Freiheit ( ist der vierte Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Jonathan Franzen. Das in der deutschen Übersetzung von Bettina Abarbanell und Eike Schönfeld über 700 Seiten umfassende Werk erschien im August 2010, neun Jahre nach Die Korrekturen, mit denen der Autor international Aufmerksamkeit erregt und unter anderem den National Book Award gewonnen hatte. miniatur|Der Blauwaldsänger: Walters Lieblingsvogel

Inhalt Franzens Freiheit ist eine Drei-Generationen-Familiengeschichte, die bis in die späten 1970er Jahre zurückreicht und als politischen Hintergrund die Zeit von Ronald Reagan bis zur Wahl Barack Obamas abdeckt.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die Dreiecksbeziehung des liberalen Ehepaars Berglund zu dem Musiker Richard Katz sowie das während der Sozialisation spannungsreiche Verhältnis einerseits zu Walters und Pattys Eltern und andererseits, in einem Wiederholungszyklus, zu ihren eigenen Kindern, wobei jede Generation ihre spezifischen, teilweise durch gesellschaftspolitische Trends bedingten Probleme mit in die Handlung einbringt. Abgesehen vom ersten Kapitel werden die Aktionen und Reflexionen, zwischen Realismus und Satire oszillierend, im Wesentlichen in Personaler Erzählform abwechselnd aus den Blickwinkeln Pattys, Walters, Richards und Joeys präsentiert.

Gute Nachbarn Die Hauptfiguren des Romans, Patty und Walter Berglund, ziehen nach St. Paul, wo sie als Vorboten der Gentrifizierung eine viktorianische Villa eigenhändig renovieren. Diese Phase der Familiengründung, die Spiele ihrer Kinder Joey und Jessica mit denen der Nachbarn sowie die Kontakte und Konflikte mit den Anwohnern der Straße werden aus der Sicht der Nachbarn geschildert. Sie beobachten interessiert, wie Joey von der ahnungslosen Patty vergöttert, bereits als Zwölfjähriger ein Verhältnis zur ein Jahr älteren Connie Monaghan beginnt und schließlich während seiner Highschool-Zeit das Elternhaus verlässt, um sich bei der republikanischen Familie der Freundin einzuquartieren. Die Protagonistin fühlt sich dadurch tief verletzt, ihres Lebensschwerpunkts als Mutter beraubt, ohne allerdings eine berufliche Perspektive zur Ausfüllung ihrer Leerstellen zu entwickeln. Sie verändert sich von der hilfsbereiten zur nörglerischen, mit sich und der Umwelt unzufrieden wirkenden Nachbarin und Ehefrau und weicht im Sommer oft auf das Feriengrundstück am See aus. Wenige Jahre darauf ziehen Patty und Walter, deren Kinder inzwischen studieren, nach Washington um, da Walter einen Job bei einer Umweltschutz-Stiftung angenommen hat.

Es wurden Fehler gemacht Der zweite Teil des Buchs besteht aus der von Patty Berglund in der 3. Person verfassten Autobiografie, "geschrieben auf Anraten ihres Therapeuten". Die Autobiographie gliedert sich in vier Kapitel; das vierte Unterkapitel steht in der Gesamterzählung erst an vorletzter Stelle.

Kapitel 1: Umgänglich

In ihrer Jugend lebt sie mit ihren Eltern und drei jüngeren Geschwistern Edgar, Abigail und Veronica im Western County, (New York). Vater Ray Emerson arbeitet als vermögender Rechtsanwalt auch kostenlos für arme Klienten, Mutter Joyce ist in der Partei der Demokraten engagiert. In ihrer an Kunst und Politik interessierten liberalen Mittelschicht Familie kommt sich die Basketball-Tochter fremd vor; diese Distanz verstärkt sich, als die Eltern die Vergewaltigung der siebzehnjährigen betrunkenen Patty auf einer Party durch den Sohn einer befreundeten Familie vertuschen.

