mini|Super 8 und Normal 8 im Vergleich. Die Magnetstreifen sind grau dargestellt: der breite Streifen ist die Tonspur, der schmale Streifen ein „Ausgleichsstreifen“, der ein reibungsloses Bewegen und Aufrollen des Films ermöglicht mini|Entwickelter Super-8-Film von etwa einer halben Stunde Länge, mit Tonspur und grünem Vorspannfilm mini|Typische Super-8-Kamera, ca. 1968. (Video von allen Seiten) mini|Kodak Kodachrome 40, Super-8-Film in Filmkassette, Originalverpackung mini|Beispiel für einen Super-8-Film Super 8 ist ein von Kodak geschaffenes Schmalfilm-Filmformat, das Mai 1965 in den USA und Oktober 1965 in Europa eingeführt wurde. Es ersetzte Normal 8 und wurde im Laufe der 1980er-Jahre von der Videotechnik abgelöst. Seitdem wird es lediglich von einigen Enthusiasten verwendet, für die immer noch Filmkassetten hergestellt werden.

Eigenschaften

Bezeichnung Die Bezeichnung „Super“ in Super 8 bezog sich auf das größere Bildformat gegenüber den bisherigen 8-mm-Film. Dieses nannte man daraufhin Normal 8 (englisch: Regular 8 oder Standard 8).

Bildgröße Verglichen mit Normal 8 wuchs die Bildgröße von 4,9 mm × 3,6 mm auf 5,69 mm × 4,22 mm und somit um etwa 36 Prozent. Dies ermöglichte eine schmalere Perforation, die damit an die Filmbreite angepasst wurde. Der Normal-8-Film war nämlich durch Halbieren eines 16-mm-Film mit doppelter Perforation entstanden und besaß dadurch unnötig breite Löcher: Der Greifer musste weniger Kraft übertragen, da beim Transport des schmaleren Films geringere Reibungskräfte entstanden. Infolgedessen konnte er schmaler ausfallen, ohne den Film einzureißen, was wiederum schmalere Löcher ermöglichte.

Ein Unterschied betraf auch die Anordnung der Löcher, sie saßen nun in der Mitte eines Bildes anstatt zwischen zwei Bildern. Dies vereinfachte den Filmschnitt.

Filmgeschwindigkeit Die Standard-Bildfrequenz wurde für Super 8 leicht angehoben und betrug 18/s anstatt 16/s für Normal 8. Dieser Unterschied war aber unbedeutend, zumal Super-8-Kameras die Geschwindigkeit nur ungefähr einhielten, wenngleich sie, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht mehr mit einem Federwerkmotor arbeiteten.

Manche Kameras liefen zusätzlich mit der vom Kinofilm bekannten Frequenz 24/s, was aber für den Heimkino-Einsatz wegen der erhöhten Filmkosten praktisch nirgends zum Einsatz kam.

Kassette Aufbau Musste bisher der lose aufgewickelte Film umständlich eingefädelt werden, wurde unbelichteter Super-8-Film in Kassetten geliefert, die sich ganz einfach einlegen ließen. Damit setzte Kodak eine Linie fort, die man 1963 mit dem Instamatic-System für Fotokameras gestartet hatte und später mit dem Pocketfilm fortsetzte: mit einer möglichst einfachen Handhabung sollte das Fotografieren und Filmen auch technisch unkundigen Menschen nahegebracht werden. Überdies ermöglichte es der Kassettenwechsel, schnell wieder aufnahmebereit zu sein.

Abwickel- und Aufwickelspule lagen nebeneinander in der Kassette, die dadurch nur geringfügig länger als hoch war, also eine fast quadratische Seitenfläche aufwies. Betrachtete man das Etikett, dann lag das Filmfenster rechts, wobei der Film von der Abwickelspule an der Oberseite der Kassette entlang zum Fenster und dann an der Unterseite entlang zur Aufwickelspule verlief, was wegen der nebeneinander liegenden Spulen leicht schräg erfolgte. Die Abwickelspule lag hinten; ebenso der Anschluss zum Kameraantrieb, nämlich ein Kunststoffrohr mit einem Steg im Inneren zur Kraftübertragung. Dieses Rohr war mit der Aufwickelspule verbunden und verlief durch die Abwickelspule hindurch, wobei es für dessen Lagerung sorgte.

Laufzeit Eine Kassette enthielt 50 ft, entsprechend 15,24 m Filmmaterial. Jeder Fuß enthielt 72 Bilder, eine Kassette somit 3600 Bilder. Dies ergab eine Laufzeit von 3 min 20 s bei 18/s Bildfrequenz und 2 min 30 s bei 24/s.

