Der Nationalpark Xuân Thủy (vietnamesisch Vườn quốc gia Xuân Thủy) befindet sich circa 150 km südöstlich von Hanoi in der Provinz Nam Dinh in Nordvietnam. Der Park ist Teil des UNESCO-Red River Biosphere Reserve und wurde am 2. Januar 2003 durch den Entschluss 01/2003/QĐ-TTg, der von Premierminister Nguyễn Tấn Dũng unterschrieben ist, vom Status des Feuchtgebiet-Naturreservats zum Nationalpark aufgewertet. Die IUCN hat ihn als Schutzgebiet der Kategorie II (Nationalpark) aufgenommen. Xuan Thuy war das erste Feuchtgebiet in Südostasien, das Teil der Ramsarkonvention wurde und ist als Lebensraum für Zugvögel von internationaler Bedeutung.

Geschichte mini|hochkant=1.5|Hauptgebäude des Xuan Thuy Nationalparks Am 2. Januar 1989 wurde die den Park umfassende Fläche von 12.000 Hektar im Giao Thuy Distrikt rings um die Mündung des Roten Flusses in den Golf von Tonkin als erster Ramsarstandort in Südostasien anerkannt, der Park war damit der 50. Teilnehmer des Abkommens weltweit. Sechs Jahre später beschloss die Regierung die Errichtung des Feuchtgebiet-Naturreservats Xuan Thuy, das im Jahr 2003 schließlich als Nationalpark anerkannt wurde und damit vom Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Nam Dinh Provinz verwaltet wird. Xuan Thuy wurde außerdem von der UNESCO als Teil der Kernzone des Red River Biosphere Reserve anerkannt. Die Vielzahl an Titeln, die sowohl von nationalen als auch internationalen Vereinigungen stammen, sowie die andauernde starke Unterstützung durch die Regierung und internationale Organisationen – staatliche und private – spiegeln die Bedeutung der Region wider.Phan Nguyen Hong, Le Xuan Tuan & Phan Thi Anh Dao, Xuan Thuy National Park: Biodiversity, Hanoi, 2007, p.8. (engl.)

Landschaft und Klima Landschaft Der Nationalpark Xuan Thuy ist in der Provinz Nam Định an der Küste zum Südchinesischen Meer circa 150 km südöstlich von Hanoi gelegen. Er ist das größte Küstenfeuchtgebiet in Nordvietnam und umfasst den südlichen Bereich der Flussmündung des Roten Flusses.Nguyen Duc Tu, Le Manh Hung, Le Trong Trai, Ha Quy Ouynh, Nguyen Quoc Binh and Thomas, R., Conservation of key coastal wetland sites in the Red River Delta: an assessment of IBAs 10 years on Hanoi: BirdLife International Vietnam Programme 2006, p. 15. (engl.) Aus dem Schwemmmaterial des Roten Flusses bilden sich zwei unterschiedliche Alluvialböden. Es findet sich Schwemmschlamm, der sich zu Lehm weiterentwickelt, und Sand. Die von Wasser transportierten Ablagerungen formen den Küstenboden, der aus leichten Böden (purer Sand und leichter Lehm), mittelschweren Böden und schweren Böden wie Lehmerde und Ton besteht. Die Kernzone hat eine Gesamtgröße von 7.100 Hektar, wobei 4.000 Hektar davon auf Niedrigwasserfeuchtgebiete und 3.100 Hektar auf Land verfallen.Phan Nguyen Hong, Le Xuan Tuan & Phan Thi Anh Dao, Xuan Thuy National Park: Biodiversity, MERC-MCD, Hanoi, Vietnam, 2007, p. 9 (engl.) Das Gebiet schließt die drei Inselchen Con Ngan, Con Lu und Con Xanh ein. Die Landschaft auf Con Ngan, der größten Insel wird von Aquakulturfarmen und Mangroven bestimmt. Auf Con Lu finden sich neben Aquakulturfarmen viele sandige Flächen wie flache Ablagerungs- und Schwemmgebiete. Con Lu, die kleinste der Inselchen, unterliegt durch Anschwemmungen des Roten Flusses einem beständigen langsamen Vergrößerungsprozess und ist mit Sandschichten bedeckt.Pham Dinh Viet Hong, Nguyen Duc Tu, Nguyen Viet Cach & Le Thanh Binh, Xuan Thuy National Park: Policy Brief, VEPA-MCD, Hanoi, Vietnam, 2007, p. 9. (engl.) Die Pufferzone umfasst eine Gesamtfläche von 8.000 Hektar. Inselchen im Mündungsgebiet des Flussdeltas bieten gute biologische Voraussetzung für das Wachstum von Mangroven und die Biodiversität des Wattökosystems als Ganzes. Das Gebiet schließt außerdem Deiche ein, die von Marschgebieten umgeben sind. In der Pufferzone des Parks wird versucht, ein ökologisches Modell zur idealen, ressourcenschonenden Kombination der drei Einkommensmöglichkeiten des Pflanzens von Gemüse, der Fisch- und der Viehzucht zu etablieren. Dem Tourismusressort des Parks zufolge sind die Konstruktion von Deichen, Landrückgewinnung und Reiszucht sind in der Region lang gepflegte Traditionen.Xuan Thuy National Park- A Destination of Eco-tourism, flyer of the National Park (engl.)