Kapitel 2: Beste Freundinnen

Auf dem College an der, nach Meinung ihrer Mutter, mittelmäßigen staatlichen Universität von Minnesota konzentriert sich ihr Leben, wie bereits zuvor, auf ihren Lieblingssport und das Zusammenleben mit den Mannschaftskameradinnen, bis sie sich mit der drogenabhängigen Eliza befreundet und durch diese den wegen seiner häufigen kurzen Affären verrufenen Punkrocker Richard Katz und seinen sanften, abstinenten, intellektuellen Freund Walter Berglund kennenlernt. Der verliebt sich in sie, lädt sie ins Kino bzw. Theater ein und führt mit ihr gerne auf Umweltschutz und Naturerhaltung fixierte und andere gesellschaftsrelevante Gespräche.

Kapitel 3: Freie Märkte fördern die Konkurrenz

Mit ihren schwankenden Gefühlen für beide beginnt Pattys dreißig Jahre andauernde Persönlichkeitsspaltung zwischen Vernunft und sexuellen Phantasien. Unter dem Vorwand, sie suche eine Mitfahrgelegenheit zur silbernen Hochzeitsfeier ihrer Eltern, reist sie mit dem Musiker in dessen Bus zu einem Konzert nach Chicago. Nachdem dieser jedoch ihre Annäherungsversuche aus Rücksicht auf seinen Freund ignoriert, kehrt sie sogleich zu Walter zurück, beginnt mit ihm eine Beziehung und heiratet ihn ein Jahr später nach ihrem Examen. Auf eine große Hochzeitsfeier verzichtet sie, um nicht Richard und ihre Familie einladen zu müssen. Zu den Emersons, die ihre Heirat eher als gesellschaftlichen Abstieg ansehen, pflegt sie keinen Kontakt mehr und verhindert Großeltern-Enkel-Besuche. Walter kündigt seine Tätigkeit bei der Nature Conservancy und nimmt eine gut bezahlte Anstellung bei 3M an, um mit seiner Frau ein altes Haus in St. Paul zu kaufen und zu renovieren. Dort versorgt Patty als Hausfrau ihre beiden Kinder Jessica und Joey. Wenn Richard auf Tourneen durch Minnesota kommt, besucht er allein oder mit seiner Freundin, der Sängerin Molly Tremain, die Berglunds. In einer schöpferischen und finanziellen Krise nach seiner Trennung von Molly lädt Walter den Freund zur Regeneration in das inzwischen nach dem Tod seiner Mutter Dorothy geerbte Ferienhauses am See ein, wo ihn die nach dem Verlust Joeys an das Nachbarsmädchen vereinsamte und in der Ehe unzufriedene Patty zu einer Zwei-Tage-Affäre verführt. Sie will jedoch ihre Familie nicht verlassen und gerät wegen ihrer nicht lösbaren Spannungen in eine Depression. Bald darauf zieht sie mit ihrem Mann nach Washington, wo dieser eine neue Aufgabe im Umweltschutz gefunden hat.

2004 Der Roman springt ins Jahr 2004 nach New York zur Geschichte von Richard, der inzwischen mit Country-Musik berühmt geworden ist. Da aber das Öffentlichkeitsinteresse, das der Erfolg mit sich bringt, nicht seinem Selbstverständnis als nonkonformistischem Künstler entspricht, entschließt er sich, wieder als Handwerker zu jobben und Dachterrassen zu bauen (Kapitel Gipfelabbau und Es reicht). Walter arbeitet inzwischen als Geschäftsführer der Waldsänger-Stiftung und hat mit Kohleunternehmen in einer, wie er meint, totalen Win-Win-Situation einen Vertrag geschlossen, dass diese nach dem landschaftszerstörenden Abbau (Kapitel Gipfelabbau) das Gebiet Wyoming County (West Virginia) renaturiert zum Naturschutzgebiet erklärt. Gemeinsam mit seiner 27-jährigen Sekretärin bengalesischer Abstammung, Lalitha, hat er mit den Landbesitzern verhandelt und sie zum Verkauf ihrer Grundstücke überredet und so den Deal vorbereitet. Auf einer Kontrollfahrt (Kapitel Die Wut des netten Mannes) ins Bergbaugebiet nach Abschluss der Umsiedlung gestehen sie sich ihre Liebe zueinander.

