Die Lahntalschule (LTS) ist ein Gymnasium in der Stadt Biedenkopf im Hessischen Hinterland und das einzige in Trägerschaft des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Sie ging aus dem Realgymnasium Biedenkopf hervor, welches 1846 gegründet wurde. Das ehemalige Schulgebäude in der Hainstraße beherbergt heute das Rathaus der Stadt Biedenkopf. Heutiger Sitz der Lahntalschule ist ein in den 1980er-Jahren errichteter Schulkomplex in Lahnnähe am nordwestlichen Stadtrand. Im Jahr 2024 besuchten 1299 Schüler die Lahntalschule.

Zur Schule gehört eine anschließende Sporthalle, die Lahntalhalle (siehe unten), und ein Sportgelände, das sogenannte Schulsportzentrum Biedenkopf.

Geschichte Alte Stadtschule mini|Ehemaliges Schulgebäude in der Hainstraße (nun Rathaus)

Nachdem in den 1840er Jahren in Biedenkopf immer wieder beklagt worden war, dass der Gewerbestand zurückgehe und es um die Ausbildung vieler Menschen unzureichend bestellt sei, konnte 1843 beim hessischen Innenminister die Genehmigung zum Bau einer „Großherzoglichen Realschule“, angelegt für eine städtisch-kleinbürgerliche Bevölkerung, in Biedenkopf erwirkt werden. Am 23. März 1846 wurde das neue Schulhaus eingeweiht. Im Geiste der Pädagogik der nachnapoleonischen Ära trug die Schule Züge des reformerischen Denkens. Realschüler und Stadtschüler wurden gemeinsam unterrichtet. Es folgte die Angliederung einer sogenannten Selekta – einer höheren Mädchenschule. Die Schule wurde im Kaiserreich von der „Vollberechtigten Königlichen Höheren Bürgerschule“ zum „Königlichen Realprogymnasium“ umbenannt.

1927 wurde die Schule als Reformrealgymnasium vom Minister für Wissenschaft, Kultur und Volksbildung anerkannt. 1945 wurde das Schulgebäude als Lazarett genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das „Realgymnasium zu Biedenkopf“ mit Genehmigung der US-amerikanischen Besatzungsbehörden wiedereröffnet und in den 1950er Jahren in Lahntalschule (Abkürzung LTS) umbenannt. In der Folgezeit erhielt das Schulhaus einen Anbau nach Osten, der nach der Umnutzung zum Rathaus 1988 durch einen neuen ersetzt wurde.

Die bundesdeutsche Bildungsreform der 1960er Jahre zeitigte explodierende Schülerzahlen. Dadurch erlebte die LTS 1969 zum dritten Mal eine Verdopplung ihrer Schülerzahlen, damals von rund 500 auf bald 1000.

Neubau in den Lahnauen mini|Lahntalschule mit Schulhof und Anbau vom Lahnpromenadenweg aus

1979 wurde ein Architektenwettbewerb für einen Neubau der Schule an den Lahnauen am nordwestlichen Stadtrand ausgeschrieben, den das Wiesbadener Architekturbüro Stillger für sich entscheiden konnte. 1980 wurde mit dem ersten Bauabschnitt begonnen (Fertigstellung 1987), 1996 wurde der vierte Bauabschnitt fertiggestellt. Da diese Gebäude damals ohne Pfahlgründung gebaut wurden, kommt es dort immer wieder zu Schäden.

Im Jahr 1991 wurde auf dem Schulgelände die Lahntalhalle errichtet (siehe unten), 1997 folgte daran anschließend eine Kleinsportanlage, das Schulsportzentrum Biedenkopf.

Bis ins Jahr 2000 gab es eine Arbeitsgemeinschaft „Dialekt“ an der Lahntalschule, an der die Mundart des Hessischen Hinterlands, das Hinterländer Platt vermittelt und behandelt wurde.

Seit dem Jahr 2003 veranstaltet die Lahntalschule in Kooperation mit dem Rotary-Club Biedenkopf jedes Jahr eine Berufsbörse, bei der sich Jugendliche der Oberstufe sowie aus dem Jahrgang 10 über unterschiedliche berufliche Bereiche informieren und mit Fachkräften sowie Auszubildenden ins Gespräch kommen können.