Klima Der Distrikt Giao Thuy liegt in der Zone des tropischen Monsunklimas, das zwei unterschiedliche Jahreszeiten aufweist. Die heiße und sehr humide Regenzeit dauert von April bis Oktober, ihr folgt von November bis März die kühlere und aride Trockenzeit. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 24 °C bei Werten, die zwischen 40,3 °C im Sommer und 6,8 °C im Winter schwanken. Im Durchschnitt herrscht eine Luftfeuchtigkeit von 84 %. An den für gewöhnlich 133 Regentagen im Jahr fällt 1700 mm bis 1800 mm Niederschlag. Von Juli bis Oktober ist der Rote Fluss geflutet und führt besonders viel Wasser. Die Region wird davon genauso beeinflusst wie von dem aus Nordosten kommenden Monsunregen. Der Wind wechselt im Laufe des Jahres seine Hauptrichtung. Während der Trockenzeit erreicht er die Region vornehmlich aus dem Norden, in der Regenzeit hingegen aus dem Osten. Juli und August sind die stürmischsten Monate, in denen auf heftigen Wind starker Regenfall folgt. Alleine im Jahr 2005 erreichten drei starke Stürme Nordvietnam: am 28. Juli konnte Windstärke 7 gemessen werden, am 18. September Windstärke 9 und am 28. September schließlich sogar Windstärke 12.Phan Nguyen Hong, Le Xuan Tuan & Phan Thi Anh Dao, Xuan Thuy National Park: Biodiversity, MERC-MCD, Hanoi, Vietnam, 2007, p. 9 ff. (engl.)

Biologische Charakteristika Fauna links|hochkant=1.5|mini|Schwarzstirnlöffler Das Küstengebiet des Roten Fluss-Deltas ist ein Lebensraum für rastende und überwinternde Vögel wie zum Beispiel Möwen, Wasservögel und am Ufer lebende Vögel. Im Nationalpark Xuan Thuy lassen sich 250 verschiedene Spezies beobachten, 150 davon Zug- und 50 Wasservögel. Die Tiere lassen sich 41 Familien und 13 Ordnungen zuordnen. Neun Spezies wie beispielsweise der Löffelstrandläufer und der Tüpfelgrünschenkel sind als stark gefährdet eingestuft und damit in die Rote Liste gefährdeter Arten aufgenommen.Phan Nguyen Hong, Le Xuan Tuan & Phan Thi Anh Dao, Xuan Thuy National Park: Biodiversity, MERC-MCD, Hanoi, Vietnam, 2007, p. 19. (engl.) 65 bis 75 Exemplare des Schwarzstirnlöfflers, der zum Symbol des Parks gewählt wurde, lassen sich in Zeiten des Vogelzuges beobachten. Bei einer Gesamtanzahl von nur ungefähr 1000 Tieren weltweit leben im Winter also mehr als fünf Prozent der Gesamtpopulation im Nationalpark Xuan Thuy. Der Park bietet auch für andere seltene Tierarten einen Lebensraum; unter anderem finden sich einige Otter-, Tümmler- und Walspezies. Außerdem lassen sich 30 Reptilienarten und eine ungezählte Anzahl von verschiedenen Insekten finden.

