Das Quäkertum ist Mitte des 17. Jahrhunderts in England entstanden. Wie in jeder sozialen Gruppe hat sich im Laufe der Zeit eine eigene Begrifflichkeit entwickelt. Verstärkt wurde das zum einen durch gesellschaftliche Isolation in Zeiten von Verfolgung und zum anderen aus geographischen Gründen, da Quäker in den USA teilweise weit verstreut abseits der Zivilisation lebten. Auch enge Lebensgemeinschaften und Gütergemeinschaften, wie sie beispielsweise in Friedensthal oder auf der Walfängerinsel Nantucket bestanden, trugen ihren Teil dazu bei. Das Quäkertum ist aber kein Geheimbund und ihre Sprache keine Geheimsprache.

Liste

A

Absentisten Höfliche Umschreibung für Mitglieder, die selten oder nie in Erscheinung treten. Abgeleitet von lateinisch absentia: Abwesenheit.Nachweislich benutzt wurde der Begriff während der Auseinandersetzungen in der Berliner Gruppe durch ein Schreiben vom 18. April 2008, von Horst Konopatzky In anderen christlichen Konfessionen spricht man beispielsweise von U-Boot-Christen.

acting under concern Siehe Concern

Älteste(r) (engl. Elders) Dieses Amt gibt es für jede Ebene (siehe: Jahresversammlung, Monatsversammlung, Viertel- bzw. Bezirksversammlung). Die Hauptaufgabe einer oder eines Ältesten ist die Seelsorge. Für dieses Amt werden in der Regel erfahrene und angesehene Mitglieder berufen.

Andacht oder auch stille Andacht (englisch: meeting for worship) wird der Gottesdienst bei Quäkern genannt. Findet meistens sonntags statt, andere Tage sind auch möglich. Die Andacht ist das Zentrum und tragendes Element des spirituellen Lebens. Besonderes Merkmal der Quäkerandacht ist, dass es keine Liturgie gibt.William Penn: Ohne Kreuz keine Krohne. Kapitel 5, ISBN 978-3-8391-2608-0. Oft hat ein Ältester oder eine Älteste die Leitung. Die Andacht wird entweder durch eine kurze Ansprache oder durch Hinstellen eingeleitet, um zu signalisieren, dass die Andacht begonnen hat. Ist Ruhe eingekehrt, setzt sich der Älteste wieder hin. Im Verlauf der Andacht können Teilnehmer zur Versammlung einen Beitrag sprechen. Formal gibt es kein festgelegtes Ende einer Andacht. Es ist Aufgabe des Ältesten wahrzunehmen, ob die Zeit gekommen ist, um die Versammlung zu beenden. Der Gottesdienst des evangelikalen Flügels des Quäkertums Evangelical Friends hat heute einen bestimmten (programmierten) Ablauf mit Gesang, Predigt und Gebet. Er ähnelt also äußerlich kaum noch der ursprünglichen Quäkerandacht.

Andachtskreis/Andachtsgruppe (engl. Worship Group) Bezeichnung für eine Gruppe, die keine administrativen Organe wie eine Monatsversammlung oder Ämter wie z. B. Älteste hat.

Anliegen Siehe Concern

Arbeitsausschuss Der Arbeitsausschuss ist zuständig für die Verwaltung und Beschlussorgan zwischen den Jahresversammlungen, bestehend aus dem Vorstand und den Schreibern der Bezirke und anderer Ausschüsse.

Arbeitsgruppen werden zu speziellen Themen in der Regel für eine gewisse Zeit gebildet.

Aufseher (engl. Overseer) stellte früher eine Art Sittenwächter dar. Heute (im deutschsprachigen Raum) nur noch Ordnungsfunktion bei großen Veranstaltungen. Im englischsprachigen Raum unternehmen die Aufseher zusammen mit den Ältesten seelsorgerische Aufgaben.

Ausschuss Arbeitsausschuss, Benennungsausschuss, Büroausschuss, Friedensausschuss, Hausausschuss, Literaturausschuss

area meeting Britain yearly meeting ist die gängige Bezeichnung für Bezirksversammlung. Früher auch quarterly meetings also Vierteljahrversammlung

Attender Siehe Freunde der Freunde

B

Beanite Friends Diese sind durch ein unfreiwilliges Schisma entstanden. Man kann sie als liberale Quäker bezeichnen. Sie haben eine unprogrammierte Andacht und keine Pastoren. Sie sind aber eher Christozentrisch und haben sich um das Jahr 1881 von den Iowa Conservative Yearly Meeting abgespaltet, als sich diese immer mehr dem evangelikalen Quäkertum zuwandten.Sie auch: Beanite in der engl. Wikipedia

