Die Seeschlacht in der Køgebucht war eine Seeschlacht während des sogenannten Schonischen Krieges (1674–1679), einem selbstständigen Nebenkriegsschauplatz des Holländischen Krieges. Die Auseinandersetzung wurde zwischen der dänischen und der schwedischen Flotte bestritten. Die Schlacht fand am und vor der Südostküste der dänischen Insel Seeland, im Süden der der Hafenstadt Køge vorgelagerten Bucht, statt. Der zweitägige Kampf endete mit einer schweren Niederlage der schwedischen Flotte.
Vorgeschichte Nach der Seeschlacht bei Öland (1676), die mit schweren Verlusten der schwedischen Marine geendet hatte, hatte die schwedische Flotte fast ein Jahr lang in den Heimatstützpunkten gelegen, was dazu geführt hatte, dass die dänische Flotte (und die Schiffe der mit den Dänen verbündeten Holländer) in der Folgezeit fast unangefochten die westliche Ostsee hatte beherrschen können. Dies hatte unter anderem den Verbündeten die ungestörte Anlandung eines dänischen Heeres bei Helsingborg ermöglicht. Erst im Mai 1677 waren, nach einer Neu- und Reorganisation der schwedischen Flotte, wieder vereinzelt schwedische Kriegsschiffe in die westliche Ostsee ausgelaufen. Dabei erlitt jedoch am ein kleineres schwedisches Geschwader von neun Schiffen nahe der Insel Møn eine empfindliche Niederlage (Seeschlacht bei Møn) gegen einen stärkeren dänischen Verband und verlor sechs zumeist kleinere Kriegsschiffe. Außerdem geriet der neue schwedische Flottenoberbefehlshaber, der erst 29 Jahre alte Baron und Admiral Erik Carlsson Sjöblad, in dänische Gefangenschaft. Nach dieser neuerlichen Niederlage entschloss sich die schwedische Admiralität, mit einem großangelegten Vorstoß in die westliche Ostsee den Dänen die Seeherrschaft dort endgültig wieder zu entreißen. Der Zeitpunkt hierfür erschien der schwedischen Führung günstig, da die dänische Flotte einerseits mit der Sicherung von Truppentransporten nach Schonen beschäftigt war und andererseits weil die mit den Dänen verbündeten Holländer ihr Geschwader und ihren erfahrenen Admiral Cornelis Tromp, der mit zum Sieg der Dänen bei Öland beigetragen hatte, wegen der Kämpfe gegen Frankreich zeitweilig nach Holland abgezogen hatten. Zwar rüsteten die Holländer für ein neuerliches Eingreifen in die Kämpfe auf der Ostsee, aber die schwedische Admiralität war sich der Tatsache bewusst, dass dieses neu aufgestellte holländische Geschwader im Falle eines raschen schwedischen Vorstoßes nicht mehr rechtzeitig eintreffen würde, um sich noch vor einer möglichen Schlacht mit der dänischen Flotte vereinigen zu können.
Ausgangssituation Lage der Dänen Die dänische Flotte stand unter dem Befehl des erfahrenen Admirals Niels Juel (1629–1697), welcher bereits (unter der Führung Tromps) bei Öland mit zum Sieg der Verbündeten beigetragen hatte und der der schwedischen Flotte auch die empfindliche Niederlage bei Møn hatte beibringen können. Admiral Juel führte die dänische Flotte von Bord seines Flaggschiffes Christianus Quintus (84 Kanonen) aus; dieses Schiff war auch schon sein Flaggschiff vor Öland und bei Møn gewesen. Die Vorhut kommandierte der dänische Vizeadmiral Marcus Rodstehn an Bord des 60-Kanonen-Linienschiffes Anna Sophia. Die Nachhut, das sogenannte 3. Geschwader, stand unter dem Befehl des dänischen Konteradmirals Jens Rodstehn; sein Flaggschiff war das Linienschiff Tre Kroner (68 Kanonen). Insgesamt umfasste die dänische Flotte 19 Linienschiffe, 6 Fregatten und 3 Brander sowie 5 kleinere Kriegsschiffe, die für Aufklärungsaufgaben herangezogen wurden. Größtes Schiff der Flotte war das Linienschiff Norske Løve (86 Kanonen), das in der Vorhut eingesetzt war. An Bord der dänischen Schiffe befanden sich 1.270 Kanonen und etwa 8.600 Besatzungsangehörige.
