Das Europäische Institut für Klima & Energie e. V. 231280, Jena (EIKE e. V.) ist seit 2007 ein eingetragener Verein, der den wissenschaftlichen Konsens über die menschengemachte globale Erwärmung leugnet. Der Verein sieht seine Aufgabe darin, „Klima- und Energiefakten ideologiefrei darzustellen, Kongresse auszurichten und Veröffentlichungen zur Klimaforschung zu verbreiten“.Grundsatzpapier Klima, Selbstdarstellung auf der EIKE-Website eike-klima-energie.eu, zuletzt abgerufen am 18. März 2016 Entgegen seinem Namen ist das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE) kein wissenschaftliches Institut, sondern wird als Lobbyorganisation bezeichnet. Stimmen aus Wissenschaft und Presse beschreiben den Verein als Zentrum der politisch aktiven und organisierten Klimaleugnerszene in Deutschland. Sein Ziel sei es, den systematischen Angriff auf die Befunde der Klimawissenschaft zu betreiben.
EIKE ist unter anderem durch das Committee for a Constructive Tomorrow mit dem Lobbyismus für die Klimawandelleugnung in den USA verbunden. EIKE wird vorgeworfen, Wissenschaftlichkeit vorzutäuschen, gezielt Desinformation zu verbreiten und Einfluss auf Parteien zu nehmen. In der Öffentlichkeit bemüht sich EIKE um ein seriöses und wissenschaftsnahes Branding, unter anderem durch die Verwendung des in Deutschland nicht geschützten Begriffs „Institut“. Die verantwortlichen Personen sind keine Klimaforscher. Einige Publikationen von Vereinsmitgliedern erschienen in Raubjournalen, werden jedoch auf der Website als peer-reviewed (also durch wissenschaftliche Qualitätssicherung geprüft) beworben. Der Verein legt seine Finanzierung oder der Einkünfte der Mitglieder nicht offen.
EIKE prägte die Klimapolitik der Alternative für Deutschland (AfD). Mit Auftreten der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 begann EIKE auch, Zweifel an der Gefährlichkeit des Virus zu streuen.
Struktur Der Verein besteht organisatorisch aus einem Vorstand sowie einigen weiteren aktiven Mitgliedern.
mini|Sitz von EIKE: Jena, Wiesenstraße 110, Rückseite einer Bäckereiverkaufsstelle (2021) mini|Briefkasten für rund 20 Firmen, darunter EIKE (rechts unten), Wiesenstraße 110 in Jena (2021)
Gemeinnützigkeit Gemäß den in der Satzung verankerten Zielen wurde der Verein ursprünglich als gemeinnützig anerkannt. Nach Angaben auf seiner Website entzog das Finanzamt Jena mit Datum vom 18. Februar 2022 EIKE jedoch die Gemeinnützigkeit bis auf weiteres. Grundlage für diesen Schritt war ein Gutachten, das sich unter anderem auf eine Untersuchung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages stützt.
Vorstand Vorsitzender ist der Historiker Holger Thuß (* 1969), der den Verein im Jahr 2007 in Hannover gründete. Stellvertretender Vorsitzender ist der Elektroingenieur Michael Limburg (* 1940).Josa Mania-Schlegel, Vanessa Vu, Caroline Wiemann: Dieser Mann zweifelt am Klimawandel – und hat damit viel Erfolg. In: Spiegel Online, ursprünglich veröffentlicht auf bento.de, 18. März 2017.
Sitz Als „Geschäftsstelle“ gibt der Verein eine Adresse in Jena an. Nach der Gründung durch Holger Thuß 2007 in Hannover war der Verein zunächst auf die Privatadresse von Thuß in Jena eingetragen. Der Verein verfügte nach Angaben der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2010 und der Zeit im Jahr 2012 nicht über ein Büro. Laut einem Bento-Bericht im März 2017 gab es ein Büro in Jena, das 800 Euro Miete kostete und in dem zwei Praktikanten beschäftigt waren. Hingegen sagte der Fernsehmoderator und Astrophysiker Harald Lesch im April 2017, er habe bei dem Versuch, mit dem Verein Kontakt aufzunehmen, an dem Sitz nur einen Briefkasten vorgefunden.Harald Lesch über Klimaskeptiker. „Die Generation Wirtschaftswunder fühlt sich massiv angegriffen“. In: Geo. 27. April 2017, abgerufen am 14. März 2018. Der Vorsitzende des Vereins dementierte dies im Februar 2018.Wir Deutsche sind bezüglich unserer Energiewende und unserer Klimaschutz-Hysterie „bekloppt“. In: The European, 25. Februar 2018. Abgerufen am 14. Januar 2019.
