Die Mitgliederentwicklung in den Religionsgemeinschaften gibt den Verlauf der Veränderung der Mitgliederzahl in Religionsgemeinschaften wieder. In Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und im Vereinigten Königreich ist spätestens seit den 1970er-Jahren ein Abnehmen der Mitgliederzahl der beiden großen Konfessionen (protestantische Kirchen bzw. katholische Kirche) zu verzeichnen. In den USA sinken die Mitgliederzahlen ebenfalls seit der Jahrtausendwende. Weltweit nimmt die Mitgliederzahl der meisten Weltreligionen jedoch zu. Das Absinken der Mitgliederzahlen der beiden großen Konfessionen stärkt fast ausschließlich den Personenkreis der „Konfessionslosen“, das heißt der nicht religiös organisierten Menschen.
Entwicklungen Deutschland
Historische Entwicklung Die Konfessionszugehörigkeit auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland vor der Wiedervereinigung blieb zwischen 1871 und 1970 weitgehend konstant.Christof Wolf: Religion und Familie in Deutschland. So gehörten in Westdeutschland im Jahr 1951 noch 96,4 % der Bevölkerung einer christlichen Konfession an. Die konfessionelle Struktur der Bundesrepublik Deutschland veränderte sich durch den Beitritt der ehemaligen DDR beträchtlich. Lag der Anteil der Christen in Ostdeutschland 1949 noch bei rund 92 %, so hatte sich dieser bis zum Jahr 1988 aufgrund der allgemein atheistischen Ausrichtung der DDR auf knapp 40 % reduziert.Peter Maser: Glauben im Sozialismus. Kirchen und Religionsgemeinschaften in der DDR. Berlin 1989, S. 13–20.
Der Anteil der Kirchenmitglieder an der deutschen Gesamtbevölkerung (West und Ost) hat sich in den letzten fünfzig Jahren von über 90 % auf 46 % halbiert, während sich der Anteil der Konfessionfreien von unter 5 auf fast 50 % verzehnfacht hat.
Ende 2021 fiel die Gesamtzahl der Kirchenmitglieder der römisch-katholischen Kirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammengenommen erstmals unter die Marke von 50 %, das heißt weniger als die Hälfte der Bevölkerung war zu dem Zeitpunkt Mitglied in einer dieser beiden Kirchen.
Aktuelle Entwicklung
Auf Basis der Fowid-Untersuchung – 2025 Im Jahr 2025 gehörten laut einer Untersuchung der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (Fowid) fast 44 % der deutschen Bevölkerung einer der beiden größeren christlichen Konfessionen an. Die römisch-katholische Kirche hatte 23,0 % katholische Kirchenmitglieder, die evangelischen Kirchen der EKD hatten zusammen 20,8 % evangelische Gemeindemitglieder. Zählt man Orthodoxe und Mitglieder anderer christlicher Gemeinschaften dazu, lag der Anteil der christlichen Kirchenmitglieder 2025 bei zirka 46 %. Weitere 4,0 % der Bevölkerung waren konfessionsgebundene Muslime. Der Anteil der größten Einzelgruppe, der Konfessionslosen, lag zum Jahresende 2025 bei 48 %.
Auf Basis der EKD-Zahlen – 2025 Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gab den Anteil der Christen an der Bevölkerung Deutschlands für 2025 mit 49,5 Prozent an, vor allem weil sie den Anteil der Orthodoxen deutlich höher als die Fowid veranschlagte (4,6 Prozent statt 1,5 Prozent). Auf die Evangelische Kirche in Deutschland entfielen 2025 danach 20,8 Prozent und auf die katholische Kirche 23 Prozent der Bevölkerung. Weitere 5,0 bis 7,7 Prozent waren laut EKD im Jahr 2020 Anhänger einer nicht-christlichen Religion wie des Islams. Für 2024 gab die EKD den Anteil aller Christen an der Bevölkerung Deutschlands noch mit 50,8 Prozent an.
Andere Religionsgemeinschaften und Konfessionslose Alle anderen Religionsgemeinschaften stellten zusammen knapp 1 % der Bevölkerung in Deutschland, davon 270.000 Buddhisten,Mitgliederzahlen: Buddhismus, in: Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst e. V. (Abkürzung: REMID), abgerufen am 4. Februar 2016. 200.000 Juden, davon 100.000 in Gemeinden organisiert, 100.000 Hindus,Mitgliederzahlen: Hinduismus, in: Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst e. V. (Abkürzung: REMID), abgerufen am 4. Februar 2016 100.000 Jesiden,Mitgliederzahlen: Yeziden, in: Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst e. V. (Abkürzung: REMID), abgerufen am 7. Mai 2017. 10.000 bis 20.000 SikhsMitgliederzahlen: Sonstige, in: Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst e. V. (Abkürzung: REMID), abgerufen am 7. Mai 2017. und 6.000 bis 12.000 Bahai.Entwicklung der Religionszugehörigkeiten (PDF; 78 kB), vgl. Brockhaus Religionen 2007..