Lage der Schweden Nach dem Tod von Admiral Lorentz Creutz der Ältere 1676 in der Seeschlacht bei Öland und der Gefangennahme von Admiral Sjöblad bei Møn, stand die schwedische Flotte nun unter dem Kommando des Feldmarschalls Henrik Horn, der allerdings erst drei Wochen zuvor, nach der Gefangennahme Sjöblads, zum Admiral und Oberbefehlshaber der schwedischen Flotte ernannt worden war. Horn, ein erfahrener Taktiker des Landkriegswesens, besaß allerdings fast keine seemännischen und seetaktischen Vorkenntnisse und verdankte sein Kommando seinen Verbindungen ins Königshaus. Es zeigte sich hierin eine verhängnisvolle Tendenz in Schweden zur damaligen Zeit, das Oberkommando über die Flotte oft im Seekriegwesen unerfahrenen Heereskommandanten, Adeligen oder Politikern anzuvertrauen; auch die Admirale Creutz und Sjöblad, die beide Male mit ihren Flotten Niederlagen erlitten, hatten kaum oder gar keine Erfahrung im Führen von Flottenverbänden oder im Bestreiten von Seegefechten besessen.
Admiral Horn, der die Flotte von Bord des Linienschiffes Victoria (84 Kanonen) aus befehligte, standen Vizeadmiral Hans Wachtmeister als Kommandant der Vorhut (an Bord des bereits bei Öland zum Einsatz gekommenen 82-Kanonen-Linienschiffes Nyckeln) und Konteradmiral Hans Clerck d. J. (1639–1711), der befehlshabende Offizier der Nachhut, zur Seite. Bis auf Clerck, sein Flaggschiff war das mit 72 Kanonen bewaffnete Linienschiff Sol, besaß keiner der drei Führungsadmirale große Erfahrungen im Seekrieg.
Die schwedische Flotte umfasste insgesamt 20 Linienschiffe, 3 Fregatten, 8 bewaffnete Handelsschiffe (mit 10 bis 56 Kanonen) und vier Brander. An Bord befanden sich etwa 11.000 Seeleute und Seesoldaten und 1.701 Kanonen.
Verlauf der Schlacht mini|Die Seeschlacht von 1677 in einer Darstellung Christian Blaches aus dem 19. Jahrhundert Anfang Juli lichtete die schwedische Flotte die Anker und ging in Richtung Seeland in See. Admiral Horn beabsichtigte, die dänische Flotte unmittelbar in der Nähe der eigenen Hoheitsgewässer zu stellen und nach Möglichkeit zu vernichten. Im Anschluss an einen Sieg sollten die von Schonen nach Dänemark laufenden Truppentransporte der Dänen angegriffen werden. Der schnelle Vorstoß und auch der stürmische Ablauf der ersten schwedischen Attacken gegen die dänische Flotte lassen Historiker zudem zu dem Schluss gelangen, dass Horn ferner auf eine Revanche für die Niederlagen der Admirale Creutz und Sjöblad sann.
Bei den Dänen verhielt sich Admiral Juel indessen zurückhaltender. Einerseits wusste er von seiner Unterlegenheit, andererseits hatte er die Order erhalten, einem Kampf auszuweichen, wenn er sich denn vermeiden ließe, um die Flotte (und damit auch den Schutz der Seetransporte zwischen Dänemark und Schonen) nicht unnötig zu riskieren. Juel bezog mit seinen Schiffen deswegen zunächst eine defensive Wartestellung südöstlich der Køgebucht.
Kämpfe am 11. Juli In den frühen Morgenstunden des 11. Juli, etwa gegen 5.00 Uhr, konnten die beiden Flotten Sichtkontakt zueinander herstellen. Die Geschwader standen zu diesem Zeitpunkt etwa 20 Seemeilen ostsüdöstlich von Seeland; der Wind blies mit etwa 40 km/h aus südsüdwestlicher Richtung. Die schwedische Flotte befand sich südlich der dänischen und damit aufkommend auf der Luvseite (jene Position, die auch Admiral Juel bei Öland innegehabt hatte). Die kleineren und schnelleren dänischen Linienschiffe konnten jedoch, obwohl in Leeposition, die Fahrt der Schweden beinahe halten. Dies führte dazu, dass beide Flotten fast mit identischer Geschwindigkeit und auf parallelen Kursen auf die Küste Seelands zuliefen.
Gegen 6.00 Uhr morgens kamen beide Flotten schließlich auf Schussentfernung aneinander heran und die Schiffe der Vorhuten eröffneten das Feuer. Zu diesem Zeitpunkt befahl Admiral Horn einen hastig durchgeführten Branderangriff auf die Dänen, wohl in der Hoffnung, damit deren Schlachtlinie in Unordnung zu bringen. Der Vorstoß endete jedoch mit einem Misserfolg. Der Brander Gripen wurde in Brand geschossen und versenkt, der Brander Gröna Drake verlor seine Masten durch Beschuss und wurde schließlich manövrierunfähig von einer dänischen Fregatte geentert. Ein dritter Brander kam wegen seiner zu geringen Geschwindigkeit nicht an die dänischen Schiffe heran.