Nachteile Entsprechend den Instamatic-Fotokameras gab es auch bei Super-8-Kameras keine Filmandruckplatte. Infolgedessen konnte der Abstand vom Objektiv leicht variieren, was zu Unschärfe führte. Dieser Punkt stellte einen erheblichen Rückschritt gegenüber den Normal-8-Kameras dar.

Die Abwickelspule lag unzugänglich in der Kassette, weswegen sie nicht angetrieben werden konnte, um den Film rückwärts laufen zu lassen. Manche Kameras behalfen sich damit, dass sie für Überblendeffekte etwa 80 Bilder zurück in die Kassette schoben.

Kompatibilität zu Single 8 Filme des Systems Single 8 ließen sich uneingeschränkt mit Super-8-Projektoren vorführen.

DS8

Neben den Filmkassetten gab es eine weitere Konfektionierung: wie von Normal 8 bekannt waren auch Doppel-Super-8-Filme (DS8) 16 mm breit, auf offenen Spulen aufgewickelt und wurden nach der Entwicklung in der Mitte geschnitten und dann zu einem Filmstreifen zusammengeklebt. DS8-Fime gab es mit einer Länge von 2 × 10 m und 2 × 30 m.

DS8 war in den RGW-Staaten häufiger als die Super-8-Kassetten. In der westlichen Welt hingegen spielte es nur für professionelle Reportagen eine Rolle, obwohl einige bedeutende Hersteller Kameras dafür bauten. Infolgedessen hatte kaum ein Fotohändler diese Konfektionierung vorrätig, es gab sie auch nicht in den Katalogen von Foto Quelle, Neckermann oder Foto Porst. Von Vorteil waren die vorhandene Filmandruckplatte und der uneingeschränkte Rückwärtslauf.

Marketing Entstehung Die drei bedeutendsten Filmhersteller Kodak, Fuji und Agfa wollten bis zu den Olympischen Spielen in Tokio ein gemeinsames Format entwickeln. Kodak kündigte 1964 aber unerwartet Super 8 für das folgende Jahr an. Fuji brachte daraufhin Single 8 heraus. Agfa bot zunächst beide Varianten an, gab Single 8 aber 1967 wieder auf.

Schon mit der ersten Ankündigung begannen nahezu alle Kamerahersteller, ihr Programm umzustellen, so dass sie gleich nach der Markteinführung Super-8-Modelle anbieten konnten. So setzte sich Super 8 sehr schnell durch, zumal man mit der einfachen Handhabung tatsächlich einen neuen Interessentenkreis gewann. Im Gegenzug fiel die Preise gebrauchter Normal-8-Kameras plötzlich um etwa die Hälfte.

Das neue Filmformat verlangte auch neue Projektoren, wobei es lange Zeit umschaltbare Modelle zu kaufen gab, mit denen auch alte Normal-8-Filme vorgeführt werden konnten.

Verbreitung Die Verkaufszahlen an Geräten stiegen bis zum Höhepunkt in den Jahren 1972 bis 1975 stetig an und fielen dann wieder erheblich ab. Zu diesem Zeitpunkt erschienen bereits die ersten transportablen Videorecorder mit Farbkamera für den Amateur, die zwar noch extrem teuer waren, aber die Zukunft zeigten. Die meisten Gerätehersteller konnten um 1980 schon nicht mehr rentabel produzieren und seit etwa 1985 gab es fast keine neuen Kameras oder Projektoren mehr zu kaufen. Gerade einmal Zenit und Beaulieu hielten ihre Kamera- und Projektor-Produktion noch bis Mitte der 1990er Jahre aufrecht.

Der Verbrauch von Filmmaterial erreichte 1979 und 1980 mit jährlich 19 Millionen allein in Westdeutschland verkauften Super-8-Kassetten seinen Höchststand. Die meisten Filmhersteller gaben Super 8 in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre auf.

Die engagierten Amateure nahmen typischerweise das Erscheinen der Videosysteme Hi8 und S-VHS-C zum Anlass, darauf umzusteigen.

Tonfilm Die überwiegende Zahl der Super-8-Filmer erstellte Stummfilme, da Tonfilme mit erheblichen Mühen verbunden waren. Manche Ratgeber rieten sogar von Tonfilmen ab, da man einen Film in der Regel nicht allzu häufig vorführe und es deswegen in der Summe betrachtet unaufwendiger sei, bei jeder Vorführung erklärende Worte dazu zu sprechen, als einen Film zu vertonen.Alexander Spoerl: Filmen mit Spoerl. Deutscher Bücherbund Stuttgart/Hamburg, 1967, ISBN 978-3-49201-506-6.

