Die Kahl ist ein Fluss im Landkreis Aschaffenburg in Bayern und im Main-Kinzig-Kreis in Hessen. Sie fließt von Ost nach West durch den nördlichen Spessart und mündet bei Kahl am Main als rechter Nebenfluss in den Main. Die Quelle der Kahl liegt in der Nähe des Ortes Bamberger Mühle. Der Fluss gab dem Kahlgrund seinen Namen.

Daten Die gut 32 Kilometer lange Kahl ist ein Mittelgebirgsfluss zweiter Ordnung. Sie mündet 188 Höhenmeter unterhalb ihrer Quelle und hat ein mittleres Sohlgefälle von 5,8 Promille. Das Einzugsgebiet der Kahl ist 198,35 Quadratkilometer groß. Der errechnete mittlere Abfluss an der Kahlmündung beträgt 2,01 Kubikmeter pro Sekunde. Die Kahl berührt das Gebiet von 9 KommunenDie Kahl fließt durch die Gemeindegebiete: Kleinkahl, Schöllkrippen, Sommerkahl, Blankenbach, Mömbris, Krombach, Alzenau, Kahl am Main und Großkrotzenburg. und dabei 21 Gemarkungen.Die Kahl verläuft auf den Gemarkungen: Wiesener Forst, Edelbach, Großkahl, Kleinkahl, Großlaudenbach, Kleinlaudenbach, Schöllkrippen, Sommerkahl, Großblankenbach, Kleinblankenbach, Königshofen an der Kahl, Schimborn, Krombach, Mömbris, Mensengesäß, Niedersteinbach, Michelbach, Kälberau, Alzenau, Kahl am Main und Großkrotzenburg.

Name links|100px Der Name Kahl stammt vom althochdeutschen Wort kaldaha und dem mittelhochdeutschen kalde, was kalt, kühl, klar bedeutet.Stein und Wasser im Landkreis Aschaffenburg Die Bedeutung des Grundwortes ging auch auf die Zuflüsse Kleine Kahl, Westernkahl, Sommerkahl (Speckkahl) und Feldkahl über. Die Kahl gab den Orten Kahl am Main, Kahlmühle, Groß- und Kleinkahl sowie Kälberau und Kaltenberg (beide von mhd. kalde) ihre Namen. Indirekt benannt hat die Kahl die Dörfer Sommerkahl und Feldkahl.

Geographie Kahlquellen

mini|links|Rechte Kahlquelle Die Kahlquellen liegen im Wald im gemeindefreien Gebiet Wiesener Forst auf etwa oberhalb des Ortes Bamberger Mühle, der heute zum Gemeindegebiet von Kleinkahl gehört. Aus zwei kreisrunden Quellfassungen links und rechts der Staatsstraße 2305 strömt das Wasser der Kahl mit einer durchschnittlichen Schüttung von 50 bis 60 Liter pro Sekunde. Schon nach etwa 30 Metern vereinigen sich beide Quellbäche. Von der Kahlquelle bis zur Mündung begleitet den Fluss der Kahltal-Spessart-Radwanderweg.

Flussverlauf Oberlauf mini|links|Die Kahl direkt unterhalb der Kahlquelle Nach dem Zusammenfluss ihrer beiden Quellbäche verlässt die junge Kahl den Wald, erreicht das Gemeindegebiet von Kleinkahl und fließt teils verrohrt durch den Weiler Bamberger Mühle. Sie wird dort von weiteren Quellen, welche die Forellenzuchtweiher speisen, verstärkt. Sie betrieb im Ort bis 1950 die Kahlmühle. Etwa 300 m unterhalb der Kahlquellen fließt ihr der erste Zufluss, der ungefähr 600 m lange, jedoch kleinere Büchelbach zu. Danach unterquert sie den Kahltal-Spessart-Radwanderweg.

mini|links|Die Kahl im oberen Kahlgrund Die Kahl passiert dann die Marienkapelle an der Kahlquelle und fließt in südwestlicher Richtung in zahlreichen Schleifen an einigen Fischweihern vorbei. Rechts verläuft die Staatsstraße 2305, dahinter liegen die Berge Kapuzinerspitze (421 m), Lindenberg (465 m) und Habersberg (428 m). Die Kahl nimmt den Lindenbach und den Habersbach auf, passiert die Glashütte sowie den Wesemichshof. Danach wird ein kleiner Teil ihres Wassers in eine Kneipp-Anlage geleitet. Sie erreicht das Siedlungsgebiet von Groß- und Kleinkahl, wo ihr die Kleine Kahl von Südosten her zu mündet. Über Groß- und Kleinlaudenbach gelangt die Kahl auf das Gemeindegebiet des Marktes Schöllkrippen.

In der Ortsmitte, in der Nähe des Bahnhofes, fließt der früher Westernkahl genannte und aus dem Westerngrund kommende Westerbach unter der Brücke der Staatsstraße 2306 in die Kahl. Beide Bäche sind etwa gleich lang, jedoch ist das Einzugsgebiet der Kahl an dieser Stelle größer. Ab Schöllkrippen wird sie von der Strecke der Kahlgrundbahn begleitet. Das Flussbett der Kahl ist von dort ab teilweise begradigt und mit Uferbausteinen versehen.