Mitglieder Die Anzahl der Mitglieder gab der Vereinsvorsitzende 2017 mit rund 50 an, sie seien überwiegend „Naturwissenschaftler und Rentner“. Der Beobachter Sebastian Haupt beschrieb die Mitglieder 2020 als „nur zu einem Teil […] Wissenschaftler, viele sind Politiker oder Wirtschaftsvertreter“.
Beirat EIKE e. V. benennt auf seiner Website Mitglieder eines „Fachbeirats“. „Führende Wissenschaftler“ trügen „entscheidend“ dazu bei, „dass sich die Bildungsinhalte von EIKE stets an den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren“.
Pressesprecher und Beiratsmitglied Horst-Joachim Lüdecke (* 1943, Physiker für Strömungsmechanik, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes) wurde im Jahr 2010 mit dem Satz zitiert: „Wir brauchen keine Klimaforscher.“ Es gebe keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass CO2 die Atmosphäre aufheize. Deshalb ist es laut Lüdecke auch legitim, dass im Beirat u. a. auch ein Materialforscher, ein Radiologe und ein Elektronikspezialist saßen.
Im Dezember 2020 bestand der Beirat neben Lüdecke aus Helmut Alt, Richard S. Courtney, Friedrich-Karl Ewert, Edgar Ludwig Gärtner (* 1949), Hans Jelbring, Hans H.J. Labohm (* 1941) und Horst Malberg.Liste der Mitglieder des Fachbeirates auf der EIKE-Website.
Frühere Mitglieder waren u. a. Dieter Ameling (1941–2020), Klaus Landfried (1941–2014), Gernot Patzelt (* 1939), Ian Plimer (* 1946), Christopher Monckton (* 1952) und Gerhard Hosemann (1922–2016).
Finanzierung Der Verein legt seine Finanzierung oder die Vereinsarbeit nicht offen. EIKE e. V. erhält nach eigenen Angaben selbst kein Geld von Konzernen und gibt an, sich ausschließlich durch private Kleinspender und die eigenen Mitglieder zu finanzieren. CFACT Europe ist jedoch als juristische Person auch ein Gründungsmitglied von EIKE e. V.
Laut James Taylor vom Heartland Institute, das Zahlungen an EIKE leistet und zu dem gemäß EIKE „gute Beziehungen“ bestehen, verfügt EIKE über ein Budget von ca. 200.000 Euro. Gefragt nach dem Budget erklärte EIKE, dass das „Spendenaufkommen“ pro Jahr „deutlich unter der genannten Summe“ liege. Insgesamt habe der Verein „fast nur Klein- und Kleinstspender“.Katarina Huth, Jean Peters, Jonas Seufert: Die Heartland Lobby. In: Correctiv, 4. Februar 2020. Abgerufen am 13. Februar 2020.
Grundsätze des Vereins EIKE bezeichnet sich selbst als „Zusammenschluss einer wachsenden Zahl von Natur, Geistes- und Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren, Publizisten und Politikern, die die Behauptung eines ‚menschengemachten Klimawandels‘ als naturwissenschaftlich nicht begründbar und daher als Schwindel gegenüber der Bevölkerung ansehen“. Der Verein lehnt jede Klimapolitik ab: Sie sei ein „Vorwand“, die „Wirtschaft und Bevölkerung zu bevormunden und das Volk durch Abgaben zu belasten“. EIKE betrachtet sich selbst als „eine Plattform für die Diskussion und Publikation wissenschaftlicher Erkenntnisse“, die unter anderem „Gutachten im eigenen und fremden Auftrag“ erstellt, „an der Bildung und Aufklärung der Bevölkerung“ mitwirkt und „die Gründung politischer Initiativen durch die Bereitstellung wissenschaftlicher Expertise“ unterstützt. Die Mitglieder leisten die Arbeit für EIKE gemäß Selbstdarstellung „ausschließlich im Sinne einer unabhängigen, neutralen Wahrheitsfindung“. Dabei sei „[j]ede Art von Beeinflussung“ von „Wirtschaftsorganisationen oder von entsprechenden Lobbyverbänden […] grundsätzlich ausgeschlossen“.EIKE: „Über uns“. Website von EIKE. Abgerufen am 28. Januar 2020. Auch nachdem der Weltklimarat IPCC in seinem 2021 erschienenen Sechsten Sachstandsbericht festgehalten hatte, dass der Klimawandel zweifelsfrei menschengemacht ist und schneller und folgenschwerer ablaufe als angenommen, erklärte EIKE-Vorsitzender Holger Thuß weiterhin, es gebe „bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis für den ‚menschengemachten Klimawandel‘“.
