mini|„Indigo“ gefärbte Samtnerzjacke (Düsseldorf, 2019) mini|Decke, umgestaltet aus einem Dark Nerz- und einem Pearl Nerzmantel (Kaiserslautern. 2024)

Als Nerzfell wird im Rauchwarenhandel heute das Fell des Nachkommen des Amerikanischen Minks gehandelt, die Nachkommen des europäischen Nerzes sind durch die Bundesartenschutzverordnung streng geschützt. Aus der Natur entnommene Tiere dürfen für den Handel nicht mehr eingeführt werden. In Deutschland gehandelte Wildnerzfelle kommen in der Regel weiterhin aus Nordamerika, obwohl der Mink, auch in Europa, insbesondere in Osteuropa, eingebürgert wurde.

Die früher Chinesischer und Japanischer Nerz genannten Felle werden seit 1967 richtiger als Chinesische und Japanische Wiesel gehandelt, beide und den ehemals auch Sibirischer Nerz genannten Kolinsky siehe unter → Kolinskyfell.

Allgemein Females nennt man in der Rauchwarenbranche die weiblichen Nerze, Males die männlichen (ehemals, verschwindend etwa zwischen 1950 und 2000, Fähen und Rüden). Die Felle sind kleiner, leichter und kurzhaariger als die etwa ein Drittel größeren Males.

In der Haltbarkeit (Tragfähigkeit) in Bezug auf Abriebfestigkeit und Lederstabilität wird der Nerz heute als das dankbarste Fellmaterial angesehen. Früher nahm man das Otterfell, insbesondere das des Seeotters, als haltbarste Pelzart an. Das in den guten Qualitäten ebenfalls sehr strapazierfähige Schaffell ist schwierig zu vergleichen und dabei nicht berücksichtigt.

Seit dem Zweiten Weltkrieg beherrscht das Nerzfell den internationalen Rauchwarenmarkt und „drückte diesem einen sehr bestimmten Stempel auf“.Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970, S. 256–271.

Bis etwa Ende des 20. Jahrhunderts war der Nerz der am meisten durch andere Fellarten imitierte Pelz. Diese waren unter Bezeichnungen wie Nerzbisam, Nerzmurmel, Nerzwiesel usw. im Handel.David G. Kaplan: The Fur book. The National Cleaner & Dyer, New York 1950, S. 244 (englisch)

Geschichte der Nerzmode mini|Das älteste bekannte Nerzfell, 5. Jahrhundert, Österreich

Für die Frühzeit der Menschheit ist über die Nutzung des Nerzes und seines Fells wenig bekannt; Knochenfunde, die einen Hinweis geben könnten, liegen nicht vor beziehungsweise wurden dem Nerz bisher nicht eindeutig zugeordnet.Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Band 22, 2. Auflage. Walter de Gruyter, 2003, ISBN 3-11-017351-4, S. 548. Zu den im 14. Jahrhundert von den deutschen Kaufleuten bis hin nach Smolensk gehandelten Pelzen gehörten auch die „Mynken“.Reinhold Stephan: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.-18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation. Universität Köln, 1940. Inhaltsverzeichnis. Primärquelle Johann Falke: Die Geschichte des deutschen Handels. Band I, Hannover 1859, S. 179; auch Theodor Hirsch: Danzigs Handels- und Gewerbsgeschichte. Leipzig 1858, S. 166, 260. Im Jahr 2002 wurde in Hallein (Land Salzburg) am Dürrnberg in einem Salzbergwerk ein rund abgezogenes Nerzfell aus dem 5. Jahrhundert vor Christus (Eisenzeit) gefunden. Für die Herkunft wurde „möglicherweise die Steppenzonen Eurasiens“ vermutet.Thomas Stöllner: Der prähistorische Salzbergbau am Dürrnberg bei Hallein II. VML-Verlag, 2002. Ausgestellt im Hallstatt Museum Zumindest seit dem Mittelalter wurde der Nerzpelz hauptsächlich für Pelzinnenfutter und Besätze verwendet.

mini|links|Aus dem Katalog der Firma Buchheim, Langensalza (1907)

