Die Gemeinde Erlau ist ein Verbund von Waldhufendörfern im Landkreis Mittelsachsen.
Lage Erlau erstreckt sich zwischen den Städten Mittweida, Rochlitz, Geringswalde und Waldheim. Das Dorf liegt im Mittelsächsischen Hügelland (Sächsisches Burgen- und Heideland) nahe der Burg und der Talsperre Kriebstein.
Ortsteile Beerwalde (Waldhufendorf, 1182: de silva quam Bero in possessione sua habuit) Neudörfchen (Häuslerreihe in Flur Beerwalde, 1800: Neudörfel) Storlwald (Häuslerabbau in Flur Beerwalde, 1791: Storlwald) Crossen (1290: Gerhardus dictus de Krosna) Obercrossen (Waldhufendorf) Niedercrossen (Waldhufendorf mit Gutsblöcken) Erlau (Waldhufendorf, 1290: Erllowe) Naundorf (Straßenangerdorf, 1350: Nuendorf) Gepülzig (Gutssiedlung mit Häuslerzeile, 1350: Heinricus et Cunradus de Gebülczk) Neugepülzig (Häuslerzeile in Flur Gepülzig, 1799: Schenckhäuser) Milkau Großmilkau (Platzdorf, 1233: Cesarius de Milcowe) Kleinmilkau (Gutssiedlung, 1378: Kleyn-Milgkaw) Neumilkau (Häusergruppe in der Flur Kleinmilkau, 1791: Neu Milckau) Schönfeld (durchbrochenes Sackgassendorf, 1350: Schonenvelt) Sachsendorf (Platzdorf, 1325: Sachsindorf) Obstmühle (Wohnplatz in der Flur Sachsendorf, 1524: Steinmühle) Theesdorf (Platzdorf, 1292: Dyestorff) Schweikershain (Waldhufendorf, 1428: Swykirschayn)
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind die Stadt Geringswalde, Kriebstein, die Stadt Mittweida, Seelitz sowie Waldheim.
Geschichte Erlau wurde 1290 als Erllowe erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1329 schrieb man in einer Urkunde tzu der Erlawe. Damit bezeichnete man eine Siedlung in einer mit Erlen bestandenen Aue.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, Band I, Seite 249
1290 übertrug Markgraf Friedrich I. (Meißen) Lehen in Erllowe an das Kloster Buch, aufgelassen von Otto de Rochelizc und von den Brüdern de Poscizc.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 1290. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 93. 1329 bestimmte Heinrich von Königsfeld, dass u. a. ein regelmäßiges Einkommen von dreißig Schillingen aus Erlawe, das er vom Abt des Klosters Buch gekauft hatte, im Falle seines Todes wieder an das Kloster zurückfallen sollen.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 2502. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 150. 1349 werden im Lehnbuch Friedrichs des Strengen Fridricus et Hermannus de Schonenburg domini in Gluchow mit dem Dorf Erlow genannt.Hans Beschorner, Woldemar Lippert: Das Lehnbuch Friedrichs des Strengen 1349/50. Leipzig-Berlin 1903. Eintrag I/54. S. 17. 1378 wird Erlow auch im Registrum Dominorum mit Abgaben ins castrum Rochlitz genannt.Vorläuder des Amtes, siehe Hans Beschorner (Hrsg.): Registrum dominorum marchionum Missnensem (1378). Leipzig-Berlin (1933). Eintrag LVIIIa/13, S. 224. Aus einem in Teilen erhaltenen Briefwechsel zwischen Kf. Johann von Sachsen, Hz. Georg von Sachsen und Abt Antonius von Buch zwischen 1507 und 1508 ergibt sich, dass dem Kloster Buch zu diesem Zeitpunkt das ganze Dorf Erlau gehörte.Thomas Ludwig: Besitzgeschichte des Zisterzienserklosters Buch bei Leisnig, Magisterarbeit Leipzig 1996. Im Amtserbbuch Kloster Buch von 1548 steht schließlich: 43 besessene Mann, von denen sind 5 dem Kloster Buch lehen- und zinsbar. Die anderen sind dem Amt Rochlitz, denen von Carlowitz und anderen zuständig; es ist so vermengt, dass dieses Dorf 12 Erbherren hat.siehe unter Weblinks: Repertorium Saxonicum des ISGV
Der Ortsteil Beerwalde wurde bereits im Jahr 1182 erstmals urkundlich erwähnt. In der Urkunde heißt es: de silva quam Bero in possesione sua habuit – ein im Besitz des Bero befindlicher Wald. Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich um eine Dorfgründung durch Bero, dem Schenken Graf Dedos von Wettin-RochlitzErnst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, Band I, Seite 49.