Im Jahr 1970 waren 3,9 Prozent der Bevölkerung in Westdeutschland und West-Berlin konfessionslos, seither verzeichnet diese Gruppe jedoch einen stetigen Zuwachs. Zu den Gründen zählen unter anderem demografischer Wandel (zum Beispiel durch Einwanderung, Auswanderung und Veränderung der Geburtenraten und der Altersstruktur der Gesellschaft) wie auch Kirchenaustritte.
Anteil der organisierten Christen an der Gesamtbevölkerung Laut einer Untersuchung der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (Fowid) im Jahr 2023 kann der Zeitpunkt, an dem Deutschland laut Fowid (offiziell) nicht mehr zum überwiegenden Teil von Christen bewohnt wurde, auf das Jahr 2023 fixiert werden (2022: rund 50 Prozent). Dies ergibt sich aus dem Anteil der Nichtchristen für 2023, der 50 Prozent übersteigt (Konfessionsfreie: 46,2 Prozent, Muslime: 3,8 Prozent sowie Aleviten, Buddhisten, Juden, Hindus, Jesiden und „Weitere“ (Nichtchristen): zusammen 1,5 Prozent; das sind 51,5 Prozent).
Laut den Daten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kann der Zeitpunkt an dem Deutschland (offiziell) nicht mehr zum überwiegenden Teil von Christen bewohnt wurde, dagegen auf das Jahr 2025 fixiert werden. Zum Zeitpunkt 31 Dezember 2025 gab die EKD (die im Vergleich zur Fowid einen viel höheren Anteil an Orthodoxen Christen ansetzt) den Anteil der Christinnen und Christen an der Bevölkerung mit 49,5 Prozent an, nach 50,8 Prozent zum Ende des Jahres 2024.
Prognose der Kirchenmitgliedschaftszahlen Eine Projektion der Kirchenmitgliedschaftszahlen wurde von den großen Kirchen lange Zeit nicht vorgenommen. Ein Forschungsprojekt an der Universität Freiburg erstellte 2019 erstmals eine koordinierte Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung für die evangelische und die römisch-katholische Kirche in Deutschland.Forschungszentrum Generationenverträge an der Universität Freiburg: Hier wurde ein Rückgang der Mitgliederzahlen dieser beiden Kirchen von fast 50 % bis zum Jahr 2060 prognostiziert.Katholisch.de: Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland sinkt bis 2060 um die Hälfte (abgerufen am 26. Juni 2020) Insgesamt soll es laut dieser Prognose bis dahin zu einem Rückgang auf 22,7 statt 44,8 Millionen Christen kommen. Durch den stärker als erwarteten Mitgliederverlust während und nach der Corona-Pandemie sind diese Prognosen jedoch bereits wieder überholt. Inzwischen wird eine Halbierung der Mitgliederzahlen bereits zwischen den Jahren 2040 und 2049 erwartet.
1871 bis 1946
Übersicht: größte Religionsgemeinschaften im Gebiet des Deutschen Reichsfowid.de, abgerufen am 18. Juli 2023.JahrGesamt-bevölkerungRömisch-katholische KircheEvangelische KircheAndere & Konfessionsfreie 1871 41.058.792 14.869.262 36,2 % 25.581.685 62,3 % 1,4 % 1890 49.428.470 17.674.921 35,8 % 31.026.810 62,8 % 1,4 % 1910 1,6 % 1925 2,6 % 1933 3,4 %JahrGesamt-bevölkerungRömisch-katholische KircheEvangelische KircheAndereKonfessionsfreie 1939 0,9 % 4,1 % 1946 1,4 % 3,0 %
1950 bis 1989 Übersicht: größte Religionsgemeinschaften in Westdeutschland einschließlich WestberlinFOWID, Religionszugehörigkeit Bevölkerung 1970–2011 (; PDF; 173 kB).JahrGesamt-bevölkerungRömisch-katholische KircheEvangelische Kirchein Deutschland (EKD)Islam (Schätzungen)OrthodoxeKirchenAndere (vorwiegend Konfessionsfreie sowie andere Christen mit 1,2 Mio. und andere Religionen mit 0,8 Mio. Mitgliedern) [errechnet] 1950 49.843.000 22.828.000 45,8 % 25.220.000 50,6 % 1.794.000 3,6 % 1961 56.175.000 25.560.000 45,5 % 28.705.000 51,1 % 1.966.000 3,5 % 1970 60.651.000 27.061.000 44,6 % 29.696.000 49,0 % 788.000 1,3 % 2.365.000 3,9 % 1980 61.658.000 26.710.000 43,3 % 26.104.000 42,3 % 1987 61.077.000 26.232.000 42,9 % 25.412.000 41,6 % 1.649.000 2,7 % 6.963.000 11,4 %