Zum Schuljahr 2004/2005 wurde an der Lahntalschule der Bildungsgang achtjähriges Gymnasium (G8) eingeführt. Die Hessische Landesregierung hatte den Gymnasien zum Schuljahr 2013/14 die Möglichkeit eingeräumt, selbst zu entscheiden, ob weiterhin das Abitur nach acht oder nach neun Schuljahren am Gymnasium erteilt wird. Die zu beteiligenden schulischen Gremien haben sich damals jeweils fast einstimmig für die Rückkehr zu G9 zum Schuljahr 2013/14 ausgesprochen.

In den späten 2000er-Jahren wurde ein Anbau in Richtung Schulhof (Fertigstellung 2008) und einer in Richtung Lahntalhalle fertiggestellt sowie das Cafetarium, ein zum Schulhof hin verglaster Raum errichtet.

Seit den frühen 2010er-Jahren können an der Lahntalschule Schließfächer von der Firma Eurobox KG gemietet werden.

Im Jahr 2012 gewann die Lahntalschule einen bundesweiten Wettbewerb zum Einbau einer Schulküche, die anschließend mit Fernsehkoch Tim Mälzer eingeweiht wurde (siehe unten). Ab Mitte der 2010er-Jahre wurden die Räume der Naturwissenschaften schrittweise modernisiert.

Angesichts steigender Schülerzahlen und daraus resultierendem Platzmangel im Bestandsgebäude wurde im Sommer 2022 ein etwa 295 Quadratmeter großes temporäres Containergebäude errichtet.

Seit Januar 2023 darf die Lahntalschule das europäische Exzellenzlabel CertiLingua verleihen. Im selben Monat wurde ein kleines Video- und Podcaststudio im Kartenraum eingeweiht.

Im Jahr 2023 wurde die Lahntalschule als europäische Erasmus-Schule ausgezeichnet und erhält fortan im Rahmen des Erasmus-plus-Programmes Fördermittel der EU für verschiedene Schüleraustauschprojekte.

Gelände, Gebäude und Einrichtungen Schulgebäudekomplex Das heutige Schulgebäude an den Lahnauen wurde von 1980 bis 1996 in mehreren Bauabschnitten errichtet (siehe oben), später kamen weitere Anbauten hinzu. Es besteht aus einem nördlichen und südlichen Gebäudeteil, die an ihren Enden jeweils verbunden sind, sodass sich dazwischen ein Innenhof befindet, und über Nebeneingänge verfügen. Der Haupteingang befindet sich am oberen Ende des nördlichen Gebäudeteils, an das der (obere) zweigeschossige Hauptverbindungstrakt anschließt. In diesem befinden sich im Erdgeschoss die Cafeteria mit Cafetarium in der „Galerie“ und die Aula mit etwa 500 Sitzplätzen und im Obergeschoss die Mediothek mit Aufenthaltsplätzen in der „Galerie“. Der (untere) Nebenverbindungsflur ist vollständig verglast, wird deshalb „Glaskasten“ genannt, und dient im Erdgeschoss als Aufenthaltsraum.

Der südliche, als einziger dreistöckige Gebäudeteil beinhaltet die je drei Kunst- und Musikräume mit Lagerräumen, den Werkraum sowie die Schulküche im Erdgeschoss, sowie Klassenräume und die drei Informatik- und Computer- und Technikräume sowie die Erdkunderäume im ersten und ausschließlich Klassenräume im zweiten Obergeschoss. Westlich schließt ein zweistöckiger Anbau aus den 2000ern mit vier Klassenräumen und Einzelarbeitsräumen an. Der nördliche, zweigeschossige Gebäudeteil beinhaltet das Foyer (Eingangshalle) sowie die Verwaltungsräume (Büros, Sekretariat, LMF-Bücherei und Hausmeisterloge mit Fundbüro) und die Schulleitung im Verwaltungstrakt im Erdgeschoss sowie das Lehrerzimmer, die Räume der Schülervertretung und einen Mehrzweckraum im ersten Stock.

An das Foyer schließt nordwestlich der einstöckige Gebäudeteil für die Naturwissenschaften an, der in einen Chemie/Physik-Trakt (mit je drei Chemie- und Physikräumen) und einen Biologie-Trakt (mit vier Biologieräumen) aufgeteilt ist. Dazwischen liegen die Physik-, Biologie- und Chemiesammlungen, ein Lehrer-Aufenthaltsraum und ein zusätzlicher naturwissenschaftlicher Fachraum. An den Chemie/Physik-Trakt schließt westlich ein Anbau aus den 2000er-Jahren mit vier kleineren Klassenräumen (ursprünglich für die Oberstufe) an. Unterhalb davon befindet sich die Werksgarage für den Hausmeister, die über einen auf dem Dach liegenden Verbindungstunnel mit dem nördlichen Gebäudeteil verbunden ist.