Mittlerweile waren beide Flotten, noch immer auf parallelen Kursen, dicht an die Küste von Seeland herangelaufen. Da Admiral Juel seinen Kurs beibehielt, hatten die südwestlich der Dänen stehenden Schweden nur die Wahl, entweder ihre Schlachtlinie aufzugeben (und einen Durchbruch durch die gegnerische Linie zu wagen) oder sich der Gefahr auszusetzen, auf die Sandbänke vor Seeland gedrückt zu werden. Erst gegen 7.00 Uhr erteilte Admiral Horn schließlich den Befehl, mit der schwedischen Flotte eine Kehrtwendung nach Steuerbord und von der Küste weg (auf südöstlichen Kurs) einzuleiten. Da diese Order zu spät erfolgte, geriet das schwedische Linienschiff Draken (66 Kanonen) gegen 7.20 Uhr nahe den Klippen von Stevns Klint auf eine Sandbank und strandete. Admiral Horn entschied sich, dem aufgelaufenen Schiff fünf Schiffe der Nachhut zur Seite zu stellen, um es gegen eine Enterung durch die Dänen abzuschirmen. Dieses Manöver wurde von den Dänen bemerkt, weswegen Admiral Juel, der fast zeitgleich eine Gefechtswendung mit seiner Flotte nach Steuerbord eingeleitet hatte, wiederum sechs Schiffe seiner Flotte unter Vizeadmiral Rodstehn in Richtung der gestrandeten Draken beorderte. Da Juel erkannte, dass die Aufsplitterung der schwedischen Flotte ein Schlüssel zum Sieg sein konnte, gab er Rodstehn mehrere der stärksten Schiffe seiner Flotte mit, darunter auch die Norske Løve. Es zeichnete sich hier erstmals die letztlich erfolgreiche Taktik Admiral Juels ab, Kräfteschwerpunkte zu bilden und mit diesen einzelne Verbandsteile der zahlenmäßig stärkeren schwedischen Flotte abzuschneiden und niederzukämpfen.
Gefecht vor Stevns Klint Während beide Hauptflotten etwa ab 8.00 Uhr morgens, noch immer jeweils in geordneter Kiellinie, auf Südostkurs von Seeland in Richtung der offenen See abliefen und sich weiter ein Liniengefecht lieferten, entbrannte um die aufgelaufene Draken ein heftiges Gefecht zwischen den zurückbeorderten Schiffen. Obwohl beide Verbände mit je sechs Schiffen gleich stark waren, hatten die Dänen den leichten Vorteil, dass ihre sechs Schiffe frei manövrieren konnten, während bei den Schweden ein Schiff gestrandet und damit manövrierunfähig war. Zudem hatte Admiral Juel Vizeadmiral Rodstehn mehrere der kampfstärksten Schiffe zur Seite gestellt, während bei den Schweden Einheiten der Nachhut zum Einsatz gelangten (darunter ein bewaffnetes Handelsschiff), die gemessen an der Anzahl der Kanonen leicht unterlegen waren.
Der Kampf um die Draken entwickelte sich denn auch langsam zu Ungunsten der Schweden. Um 9.30 Uhr musste das schwedische Linienschiff Mars (72 Kanonen) nach einem erbitterten Duell vor den dänischen Linienschiffen Tre Løver und Churprindsen die Flagge streichen. An Bord der Mars hatte es über 200 Tote und Verwundete gegeben. Nur etwa 30 Minuten später kapitulierte auch die gestrandete Draken, nachdem sie fast zwei Stunden lang von Vizeadmiral Rodstehns Flaggschiff Anna Sophia und dem großen Linienschiff Norske Løve beschossen worden war. Da sich nun die Lage eindeutig gegen die Schweden zu entwickeln begann, drehten die vier verbliebenen schwedischen Schiffe auf Nordostkurs und begannen zu fliehen. Während dieser Rückzugsbewegung verloren die Schweden noch das Linienschiff Cesar (60 Kanonen), welches bereits schwer beschädigt war und das deswegen von dem dänischen Linienschiff Churprindsen gegen 10.30 Uhr eingeholt und geentert werden konnte.
Die drei entkommenen schwedischen Schiffe liefen in Richtung Malmö, wobei allerdings eines von ihnen, das bewaffnete Handelsschiff Flygande Vargen (56 Kanonen), später vor Falsterbo auf ein Riff lief und strandete.