Ab 1990 Übersicht: größte Religionsgemeinschaften in Deutschland nach der WiedervereinigungFOWID, Religionszugehörigkeit Bevölkerung 2010–2013 (; PDF; 143 kB).Mitgliedszahlen auf Kirchenaustritt.deKirchen verlieren mehr als eine halbe Million Mitglieder, Zeit Online, 15. Juli 2016.Religionszugehörigkeiten in Deutschland 2015, Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland, abgerufen am 27. Dezember 2016. Jahr Gesamt-bevölkerungStatistisches Bundesamt: Bevölkerungsstand, abgerufen am 20. Juni 2023. Römisch-katholischeKirche Evangelische Kirchein Deutschland (EKD) Islam (Schätzungen) OrthodoxeKirchen Andere(vorwiegend Konfessionsfreie sowie andere Christen mit – stabil – 0,9 Mio. und andere Religionen mit 0,9 Mio. Mitgliedern) 1990 79.753.000 28.525.000 35,8 % 29.422.000 36,9 % 2.951.000 3,7 % 17.865.000 22,4 % 1991 80.275.000 28.252.000 35,2 % 29.204.000 36,4 % 2001 82.440.000 26.288.000 31,9 % 26.454.000 32,1 % 2006 82.315.000 25.317.000 30,8 % 25.101.000 30,5 % 1.200.000 1,5 % 2011 80.328.000 24.473.000 30,5 % 23.620.000 29,4 % 1.268.500 1,6 % 2012 80.524.000 24.321.000 30,2 % 23.356.000 29,0 % 3.140.000 3,9 % 1.268.500 1,6 % 26.500.000 32,9 % 2013 80.767.000 24.171.000 29,9 % 23.040.000 28,5 % 3.394.000 4,2 % 1.346.000 1,7 % 26.700.000 33,0 % 2014 81.198.000 23.939.000 29,5 % 22.629.000 27,9 % 1.661.000 2,0 % 2015 82.176.000 23.762.000 28,9 % 22.272.000 27,1 % 3.600.000 4,4 % 1.562.750 1,9 % 29.610.000 36,0 % 2016 82.522.000 23.582.000 28,6 % 21.923.000 26,6 % 4.535.000 5,5 % 1.537.000 1,8 % 30.946.000 37,5 % 201782.792.000 23.311.00028,2 % 21.536.00026,0 %4.636.0005,6 % 1.539.0001,9 %31.767.00038,4 %201883.019.00023.002.00027,7 %21.141.00025,5 %4.255.0005,1 %1.543.0001,9 %33.108.00039,9 %201983.166.00022.600.00027,2 %20.713.00024,9 %4.325.0005,2 %1.543.0001,9 %33.985.00040,8 %202083.155.00022.193.00026,7 %20.236.00024,3 %5.300.0006,4 %1.543.0001,9 %33.883.00040,7 %202183.237.00021.646.00026,0 %19.725.00023,7 %5.500.0006,6 %1.543.0001,9 %34.823.00041,8 %202283.118.00020.938.00025,2 %19.153.00023,0 %5.500.0006,5 %3.876.0004,7 %33.651.00040,5 %202383.456.00020.346.00024,4 %18.566.00022,2 %5.500.0006,6 %3.850.0004,6 %35.218.00042,2 %202483.577.00019.769.00023,7 %17.980.00021,5 %5.450.0006,5 %3.876.0004,6 %36.502.00043,7 %202583.467.00019.220.00023,0 %17.392.00020,8 %3.876.0004,6 %
Österreich
Wie auch in Deutschland sind in Österreich die Mitgliederzahlen der beiden großen christlichen Kirchen etwa seit den 1970er Jahren rückläufig, während seither die Zahl der Konfessionslosen, aber auch jene anderer Religionsgruppen wie Muslime oder orthodoxe Christen steigt.
Die römisch-katholische Kirche in Österreich zählte Ende 1951 6,17 Millionen Mitglieder bzw. 89,0 Prozent der Bevölkerung, nach Ergebnissen der letzten Volkszählung von 2001Statistik Austria: Volkszählung 2001 Hauptergebnisse I – Österreich (Standardpublikationen). bekannten sich noch 73,6 Prozent der Bevölkerung zur römisch-katholischen Kirche. In den Jahren zwischen 2001 und 2011 schrumpfte die Mitgliederzahl um weitere 511.699 Personen, womit die Katholische Kirche in einem Jahrzehnt rund 9,1 % ihrer Mitglieder verlor – im Jahr 2022 wurden ein neuer Höchststand von 90.808 Kirchenaustritte registriert. Ende 2025 repräsentierte die Katholische Kirche mit ihren 4.488.101 Mitgliedern 48,7 Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung und damit als größte anerkannte Religionsgemeinschaft nur mehr eine relative Bevölkerungsmehrheit in Österreich.