Für sein zweites Projekt gegen Überbevölkerung versucht Walter von Richards Popularität zu profitieren und ihn dafür zu gewinnen, Nachwuchsmusiker anzuwerben für eine Werbekampagne durch das Land. Dieser bemerkt bei ihrem Gespräch, dass die junge Assistentin in ihren Chef verliebt ist und will die disharmonische Ehesituation des naiven und über die Eskapaden seiner Frau unaufgeklärten Freundes, freilich nicht ganz uneigennützig, offenlegen, gerade in einer Situation, in der sich Patty, sie hat inzwischen eine Teilzeitbeschäftigung an der Rezeption eines Fitnesscenters, auf einer weiteren Stufe ihrer emotionalen Verwirrung wieder stärker für ihren Mann interessiert. Sie ist einerseits enttäuscht darüber, dass der Geliebte die Gelegenheitsaffäre hinter dem Rücken ihres Mannes nicht fortsetzen wollte, und verspürt andererseits eine große Eifersucht auf Lalitha, wodurch ihr die Attraktivität Walters auf mit ihm seelenverwandte Personen bewusst wird.

Richard gibt Pattys Bekenntnisse ohne deren Wissen an Walter weiter, der so von den Gefühlen seiner Frau für seinen Freund erfährt (Kapitel Der Teufel von Washington). Er ist tief verletzt, akzeptiert nicht ihre Erklärung, sie habe in einer Phase der Depression ihre damals empfundene Situation nur als Therapie aufgeschrieben und sich inzwischen geändert, will sie nicht mehr sehen und setzt sie vor die Tür. Er beginnt eine Beziehung mit Lalitha und verfolgt mit ihr weiter seine Umweltprojekte. Seine Rede zur Einweihung einer am Irakkrieg verdienenden Schutzwestenfabrik, in der die umgesiedelten Bauern neue Arbeitsplätze gefunden haben, nutzt er zur Wiederherstellung seiner moralischen Reputation. Er rechnet mit den Konzernen ab, als deren Handlanger er sich fühlt, und stellt die geschäftlichen Motive und die Verbindung zur Rüstungsindustrie öffentlich dar, worauf er von den Arbeitern verprügelt und als Geschäftsführer der Stiftung entlassen wird. Doch durch die Fernsehübertragungen findet er viele neue Anhänger, Sponsoren, u. a. seinen Sohn Joey, und Musikgruppen, die bei den Aktionen gegen die Überbevölkerung teilnehmen wollen. Walter reist mit seiner Freundin im Campingbus von einem Veranstaltungsort zum anderen. Vor dem Abschlusskonzert in Wyoming County, wo sie sich um ein Reservat bemühten, kommt Lalitha (in Walters Abwesenheit) bei einem Autounfall ums Leben.

Es wurden Fehler gemacht (Schluss) Kapitel 4: Sechs Jahre

In einer Art Brief, spezifisch an ihren Leser Walter, setzt Patty ihre Biographie nach sechs Jahren Schweigen fort und erzählt von ihrem einige Monate dauernden Zusammenleben mit Richard in New Jersey nach der Trennung von Walter. Teils aus Rache, teils aus Eifersucht auf Lalitha, ohne große Illusionen zieht sie in seine Wohnung, erfährt dort vom Schicksal ihres Mannes, seiner Befreiungsrede und dem Unfall seiner Assistentin und trennt sich schließlich vom Musiker wegen ständiger Streitigkeiten über dessen Liebschaften. Seitdem arbeitet die inzwischen 52-Jährige als Basketball-Lehrerin an einer Privatschule in Brooklyn und nimmt wieder Verbindung zur Emerson-Familie auf, als ihr Vater im Sterben liegt.

Der Canterbridge-See Walter zieht sich in das Wochenendhaus nach Minnesota zurück. Seine Streifzüge als Gebietsverwalter für die Nature-Conservancy ermöglichen ihm ein, wie er es ausdrückt, gnädiges Vergessen der unglücklichen Ereignisse. Bei den Nachbarn macht er sich unbeliebt, als er die Vögel vor deren streunenden Katzen bewahren will. Nach Jessicas vergeblichen telefonischen Versuchen, ihren Vater zu einem Kontakt zur Mutter zu bewegen, fährt Patty zu seinem Haus, und Walter überwindet schließlich seine Verbitterung, beendet die sechsjährige Trennung und geht mit ihr nach New York, wo sie ihren Arbeitsplatz hat und ihre Familie und Richard wohnen. Das Wochenendgrundstück wird zu einem durch einen hohen Zaun vor Katzen gesicherten Vogelschutzgebiet, eine Gedenktafel erinnert an Lalitha.

Joey