Die Geschichte der Steiermark deckt sich in vielen Epochen mit der österreichischen Geschichte. Dieser Artikel ist ein Überblick über die regionsspezifischen Eigenheiten der historischen Entwicklung bis zum heutigen Bundesland Steiermark. mini|Wappen der Steiermark

Urgeschichte Die spärlichen ältesten Spuren der Anwesenheit von Menschen im Gebiet der heutigen Steiermark stammen aus dem Mittelpaläolithikum, der Zeit der Neandertaler. Im Wesentlichen handelt es sich um Funde von Stein- und Knochenwerkzeugen im Grazer Bergland in der Repolusthöhle, der Badlhöhle bei Peggau und der Drachenhöhle bei Mixnitz. Spuren jungsteinzeitlicher Siedlungen wurden unter anderem am Pölshals und am Buchkogel bei Wildon nachgewiesen.

In der Bronze- und Urnenfelderzeit entwickelte sich in Mitteleuropa ein bedeutender Kulturkomplex, der in der Steiermark mit Funden in Wörschach, Königsberg bei Tieschen, Bärnbach, Ringkogel bei Hartberg, Kulm bei Trofaiach und Kulm bei Weiz bezeugt ist.

Die wichtigsten Funde aus der Hallstattzeit sind das Fürstengrab auf dem Burgstallkogel in Kleinklein bei Leibnitz und der Kultwagen von Strettweg.

Die Zuwanderung der Kelten in das Gebiet der heutigen Steiermark, die für die Zeit von 450 bis 250 vor Christus angenommen wird, ist maßgeblich für die Kultur der La-Tène-Zeit. Aus dem 5. und 4. Jahrhundert gibt es nur wenig Einzelfunde der La-Tène-Kultur. Der Schwerpunkt der mittellatènezeitlichen Grabfunde in der Steiermark liegt im 3. Jahrhundert. Der archäologische Befund spricht für eine keltische Bevölkerungsbewegung muraufwärts. Der größte Teil des heute steirischen Gebietes wurde Teil des Königreichs Noricum, dessen Verwaltungszentrum im Klagenfurter Becken lag.

Römische Zeit und Völkerwanderung mini|Römische Provinzen auf dem Gebiet Österreichs Im Jahre 15 v. Chr. wurde das Königreich Noricum Teil des Römischen Reiches. Die Umwandlung in eine römische Provinz mit der Hauptstadt Virunum auf dem Zollfeld erfolgte unter Kaiser Claudius. Unter der Herrschaft der Römer, während der die Kelten, darunter als Hauptstamm die Noriker, weiterhin das Land bewohnten, gehörte der östliche Teil der heutigen Steiermark zu Pannonien, der westliche zu Noricum. mini|Flavia Solva – römische Fußbodenheizung Um 70 n. Chr. erhielt die Stadt Flavia Solva, die in der Umgebung der heutigen Stadt Leibnitz liegt, das Stadtrecht verliehen. Der Einflussbereich dieser Stadt reichte bis in die heutige Obersteiermark. Im 1. Jahrhundert n. Chr. erfolgte die allmähliche Romanisierung der norischen Bevölkerung. Um 170 brachen die Markomannen und Quaden in die Provinz Noricum ein und zerstörten die Stadt Flavia Solva zum ersten Mal, die in den Folgejahren aber wieder aufgebaut wurde. Bei der Verwaltungsreform des Römischen Reiches durch Kaiser Diokletian wurde im Jahre 293 die Provinz Noricum geteilt. Der größte Teil der heutigen Steiermark gehörte zu Binnennoricum (Noricum Mediterraneum), das im Norden bis zum Alpenhauptkamm reichte. Das Ennstal und die umgebenden Gebiete gehörten zu Ufernoricum (Noricum ripense). Ende des 4. Jahrhunderts wurde Flavia Solva im Laufe der Germanendurchzüge ein zweites Mal vollkommen zerstört und nicht mehr wieder aufgebaut.

Ausschließlich durch einen bronzenen Ring mit Christogramm lässt sich die Anwesenheit von Christen in Flavia Solva belegen, ein Artefakt, das zugleich lange den einzigen Beleg für Frühchristen in der Steiermark darstellte. Doch kamen in den letzten Jahren archäologische Belege, wie der einer frühchristlichen Kirche auf dem Frauenberg bei Leibnitz hinzu, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der einer solchen Kirche auf dem Kugelstein bei Frohnleiten.Christoph Gutjahr: Archäologische Quellen der Steiermark aus der Karolinger- und Ottonenzeit, in: Reinhard Härtel, Bernhard Hebert, Manfred Lehner, Gernot Peter Obersteiner (Hrsg.): Markgraf Leopold, Stift Rein und die Steiermark. Archäologisch-historische Aspekte. Beiträge einer interdisziplinären Tagung der Historischen Landeskommission für Steiermark in Stift Rein am 24. und 25. Oktober 2012, Graz 2015, S. 75–118, hier: S. 76.