(Rede-)Beitrag (englisch: Ministry) Die individuelle Wortmeldung eines Teilnehmers an einer Andacht. Diese Beiträge sollten inspiriert sein vom Inneren Licht. Die Prüfung obliegt dem individuellen Teilnehmer. Möglicherweise wird das Gesagte nach einiger Zeit der schweigenden Prüfung von einem weiteren Redner aufgegriffen. Oder es gibt verschiedenste Redebeiträge, die keinerlei inhaltliche Verbindungen haben. Die Redezeit wird nicht formal begrenzt. Von George Fox und Ludwig Seebohm zum Beispiel ist bekannt, dass sie zum Teil über eine Stunde redeten (nicht immer zum Wohlgefallen der Anwesenden). Das Sprechen/Predigen ist jedem gestattet, Männern, Frauen, Kindern und selbst Nichtquäkern. So ist bekannt, dass in Deutschland und Holland auch Mennoniten an Quäkerandachten teilnahmen und auch sprachen (dabei kam es gelegentlich zu so heftigen Tumulten, dass weltliche Ordnungskräfte eingriffen, weil sich Anwohner über Lärm beschwerten).Sünne Juterczenka: Über Gott und die Welt – Endzeitvisionen, Reformdebatten, und die europäische Quäkermission in der frühen Neuzeit. Vandenhoeck & Ruprecht, 2008, ISBN 978-3-525-35458-2, S. 188, (1)94.

Benennungsausschuss (engl. Nominations Committee) Da die Ämter nicht durch Wahlen besetzt werden, wird eine Gruppe von Mitgliedern beauftragt, der Versammlung Vorschläge für die Ämterbesetzung zu unterbreiten. Über die Besetzung des Ausschusses entscheidet eigentlich die Versammlung.

Beschluss (engl.: Minute). Eine Entscheidung in einer Geschäftsversammlung. Entscheidungen werden nicht durch Wahlen oder Abstimmungen entschieden, sondern es wird versucht, im Sinne der Sense of the Meeting zu einer einvernehmlichen Einigung zu kommen. Im Idealfall ist die Versammlung sich einig, wenn der Schreiber (engl. Clerk) einen Beschluss formuliert, vorliest und es keine weiteren Einwürfe oder Widerreden gibt. Würden Einwürfe von den Teilnehmern ausgesprochen, wird der Beschluss erneut vom Schreiber formuliert und vorgelesen. Diese Prozedur wird so oft wiederholt, bis entweder eine einmutig akzeptable Beschlussformulierung vorgelesen wird und durch Schweigen angenommen und ins Protokoll geschrieben wird, oder bis die Entscheidung vertagt wird.

Bezirksversammlung englisch Area Meeting oder früher öfter Quarterly Meeting genannt. Eine Bezirksversammlung vereinigt einige Monatsversammlungen zu einer organisatorisch-informellen Einheit, um die Monatsversammlungen untereinander zu versammeln. Im deutschen Quäkertum wird die Mitgliederversammlung auf Ebene der Bezirks- bzw. Vierteljahresversammlung abgewickelt, da in Deutschland viele Mitglieder keine eigene Monatsversammlung haben, zu der sie gehen können (oder wollen). Formal sind in Deutschland die Mitglieder des Vereins, Mitglieder der Jahresversammlung. Dort werden auch die Mitgliederlisten geführt. In anderen Ländern, ist die Monatsversammlung das eigentliche Zentrum des gemeinschaftlichen Lebens. Es gibt Länder, die auf den Luxus einer Jahresversammlung verzichten.Dazu zählt zum Beispiel das Moscow Monthly Meeting (MM), das Ramallah MM, Brummana MM, Barcelona MM, Hong Kong MM, Seoul MM und das Kinshasa MM. Siehe: Pink Dandelion: An Introduction to Quäkerism. ISBN 0-521-60088-X, S. 177.

mini|Samuel Gurney (1786–1856), links im Bild

Birthright Membership Das frühe Quäkertum verstand sich als Gemeinschaft der Gläubigen und ihre Mitglieder waren ausschließlich Konvertiten. Schon eine Generation später, mit den ersten in die Gemeinschaft hineingeborenen, entstand so etwas wie geborene Quäker und man begann von Birthright Friends zu sprechen. Nicht in allen Zweigen und Zeiten des Quäkertums wurde das akzeptiert. Im Laufe der Zeit entstanden aber Quäker-Dynastien wie bei der Quäker-Familien den Gurneys (Eigentümer der gleichnamigen Bank), die sehr viel Gewicht hatte. Das Gegenstück dazu ist quasi das Member by Convincement (engl. conversion = Konvertieren) bzw. Quäker by Convincement, also die Mitgliedschaft durch das Bekenntnis zu Quäkerüberzeugungen mit einem bewussten und überzeugten Übertritt.

