mini|Flagge der Republik China von 1912–1928
Unter dem Titel Beiyang-Regierung () wird eine Reihe von zivilen und militärischen Regierungen der Republik China von 1912 bis 1928 verstanden. Sie regierten das Land von Peking aus, während sich 1917 in Guangzhou eine Kuomintang-Regierung unter Sun Yat-sen bildete, welche die Legitimität der Nordregierung nicht anerkannte und sich anfangs Bewegung zur Wahrung der Verfassung nannte.
Der Name der Pekinger Regierung leitete sich von der Beiyang-Armee der Qing-Regierung ab, deren General Yuan Shikai nach der Xinhai-Revolution als Präsident der neuen Republik China vereidigt wurde. Obwohl sich die Regierung ebenso wie die Armee nach dem Tode Yuan Shikais unter verschiedenen Warlords zersplitterte, die auch als Nördliche Kriegsherren bezeichnet wurden, blieb sie immer in den Händen von Generälen der Beiyang-Armee und wurde international als rechtmäßige Regierung anerkannt. Die Legitimation als Regierungschef hielt dabei meist derjenige in Händen, dessen Truppen Peking kontrollierten. Sie wurde schließlich durch die Nördliche Expedition Chiang Kai-sheks von 1926–1928 niedergeworfen und die Hauptstadt nach Nanjing verlegt.
Struktur mini|Wappen der Republik China von 1912–1928
Nach den Vorgaben der Vorläufigen Verfassung der Republik China, welche durch einen Provisorischen Senat im Februar 1912 beschlossen worden war, wählte die Nationalversammlung den Präsidenten und Vizepräsidenten der Republik für jeweils fünf Jahre und bestätigte den vom Präsidenten vorgeschlagenen Premierminister, welcher das Kabinett zusammenstellte und ihm vorstand. Gesetzesentwürfe mussten dabei von den zuständigen Ministern gegengezeichnet werden um gültig zu werden. Wichtige Ministerposten waren die des Heeres-, Finanz-, Kommunikations- und Innenministers während die Bedeutung des Marineministeriums zusammenbrach, nachdem 1917 die meisten der Schiffe zur Bewegung zur Wahrung der Verfassung in Guangzhou übergelaufen waren. Dem Kommunikationsministerium unterstanden auch das Transport- und Postwesen sowie die Bank of Communications.
Mit der Zeit bildete sich aus Angehörigen des Ministeriums die so genannte Kommunikations-Clique. Im Außenministerium dienten viele später bekannte Persönlichkeiten wie Wellington Koo. Da die Integrität Chinas in dieser Zeit durch äußere Mächte gefährdet war, waren die Generäle auf die Diplomaten des Außenministeriums angewiesen, wodurch dieses über die gesamte Zeit der Beiyang-Regierung ein hohes Maß an Unabhängigkeit genoss. Zu den größten Erfolgen des Außenministeriums gehörten die Rückgabe der an das Deutsche Kaiserreich abgetretenen und im Ersten Weltkrieg von Japan besetzten Shandong-Halbinsel 1922 sowie die Nichtanerkennung der südlichen Regierung durch den Völkerbund bis zu deren Machtübernahme 1928.
Die Nationalversammlung teilte sich in zwei Kammern, die erste bestand aus einem Senat erster und zweiter Klasse, dessen Mitglieder für jeweils sechs Jahre gewählt werden sollten, während eine Amtszeit im Repräsentantenhaus jeweils drei Jahre andauern sollte. Gewählt wurden die Senatoren dabei von den Provinzialversammlungen, während die Repräsentanten von Wahlmännern gewählt wurden, bei deren Bestimmung es jedoch nur zu eingeschränkten öffentlichen Wahlen kam. Hauptaufgaben der Nationalversammlung sollten dabei das Erstellen einer permanenten Verfassung, die Bildung einer Legislative, Abstimmung über Budgetfragen und Verträge mit ausländischen Mächten sowie die Bestätigung des Kabinetts sein. Zur Anklage und Verurteilung von korrupten Beamten wurde eine Judikative mit einem Obersten Gerichtshof einberufen. Vorbild für die frühe Gesetzgebung war vor allem das Bürgerliche Gesetzbuch des Deutschen Kaiserreichs.