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BeerwaldeStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. März 1994 Crossen 1. März 1994 Gepülzig (mit Neugepülzig)Gemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen, 1904, Herausgeber: Statistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren vor 1875 Eingemeindung nach Naundorf GroßmilkauGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches BundesamtVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen 1. Januar 1952 Zusammenschluss mit Schönfeld und Kleinmilkau zu Milkau Kleinmilkau (mit Neumilkau) 1. Januar 1952 Zusammenschluss mit Schönfeld und Großmilkau zu Milkau Milkau 1. Januar 1999 Naundorf 1. März 1963 Eingemeindung nach Milkau Niedercrossen 15. Juni 1840 Zusammenschluss mit Obercrossen zu Crossen Obercrossen 15. Juni 1840 Zusammenschluss mit Niedercrossen zu Crossen Sachsendorf 1. Januar 1994 Eingemeindung nach Milkau, zum Ort gehört der bewohnte Teil von Obstmühle Schönfeld 1. Januar 1952 Zusammenschluss mit Groß- und Kleinmilkau zu Milkau Schweikershain 1. März 1994 TheesdorfDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 1. Mai 1936 Eingemeindung nach Sachsendorf
Entwicklung der Einwohnerzahl Stichtag 31. Dezember: Jahr 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 Einwohner 3751 3711 3694 3695 3675 3657 3638 3626 3.580 Jahr 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Einwohner 3540 3505 3456 3448 3327 3311 3275
Gedenkstätten Auf dem Friedhof des Ortsteils Schweikershain erinnern Grabstätten und eine Gedenktafel an drei namentlich genannte polnische Frauen, die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppt wurden und als Zwangsarbeiterinnen starben.
Politik Gemeinderat
Seit den Gemeinderatswahl in Sachsen am 9. Juni 2024 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:
+letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Bürgerbündnis der Gemeinde635,1421,4––CDU316,2423,9948,4AfD215,818,8––Freunde der Volkssolidarität211,8211,0––Wählervereinigung Crossen211,4212,317,6Wählervereinigung Beerwalde18,2––––Grüne–1,4–2,7––Heimatverein Milkau––212,417,4BwA––17,4––MFV––––19,9BFW––––18,5Wahlbeteiligung76,2 %70,4 %58,0 %
Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2016 Peter Ahnert. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2023Peter AhnertAhnert80,8201643,72009Wolfgang AhnertCDU59,82006Jürgen Kunath70,8
Wappen Erlau führt kein Wappen. Das Dienstsiegel zeigt an dessen statt das Wappen des Freistaates Sachsen mit der Umschrift „Gemeinde Erlau“ (oben) und „Bürgermeister“ (unten).
Kultur und Sehenswürdigkeiten
In der Dorfkirche Schweikershain befindet sich eine von Gottfried Silbermann geschaffene Orgel. Deren Entstehung liegt vermutlich kurz nach 1751, angeblich zunächst als Interimsorgel in der Katholischen Hofkirche in Dresden. 1759 wurde sie als Geschenk des damaligen Patrons Richard oder Georg Reinhard von Wallwitz auf der Chorempore in Schweikershain aufgestellt.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München 1998, ISBN 3-422-03048-4, Seite 233 Wasserburg Beerwalde (Wallburg, Waal, Wall, Schanze) in Beerwalde (unmittelbar östlich der Kirche). Erstmalige Erwähnung 1283 (Hermannus de Berenwalde). Sitz der Herren von Beerwalde, bevor sie im 14. Jahrhundert die Burg Kriebstein gründeten. Rittergut in Schweikershain. Erste Erwähnung ist 1346 datiert. Von 1449 bis 1451 war es im Besitz des Kunz von Kauffungen und nach dessen Enteignung Anlass des Sächsischen Prinzenraubes. 1718–1945 blieb es im Besitz der Familie von Nostitz-Wallwitz. Seit 1959 wird es als Alten- und Pflegeheim genutzt. Rittergut Klein-Milkau, ursprünglich Stammsitz derer von Milkau. Kursächsische Postmeilensäule in Erlau vom Postkurs Rochlitz–Mittweida, die ursprünglich am Gepülziger Wald stand, mit Originalreststück und Nachbildung am Feuerwehrhaus Königlich-sächsischer Ganzmeilenstein am Sportkomplex in Schweikershain vom Postkurs 132 Geringswalde – Mittweida, der ursprünglich auf halbem Weg zum Bahnhof und zuletzt Richtung Holzhausen stand. Kirche Crossen (Erlau) Kirche Beerwalde (Erlau)
Wirtschaft und Infrastruktur Erlau ist eine eher ländlich geprägte Gemeinde mit vielen Gewerbetreibenden unterschiedlichster Tätigkeitsfelder. Der größte Arbeitgeber ist die Agraset Naundorf e.G. Neben landwirtschaftlichen Betrieben und Teichwirtschaften sind aber auch eine Reihe erfolgreicher, überregional agierender mittelständischer Unternehmen und viele Handwerker in Erlau ansässig.
