mini|hochkant|Franz von Roques 1931 als Generalmajor Franz Hermann Ludwig Heinrich von RoquesGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser, Teil B, 1942, S. 451 (* 1. September 1877 in Treysa; † 7. August 1967 ebenda) war ein deutscher General der Infanterie im Zweiten Weltkrieg. Im Ersten Weltkrieg war er an der Westfront und in Stäben eingesetzt. Im Zweiten Weltkrieg war er von März 1941 bis März 1943 Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes der Heeresgruppe Nord an der Ostfront. Trotz Anwendung von Terror bekam er die Partisanen-Verbände in seinem Gebiet nicht unter Kontrolle, sondern verlor ab Mitte 1942 zunehmend die Kontrolle über sein Heeresgebiet. Am 1. April 1943 wurde er in die Führerreserve versetzt. Die Verabschiedung aus der Wehrmacht erfolgte am 31. Juli 1943.

Familie Franz von Roques entstammte einem hugenottischen Adelsgeschlecht. Etwa eine Viertelmillion Hugenotten floh ab 1685 nach dem Edikt von Fontainebleau unter König Ludwig XIV. aus Frankreich, meist nach Württemberg, Brandenburg-Preußen und in die Landgrafschaft Hessen-Kassel, um ihren protestantischen Glauben bewahren zu können. In Hessen-Kassel waren die männlichen Mitglieder der Familie Roques zunächst hauptsächlich Beamte und später Offiziere. Im 19. Jahrhundert gab es sechs Offiziere in der Familie. Seine Eltern waren der Sanitätsrat und praktische Arzt in Treysa Christian Philipp Heinrich von Roques (* 15. Januar 1837; † 3. Oktober 1909) und dessen Ehefrau Hermine Charlotte Emilie Bömers (* 14. August 1853; † 25. Juni 1921).

Roques besuchte das Wilhelmsgymnasium in Kassel und machte dort 1896 sein Abitur. Am 29. September 1904 heiratete er Hildegard Julie Hermine Auguste Marie Schülke (geb. 28. September 1883 in Berlin), Tochter eines Ingenieurs aus Jena. Am 31. Juli 1906 wurde Tochter Hertha Elsi Hermine Anna geboren und am 8. Februar 1914 der Sohn Friedrich Karl Christian Julius, der später Arzt wurde, 1941 in Berlin promovierte und als Sanitätsoffizier der Wehrmacht sowie der Bundeswehr diente.

Franz von Roques war der Cousin des drei Jahre jüngeren Karl von Roques, später ebenfalls General der Infanterie und Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes Mitte. Dieser hatte ebenfalls das Wilhelmsgymnasium in Kassel besucht. Ein weiterer Cousin der beiden war der Arzt Kurt Rüdiger von Roques.

Militärkarriere Roques trat 1896 als Zweijährig-Freiwilliger in das 1. Kurhessische Infanterie-Regiment Nr. 81 der preußischen Armee ein, in dem schon mehrere Mitglieder seiner Familie als Offiziere gedient hatten. Er absolvierte die Kriegsschule und zeigte dort durchschnittliche Leistungen, wobei ihm Führungsqualitäten bei seinem Abschlusszeugnis am 16. Juni 1897 bescheinigt wurden. Anschließend zum Sekondeleutnant befördert, diente Roques als Bataillons- und Regimentsadjutant. Im Jahr 1905 bestand er die Militär-Dolmetscher-Prüfung in Französisch. 1910 zum Großen Generalstab in Berlin kommandiert, absolvierte Roques als Oberleutnant ab 1912 die Preußische Kriegsakademie.

Erster Weltkrieg Nach Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Hauptmann Roques als Generalstabsoffizier in einer Division und einem Armeekorps an der Westfront eingesetzt. Der Kommandeur der 113. Infanterie-Division und der Kommandierende General des bayerischen III. Armee-Korps schlugen Roques für höhere Verwendungen vor. Ab Mitte 1915 kommandierte er ein Bataillon, mit dem er bei Verdun und an der Somme kämpfte.

Es folgten Einsätze als Quartiermeister im I. Armee-Korps und als Erster Generalstabsoffizier bei der 239. Infanterie-Division. Nach Absolvierung des Sedan-Kurses für Generalstabsoffiziere folgte ab 1917 seine Verwendung als Stabsoffizier im X. Armee-Korps. Zu Weihnachten 1917 wurde er kurzzeitig zum Stab des Karpaten-Korps in die Bukowina kommandiert. Das Kriegsende erlebte er bei Stellungskämpfen seines Korps im Elsass.

