mini|Elsässer als Redner bei LEGIDA, Oktober 2015 Jürgen Rainer Elsässer (eigentlich: Jürgen Rainer Elsäßer;Siehe Eintragungen im Handelsregister des Amtsgerichts Potsdam (handelsregister.de) zu Compact-Magazin GmbH (HRB 24411 P) und Conspect Film GmbH (HRB 38382 P) (abgerufen am 16. Juli 2024). * 20. Januar 1957 in Pforzheim) ist ein deutscher Journalist, Publizist und Aktivist. Er ist Gründer und Chefredakteur des rechtsextremen Monatsmagazins Compact, Mitgründer des rechtsextremen Kampagnennetzwerks Ein Prozent und ist im Spektrum als Kooperationspartner von Götz Kubitschek (Institut für Staatspolitik, Verlag Antaios), Hans-Thomas Tillschneider (AfD) sowie des russischen Instituts für Demokratie und Zusammenarbeit aktiv. Von etwa 1975 bis 2008 war er Autor, Redakteur und Mitherausgeber verschiedener linksgerichteter Printmedien wie Arbeiterkampf, Bahamas, Jungle World, junge Welt, konkret und Neues Deutschland. Von 1990 bis 2002 vertrat er antideutsche, ab 2003 antiimperialistische Positionen innerhalb der deutschen radikalen Linken. Seit der globalen Finanzkrise von 2008 wandte er sich immer mehr dem Rechtspopulismus und dann dem Rechtsextremismus zu. 2009 gründete er die „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“, die für Neue Rechte offenstand. Seit Ende 2010 ist er Chefredakteur des Magazins Compact, dessen Verbot durch das Bundesinnenministerium 2025 durch das Bundesverwaltungsgericht aufgehoben wurde.
2014 und 2015 trat er bei den Mahnwachen für den Frieden, beim Dresdner Demonstrationsbündnis Pegida und seinem Leipziger Ableger Legida auf. Ab 2016 positionierte er Compact als Wahlkampforgan für die Partei Alternative für Deutschland (AfD).
Er vertritt antiamerikanische, homophobe, rassistische, nationalistische, verschwörungsideologische und islamfeindliche Positionen, die er im Rahmen einer Querfront möglichst weit verbreiten will. Einige seiner Aussagen werden als antisemitisch eingestuft.
Kindheit und Ausbildung Jürgen Elsässer wurde in Pforzheim in „einfache Verhältnisse“ geboren. Der Sohn einer Büroangestellten und eines Uhrmachers begann 1976 nach dem Abitur ein Lehramtsstudium in Freiburg (Geschichte und Deutsch). Nach Abschluss des Studiums war er vierzehn Jahre als Lehrer in Stuttgart tätig, zunächst an einer Grundschule, danach an einer Berufsschule.Michael Steffen: Geschichten vom Trüffelschwein – Politik und Organisation des Kommunistischen Bundes 1971 bis 1991, phil Diss. Universität Marburg 2002, S. 300 f.
Politische Entwicklung Linker Aktivist und Journalist Elsässer wurde während seines Studiums Mitglied des Kommunistischen Bundes (KB) in Stuttgart und schrieb für dessen Zeitung Arbeiterkampf.Jürgen P. Lang: Biographisches Porträt: Jürgen Elsässer. Baden-Baden 2016, S. 226 f. 1989 wurde er in das Leitende Gremium des Kommunistischen Bundes gewählt.Michael Steffen: Geschichten vom Trüffelschwein – Politik und Organisation des Kommunistischen Bundes 1971 bis 1991, phil Diss. Universität Marburg 2002, S. 300 f. Anfang der 1990er Jahre bekämpfte Elsässer nationalistische Tendenzen in der Linken, kritisierte die Deutsche Wiedervereinigung als „Anschluss“ der DDR und warnte vor deren politischen Folgen (Abbau des Sozialstaats in Deutschland, Großmachtstreben Deutschlands in Europa, Geschichtsrevisionismus in Bezug auf die NS-Zeit).Volkmar Wölk: Der (S)choc(k) des Monats – Oder: Wie Jürgen Elsässer zur extremen Rechten kam. Der Rechte Rand Nr. 103, November / Dezember 2006; Nachdruck bei HaGalil Mit seinem 1990 erschienenen Artikel „Warum die Linke antideutsch sein muß“ begründete er diese Strömung in der radikalen Linken mit. In den 1990er Jahren gab er die Zeitschrift Bahamas der Gruppe K mit heraus. In einem konkret-Artikel meinte er 1995, gegen die „Tiraden“ des Historikers Ernst Nolte (gemeint waren dessen Aussagen seit dem Historikerstreit von 1986/87) helfe kein Argumentieren, nur „eine aufs Maul“; gegen Antisemitismus hülfen keine Aufsätze, nur „Baseballschläger“. Noltes Aussagen hätten das Programm der rechtsextremen DVU vorbereitet. Dieser Gewaltaufruf wurde damals öffentlich kaum beachtet.Steffen Kailitz: Die politische Deutungskultur im Spiegel des „Historikerstreits“: What’s right? What’s left? Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 3-531-13701-8, S. 72 f. und Fußnoten 339-340.
