mini|Geografische Lage von Katar Der Zustand der Menschenrechte in Katar wird vielfach kritisiert. Hunderttausende von meist südasiatischen Wanderarbeitern im Baugewerbe sind in Katar Ausbeutung und Misshandlung ausgesetzt. Hausangestellte, oft arme Frauen aus südostasiatischen Ländern, haben wenig Rechte und können Opfer von Menschenhandel werden. Sie werden auch oft von den Familien, in denen sie arbeiten, missbraucht. Es gibt Einschränkungen der individuellen Rechte wie der Meinungsfreiheit, und es existieren Gesetze mit Strafen für Homosexualität. Inzwischen wurden einige Arbeitsreformen durchgeführt, darunter zwei umfassende Änderungen im Jahr 2020.
Berichte der Menschenrechtsorganisationen Freedom House schätzt den Katar grundsätzlich als nicht frei ein. Im Bericht „Freedom in the World 2021“ hatte Katar 7/40 Punkte bei den politischen Rechten und 18/60 Punkte bei den Freiheitsrechten, also insgesamt 25/100 Punkte (nicht frei). Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty international ist Katar für verschiedene Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen verantwortlich:
Behandlung von Niedriglohnmigranten mini|Arbeitsmigranten in Doha, 2018
Etwa 87 Prozent der Bevölkerung von Katar sind Ausländer und ein großer Teil von ihnen sind Niedriglohnmigranten. Viele der Niedriglohnmigranten werden diskriminiert und deren Ausbeutung und Missbrauch sind an der Tagesordnung.
Besonders weibliche Hausangestellte, die meist aus Süd- und Südostasien, hauptsächlich den Philippinen, oder aus Ostafrika kommen, weisen ein stark erhöhtes Risiko zur Gefährdung auf, von körperlicher Gewalt bis zum sexuellen Missbrauch durch den Arbeitgeber. Amnesty International hat im Oktober 2020 die Arbeitsbedingungen für ausländische Hausangestellte in Katar untersucht. Sie seien häufig Misshandlungen, Erniedrigung und härtesten Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Etwa 85 Prozent der befragten Frauen erklärten, selten oder nie freie Tage zu bekommen, und dass Arbeitgeber ihre Pässe einbehalten würden. Viele erklärten auch, dass sie spät oder gar nicht bezahlt würden. Der Missbrauch kommt von allen Familienmitgliedern, insbesondere von den Hausfrauen, die von den Hausangestellten oft nur mit „Madam“ angesprochen werden dürfen. Die Hausangestellten sind verpflichtet, ihrer „Madam“ zu gehorchen, wie ein Sklave seinem Herrn gehorcht. Die Hausangestellten werden bespuckt, geschlagen, getreten und an den Haaren gezogen.Unmenschliche Bedingungen für Hausangestellte in Katar. Amnesty-Bericht. SPON, 20. Oktober 2020Amnesty International: Hausangestellte missbraucht und ausgebeutet. (Pressemitteilung) 20. Oktober 2020
Als ein Grund für die schlechten Bedingungen gilt vor allem das sogenannte Kafala-System, das ausländische Arbeiter fest an einen einheimischen Bürgen wie einen Arbeitgeber bindet, der etwa einem Jobwechsel zustimmen muss. Zudem wird vom Arbeitgeber kontrolliert, ob Arbeiter im Land leben und ihrem Beruf nachgehen dürfen. Außerdem können Wanderarbeiter ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht selbst verlängern. Obwohl das Kafala-System im August 2020 abgeschafft wurde, kommt es öfters jedoch wie vorher immer noch zu Misshandlungen gegenüber weiblichen Hausangestellten.