Im Spätmittelalter und insbesondere in der Renaissance tauchten in der Mode erstmals in Tierform gearbeitete Pelzschals aus Fellen der Marderarten auf, die sogenannten Zibellini. Wahrscheinlich erst nach dem vorläufigen Ende dieser Mode, zudem vermutlich auch zu Unrecht, nannte man sie Flohpelze. Man unterstellte, die Trägerinnen hätten sie als Flohfallen verwendet. Die Mode, der heute Pelzkolliers genannten, naturalisierten Fellschals fand ihren Höhepunkt in der Zeit vor 1900 bis in die 1940er Jahre. Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie durchaus noch en vogue. Für einfellige Kolliers war die Bezeichnung Würger gebräuchlich.Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde. XXI. Band, Verlag Alexander Tuma, Wien 1951. Suchwort Würger Ob in der Renaissance bereits die marderartigen Nerze, neben Zobel, Baum- und Steinmarder, zu Zebellini verarbeitet wurden, ist anhand der alten Bilder nur schwer auszumachen. In der Neuzeit nahm der Nerz unter den bisher verwendeten Fellarten neben dem Fuchs jedoch eine führende Stellung unter den Pelzkolliers ein. Um 1900 zeigten die Bekleidungskataloge Europas und Amerikas Schals, Kolliers, Kragen und Muffe in ganz erheblicher Auswahl und in allen Fellarten.

Im Jahr 1682 wollten die Kürschner von Schwäbisch Gmünd dem Kürschnermeister Melchior Beringer aus Aalen nicht gestatten, auf dem Jahrmarkt neben sonstigem Pelzwerk auch „Nester“, Hauben aus Nerzfell, zu verkaufen. Nach Rückfragen bei Kollegen in den Städten Nürnberg, Nördlingen, Dinkelsbühl und Esslingen mussten sie einsehen, dass sich das Verhalten des Aalener Kürschners nicht verbieten ließ.Gotthilf Kleemann: Zur Geschichte des Kürschnerhandwerks in Württemberg. In: Geschichte des Kürschnerhandwerks in Württemberg. Kürschnerinnung der Handwerkskammerbezirke Stuttgart und Heilbronn a. N. (Hrsg.), Frühjahr 1967, S. 36–37.

mini|hochkant|Erstes Auslassen von Nerz auf Mantellänge, Weltausstellung in Paris (Firma Révillon Frêres, Paris 1900) mini|hochkant|Dark Nerzmantel (DDR, 1954) mini|hochkant|Nerzcape und Nerzkappe (Finnland, 1959)

Die Nutzung für Innenfutter, Kragen und Verbrämungen seit dem Mittelalter kann eigentlich nur vermutet werden, ausdrücklich erwähnt wird der Nerz für die Zeit nach 1830, eine wieder aufgekommene Epoche der Herreninnenpelze, und für 1858 für Verbrämungen an Plüsch- und Samtmänteln.R. Turner Wilcox: The Mode in Furs. Charles Scribner’s Sons, New York / London 1951, S. 121 (englisch) Aber bereits 1851 wurde erwähnt, dass nordamerikanische Nerzfelle in immenser Zahl verarbeitet wurden, hauptsächlich für Damenkleidung.J. A. N.: Leather, Saddlery and Harness, Skins, Fur, and Hair. In Great exhibition of the works of industry of all nations, 1851: official descriptive and illustrated catalogue. S. 530 (englisch). ETH-Bibliothek Zürich. Abgerufen am 22. März 2022. Die Dominanz der Nerzjacke und des Nerzmantels in der Pelzmode der letzten Jahrzehnte begann um 1870, nach der Erfindung der Pelznähmaschine. In der Sammlung des Victoria and Albert Museums befindet sich eine Nerzjacke, noch aus Wildnerzen, im Schnitt eines Dolmans, aus Mitte der 1880er Jahre, als es noch ungewöhnlich war, wenn der Pelz, außer als Verbrämung, mit dem Haar nach außen gearbeitet war. Ein Dolman, halb Jacke, halb Umhang, mit weiten Ärmeln, war ein beliebtes Kleidungsstück in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und der Schnitt dieses Nerzes ist typisch, hüftlang mit lang abfallenden Enden vorn und einem ausgeformten Rücken. Das außergewöhnliche Teil war in London, so heißt es, von Kürschnern des Pelzfell-Handelshauses Hudson’s Bay Company verkauft worden.Jonathan Faiers: Fur - A Sensitive History. Yale University Press, New Haven / London, 2020, ISBN 978-0-300-22720-8, S. 112.