Magnetton Zweibandverfahren In der Anfangszeit musste der Ton immer mit einem speziellen Spulentonbandgerät oder Kassettenrekorder aufgenommen werden, wobei eine geeignete Kamera nach jedem aufgenommenen Bild elektrische Impulse von sich gab, die auf einer eigenen Spur aufgenommen wurden. Bei der Wiedergabe steuerten diese Impulse dann die Vorführgeschwindigkeit am – ebenfalls geeigneten – Projektor, so dass Bild und Ton synchron liefen. In der Praxis hielten die Filmkameras ihre Geschwindigkeit aber häufig derart ungenau ein, dass es beim Filmschnitt leicht Probleme bereitete. Eine Vertonung ohne Synchronisation funktionierte nicht; der Gleichlauf war dann so unsicher, dass man allenfalls Hintergrundgeräusche abspielen konnte. Filme konnten auch nachträglich mit einer Tonspur versehen werden, die sich dann mit Hilfe eines Tonfilmprojektors besprechen ließ. Das Bespuren führte entweder ein Labor oder ein ca. 200 DM teures Gerät durch.

Liveton 1973 stellte Kodak die Super-8-Tonfilmkassette vor, welche mit speziellen Liveton-Kameras verhältnismäßig unaufwendige Tonaufnahmen erlaubte. Die Tonfilmkassette enthielt vorbespurten Film. Sie war größer, betrachtete man ihr Etikett, dann hatte sie ein Hochkantformat. Dadurch konnte sie nur in Super-8-Tonfilmkameras eingelegt werden. An ihrer Unterseite gab es eine zusätzliche Öffnung, in die der Tonkopf hineinragen konnte. Der Ton war dabei immer um 18 Bilder versetzt, weil der Film vor dem Bildfenster ruckartig bewegt wurde, für die Tonwiedergabe aber gleichmäßig laufen musste. Dieser Versatz bereitete beim Schneiden große Probleme, im Allgemeinen wurde empfohlen, einen Tonfilm gut zu planen und dann gar nicht zu schneiden. Liveton-Kameras gab es ab der Mittelklasse, entsprechend etwa 500 DM zu kaufen.

Kodak hat die Produktion von Tonfilmkassetten 1997 eingestellt, danach gab es sie auch von anderen Herstellern nicht mehr zu kaufen. Tonfilmkameras ließen sich auch mit Stummfilmkassetten betreiben, wobei sie in puncto Gleichlauf den Stummfilmkameras überlegen waren.

Liveton-Kameras haben keine immense Verbreitung mehr gefunden, da in den Jahren ab 1976, als man mit ihren Durchbruch rechnete, die Nachfrage nach Super-8-Geräten generell stark abnahm.

60-m-Tonfilmkassette 1979 ist noch eine Super-8-Kassette mit 200 ft, entsprechend 61 m Filminhalt erschienen. Infolgedessen bot sie eine Laufzeit von 13 min 20 s bei 18/s Bildfrequenz, bzw. 10 min bei 24/s. Sie verlangte nach speziellen Kameras, bei denen sich eine Klappe über dem Kassettenfach öffnen ließ. Dies boten nur wenige Fabrikate:

Die Kassette besaß eine große Filmvorratsbox, die frei über der Kamera stand, und ein damit verbundenes Teil, das aussah wie eine normale Super-8-Kassette, aber keinen Filmvorrat enthielt und in die Kamera eingesetzt wurde. Die Spulen in der Vorratsbox wurden dabei mit eingebauten Spiralfedern bewegt. Diese Kassette erlaubte die unbegrenzte Filmrückspulung. Sie war ausschließlich mit vorbespurtem Material erhältlich, infolgedessen endete ihre Produktion 1997 zusammen mit der Einstellung des vorbespurten Materials.

Lichtton Es gab neben dem Magnetton auch Lichttonfilme. Sie verlangten zum Abspielen des Tons einen entsprechend ausgerüsteten Projektor, von denen der Markt nur wenige Modelle bereithielt, die praktisch immer auch Magnetton wiedergaben. Super-8-Lichttonfilme konnten nicht vom Filmamateur, sondern nur von einem Kopierwerk hergestellt werden. Sie kamen nur als Massenkopien von Spiel- oder Werbefilmen vor. Ihr großer Vorteil war die preisgünstige Herstellung, da Bild und Ton in einem Arbeitsgang kopiert wurden und keine zusätzliche Bespurung nötig war. Auch bestand beim Lichtton nicht die Gefahr des versehentlichen Löschens, während die Tonfilmprojektoren den Magnetton zumeist auch aufnehmen und somit löschen konnten.