In der politischen Wirklichkeit war die Nationalversammlung vor allem durch Cliquenbildung und teils extreme Korruption geprägt. Die Stärkung des Militärs und die Bewilligung des dafür benötigten Budgets war dabei das Hauptanliegen vieler Mitglieder. Außerdem zeichnete sich die Regierung in der auch als Warlord-Ära bekannten Zeit durch eine enorme Instabilität aus. In den 16 Jahren ihres Bestehens hatte sie fünf Präsidenten, fünf Notstandsregierungen, 34 Premierminister, 25 Kabinette, fünf Repräsentantenhäuser und vier Satzungen. Mehrmals stand sie kurz vor dem Staatsbankrott und konnte sich häufig nur durch private Geldgeber retten. Haupteinnahmequellen waren Steuern, ausländische Kredite und Handelsverträge. Nach dem Zhili-Anhui-Krieg von 1920 wurden darüber hinaus nur noch die Steuern in der Provinz Zhili, also der direkten Umgebung Pekings, eingetrieben, während die Einnahmen aller anderen Gebiete in die Kassen verschiedener Warlords flossen.
Unter Yuan Shikai mini|Yuan Shikai nach der Ernennung zum Präsidenten
Nach der Xinhai-Revolution errichteten die Rebellen 1912 eine provisorische republikanische Regierung in Nanjing, der Sun Yat-sen und Li Yuanhong als Präsident und Vizepräsident vorstanden. Da die Revolution jedoch nur im Südosten Chinas erfolgreich gewesen war, traten die beiden in heimliche Verhandlungen mit Yuan Shikai, dem Befehlshaber der Beiyang-Armee, woraufhin dieser die Qing-Dynastie in Peking stürzte. Als Dank hierfür wurde er zum provisorischen Präsidenten der Republik ernannt und die Hauptstadt nach Peking verlegt, da er fürchtete in Nanjing einem Attentat zum Opfer zu fallen. Andere Gründe für die Verlegung waren, dass Yuan in Peking sein Machtzentrum hatte und er damit argumentierte, dass es für die Verwaltung der Republik von Vorteil wäre, die dort gut ausgebaute Bürokratie aus Zeiten der Monarchie übernehmen zu können.
In den Wahlen zur ersten Nationalversammlung errang die Kuomintang Sun Yat-sens über die Hälfte der Sitze in beiden Kammern. Zweitstärkste Kraft wurde die von Yuan favorisierte Jinbudang unter Liang Qichao. Viele waren sich einig, dass Song Jiaoren der nächste Premierminister werden würde, jedoch wurde dieser weniger als zwei Wochen vor seiner Amtseinführung ermordet. Viele vermuteten hinter dem Anschlag Yuan, da dieser sich über das Vorhaben Songs aufgeregt hatte, nur Mitglieder der Kuomintang als Minister benennen zu wollen. Eine Untersuchung beschuldigte den Premier Zhao Bingjun während es weiter Gerüchte gab, Yuan selbst sei der Auftraggeber gewesen. Yuan stritt daraufhin vehement ab, dass er oder Zhao mit dem Mord in Verbindung stünden.
Als er im Sommer 1913 dann schließlich einen großen ausländischen Kredit aufnahm ohne sich vorher im Parlament die nötige Zustimmung zu holen, verließ Sun mit seiner Fraktion das Parlament und rief die Zweite Revolution aus. Er und seine Anhänger wurden jedoch innerhalb von zwei Monaten von den Truppen Yuans geschlagen und mussten untertauchen. Sun flüchtete nach Japan ins Exil. Trotz der inneren Unruhe wählte das verbliebene Parlament Yuan am 10. Oktober 1913 zum vollwertigen Präsidenten. Er verwies als erste Amtshandlung die noch verbliebenen Anhänger der Kuomintang des Parlaments, wodurch dieses keine beschlussfähige Mehrheit mehr hatte und vorerst aufgelöst wurde.
1914 trat eine Gesetzgebende Konferenz zusammen, welche die Rechte des Präsidenten weiter stärkte. Zwar hatte das neue Parlament, der Nationale Rat, die Möglichkeit, den Präsidenten seines Amtes zu entheben, dieser hatte jedoch die Befugnis den Nationalen Rat im Gegenzug aufzulösen, noch bevor seine Abberufung rechtsgültig wurde. Etwa zu dieser Zeit beschloss Yuan, die Republik wieder zu beenden und sich zum Kaiser krönen zu lassen. Unterstützt wurde dieser Entschluss durch eine monarchistische Strömung innerhalb des Parlaments, welches ihn ab 1915 immer wieder dazu drängte, den Thron zu besteigen. Offiziell wies Yuan die Bitten immer wieder ab und forderte, dass eine Nationale Versammlung mit fast 2000 Delegierten ihn dazu zum Kaiser wählen müsste. Als sich diese Versammlung zusammengefunden und ihn gewählt hatte, gab er den Bitten nach und bestieg den Thron.