Räumlich getrennt vom Schulgebäude liegen das 2022 errichtete einstöckige temporäre Containergebäude mit vier Unterrichtsräumen und einem Verbindungsflur sowie die mittlerweile ungenutzte Hausmeisterwohnung mit Garten.

Sporthalle mini|Die Lahntalhalle (links) mit der Schulwiese und dem Schulhof (rechts), im Hintergrund das Schloss Biedenkopf

Zur Lahntalschule gehört die ebenfalls auf dem Gelände befindliche Sporthalle der Lahntalschule Biedenkopf, kurz Lahntalhalle (auch Lahntalsporthalle oder Großsporthalle Biedenkopf). Die Mehrzweckhalle wurde 1991 erbaut und dient im Alltagsbetrieb als Sporthalle für die Lahntalschule und die benachbarten Beruflichen Schulen Biedenkopf sowie als Trainings- und Wettkampfstätte für die KTV Obere Lahn. Daneben finden diverse kleinere und größere Veranstaltungen in der Halle statt.

Gebäude und Gelände Die Lahntalhalle befindet sich auf dem Schulgelände der Lahntalschule und ist eine von vier Großsporthallen im Eigentum des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Sie besteht aus einer größeren Haupthalle, durch Trennvorhänge unterteilbar in drei Hallendrittel mit 1100 optional ausklappbaren Tribünenplätzen und einer weiteren Halle, der 409 Quadratmeter großen Kunstturnhalle, in der die Kunstturnvereinigung Obere Lahn e. V. seit 1996 für ihr Training dauerhaft Sportgeräte zum Kunstturnen installiert hat. Auslöser der Gründung des Vereins als Zusammenschluss von Kunstturnvereinen in der Region 1992 war der Bau der ebendieser Sporthalle im Vorjahr und die daraus resultierende Möglichkeit, einen Teil dieser Sporthalle intensiv für die Sportart nutzen zu können.

Außerdem befinden sich im Gebäude noch einige Verwaltungsräume sowie ein Kraftraum. Die Halle wurde im Laufe des Jahres 1991 erbaut, im Dezember desselben Jahres fertiggestellt und zu Beginn des Jahres 1992 eingeweiht.

Geplanter Anbau Durch die vielseitige Nutzung der Lahntalhalle durch die unterschiedlichsten Institutionen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen reichte der Platz in der Halle schon bald nach der Eröffnung nicht mehr aus. Bereits 2017 sprach man von Platzmangel in der Kunstturnhalle, damals waren der Bundestagsabgeordnete Stefan Heck und der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière in der Lahntalhalle zu Gast. Erste Pläne für einen Anbau wurden 2019 vorgestellt. Insgesamt ging der Kreis damals von Kosten in Höhe von 2 Millionen Euro aus.

Geplant ist, dass dieser eingeschossige Anbau sich auf der Seite zur Lahn direkt an die Fensterfront der heutigen Kunstturnhalle anschließt. Platz finden sollen in der neuen Geräteturnhalle Sportgeräte zum leistungs- und wettkampftauglichen Kunstturnen (Barren, Ringen, Pauschenpferd, Sprungtisch, Schaumstoffgruben und Anlaufbahn); die bisherige Kunstturnhalle soll dann flexibel für Bodenturnen (mit neuer Turnfläche), anderen Schul- und Vereinssport oder als Kletterhalle (durch Einbau einer Kletterwand) genutzt werden können. Die angebaute Hallenfläche sollte zunächst knapp über 500 Quadratmeter betragen; zusammen mit weiteren Flächen für Geräte- und andere Räume wäre der Anbau nach damaligem Planungsstand auf rund 730 Quadratmeter gekommen. Spätere Planungen gehen von einer Fläche von fast 900 Quadratmetern aus. Verbaut werden sollen neben Stützen und Sockel aus Stahlbeton und Holzbinder als Tragwerk eine vertikale Holzverkleidung für die Fassade.

Im Oktober 2019 übergab Staatssekretär Manuel Lösel (CDU) die Förderzusage des Landes Hessen über 1,2 Millionen Euro (später erhöht auf 1,7 Mio. Euro); der Landkreis Marburg-Biedenkopf steuert weitere 400.000 Euro bei. Etwa die gleiche Summe wird über ein Darlehen bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen finanziert.