mini|Souterrain von Ardestie mini|Souterrain von Tealing mini|Souterrain von Bressay Die Souterrains in Schottland bilden, wie Frederick T. Wainwright bereits 1853 feststellte, keine morphologisch homogene Gruppe innerhalb der komplexen vorgeschichtlichen Bauten.Wainwright: Souterrains in Scotland. In: Antiquity. Bd. 27, Nr. 108, 1953, S. 219–232, hier S. 219. Über 500 wurden bereits in Schottland gefunden, davon etwa 20 auf der Isle of Skye. Regional stärker differierende und in ausreichendem Maß untersuchte Souterrains existieren in Aberdeenshire, Angus, Sutherland und auf Orkney.
Verbreitung Das schottische Souterraingebiet liegt, mit zwölf Ausnahmen, nördlich des Flusses TayWainwright: The souterrains of southern Pictland. 1963, S. 3.. Ihre Verteilung ist ungleichmäßig. Während Angus, Aberdeenshire und Sutherland (40) große Cluster besitzen, sind andere Gebiete nahezu leer. Souterrains fehlen im südwestlichen Schottland und in den westlichen Highlands beinahe völlig.Thomas: Britain and Ireland in early Times. AD 400–800. 1971, S. 45. Eines der wenigen in diesem Gebiet, Ardeer Souterrain in AyrshireHunter: Excavation at Ardeer, Ayrshire. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Bd. 105, 1972/1974, S. 296–301., ist eine Chimäre. Der mit Platten gedeckte Trockenmauerwerksgang führt in eine Naturhöhle.
Südliches Piktenland Ansehnliche Souterrains stammen aus den Grafschaften Angus, Perth und Fife, jenem Landesteil, der auch als „südliches Piktenland“, bezeichnet wird. Diese Souterrains bestehen aus einem langen gebogenen, gewöhnlich gepflasterten Gang und einem schmaleren Zugang. Die Strukturen haben Breiten bis zu 2,45 m und eine Durchschnittshöhe von 1,83 m.Wainwright: Souterrains in Scotland. In: Antiquity. Bd. 27, Nr. 108, 1953, S. 219–232, hier S. 221. Die Länge der Bauten wurde nur an neun Stellen festgestellt.Barclay: Newmill and the ‚souterrains of southern Pictland‘. Beitrag zu: Trevor Watkins: Excavation of a settlement and souterrain at Newmill, near Bankfoot, Perthshire. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Bd. 110, 1978/1980, S. 165–208, hier S. 202. Sie variieren von 12,2 m (Mudhall) bis 39,6 m (Carlungie 1). Laut Gordon Barclay liegen 57 Souterrains im Südlichen Piktenland
Deckenausführung Es gab eine Debatte bezüglich der oft nicht nachweisbaren Bedeckung der Souterrains. MacRitchie argumentierte für Holzdächer. Wainwright schlug massive Steindächer vor.Wainwright: The souterrains of southern Pictland. 1963, S. 156.Barclay: Newmill and the ‚souterrains of southern Pictland‘. Beitrag zu: Trevor Watkins: Excavation of a settlement and souterrain at Newmill, near Bankfoot, Perthshire. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Bd. 110, 1978/1980, S. 165–208, hier S. 204. Barclay schlug ebenfalls Holzdächer vor. Hurly Hawkin in Angus und das Souterrain am Loch Eriboll in Sutherland haben jedoch Steinplattendächer.Taylor: Excavation of a promontory fort, broch and souterrains at Hurly Hawkin Angus. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Bd. 112, 1982, S. 215–253, hier S. 215.