Jetzt wurde es zu wirtschaftlichen Kosten auch möglich, durch Auslassen Nerzfelle zu schmalen Streifen zu verarbeiten. Auf der Pariser Weltausstellung zeigte Révillon Frêres 1900 die erste ausgelassene Nerz-Großkonfektion, darunter ein bodenlanger Mantel aus 164 kanadischen Nerzfellen und einem Otterfell (siehe Bild, „die photographische Reproduktion gibt leider nur ein unvollkommenes Bild dieses Meisterstücks“). Diese Teile waren jedoch noch ganz von Hand genäht, was allein für die Näherinnen bei diesem Mantel eine Arbeitszeit von 1400 Stunden bedingte.Paul Larisch, Josef Schmid: Das Kürschner-Handwerk. 1. Jahrgang Nr. 1 + 2, Oktober/November 1902, Selbstverlag, Paris, S. 4. Die durch Fußpedale angetriebenen Pelznähmaschinen erfassten in den Nähten anfangs noch so viel Fell, dass sie für das Nähen der schmalen Streifen nicht zu gebrauchen waren, sondern „nur zur Fertigung gröberer Arbeit, besonders zur Herstellung von Pelzfuttern“.Jean Heinrich Heiderich: Das Leipziger Kürschnergewerbe. Inaugural-Dissertation an der philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg, Heidelberg 1897, S. 101.

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts begannen die Indianer Nordamerikas mit der regelmäßigen Jagd auf den Mink, den amerikanischen Nerz, der heute, aus der Zucht kommend, weitgehend die hochwertige Pelzmode beherrscht. Im frühen 19. Jahrhundert kauften die Pelzhändler die Minks zwar auf, aber nur um es sich mit den Anlieferern nicht zu verderben, um die Felle dann als unerwünscht auszusondern. Ende der 1920er Jahre war der amerikanische Nerz zumindest in den USA die Hauptfellart der Modenschauen.R. Turner Wilcox: The Mode in Furs. Charles Scribner Son's, New York / London, 1951, S. 158 (englisch).

Der Gegensatz zum Auslassen ist die ganzfellige Verarbeitung und die halbfellige Verarbeitung, bei der die Felle weitgehend unverändert, in ihrer natürlichen Form verwendet werden. Die kostengünstige Querverarbeitung der Felle wurde in den 1920er Jahren entwickelt. Offenbar hatte sie sich zu der Zeit nicht wesentlich durchgesetzt, 1961 meldet eine Fachzeitschrift unter der Überschrift „Um 50 % billigeres Herstellungsverfahren für Nerzmäntel!“, dass man mit diesem angeblich neuen Verfahren nur noch fünf anstelle drei Wochen Arbeitszeit für die Herstellung eines Mantels brauche. Eine Meldung, die in Fachkreisen für erhebliches Aufsehen gesorgt habe. Nerzmäntel erster Qualität würden jetzt statt 1600 englischer Pfund Sterling nur noch 799 Pfund (DM 8948,-) kosten, geringere Qualitäten sogar nur 485 Pfund (DM 5430,-).Ohne Autorenangabe: Um 50 % billigere Herstellungsverfahren für Nerzmäntel! In: Die Pelzwirtschaft. Heft 5, Mai 1951, S. 22. Primärquelle: Daily Telegraph and Morning Post.

Die Grundlage zum Pelz für breitere Gesellschaftskreise schuf die inzwischen fortgeschrittene Nerzzucht, um 1920 war man so weit, größere Mengen Nerzfelle bereitzustellen. Noch 1945 spielte der Zuchtnerz keine wesentliche Rolle im Welt-Pelzhandel. Bis zum Jahr 1950 war sein Anteil bereits auf 10 Prozent gestiegen, 1955 bis 1960 auf 25 bis 30 Prozent und 1965 bis 1970 auf über 70 Prozent des gesamten Rauchwarenumsatzes.M. Pastuschenko: Der internationale Rauchwarenmarkt: Aus einer Zeitschrift (Kopie des HWWA-Institut f. Wirtschaftsforschung, Hamburg), 1970, S. 36–40. Primärquelle: Aussenhandel, Moskau September 1970. Im Zeichen des Wirtschaftswunders 1950 entwickelte sich die Bundesrepublik zum Hauptverbrauchsland für Pelze. In der DDR gab es zwar bald recht beachtliche Nerzzuchten, deren Felle gingen aber bis zum Schluss als Devisenbringer in den Export, eine eigene DDR-Nerzmode hat es nicht gegeben.

Anfangs war in der BRD das hauptsächliche Material der Persianer, das mit zunehmendem Einkommen in den 1970er Jahren vom noch höheren Statussymbol Nerz abgelöst wurde.Redaktion: Nerz-Konfektion – der Renner seit über zehn Jahren. In: Pelz International. Heft 4, Rhenania-Fachverlag, Koblenz, April 1984, S. 34. Während 1969 in der Bundesrepublik, gemessen anhand der Fellimportzahlen, stückzahlmäßig der Persianer noch an führender Stelle stand, wurde er jetzt wertmäßig vom Nerz übertroffen.