Entgegen der Selbstdarstellung des Vereins handelt es sich bei EIKE um eine Organisation von Klimawandelleugnern, die den wissenschaftlichen Konsens bezüglich der menschengemachten globalen Erwärmung ablehnen. Der auf der Internetpräsenz des Vereins angegebene Leitspruch lautet „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit! Umweltschutz: Ja! Klimaschutz: Nein.“ Die Webpräsenz weist EIKE durch eine Vielzahl entsprechender Artikel als Kernenergie-Befürworter aus. Im Grundsatzpapier wird ein Ende der „Kernenergie-Diskriminierung“ gefordert.Grundsatzpapier Energie. EIKE-Website, 4. Mai 2011, abgerufen am 20. März 2016.
Die Mitglieder bezeichnen sich selbst als „Klimarealisten“Klimaskeptiker unter sich auf TAZ.de oder „Klimaskeptiker“ und bestreiten in der politischen Klimakontroverse den menschengemachten Klimawandel bzw. halten dessen Folgen für nichtexistent, nicht relevant oder positiv.
Verbindungen zu anderen Organisationen EIKE arbeitet eng mit verschiedenen Klimaleugnerorganisationen zusammen und gilt als gut vernetzt in der internationalen Klimaleugnerszene. Es bestehen unter anderem enge Verbindungen zu bedeutenden US-Klimawandelleugnern, insbesondere zu CFACT und dem Heartland Institute. Darüber hinaus existieren erhebliche inhaltliche und personelle Verbindungen zur AfD und der Windkraftgegnerorganisation Vernunftkraft, die von EIKE auch Unterstützung erhält.
CFACT
EIKE-Gründer Thuß ist auch Gründer und Vorsitzender von CFACT Europe,Klimaskeptiker: „Wir brauchen keine Klimaforscher“. In: Süddeutsche Zeitung, 31. März 2010. einem europäischen Ableger der Klimawandelleugnerorganisation CFACT. CFACT gilt als eine der wichtigsten Organisationen der organisierten Klimaleugnerbewegung weltweit mit Sitz in den USA.Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial. In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press 2011, S. 144–160, insb. 149. Thuß arbeitete bereits vor der Gründung von EIKE e. V. für CFACT und brachte von dort nach eigenen Angaben die Idee für EIKE e. V. mit.Die Zeit, Benjamin Reuter, Toralf Staud 26. November 2010: Die Gehilfen des Zweifels EIKE, CFACT Europe und der von Thuß betriebene TvR Medienverlag teilen sich das gleiche Postfach in Jena.Der Geist der Trump-Milliardäre im Ländle. In: Der Freitag, 26. August 2018. Abgerufen am 7. Dezember 2018. Der Vizepräsident, Michael Limburg, ist zudem Mitglied im „Expertengremium“ von CFACT Europe., Phoenix.
CFACT und CFACT Europe werden durch Konzerne finanziert. Zwischen 1998 und 2007 erhielt CFACT Spenden von der ExxonMobil Foundation und vom Ölkonzern ExxonMobil in Höhe von insgesamt 582.000 US-Dollar., Greenpeace Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung gehörte das CFACT 2008 mit fast 600.000 Dollar zu den größten Spendenempfängern des Ölkonzerns ExxonMobil.„Wir brauchen keine Klimaforscher“. Süddeutsche Zeitung, 31. Mai 2010. Nach einem Reuters-Artikel aus dem Jahr 2008 hatte der Konzern angekündigt, das CFACT ab diesem Jahr nicht mehr zu finanzieren, Abgerufen am 31. März 2019. tatsächlich gab der Konzern jedoch im Zeitraum 2008 bis 2015 mindestens weitere 6,5 Millionen Dollar für die Förderung von verschiedenen Klimaleugnerorganisationen aus.Exxon Continued Paying Millions To Climate-Change Deniers Under Rex Tillerson. In: Huffington Post, 1. September 2017. Abgerufen am 31. März 2019. CFACT erhält ebenfalls einen großen Teil seiner Finanzierung durch den Donors Trust. Der Trust soll möglichst anonym klimaskeptische Organisationen in der ganzen Welt unterstützen. Der Donors Trust wird unter anderem von Koch Industries finanziert.How Donors Trust distributed millions to anti-climate groups. The Guardian, 14. Februar 2013.Exclusive: Billionaires secretly fund attacks on climate science. The Independent, 25. Januar 2013.