Bodenausführung Die Souterrains des südlichen Piktenlandes sind einfach strukturiert. Bodenpflasterungen eines hohen Standards wurden bei Carlungie 2,Wainwright: A souterrain identified in Angus. In: The Antiquaries Journal. Bd. 33, Nr. 1/2, 1953, S. 65–71, hier S. 65. Newmill,Watkins: Excavation of a settlement and souterrain at Newmill, near Bankfoot, Pertshire. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Bd. 110, 1978/1980, S. 165–208, hier S. 205. Hurly Hawkin und Longforgan registriert.Wainwright: A souterrain at Longforgan in Perthshire. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Bd. 88, 1955/1956, S. 57–64. Ein steingefasstes Abflussrohr wurde in Ardestie in Angus ausgegraben.Wainwright: The souterrains of southern Pictland. 1963, S. 58. Abflussrohre sind jedoch keine normale Ausrüstung der Souterrains in Angus. Tatsächlich war das Abflussrohr von Ardestie ein sekundärer Einbau.
Sonstiges Barrieren, wie sie in Irland normal sind, gehören nicht zum Standard der Gruppe im südlichen Piktenland, obwohl Pfosten bei Tealing 3 registriert wurden.Wainwright: Souterrains in Scotland. In: Antiquity. Bd. 27, Nr. 108, 1953, S. 219–232, hier S. 220. Schalensteine aus der Bronzezeit sind beim Bau von Souterrains dieser Gruppe, zum Beispiel in Ruthven,Wainwright: The souterrains of southern Pictland. 1963, S. 210. Tealing 3 und Hurly Hawkin.Taylor: Excavation of a promontory fort, broch and souterrains at Hurly Hawkin Angus. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Bd. 112, 1982, S. 215–253, hier S. 223. verwendet worden. Das Souterrain von West Grange of Conan besitzt ebenso wie das Souterrain von Tigh Talamhain auf Skye eine für die Gruppe atypische Kammer in Form einer Bienenkorbhütte. Die beste Parallele dieser Kammern stellt in Schottland Castlelaw in Midlothian dar.Vere Gordon Childe: Excavations at Castlelaw Fort, Midlothian. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Bd. 67, 1932/1933, S. 362–388.
Die nördlichen Inseln Die Beispiele der Orkney bilden eine besondere Gruppe, die wahrscheinlich eine Eigenheit widerspiegelt, die von etwa 600 v. Chr. bis in die frühen Jahrhunderte n. Chr. bestand. Die Souterrains bestehen im Wesentlichen aus einem vergleichsweise kurzem Gang und einem nicht sehr großen ovalen Raum. Im Unterschied zu den Erdhäusern in Angus und Perthshire, deren Dächer aus dem Bodenniveau ragen, liegen die orkadischen (earth-cut) Beispiele tiefer, während die schwerer herzustellenden (rock-cut) Beispiele naturgemäß höher liegen.
Etwa 25 Erdhäuser sind auf den Orkney bekannt, mehrheitlich auf Mainland, aber auch auf Eday, Hoy und Rousay. Lediglich fünf (darunter Corrigall und Windwick) sind in den letzten Jahren ausgegraben worden, und der größte Teil der Informationen stammt von Entdeckungen des 19. Jahrhunderts. Grain Earth House, am Stadtrand von Kirkwall, ist 1827 entdeckt worden, wurde aber erst 1857 von Farrer und Petrie untersucht. Es war so gut erhalten, dass es 1908 als typisches Beispiel eines orkadischen Erdhauses als frühestes Denkmal auf Orkney unter Schutz gestellt wurde. Es wurde keine nützliche Aufzeichnung der Ausgrabung gemacht, aber es ist klar, dass die Kammer leer war und die Oberfläche darüber Spuren einer Siedlung trägt. Es gab Mauern, die in verschiedenen Richtungen verliefen, und eine große Grube mit Abfallmaterial. Die Grube kann Teil eines anderen Erdhauses gewesen sein, da während einer Ausgrabung von 1982 neben dem Erdhaus Teile zweier weiterer Erdhäuser wiederum mit Spuren einer oberflächigen Siedlung gefunden wurden. Ein Erdhaus schien zeitlich auf das andere zu folgen, aber es war nicht möglich, sie völlig auszugraben. Diese