Elsässers Buch Antisemitismus – das alte Gesicht des neuen Deutschland (1992; 2003) und sein Aufsatz Ehrbarer Antisemitismus? (1994)Matthias Brosch: Exklusive Solidarität: linker Antisemitismus in Deutschland: vom Idealismus zur Antiglobalisierungsbewegung. Metropol, Berlin 2007, ISBN 3-938690-28-3, S. 399, Fußnoten 27. wurden zustimmend rezipiert. Darin hatte er auf das auch in gemäßigten deutschen Parteien fortbestehende Stereotyp des Weltjudentums, auf „zahlreiche Versatzstücke des Antisemitismus in linker Propaganda“Annette Mingels: Dürrenmatt und Kierkegaard. Böhlau, Köln 2003, ISBN 3-412-10402-7, S. 136 f. und Fußnoten 80. und auf die „Selektion anhand völkischer Richtlinien“ hingewiesen, die die Revolutionären Zellen 1991 an der Flugzeugentführung nach Entebbe von 1976 kritisierten.Lars Rensmann: Demokratie und Judenbild. Antisemitismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland. Springer, Wiesbaden 2004, ISBN 978-3-322-80454-9, S. 318, Fußnote 1134.
Von 1994 bis 1997 war Elsässer Redakteur der Zeitung junge Welt,Melanie Amann: Jürgen Elsässer: So denkt der Chefideologe der Neuen Rechten. Spiegel Online, 13. Januar 2018 von 1. April bis 19. Oktober 1994 zusammen mit Kathrin Gerlof und Günter Kolodziej auch deren Chefredakteur.Anke Fiedler, Michael Meyen: Wer jung ist, liest die Junge Welt – Die Geschichte der auflagenstärksten DDR-Zeitung. Ch. Links Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86153-749-6, S. 264 Nach einem Konflikt mit der Geschäftsführung der jungen Welt um deren angestrebte orthodox-kommunistische Ausrichtung gründete er 1997 die Jungle World mit und gab sie bis 2000 mit heraus. Wie andere Linke lehnte er den NATO-Krieg gegen Jugoslawien 1999 ab und wies dessen offizielle Begründungen 2000 als Propagandalügen zurück.Reinhard Brühl, Lothar Schröter (Hrsg.): Bundeswehrreform – Reform der Bundeswehr: deutsche Militärpolitik und Bundeswehr am Beginn des neuen Jahrhunderts. Gesellschaft für Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung, 2002, ISBN 3-89819-109-5, S. 84 und Fn. 14 Später verabschiedete sich Elsässer jedoch von „antideutschen“ Positionen und schrieb wieder für die Junge Welt. Dort vertrat er laut den Extremismusforschern Eckhard Jesse und Uwe Backes beispielhaft die an Lenins Imperialismustheorie orientierte Linie, die den Staat Israel ablehnt und mit radikalen palästinensischen Organisationen sympathisiert.Eckard Jesse, Uwe Backes (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, Band 20, 2008. Nomos, Baden-Baden 2009, ISBN 3-8329-4452-4, S. 241f.
In seinem Braunbuch DVU (1998) stufte Elsässer die rechtsextreme Partei Deutsche Volksunion als „nationalrevolutionär“ ein und erklärte, Linke hätten Probleme, „das Sozialistische im Faschismus“ zu erkennen, auch in der NSDAP. Verschiedene Autoren wiesen diese Einschätzungen zurück.Jens Mecklenburg (Hrsg.): Braune Gefahr: DVU, NPD, REP. Geschichte und Zukunft. Elefanten Press, Berlin 1999, ISBN 3-88520-721-4, S. 39 und 108f.