Flora mini|hochkant=1.5|Mangrovenwald im Bereich des Flussdeltas Von den 120 verschiedenen vaskulären Pflanzen, die sich im Nationalpark finden lassen, gedeihen 20 aufgrund der speziellen Eigenschaften des Feuchtgebiets besonders gut. Die Vielzahl an Mangroven trägt zur Stabilisierung des angeschwemmten Bodens bei und spielt eine wichtige Rolle beim Schutz vor Fluten und in mehreren biochemischen Kreisläufen. Bis jetzt wurden 111 aquatische Pflanzen dokumentiert, von denen für die Region vor allem einige Arten von Seegras aufgrund ihres ökonomischen Wertes von großer Bedeutung sind. Über 500 Arten von Benthos und Zooplankton (Shrimps, Fische, Krabben, Austern und andere) wurden bisher identifiziert.

Nutzung der natürlichen Ressourcen In der Kernzone des Nationalparks finden sich unbewohnte Gebiete, die zur Shrimpzucht genutzt werden. Momentan gibt es ungefähr 19 großflächige Zuchtteiche in der Nähe des Roten Flusses, zusätzlich dazu werden zudem Venusmuscheln gezüchtet. Zelte und Hütten, die zur Bewachung dieser Anlagen aufgeschlagen wurden, sind ohne Planung und Erlaubnis entstanden. Das Land der Pufferzone kann in verschiedene Kategorien wie Wohngebiet, Aquakultur- und Agrarnutzflächen, Mangroven und Sandbänke aufgeteilt werden. Der Großteil der Flächen in Bai Tron und Con Ngan in der Pufferzone wurde in Teiche zur Shrimp- und Krabbenzucht aufgeteilt. In den 90er Jahren stieg die Zahl dieser Zuchtteiche exponentiell. Die Saison dauert von Mai bis Januar (April bis Dezember im Mondkalender). Außerhalb der Saison wird von einigen Bewohnern Seegras gezüchtet, das verkauft werden kann und nach einem längeren Bearbeitungsprozess als Nahrung genutzt wird. Die Jagd von Vögeln oder anderen Tieren ist verboten und hat seit der Ernennung Xuan Thuys zum Nationalpark deutlich abgenommen. Nichtsdestotrotz sind illegale Aktivitäten noch immer nicht komplett beendet. Das verbotene Grasen von Wasserbüffeln in der Kernzone des Parks hat indes zu 100 Prozent aufgehört, die vormals stark angegriffene Flora kann sich dort langsam regenerieren.Phan Nguyen Hong, Le Xuan Tuan & Phan Thi Anh Dao, Xuan Thuy National Park: Biodiversity, MERC-MCD, Hanoi, Vietnam, 2007, p. 10. (engl.) Um Raubbau an den gegebenen Ressourcen zu verhindern, wurden vom Nationalpark verschiedene Projekte wie der Pilzklub entwickelt, die der lokalen Bevölkerung alternative Lebensgrundlagen bieten. Der Nationalpark hat sich zudem vorgenommen, mit Bildungsarbeit ein Bewusstsein für ökologische Themen zu etablieren, um so die Umwelt langfristig zu bewahren und zu schützen. Um dieses Ziel zu erreichen, unternimmt der Park zahlreiche Bemühungen wie zum Beispiel jährliche Unterrichtsstunden zum Thema Umwelt und Naturschutz in neun lokalen weiterführenden Schulen. In Zukunft wird ein Projekt zum Thema Müllentsorgung und -trennung für die Bewohner der Pufferzone anlaufen; momentan wird Müll weder getrennt noch entsorgt, sondern einfach überall hingeworfen.

Wissenschaftliche Forschungsarbeit Da der Nationalpark Xuan Thuy ein sehr wichtiger Standort für die Biodiversität Südostasiens ist, war und ist er Gegenstand vieler Untersuchungen sowohl von vietnamesischen als auch internationalen Forschern. Dem Park selbst zufolge wurden bereits mehr als zehn Doktorarbeiten, eine Vielzahl von Master- und hunderte Forschungsdokumente von Studenten aus mehr als 30 vietnamesischen Universitäten über den Park verfasst.The Ramsar Regional Center – East Asia Wise-Use Workshop and Training Session on Wetland Management 19th – 26th September 2009, Changnyeong, South Korea, p. 62. (engl.) Nichtregierungsorganisationen führen vor der Implementierung neuer Projekte, die sich gewöhnlich mit Themen des Umweltschutzes und der nachhaltigen Entwicklung beschäftigen, ebenfalls Forschungen durch. mini|links|hochkant=1.3|Grasende Wasserbüffel in der Kernzone zerstörten den Mangrovenwald. mini|hochkant=1.3|Nach der Verbannung aller Büffel kann sich der Wald langsam regenerieren.