Mittellauf mini|links|Die Kahl bei Langenborn Nach Schöllkrippen wird die Kahl erneut vom Kahltal-Spessart-Radwanderweg überquert, fließt durch den Ortsteil Langenborn und trifft auf einen ihrer größten Zuflüsse, die am Engländer entspringende Sommerkahl, die in ihrem Oberlauf den Namen Speckkahl trägt. Danach erreicht sie die Gemarkung von Blankenbach. Dort mündet der Krombach von rechts. Bei Erlenbach ändert die Kahl ihre Richtung nach Westen und überquert die Grenze zur Marktgemeinde Mömbris.

An der Flederichsmühle bei Königshofen teilt sich der Fluss für etwa einen Kilometer auf. Der rechte Arm, der durch das Dorf fließende Mühlbach, wurde zum Betreiben der Geisenhof-Mühle angelegt. Der linke Teil verläuft am Waldrand entlang. Im Ort, etwas oberhalb der Kaltenberger Mühle, vereinigen sich beide Flussarme wieder. Ihren Scheitelpunkt erreicht die Kahl hinter dem Ort Kaltenberg, bevor das Kahltal am Glasberg (334 m) nach Nordwesten abknickt. In Schimborn teilt sich der Fluss für etwa 350 m erneut. In den linken Lauf münden die Feldkahl und der Weibersbach. Hinter dem Dorf bildet die Kahl die Grenze zur Gemeinde Krombach, wo sie vom Reichenbach verstärkt wird. Die Kahl fließt weiter durch den Hauptort Mömbris. Dort unterquert sie die Staatsstraße 2305 und diente früher der mittlerweile versetzten Ölmühle als Antrieb. Das Wasserrad dieser denkmalgeschützten Mühle wird heute durch einen kleinen Seitenarm der Kahl zu Schauzwecken betrieben.

mini|Die Kahl am Waldrand bei den Dörsthöfen Bei Strötzbach teilt sich der Fluss ein weiteres Mal. Beide Kahlarme werden durch Streichwehre gestaut und der Mühlbach zu den heute noch vorhandenen Wasserrädern der Strötzbacher Mühle geleitet. Vorbei an Niedersteinbach erreicht der Fluss den Ortsteil Brücken. Dort trifft der Hemsbach auf die Kahl. Er entspringt am Fuße des Hahnenkamms, der mit die höchste Erhebung im Vorspessart ist. Hinter Brücken war die Kahl, bis zu einem Flächentausch im Jahr 2011, für etwa 300 m die Landesgrenze zwischen Bayern und Hessen. An diesem ehemals hessischen Ufer mündet der durch den Teufelsgrund fließende Geiselbach ein und die Kahl überquert an der Kläranlage die Grenze zur Stadt Alzenau. In diesem Bereich wurde geplant, beim Staatsstraßenausbau das Flussbett der Kahl zu verlegen.Staatliches Bauamt Aschaffenburg: St 2305, Ausbau Michelbach (Herrnmühle) - Niedersteinbach

Im weiteren Verlauf wird das Kahltal enger und trennt dort die Höhenzüge von Hahnenkamm und Sölzert. An den Dörsthöfen fließt die Kahl unterhalb des Giftigen Berges (314 m) am Waldrand. Die Bahnlinie führt dort direkt am rechten Ufer entlang. Ab Michelbach verlässt der Fluss das enge Tal des Kahlgrundes, knickt nach Südwesten ab und zieht durch flacheres Land.

Unterlauf mini|links|Die Kahl an der Burg Alzenau Die Kahl fließt über Kälberau ins Gebiet der Kernstadt von Alzenau. Dort wird sie an der Burg Alzenau vom am Hahnenkamm entspringenden Krebsbach von links verstärkt. An seiner Mündung betrieb die Kahl früher die Christmühle. In der Innenstadt, in der Nähe des Rathauses, zweigt der Mühlbach ab, der am Gebäude der früheren Hasenmühle vorbeifließt. Der aus Wasserlos herabkommende Neuwiesenbach und der am Waldschwimmbad entspringende Sälzerbach münden am Generationenpark als die letzten beiden Zuflüsse in die Kahl. Am Mühlweg befand sich früher die von der Kahl gespeiste Papiermühle, aus der die nicht mehr bestehende Cellulosefabrik hervorging. An dieser Stelle liegt heute die Pegelmessstation Alzenau. mini|Die mittlerweile renaturierte Kahl im Prischoß Hinter Alzenau war die Kahl bis zur A 45 stark begradigt. Dieser Abschnitt wurde im Jahr 2014 im Rahmen der Kleinen Landesgartenschau 2015 im Bereich des Energieparks renaturiert. Dabei wurden mehrere Flussinseln und Mäander geschaffen. Dort mündete bis in die 1980er Jahre der aus dem Wohngebiet Elze kommende Elzegraben in die Kahl.Mündung des Elzegrabens im BayernAtlas Im östlichen Prischoß wird der Fluss ab der Kläranlage durch einen Damm vom tiefer liegenden Meerhofsee getrennt. Am 11. August 1981 brach er wegen eines schweren Hochwassers und das Wasser der Kahl floss in den See; siehe auch Hochwasser der Kahl. Die Kahl unterquert die A 45 und durchfließt eine Auenlandschaft mit Weiden und Pappeln. Sie erreicht die Gemeindegrenze nach Kahl am Main.