Malcolm Bidali, ein Kenianer, der bis 2021 als Sicherheitsmitarbeiter in Katar arbeitete, schreibt seit 2020 in einem Blog unter dem Pseudonym „Noah“ über die Notlage der Niedriglohnmigranten in Katar. Er war laut Menschenrechtsgruppen Anfang Mai 2021 in Katar unter Gewaltanwendung verschwunden. Bidali wurde von den katarischen Sicherheitsdiensten festgenommen und befand sich laut einer Vereinigung von Menschenrechtsorganisationen, zu denen Amnesty International und Human Rights Watch gehören, an einen unbekannten Ort. Seine Artikel geben laut The Guardian einen intimen Einblick in die Arbeits- und Lebensbedingungen von Niedriglohnmigranten. Bidali beschrieb überfüllte Schlafsäle, beschlagnahmte Pässe, den Mangel an Privatsphäre und seine erfolglosen Versuche, eine bessere Behandlung zu erreichen. Anschließend verbrachte er einen Monat im Gefängnis und wurde im Juni 2021 freigelassen. Bidali verließ daraufhin das Land.Pete Pattisson: Rights group fear for migrant activist ‘disappeared’ in Qatar. The Guardian, 14. Mai 2021, abgerufen am 18. Mai 2021 (englisch). Im November 2021 wurden zwei norwegische Journalisten, die die Bedingungen von Niedriglohnmigranten in Katar vor der FIFA-Weltmeisterschaft 2022 untersuchten, festgenommen und 36 Stunden lang inhaftiert, als sie versuchten, das Land zu verlassen. Ein Sprecher der katarischen Regierung sagte, sie seien angeblich wegen „Betretens von Privateigentum und Filmen ohne Genehmigung“ festgenommen worden.
Ein großer Teil der Niedriglohnmigranten lebt in Sammelunterkünften außerhalb der Hauptstadt Doha.
Arbeitsbedingungen und Todesfälle bei Bauarbeitern Die Situation der ausländischen Bauarbeiter wurde von internationalen Medien und Menschenrechtsorganisationen wiederholt kritisiert. Oftmals werden junge, körperlich leistungsfähige Männer in ihrem Heimatland mit Versprechungen von einem guten Lohn gelockt. Zwar müssen sie im Voraus circa eintausend Dollar Vermittlungsgebühr bezahlen, doch bei mehrjähriger Vertragslaufzeit und einem Monatsgehalt von bis zu 200 Dollar zeigen sich viele der Angeworbenen überzeugt von der angebotenen Arbeit. Bauarbeiter sind oft in kleinen und unhygienischen Unterkünften untergebracht, ihre Löhne werden oft monatelang nicht gezahlt und ihre Pässe werden häufig bei ihrer Ankunft in Katar weggenommen. Dinge wie die extreme Hitze in Katar und der Mangel an Sicherheitsstandards haben offenbar viele Bauarbeiter das Leben gekostet, jedoch gibt es immer noch keinen Konsens darüber, wie viele Bauarbeiter wirklich gestorben sind.
Laut einem Artikel von The Guardian vom Februar 2021 sind 6500 Arbeitsmigranten aller Berufe aus fünf Ländern in Katar gestorben, seit es das Recht erhalten hat, die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 auszurichten. Die Regierung von Katar gab zu Protokoll, dass die Zahl der Todesfälle – die sie nicht bestreitet – bei den Millionen von Arbeitsmigranten „verhältnismäßig“ sei. Sheikh Thamer bin Hamad Al Thani, stellvertretender Direktor für Medienangelegenheiten des Regierungskommunikationsamtes, sagte in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro, „zu den Expatriates aus diesen Ländern gehören auch Studenten, ältere Menschen und Angestellte in Büros, Einzelhandelsgeschäften, Schulen und Krankenhäusern. Katar hat über 1,4 Millionen Expatriates aus diesen Ländern. Nur 20 % von ihnen sind als Arbeiter im Bausektor beschäftigt, der weniger als 10 % aller Todesfälle zwischen 2014 und 2019 ausmacht“. Bild und Nebelspalter bestätigten ebenfalls, dass die Sterberate dieser Migranten der Sterberate junger Männer in Deutschland und der Schweiz relativ ähnlich ist. Organisationen wie Amnesty International argumentieren jedoch, dass viele der Migranten, die zum Arbeiten nach Katar kommen, nicht nur jung und männlich, sondern auch gesund sind. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation(ILO) sind die von The Guardian genannten 6500 gestorbenen Ausländer in Katar insoweit irreführend, als dass sie „nicht zwischen arbeitsbedingten und nicht arbeitsbedingten Todesfällen“ unterscheidet. Die Guardian-Statistik schließe laut ILO Ausländer in Katar ein, „die nicht erwerbstätig sind“.