Liang Qichao trat daraufhin, enttäuscht von Yuan, an die so genannte Yunnan-Clique heran und animierte sie, gegen Yuans Inthronisierung zu rebellieren, woraus der Nationale Schutzkrieg entstand. Im Verlaufe des Krieges liefen immer mehr Anhänger Yuans zu den republikanischen Kräften über. Um zumindest die Macht als Präsident zu behalten, verkündete er am 22. März 1916 das Ende des Kaiserreichs. Jedoch gaben sich seine Gegner damit nicht zufrieden und forderten seinen Rücktritt vom Amt des Präsidenten. Bevor er dies jedoch tun konnte, starb Yuan im Juni 1916.
Herausbildung des Kriegsfürstentums mini|Premierminister Duan Qirui. mini|Demonstranten während der Bewegung des vierten Mai
Am 7. Juni wurde Li Yuanhong zum neuen Präsidenten der Republik gewählt während Feng Guozhang, der sich durch seine starke antimonarchistische Haltung ausgezeichnet hatte, zum Vizepräsidenten wurde und Duan Qirui erneut zum Premierminister wurde. Die im Jahr 1913 gewählte Nationalversammlung trat erneut zusammen und setzte die Vorläufige Verfassung wieder in Kraft. Neben der Kuomintang gab es noch zwei weitere Interessengruppen in der Nationalversammlung: die Fraktion zur Untersuchung der Verfassung unter Liang Qichao und die Fraktion zur Diskussion der Verfassung unter Tang Hualong.
Der erste Beschluss nach der Wiedereinsetzung der Verfassung sollte die Einrichtung einer republikanischen, nationalen Armee sein, um sich dem Einfluss verschiedener regionaler Warlords und ihrer Truppen entziehen zu können. Dies traf jedoch auf den Widerstand der Generäle des Südens, welche fürchteten ihre Kommandoposten zu verlieren, wodurch es zu keiner endgültigen Entscheidung kam. Ein weiterer Diskussionspunkt war der zu diesem Zeitpunkt tobende Erste Weltkrieg. Duan und Liang waren dafür, dass China auf der Seite der Triple Entente in den Krieg gegen die Mittelmächte eintreten sollte, während Li und Sun dies konsequent ablehnten.
Durch verschiedene Ränkespiele schaffte Duan es jedoch, im Parlament den Beschluss zum Abbruch der diplomatischen Kontakte mit dem Deutschen Kaiserreich durchzubringen. Als herauskam, dass Duan Gelder aus Japan angenommen hatte, wurde er von Präsident Li seines Amtes enthoben. Er zog sich mit einigen Gefolgsleuten nach Tianjin zurück, bezeichnete seine Absetzung jedoch als illegal und forderte seine Wiedereinsetzung. Er wurde dabei von den meisten Generälen der Beiyang-Armee unterstützt, welche die Auflösung des Parlaments forderten.
Im Juni 1917 bot der General Zhang Xun sich als Schlichter an und zog mit seinen Soldaten in Peking ein. Dort übernahm er, gestützt durch finanzielle Mittel aus Deutschland, die Kontrolle über die Stadt und zwang Präsident Li dazu, das Parlament aufzulösen. Anschließend setzte er am 1. Juli 1917 den gestürzten Qing-Kaiser Puyi, der sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Verbotenen Stadt aufhalten durfte, wieder als Kaiser ein. Präsident Li flüchtete sich in die japanische Botschaft und nahm Kontakt mit Duan Qirui auf, setzte ihn wieder in das Amt des Premierministers ein und beauftragte ihn mit dem Schutz der Republik. Duan führte seine Truppen nach Peking und schlug innerhalb kurzer Zeit die Truppen Zhangs und setzte Puyi erneut ab.
Nachdem die Lage wieder unter Kontrolle gebracht worden war, trat Li von seinem Amt zurück und übergab es an Feng Guozhang. Aufgrund seiner schlechten Erfahrungen verweigerte Duan jedoch seine Zustimmung zur Wiedereinsetzung des Parlaments. Er argumentierte dabei damit, dass seine Niederwerfung der kurzzeitigen Restauration der Monarchie wie eine zweite Xinhai-Revolution zählen würde und daher ein neuer provisorischer Senat einberufen werden müsste, welcher die Wahlrichtlinien für ein neues Parlament festlegen müsse. Nach seiner Berufung beschränkte der Senat die Anzahl der Sitze im zukünftigen gewählten Senat auf beinahe die Hälfte.