Von April 1999 bis Dezember 2002 war Elsässer Redakteur des Politikteils der Monatszeitschrift konkret. Dort kam es 2002 zu monatelangen heftigen internen Konflikten um die Haltung zum bevorstehenden Irakkrieg. Eine Gruppe um den Herausgeber Hermann L. Gremliza meinte, mögliche Angriffe des irakischen Diktators Saddam Hussein auf Israel verpflichteten die deutsche Linke, dem Sturz dieses Regimes mit deutscher Beteiligung zuzustimmen. Elsässer dagegen sah darin eine Abkehr vom Motto „Nie wieder Krieg“, das seit 1945 den pazifistischen „Minimalkonsens“ der westdeutschen Linken gebildet habe, mit Hilfe von aufgebauschten „Kriegslügen von links“. Nachdem er diesen Vorwurf in der jungen Welt gegen konkret erhoben hatte, entließ Gremliza ihn.Peter Nowak: „Konkret“ macht Politik. taz, 7. Dezember 2002
Von 2003 bis 2006 schrieb Elsässer für das Onlinemagazin Telepolis.Jürgen Elsässer bei Telepolis Von April 2008 bis 15. Januar 2009 arbeitete er für die Tageszeitung Neues Deutschland und schrieb erneut Artikel für die Junge Welt und die Wochenzeitung der Freitag.Jürgen P. Lang: Biographisches Porträt: Jürgen Elsässer, Baden-Baden 2016, S. 230. mini|hochkant|Jürgen Elsässer beim Pressefest der Zeitung Neues Deutschland (Ende 2008)
Hinwendung zur politischen Rechten, ab 2000 Ab 2000 ergriff Elsässer zunehmend Partei für den Panserbismus und für verurteilte serbische Kriegsverbrecher.Patrick Gensing: Jürgen Elsässer: Vom Antideutschen zum rechten Volkstribun. 3. Juni 2016 Er rechtfertigte die ethnische Politik von Slobodan Milošević und begrüßte 2006 das Bündnis der slowakischen Sozialdemokraten mit der als rechtsextrem eingestuften Slowakischen Nationalpartei als „Querfrontbündnis“ gegen die USA, das die Positionen deutscher Antifaschisten in Frage stelle.Karl Pfeifer: Ein deutscher Nationalbolschewist begeistert sich: „Querfront-Regierung in der Slowakei“. HaGalil, 19. Juli 2006
Im März 2006 widersprach Elsässer Antisemitismusvorwürfen gegen den Film Tal der Wölfe – Irak und forderte, die Friedensbewegung solle den Film als Argument gegen die Irakpolitik der USA nutzen. Laut dem österreichischen Journalisten Karl Pfeifer wandte sich Elsässer damit einer „Volksgemeinschaft“ zu, „in der Rechte und Linke sich gegen den gemeinsamen Feind mit Islamisten und türkischen Chauvinisten verbünden wollen.“Karl Pfeifer: In bewährter Manier: Jürgen Elsässer propagiert „Tal der Wölfe“. HaGalil, 13. März 2006
Im Sommer 2006 gab Elsässer der rechtsextremen französischen Zeitung Le Choc du Mois ein Interview, das dort neben Interviews mit den Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen und Bruno Mégret (Front National) erschien. Darin behauptete er im Anschluss an den französischen Neurechten Alexandre del Valle ein heimliches Bündnis der USA mit Islamisten und vertrat weitere Verschwörungstheorien: Die tatsächlichen Herrscher in den USA seien die Neokonservativen Dick Cheney, Donald Rumsfeld und Paul Wolfowitz. Sie wollten weltweites Chaos herbeiführen, um die Waffen und das Erdöl der USA leichter und teurer zu verkaufen, und hätten vermutlich am 11. September 2001 auch ein Attentat auf US-Präsident George W. Bush versucht. Später veröffentlichte Elsässer das Interview als Buch (Wie der Dschihad nach Europa kam) im Schweizer Verlag „Xenia Editions“. Elsässer beriet damals die PDS für den Untersuchungsausschuss zum Journalisten-Skandal.
Im November 2006 schrieb Elsässer, mit Staatsgeldern werde „Multikulti, Gendermainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden und sich oft auch keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können“. Das wurde als Plädoyer für eine Querfrontpolitik der Linksfraktion aufgefasst.Ivo Bozic: Angst vor den Oskars. Jungle World 47, 22. November 2006 In seinem Buch Links oder lahm? (2006) plädierte Elsässer für Plebiszite als Weg zum Sozialismus, den die Bolivarische Revolution in Venezuela vorgemacht habe.Jochen Staadt: Mehr Ideologie wagen. FAZ, 6. Januar 2007 In seiner Publikation Angriff der Heuschrecken zur „Heuschreckendebatte“ plädierte er dafür, „Modernisierungsverlierer“ für eine Verteidigung des Nationalstaats gegen die „globalistischen Attacken der USA“ zu mobilisieren.Bernhard Schmid: Die Aliens kommen. WOZ, 25. Januar 2007