Nach Angaben des WM-Organisationskomitees in Katar sind 37 Stadionbauarbeiter gestorben, von denen drei arbeitsbedingt waren. Es besteht jedoch Zweifel am Wahrheitsgehalt der Behauptung des Komitees. Katar baute auch andere Infrastruktur im Zusammenhang mit der WM, darunter einen neuen Flughafen, ein neues U-Bahn-System, eine Reihe neuer Straßen, etwa 100 neuen Hotels und eine ganz neue Stadt rund um ein Stadion. Hassan al-Thawadi, Generalsekretär des WM-Organisationskomitees in Katar, gab in einem Interview mit dem britischen TV-Sender Talk TV zu, dass bei Arbeiten für die WM-Infrastrukturprojekten nicht nur einige wenige, sondern „zwischen 400 und 500“ Arbeitsmigranten gestorben seien, eine genaue Zahl „wisse er nicht“.
Amnesty International veröffentlichte im August 2021 einen Bericht, nach dem 15.021 Nicht-Katarer zwischen 2010 und 2019 gestorben sind, wobei 70 % der Todesfälle nicht richtig aufgeklärt wurden. Es ist jedoch nicht bekannt, wie viele dieser Todesfälle mit dem Bau der WM-Infrastruktur zusammenhängen.
Frauenrechte Die Frauenrechte in Katar sind vergleichsweise besser als beispielsweise im benachbarten Saudi-Arabien oder im Iran. Katarische Frauen können per Gesetz ohne Erlaubnis eines männlichen Vormunds arbeiten, studieren und Auto fahren. Sie können auch ohne Einschränkungen selbstständig Handel treiben, sich in jedem Alter ohne männliche Begleitung in der Öffentlichkeit frei bewegen und es besteht keine Verschleierungspflicht. Seit 1998 dürfen Frauen Spiele in Stadien besuchen und 1999 war Katar der erste arabische Golfstaat, der Frauen neben Männern das Wahlrecht einräumte, als der Staat die ersten Wahlen für seinen 29-köpfigen Gemeinderat abhielt. 96 % der katarischen Mädchen besuchen weiterführende Schulen und 2012 waren fast doppelt so viele Studentinnen an Universitäten in Katar eingeschrieben wie Männer, und fast zwei Drittel aller Absolventen waren Frauen (der hohe Frauenanteil ist vor allem darauf zurückzuführen, dass junge Männer oft im Ausland studieren, während junge Frauen häufig von ihren Familien daran gehindert werden). Während jedoch 70 % der katarischen Männer erwerbstätig sind, beträgt der Anteil unter den katarischen Frauen nur 37 %. Im Gender Gap Index des Weltwirtschaftsforums liegt Katar bezüglich Frauenbildung auf Platz 83 und damit im Mittelfeld der 153 bewerteten Staaten. Die männliche Vormundschaft über katarische Frauen wurde auch offiziell vor langer Zeit abgeschafft. Trotz massiver Veränderungen in Bezug auf Frauenrechte in den 1990er Jahren werden Frauen in Katar weiterhin benachteiligt. Es gibt immer noch einige diskriminierende Gesetze gegen Frauen in Katar, und Frauen können auch von der konservativen Gesellschaft diskriminiert werden, ohne dass Gesetze die Diskriminierung verhindern.Artikel "WOMEN’S RIGHTS IN QATAR SHOW PROMISING GROWTH" auf der Website borgenproject.org