Birthright Friends Birthright Membership

Birthright Quäker Birthright Membership

Book of Cases Ein Buch, in dem Quäker die an ihnen in der Verfolgungszeit verübt Gräueltaten, dokumentiert haben (siehe Artikel Meeting for Sufferings). Vergleichbar mit dem Märtyrerspiegel der Mennoniten.

Book of Discipline Zu Deutsch Ordnung des Zusammenlebens

Britain Yearly Meeting die Britische Jahresversammlung der Gesellschaft der Freunde.

Büroausschuss Ausschuss der Deutschen Jahresversammlung, der zuständig ist für die Immobilie in Berlin.

by convincement (Mitgliedschaft) Quaker by Convincement

BYM Abkürzung für Britain Yearly Meeting

C

Christ-centered theologically Christozentrische Quäker.

Christozentrische Quäker/Theologie Dieser Oberbegriff ist nicht genau definiert und bezeichnet nur vage eine Tendenz, die Rolle und Bedeutung der Person Jesu zu betonen. Unter Evangelical Friends spielt der Begriff keine Rolle, da selbige die Rolle Jesu Christi ohnehin sehr betonen. Er wird im liberalen Quäkertum benutzt, um sich innerhalb des Quäkerzweigs von universalistischen Strömungen (Quaker Universalist Fellowship) zu distanzieren oder auch von den Nontheist Friends. Inhaltlich gibt es Überschneidungen zu dem New Foundation Fellowship, da die frühen Freunde klar in der christlichen Tradition standen.

Clearness (Committees) Ein Vorgehen bei schwierigen Problemen, Fragen und Krisen. Es soll dabei gemeinsam in der Gruppe nach dem Willen Gottes gesucht werden. Eine geplante Vermählung kann zum Beispiel ein solcher Anlass sein.

Clerk Im Deutschen: Schreiber. In Ermangelung eines Klerus (Pastor, Priester oder Pfarrer) gibt es eine Person in der Versammlung, die Protokoll führt. Selbige Person hat keinerlei Autorität. Es ist lediglich ihre Aufgabe, Beschlüsse und Feststellungen schriftlich festzuhalten. Hierzu muss sie in einer dienenden Grundhaltung versuchen, zu erfassen, worin die Versammlung sich einig ist. Dazu werden vom Schreiber der Versammlung Formulierungsvorschläge gemacht. Gibt es keine weiteren Wortmeldungen, signalisiert die Versammlung durch Schweigen ihre Zustimmung und der Schreiber kann den Beschluss niederschreiben. Bei Wortmeldungen obliegt es dem Schreiber (und seinem Gefühl), wem und in welcher Reihenfolge er zum Sprechen aufruft. Den Wunsch zum Sprechen signalisieren die Anwesenden dadurch, dass sie aufstehen und warten.

Concern Im Deutschen wird das Wort Anliegen verwendet. In anderen Konfessionen würde man vielleicht Berufung sagen. Ein zentrales Konzept des Quäkertums, das davon ausgeht, dass Menschen – oder auch Gruppen – von Gott für bestimmte Aufgaben berufen werden. Wenn sich ein Mitglied zu einer Aufgabe berufen fühlt, wendet es sich mit seinem Anliegen an seine Gruppe (Monatsversammlung), die das Anliegen prüft und die versucht, Gottes Willen zu erkennen. Wenn das Anliegen von der Gruppe als Willen Gottes erkannt werden konnte, wird das Anliegen unterstützt. Das bedeutet, dass die Monatsversammlung das Anliegen zu ihrem eigenen Anliegen gemacht hat. Je nachdem, worum es sich handelt, wird ein Mitglied der Monatsversammlung (oder eine Gruppe von Mitgliedern) ernannt, die das Anliegen in der nächsthöheren Organisationseinheit vertritt. So wird das Anliegen von einer Monatsversammlung zum Beispiel in eine Bezirksversammlung getragen. Dort wird das Anliegen erneut geprüft. Auf diese Weise wird das Anliegen einer immer größeren Gruppe bekanntgemacht (und geprüft). Durch die Unterstützung eines Anliegens (acting under concern) wurden viele bekannte Organisationen gegründet. So zum Beispiel das American Friends Service Committee, Don't Make a Wave Committee (eine Vorläuferorganisation von Greenpeace), Oxfam und Amnesty International.