Traditionell spielten Stuhl- und Möbelfabriken eine wichtige Rolle in der Region. In Erlau befand sich auch ein Werk des VEB Großdrehmaschinenbau „8. Mai“ Karl-Marx-Stadt.
Erlau liegt an der Bahnstrecke Riesa–Chemnitz. Im Gemeindegebiet liegen die Haltepunkte Erlau (Sachs) und Schweikershain. Dort halten stündlich, am Wochenende alle zwei Stunden, Regionalbahnen der Linie Elsterwerda–Riesa–Chemnitz. Die nördlichen Ortsteile waren früher durch die Bahnstrecke Waldheim–Rochlitz mit einem Haltepunkt (zeitweilig Haltestelle) in Obstmühle (Sachsen) erschlossen; diese Strecke ist aber seit 1998 stillgelegt. Ferner bestehen montags bis freitags Busverbindungen nach Geringswalde, Mittweida und Rochlitz, jedoch haben die nördlichen Ortsteile Sachsendorf und Theesdorf keinen ÖPNV-Anschluss. Im gesamten Nahverkehr gilt der Tarif des Verkehrsverbunds Mittelsachsen (VMS).
Das ehemalige, zuvor leerstehende, Empfangsgebäude des Bahnhofs wurde bis Juli 2017 mit Fördermitteln zum Generationenbahnhof umgebaut. Es bietet Raum für einen Bürgertreffpunkt, eine Arztpraxis sowie eine Tagespflegeeinrichtung.
Durch das Gemeindegebiet führen die Staatsstraßen S 200 von Ebersdorf (bei Chemnitz) nach Altgeringswalde und S 250 von Erlau nach Rochlitz. Die Ortsteile sind durch Kreisstraßen miteinander verbunden.
In Erlau befindet sich seit 2012 eine Windkraftanlage Enercon E-101 mit 135 m Nabenhöhe. Sie ist die höchste Windkraftanlage in Sachsen.sonnewindwaerme.de: Haltepunkte der Bahn (2016)
Persönlichkeiten Helena Dorothea von Schönberg geb. von Wallwitz (1729–1799), Rittergutsherrin. Unter ihrer Regie und Förderung entstanden die ersten planmäßig angelegten Strumpfwirkersiedlungen Sachsens. August Cornelius Stockmann (1751–1821), Jurist und Dichter, geboren in Schweikershain Curt Knebel (1871–1954), Gärtner, einer der bekanntesten Züchter von Blattkakteen (früher bezeichnet als Phyllokakteen). Sein Buch „Phyllokakteen“ gilt noch heute vielen Blattkakteen-Freunden als Standardwerk. Franz Hüttel (1862–1919), Fahrzeugkonstrukteur, Entwicklung der Cyklonette- und Phänomobil-Dreiradfahrzeuge Günther Wildenhain (1937–2021), Rektor der Universität Rostock von 1998 bis 2002 Joachim Raubold (1938–2003), Politiker (SPD) Rüdiger Döhler (1948–2022), lebte als Sohn des Erlauer Lehrers Joachim Döhler bis 1952 in der alten Schule Albrecht Bemmann (* 1949), deutscher Forstwissenschaftler
Literatur Joachim Seyffarth: Der Mordstein in Schweikershain. In: Joachim Seyffarth, Edith Seyffarth: Geschichten um vergessene Denkmale. Band 1: Vom Blitz erschlagen – ermordet – verunglückt. 4., erweiterte und überarbeitete Auflage. Druck- und Verlags-Gesellschaft, Marienberg 2002, ISBN 3-931770-06-0 (Schriftenreihe Erzgebirgische Heimat). Regina Röhner: Der sächsische Prinzenraub. Die Geschichte des Kunz von Kauffungen. 4., erweiterte Auflage. Chemnitzer Verlag, Chemnitz 2002, ISBN 3-928678-11-6.
Weblinks
www.gemeindeerlau.de
Repertorium Saxonicum des ISGV, Amtserbbuch Kloster Buch Erlau, Amtserbbuch Rochlitz Erlau
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Mittelsachsen Kategorie:Waldhufendorf