Am Ortsrand speiste sie früher die Sandmühle, wo die erste automatische Filzmaschine der Welt entwickelt wurde. Im Ort betrieb die Kahl fünf weitere Mühlen. Heute führen die Trasse der Main-Spessart-Bahn und die ehemalige Bundesstraße 8 (jetzt Staatsstraße 3308) über den Fluss. Hinter dem Siedlungsgebiet von Kahl am Main reicht an der Naßmühle die hessische Grenze bis an die Kahl. Nicht weit vom stillgelegten und bis Ende 2008 zurückgebauten Versuchsatomkraftwerk entfernt mündet sie in den Main.

Kahlmündung mini|links|Die vereiste Kahl (links) mündet in den Main An der Mündung der Kahl befindet sich ein Campingplatz, die Kläranlage sowie die Wetterstation Kahl am Main des Deutschen Wetterdienstes.

Dort wurde der Lauf der Kahl zwischen 1900 und 1930 mehrmals verändert, um im anliegenden Gebiet Braunkohle abzubauen. Das ursprüngliche, in seinem natürlichen Zustand weiter nördlich verlaufende Flussbett hatte einige Windungen und mit seinem reichhaltigen Pappeln-, Erlen- und Eschenbewuchs einen wildromantischen Charakter. Die Kahl bildete dort die bayerisch/preußische (heute hessische) Landesgrenze.

Sie wurde etwa 160 m nach Süden verlegt und umfloss dann in einem großen Bogen den Tagebau Emma-Süd, der heute vom Hornsee eingenommen wird. Das neue Flussbett wurde am Böschungsfuß mit Steinpflasterungen versehen und die unmittelbare Einmündung in den Main bekam eine flussabwärts gerichtete Krümmung, um Querströmungen der einfließenden Kahl innerhalb des Mains zu vermeiden. Die auch flussaufwärts betriebene Kahlregulierung führte dazu, dass mehr und mehr Mühlen den Betrieb einstellten. An der ursprünglichen Kahlmündung liegt heute der mit tiefste Punkt Bayerns.Archäologisches Spessart-Project e. V.

An der Kahlmündung beginnen der Degen-Weg und der Kahltal-Spessart-Radwanderweg. Dort wird die Kahl vom Main-Radweg überquert.

Einzugsgebiet mini|links|Einzugsgebiet der Kahl Das 198,35 km² große Einzugsgebiet der Kahl liegt im nordwestlichen Gebirgsteil des Spessarts und wird durch sie über den Main und den Rhein zur Nordsee entwässert. Es ist fast deckungsgleich mit der Landschaft Kahlgrund und dem ehemaligen Landkreis Alzenau. Das Einzugsgebiet reicht von den bewaldeten Gipfeln der Eselshöhe im Sandsteinspessart über den Höhenzug des Hahnenkamms bis zur flachen südlichen Bulau. Der Nördlichste Punkt des Einzugsgebietes ist der Gipfel des Franzosenkopfes, der südlichste liegt in Oberafferbach in der Nähe der Kettelerstraße. Im Osten reicht es bis zur Kreuzkapelle bei Wiesen. Der westlichste Punkt ist die Kahlmündung. Die höchste Erhebung ist die Schindershöh mit im Osten des Einzugsgebiets.

Das Einzugsgebiet der Kahl berühren die Kommunen Alzenau, Biebergemünd, Blankenbach, Freigericht, Geiselbach, Großkrotzenburg, Heinrichsthal, Hösbach, Johannesberg, Kahl am Main, Krombach, Kleinkahl, Linsengericht, Mömbris, Sailauf, Schöllkrippen, Sommerkahl, Westerngrund und Wiesen. Außerdem die gemeindefreien Gebiete Heinrichsthaler Forst, Sailaufer Forst, Schöllkrippener Forst, und Wiesener Forst.

Es grenzt im Nordosten an das Einzugsgebiet der Bieber im Osten an das der Lohr im Süden an das der Aschaff im Südwesten an das des Forchbaches und im Norden an das der Kinzig.

Zuflüsse Die größten Zuflüsse der Kahl sind (flussabwärts): Westerbach, Sommerkahl, Reichenbach und Geiselbach mini|Mündung der Sommerkahl mini|Mündung des Krombaches mini|Mündung des Geiselbaches Linke ZuflüsseRechte Zuflüsse Oberer Kahlgrund Büchelbach (Bamberger Mühle) Edelbach (Kleinkahl) Kleine Kahl (Kleinkahl) Laudenbach (Kleinlaudenbach) Höllenbach (Schöllkrippen) Lindenbach (Glashütte) Habersbach (Wesemichshof)