-magazin/ruedesheim-db-baut-neuen-bahnhof-am-hafenpark_19621 Baubeginn war am 9. Februar 2026.

Der Haltepunkt soll über zwei je 210 m lange und bis zu 3,75 m breite Außenbahnsteige verfügen.

Literatur Das Rheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz. Eine europäische Kulturlandschaft. Band 1. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2001, ISBN 3-8053-2753-6. Heinz Schomann: Eisenbahn in Hessen. Eisenbahnbauten und -strecken 1839–1939. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1917-6, Bd. 2.1, S. 211. Erich Preuß: Rüdesheim (Rhein). In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 117. Ergänzungsausgabe). GeraMond Verlag, München 2014, (1 Bl., 4 S.).

Weblinks

Notizen aus dem Rüdesheimer Stadtarchiv, von Rolf Göttert. Die Eisenbahn in Rüdesheim am Rhein Abfahrtsmonitor Bahnhof Rüdesheim (Rhein) bei DB InfraGO

Einzelnachweise

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