Während der Völkerwanderung durchzogen oder besetzten Westgoten, Hunnen, Ostgoten, Rugier und Langobarden nacheinander das Land. Über das Schicksal der römisch-norischen Bevölkerung ist nichts überliefert. Ob ein Teil der römisch-norischen Bevölkerung das Land in Richtung Süden bzw. Westen verlassen hat und ob ein Teil der Bevölkerung zurückgezogen in Seitentälern vorerst überlebt hat, ist umstritten und ein Thema von Spekulationen. Die kulturellen und wirtschaftlichen Zentren der Römer verfielen jedenfalls.

Karantanien Fürstentum Karantanien Ab 595 rückten die Vorfahren der Slowenen vermutlich über die Täler der Save, der Drau und der Sann in Binnennoricum ein, besiedelten das Gebiet, zum Teil auch über Binnennoricum hinaus, und gründeten das Fürstentum Karantanien. Um 740 wandte sich Borouth, Herzog von Karantanien, an Herzog Odilo von Bayern um Hilfe gegen die Awaren. Diese wurde auch gewährt, allerdings gegen Anerkennung der bayerischen bzw. fränkischen Oberhoheit.

Aus vielen heute noch bestehenden Toponymen slawischer Herkunft (die allerdings nicht immer sofort als solche erkennbar sind) in den südöstlichen Bereichen von Österreich kann man die Ausdehnung der slawischen Besiedlung unschwer nachvollziehen.Brigitta Mader: Die Alpenslawen in der Steiermark. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1986, Vorwort, ISBN 3-7001-0769-2, S. 9

Die Entstehung des polyethnischen Fürstentums der Karantanen stellt die älteste frühmittelalterliche Stammesbildung dar, die sich im Ostalpenraum aus Zuwanderern und Einheimischen vollzog. Die Karantanen waren ein eindeutig slawisch bestimmtes Volk, das allerdings einen nichtslawischen Namen trug.

Als ein Teil von Karantanien kamen auch die später zur Steiermark gehörenden Gebiete ab der Mitte des 8. Jahrhunderts zuerst unter bayerische und ab 788 unter karolingisch-fränkische Herrschaft.Herwig Wolfram (Hrsg.): Die Geburt Mitteleuropas. Kremayr und Scheriau, Wien 1987, ISBN 3-218-00451-9, S. 345.

Karantanische Mark mini|Awarenmark und Karantanien Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurden die slawischen Fürsten Karantaniens durch fränkische Grenzgrafen bayerischer Abstammung ersetzt und damit das Land in die Markenorganisation des Frankenreiches eingegliedert.

Nach dem Sieg Karls des Großen über die Awaren am Ende des 8. Jahrhunderts wurde das Frankenreich tief in den pannonischen Raum, bis über den Plattensee hinaus, erweitert und eine karantanische und eine pannonische Provinz eingerichtet. Zur letztgenannten gehörte die Oststeiermark.

Durch den Einbruch der im 9. Jahrhundert neu in Mitteleuropa aufgetauchten Magyaren gingen vorerst alle Gebiete des ehemaligen Pannonien, also die Gebiete östlich des steirischen Randgebirges, verloren. Durch den Sieg Ottos des Großen in der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955 konnten die Vorstöße der Ungarn eingedämmt werden.

Die Grenzen Bayerns, als Teil des von den Ottonen gegründeten Heiligen Römischen Reiches, wurden nach Osten vorgeschoben und als Grenzgrafschaften wurden Marken errichtet, darunter die Karantanische Mark zwischen der Koralpe und der Mur und an diese im Süden anschließend die Mark an der Drau und die Mark an der Sann.

Herzogtum Kärnten (976–1180) Im Jahre 976 wurde Karantanien von Kaiser Otto II. zusammen mit den Marken Friaul, Istrien, Krain und der Karantanischen Mark sowie dem Markengebiet an Drau und Sann vom bayerischen Herzogtum getrennt und zum Herzogtum Kärnten erhoben.

Unter König Heinrich III. wurden die Grenzen der Karantanischen Mark gegen Ungarn im Jahr 1043 dauerhaft bis zur Lafnitz vorgeschoben und die Oststeiermark in die Mark eingegliedert.