In seinem Kriegstagebuch, welches sich im Bundesarchiv in Freiburg befindet, sind seine Erfahrungen im Krieg niedergelegt. Er berichtet darin von Sturmangriffen, dem Gaskrieg und Gedanken als Stabsoffizier. Ferner sammelte er zahlreiche Dokumente seines Dienstes. Auch sind persönliche Briefe an seine Frau aus dem Krieg erhalten. Franz von Roques scheint, so legen es seine Briefe nahe, sein Vertrauen in die alte Führungsschicht des Kaiserreichs im Laufe des Krieges verloren zu haben. Er sah die politischen Zustände scheinbar offener und klarer als die meisten anderen Offiziere. Er schrieb am 25. Oktober 1918: Ferner schreibt er: Roques glaubte, anders als viele Offizierskollegen, niemals an die so genannte Dolchstoßlegende, nach der das im Felde siegreiche Heer durch oppositionelle „vaterlandslose“ Zivilisten aus der Heimat einen „Dolchstoß von hinten“ erhalten habe.

2022 wurden die Tagebuchnotizen von Roques aus dem Ersten Weltkrieg veröffentlicht. Sie umfassen die Zeiträume von 30. August bis 15. Oktober 1915, vom 7. April bis zum 3. Mai 1916, vom 26. September bis 5. November 1916, vom 10. bis 26. März 1917 und 17. September bis 26. November 1917.Thomas Schattner, Rainer Scherb: Franz von Roques Kriegstagebuch 1915 bis 1917: Ein nordhessischer General im Ersten Weltkrieg Paperback. 2022, ISBN 979-8831364903.

Zwischenkriegsjahre Von Ende 1918 bis zur Demobilisierung und Auflösung April 1919 war Roques wieder beim 1. Kurhessischen Infanterie-Regiment Nr. 81. Bis Oktober 1919 war er Verbindungsoffizier zu den auf linksrheinischer Seite stehen französischen Besatzungstruppen. Er wurde mit nur 4000 anderen Offiziere aus den etwa 34.000 verbliebenen Offizieren des „Alten Heeres“ ausgewählt, in die Vorläufige Reichswehr übernommen und zum Kommandeur der Nachrichten-Abteilung 10 ernannt. Als es zum so genannten Kapp-Putsch kam, zeigten seine Briefe an seine Frau, dass Roques eindeutig zu den gemäßigten bürgerlichen Kräften zählte. Er schrieb am 22. März 1920: Anfang Februar 1923 erfolgt seine Beförderung zum Oberstleutnant und Mitte 1923 seine Versetzung nach Berlin, wo er Chef des Stabes beim Inspekteur der Nachrichtentruppe wurde. Am 1. Januar 1928 wurde er zum Oberst befördert. Im April 1929 erfolgte seine Ernennung zum Inspekteur der Nachrichtentruppe. Am 1. Februar 1931 folgte die Ernennung zum Generalmajor und Versetzung als Infanterieführer VI nach Hannover. Am 4. Februar 1932 kam es zur Ernennung zum Generalleutnant. Zum 15. August 1933 reichte er seinen Abschied ein, da ihm vom Heerespersonalamt mitgeteilt wurde, dass „die geringe Zahl höchster Führerstellen“ eine weitere Verwendung unmöglich machte. Sein Dienst endete am 1. Oktober 1933. In den nächsten Jahren lebte er als Pensionär in Frankfurt. Von Juli 1938 bis Oktober 1938 wurde Roques zum ersten Mal reaktiviert und beim Generalkommando IX eingesetzt.

Zweiter Weltkrieg bis Anfang März 1941 Im September 1939 wurde Roques das zweite Mal reaktiviert und Kommandeur der Division Nr. 177 in Wien. Die Division Nr. 177 war für die Ausbildung der Ersatztruppen des XVII. Armeekorps zuständig. Als Kommandeur eines Ausbildungsverbandes war Roques scheinbar unzufrieden, sondern wäre gerne Frontkommandeur geworden, wie er seiner Frau schrieb. Am 25. Mai 1940 wurde er General zur besonderen Verwendung (z. b. V.) I eines Stabes zur Aufstellung neuer Divisionen in Nürnberg. Sein Stab wurde mit Beginn des Westfeldzugs erst nach Belgien und später an die Front nach Frankreich beordert. Erst nach dem Waffenstillstand erhielt er kurzzeitig das Kommando über die „Grüne Linie“, welche den besetzten vom unbesetzten Teil Frankreichs teilte. In einem Brief an seine Frau kam wiederholt eine kritische Haltung zur Führung zum Ausdruck. Roques schrieb z. B. am 1. Juli 1940:Er schrieb am 19. Juli 1940 prophetisch, im Anschluss an die Siegesrede Adolf Hitlers gegen Frankreich vor dem ReichstagAm 15. August 1940 wurde von Roques General für die Ausbildung der in Frankreich eingesetzten Landesschützenbataillone mit dem Dienstsitz im Hotel Claridge an den Champs-Élysées.

Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes Nord miniatur|Erhängte Männer, August 1941 miniatur|hochkant|Erhängter angeblicher Partisan, 1942 miniatur|Auf deutscher Seite kämpfende Sicherungskräfte. Originalbildbeschriftung des Privatbilds: Partisanenjäger, Sommer 1942 miniatur|Laut Originalbildunterschrift: Fallschirmjäger verhören einen gefangenen Partisanen, Sommer 1942 miniatur|hochkant|Zwei von der Ordnungspolizei verhaftete weibliche Zivilisten, die in der Originalbildunterschrift als Flintenweiber (Partisaninnen) bezeichnet werden, September 1942 Am 16. März 1941 wurde Franz von Roques Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes („Berück“) der Heeresgruppe Nord. Er übernahm damit seinen Posten und Stab noch vor dem Angriff im Juni 1941. Nachdem die Wehrmacht Ende Juni / Anfang Juli 1941 Lettland eingenommen hatte, erfuhr er vom Massenmord an den lettischen Juden und protestierte bei Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb, dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord, dagegen. Leeb wies ihn an, sich „rauszuhalten“. Doch Roques hielt sich nicht daran, sondern legte weiterhin dar, dass die exzessive Gewalt es erschwere, die Bevölkerung für eine Zusammenarbeit mit den Deutschen zu gewinnen.Norman Ridley: The horror of Himmler’s death squads. The Einsatzgruppen and the Holocaust in the Baltics. Frontline Books, Barnsley 2024, ISBN 978-1-0361-0670-6, S. 122.

Ab dem 11. Oktober 1941 übernahm Roques für einen Monat das Kommando über einen Kampfverband aus der 126. Infanterie-Division und der spanischen Blauen Division an der Wolchow-Front im Bereich der 16. Armee. Der Verband war damals an schweren Kämpfen um die Stadt Tichwin beteiligt. Roques schrieb 1951 über diese Zeit: Während seiner Abwesenheit hatte der Kommandeur der 207. Sicherungsdivision, Generalleutnant Carl von Tiedemann, ihn vertreten. Am 27. Oktober 1942 verlieh Franco Franz von Roques das Großkreuz III. Klasse des spanischen Militär-Verdienstordens für seinen Einsatz mit der spanischen Division. Er wurde für diesen Einsatz ebenfalls mit Spange zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet.

In Roques’ Stab war von Anfang an eine sehr kritische Meinung zu dem Ostfeldzug verbreitet. In einem Buch schrieb 1950 Peter Kleist, bis November 1941 Verbindungsoffizier des Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete, über die Meinungen dieses Stabes:Der Stabschef des Berücks, Oberstleutnant der Reserve Arno Kriegsheim, wurde im Mai 1942 unehrenhaft aus dem Heer entlassen, weil er dem Nachfolger von Kleist, dem Hauptmann Unterstab, bei zwei Treffen im November bzw. im Dezember 1941 seine Meinung über die tatsächliche Kriegslage mitgeteilt hatte. Unterstab hatte dieses an seine Vorgesetzten gemeldet und diese Meldung kam bis zum Reichsführer SS Heinrich Himmler und dem Reichsminister für die besetzten Ostgebiete Alfred Rosenberg. Roques konnte Kriegsheim, vor dem Krieg Sonderbeauftragter für die Reichsernährungssicherung und ferner NSDAP-Mitglied und Hauptsturmführer der allgemeinen SS, nicht helfen, sondern nur eine Versetzung von Unterstab erreichen. Kriegsheim und Roques verband ein „enges Vertrauensverhältnis“. Beide hatten vor dem Ersten Weltkrieg mehrfach, u. a. an der Kriegsakademie und im Generalstab, zusammen gedient.