Kombination ist in Irland besonders häufig, wobei der runde oberirdische Teil die Dimensionen eines Duns oder Raths annehmen kann. Das Erdhaus von Grain hat im Kammerbereich eine Tiefe von 3,7 m, mit etwa zwei Meter Boden über dem Dach. Diese große Tiefe scheint mit der Geologie verbunden zu sein. Die Baumeister gruben bis auf den gewachsenen Boden. Wegen der Tiefe waren in Grain Stufen erforderlich, um das Niveau des Ganges zu erreichen. Woanders schafft eine Luke einen direkten Zugang zum Gang. In der Kammer von Grain ist es möglich, fast aufrecht im Raum zu stehen, wohingegen die Annäherung durch den Gang gebückt erfolgen muss. Gewöhnlich besteht das Dach des Ganges aus horizontalen Platten. Die Kammerdecke von Grain wird, wie die anderer orkadischer Beispiele, aus einer Kombination von Kragsteinen und Steinsäulen gebildet. Bei Midhouse auf OrkneyJ. Hewat Craw: An Underground Building at Midhouse, Orkney; Two Urns found at Lintlaw, Berwickshire; and the Excavation of a Cairn at Drumelzier, Peeblesshire. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Bd. 65, 1930/1931, S. 357–372. wird das Dach durch sieben Säulen und einen unregelmäßig geformten Felsen gestützt. Wo die Säulen ungenügend hoch waren, wurden Platten aufgelegt, um die erforderliche Höhe zu erreichen.
Mehrere alte Berichte erwähnen Abfallhaufen, die den Zugang zum Erdhaus verfüllten, und moderne Ausgrabungen haben Verfüllungen ebenfalls gefunden. Ein besonderer Aspekt des Souterrains von RennibisterStuart Piggott: Scotland before History. Edinburgh University Press, Edinburgh 1982, ISBN 0-85224-348-0, S. 154. ist die Entdeckung von Skelettmaterial auf dem Kammerboden. Die Knochen stammen von sechs Erwachsenen und zwölf Kindern verschiedenen Alters. Es gab keine Artefakte, die einen Hinweis auf das Alter der Knochen gaben. Da sie sich nicht im Knochenverband befinden, müssen sie als Knochen und nicht als Körper deponiert worden sein. Die Erdhäuser von Howe in der Nähe von Stromness und Rowiegar auf Rousay wurden innerhalb älterer Megalithanlagen errichtet.
Auch auf den Shetlandinseln haben die Kammern Dachkonstruktionen aus einem durch freistehende Säulen gestützten Kraggewölbe. Vergleichbare Decken haben z. B. auch die Souterrains von Roovesmore und Carhoovauler im County Cork in Irland. Andere Beispiele von Kammerdächern mit Säulenunterstützung auf Orkney sind Biggings, Dale, Grain und Hatston. Ein Souterrain auf Jarlshof auf den ShetlandsAlexander O. Curle: Account of the Excavation of a Hut-Circle with an associated Earth-House at Jarlshof, Sumburgh, Shetland, conducted on behalf of H.M. Office of Works in 1935. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Bd. 110, 1935/1936, S. 237–251, hier S. 241. enthielt eine Kammer, deren Dach durch vier Säulen gestützt wurde. Ein relativ normales Souterrain mit Plattenabdeckung und mit neueren Forschungsergebnissen ist das Souterrain von Windwick. Die Eingänge zu den Souterrains der Orkney- und Shetland-Gruppe sind schmal, ihre Kammern klaustrophobisch eng. Ein neues intaktes Souterrain wurde 2007 bei Carrigal in Harray auf Mainland entdecktSigurd Towrie: Archeologists descend on Harray earth-house. 2007. Auf orkneyjar.com..
Die westlichen Inseln Die Souterrains der Inseln Westschottlands (Arnabost, Greenhill, Kilkenneth) sind in der Form außerordentlich abweichend.Wainwright: Souterrains in Scotland. In: Antiquity. Bd. 27, Nr. 108, 1953, S. 219–232, hier S. 223. Allgemein sind sie niedrig, schmal und klein. Einige, zum Beispiel Usinish auf den Hebriden, waren Wheelhäusern beigefügt. Die Forschungsarbeit an den Souterrains dieser Gruppe ist noch wenig ausgeprägt.
Sutherland