Grundherrschaft Schon mit Beginn der fränkischen Oberherrschaft in Karantanien wurde die im Frankenreich übliche Grundherrschaft in den Ostalpenländern eingeführt, wo sie die entscheidende Organisationsform für die weitere Besiedlung dieser Gebiete darstellen sollte.

Deutsche Besiedelung Der gesamte Grund und Boden war an den Frankenkönig und in der Folge an seine Nachfolger gekommen, die nun reichlich Königsgut an die Kirche und ihre Getreuen vergaben, womit die deutsche Besiedlung der Ostalpenländer eingeleitet wurde. Die Grundherren holten zum Zwecke der besseren Nutzung ihrer ausgedehnten und dünn besiedelten Ländereien deutsche Siedler herbei, die zum größten Teil aus den altbayerischen Gebieten kamen. Zu einer stärkeren Zuwanderung deutscher Siedler in das Gebiet der heutigen Steiermark kam es aber erst nach der Schlacht am Lechfeld, also nach 955.

Vom 10. Jahrhundert an siedelten in Karantanien Deutsche und Slawen nebeneinander, ohne dass eine strenge Sprachgrenze sie trennte. In den Marken an der Drau und der Sann war die slawische Besiedlung dichter als in den nördlicheren Bereichen, wodurch auch, abgesehen von einigen Städten, weniger deutsche Siedler zuwanderten.

Ausbreitung des Christentums Das Christentum breitete sich, von Salzburg ausgehend, allmählich in den karantanischen Gebieten aus. Salzburg war zum Metropolitansitz erhoben worden und betrieb die Christianisierung der Karantanen.

Traungauer Markgrafen Im Jahr 1056 wurde die Karantanische Mark Otakar von Steyr, als erstem Markgrafen aus dem Geschlecht der Traungauer, einem Verwandten des lambachschen Geschlechts, verliehen. Die Hauptburg der Traungauer war Steyr. So wurde nach und nach der Name Steiermark statt Karantanermark üblich. Als 1122 die Herzöge von Kärnten, die Eppensteiner, ausstarben, fielen große Gebiete von deren Allodialbesitz, der vor allem in der Obersteiermark lag, an die mit ihnen versippten Traungauer und diese konnten ihre Macht damit festigen. Unter Markgraf Otakar III., der um 1139/40 die Markverwaltung übernahm, begann die Entstehung des Landesfürstentums.

Die hoch- und edelfreien Geschlechter des Landes, die die wichtigsten und fruchtbarsten Landstriche besaßen, stellten das größte Hindernis bei der Durchsetzung der Landesherrschaft durch die Traungauer dar. Otakar III. gelang es durch Zwang, das Zentrum der Mark, den Grazer Boden, an sich zu bringen, wo Graz, die endgültige Hauptstadt des Landes, entstand. Außerdem erbte er große Besitzungen in der heute zu Slowenien gehörenden Untersteiermark, die bis zur Save reichten, und die Mark Pitten im heutigen Niederösterreich.

Kirchliche Verhältnisse In kirchlicher Hinsicht gehörte das Gebiet der Markgrafschaft Steiermark zum Erzbistum Salzburg, von wo die Impulse für den weiteren Ausbau der Kirchenstruktur ausgingen.

Es kam auch zur Gründung einer Reihe von Klöstern. Das Stift Göß wurde 1020 von der bayerischen Pfalzgrafenfamilie der Aribonen gegründet. 1074 gründete Erzbischof Gebhard von Salzburg das Kloster Admont. Vor 1076 folgte die Gründung des eppensteinischen Hausklosters St. Lambrecht. Weitere Klostergründungen folgten: 1129 das Zisterzienserstift Rein, 1140 das Stift Seckau, 1163 Vorau, 1164 Seiz (slowenisch: Žiče) bei Slovenske Konjice/Gonobitz in der Untersteiermark und 1164 Spital am Semmering.

Markgrafen der Steiermark aus der Familie der Otakare (Traungauer) Otakare: Otakar oder Ottokar I. (1056–1075) Adalbero, der Raue (1075–1082) Otakar II. (1082–1122) Leopold I., der Starke (1122–1129) Otakar III. (1129–1164) Otakar IV. (1163–1192), ab 1180 Herzog

Herzogtum Steiermark im Mittelalter (1180–1500) Babenberger mini|Wappen des Herzogtums Steiermark (Herzogtum Steyr) (steirischer Panther), aus Jörg Rugens Wappenbuch, Bayern um 1495/98 links|mini|Herzog Leopold V. – links kniend, erhält das rot-weiß-rote Banner von Kaiser Heinrich VI. (Ausschnitt aus dem Babenberger-Stammbaum, Stift Klosterneuburg)