Switch reloaded war eine Comedy-Sendung, die von 2007 bis 2012 in insgesamt sechs Staffeln für den deutschen Privatfernsehsender ProSieben produziert wurde. Sie ist die Nachfolgerin der von 1997 bis 2000 produzierten Sendung Switch – TV gnadenlos parodiert!. Abgesehen von der leicht veränderten Besetzung unterscheidet sich die Neuauflage von der Vorgängersendung vornehmlich durch das Fehlen der Rubrik Fakten, Fakten, Fakten. Vorbild für Switch war die australische Serie Fast Forward. Die Show gewann mehrmals den Deutschen Comedypreis sowie den Deutschen Fernsehpreis und den Grimme-Preis. Die Show wurde auf Sat.1, Sat.1 Comedy, Comedy Central, ProSieben Maxx und ProSieben Fun wiederholt.

Seit dem 4. Dezember 2020 strahlt Prime Video Deutschland eine Neuauflage unter dem Namen Binge Reloaded aus.

Produktionsgeschichte Im Jahr 2000 wurden von ProSieben keine neuen Folgen mehr von Switch – TV gnadenlos parodiert in Auftrag gegeben. Im Herbst 2006 begann dann nach rund sechs Jahren Pause die Arbeit an der Fortsetzung unter der Regie von Wolfgang Groos (1. Block) und Marco Musienko, woraufhin die erste Folge ab dem 5. März 2007 ausgestrahlt wurde. Der Titel der Sendung wurde in Switch reloaded geändert. Produziert wurde das Format zunächst von der Kölner Produktionsfirma Hurricane.

Die zweite Staffel von Switch reloaded war seit dem 6. November 2007 zu sehen, die dritte Staffel, bestehend aus 15 Folgen, wurde ab dem 19. August 2008 auf ProSieben ausgestrahlt."Switch Reloaded" und "Comedy-Zoo" ab Mitte August, DWDL.de, 8. Juli 2008. Im Dezember 2008 wurde der Switch-reloaded-Jahresrückblick gesendet, der das Jahr 2008 mit den großen Fernsehereignissen satirisch unter die Lupe nahm.Kerner und Jauch präsentieren Jahresrückblick auf ProSieben, presseportal.de, 29. Oktober 2008. Im folgenden Jahr wurde ebenfalls ein Jahresrückblick gedreht, der am 21. Dezember 2009 ausgestrahlt wurde.

Eine Veränderung war ab Folge 6 der dritten Staffel zu bemerken, da ab dieser Folge alle weiteren Episoden ohne künstliches Hintergrundgelächter auskamen. Nachdem man die Lachkonserve bereits zuvor stark reduziert bzw. für gewisse Sketche wie die „TV total“-Parodie ganz weggelassen hatte, tauchten Publikumsreaktionen wie Lachen oder Applaudieren nun nur noch auf, wenn sie direkt zur Parodie gehörten., cinefacts.de.

2007 erschien die erste Staffel Switch reloaded als DVD-Box, die zweite Staffel im Jahr 2008. Die dritte Staffel erschien im Dezember 2008, und zwar erstmals als dreiteilige DVD-Box. Sie enthielt neben Bonusmaterialien wie Hintergrundinformationen und Audiokommentaren erstmals auch produzierte, aber nicht gesendete Parodien (u. a. auf Werbesendungen).

Die vierte Staffel wurde ab März 2009 gesendet.aktuelles & mehr, petra-nadolny.de. Neue Parodien beziehen sich unter anderem auf talk, talk, talk und The Next Uri Geller., prosieben.de, 16. Februar 2009, abgerufen am 22. Januar 2015. Diese Staffel sollte erstmals nach amerikanischem Vorbild von einer Sommerpause unterbrochen werden. Die ersten sieben Folgen (+ Best-of) wurden im Frühjahr ausgestrahlt; der zweite, acht Folgen umfassende Teil sollte ursprünglich im Herbst 2009 folgen. Stattdessen begann der zweite Teil der vierten Staffel erst im Juli 2010. Unmittelbar nachdem alle Folgen der vierten Staffel gesendet worden waren, begann die Ausstrahlung der fünften Staffel am 14. September 2010.Neue «Switch Reloaded»-Folgen auch samstags, quotenmeter.de, 23. September 2010.

Die sechste Staffel umfasste 18 Folgen sowie 2 Specials und wurde produziert von Eyeworks., cinefacts.de, 28. November 2011. Die Staffel wurde 2012 montags abends ausgestrahlt.«Switch reloaded»: Staffelstart im August, quotenmeter.de, 20. Juni 2012.

Neuauflage „Binge Reloaded“ Am 14. August 2020 kündigte Prime Video Deutschland eine Neuauflage unter dem Titel Binge Reloaded für Ende 2020 an. Produziert wird die Serie unter anderem von Georg Kappenstein, der auch bei Switch Reloaded Produzent war. Zur Besetzung gehören neben Michael Kessler auch Martin Klempnow sowie Tahnee Schaffarczyk, Antonia von Romatowski, Joyce Ilg, Jan van Weyde, Paul Sedlmeir und Christian Schiffer.DWDL.de: „Zu Prime Video geswitcht: Amazon macht "Binge Reloaded"“, aufgerufen am 15. August 2020

Darsteller miniatur|400px|Die Switch-reloaded-Besetzung der ersten vier Staffeln bei der Gala zur Verleihung des Fernsehpreises Romy in der Hofburg in Wien 2009. Von links nach rechts: Michael Müller, Susanne Pätzold, Mona Sharma, Bernhard Hoëcker, Petra Nadolny, Michael Kessler, Martina Hill, Peter Nottmeier. Nicht im Bild: Max Giermann

Bis auf Annette Frier und Bettina Lamprecht spielt bei der Neuauflage das komplette Ensemble der alten Switch-Folgen mit. Neu hinzugekommen sind Max Giermann und Martina Hill. Obwohl Mona Sharma auch in der dritten Staffel von Switch reloaded im Vorspann zu sehen war, tauchte sie in fast keinem Sketch auf. Aus privaten Gründen wolle sie nicht mehr aktiv vor der Kamera mitwirken, sondern sich auf das Schreiben neuer Sketche konzentrieren., quotenmeter.de, 24. November 2008. In der vierten Staffel ist Sharma nun auch nicht mehr Teil des Vorspanns. Seit Ende der 4. Staffel ist Constanze Behrends neu im Team. Ab Staffel 5 verstärkt zudem Martin Klempnow Switch reloaded. Er wurde – im Gegensatz zu Constanze Behrends – auch in den Vorspann integriert.

In der sechsten Staffel wird nur noch ein gekürzter Vorspann ohne die Darsteller gezeigt. Zudem ist Constanze Behrends nicht mehr in Staffel 6 dabei.

Rezeption Switch reloaded wurde von FAZ.netJörg Thomann: Ich habe im Internet retschertschiert, FAZ.net, 20. August 2008. als „Lichtblick im Programm“ beschrieben. Die parodistische Darstellung würde teilweise „konturlosen Bildschirmfigur[en] eine Identität“ verleihen. In weiten Teilen sei hierbei die „Geschichte [des Fernsehens] längst umgeschrieben“ worden, auch wenn teilweise auf scharfe Satiren „pure Albernheit“ folge. Matthias Kalle schrieb im Tagesspiegel: „Switch zeigt das Fernsehen eben doch, wie es ist, nämlich eher schlecht. Die Parodie kommt so der Wahrheit sehr nah, sie ist keine Kopie mehr, sondern funktioniert fast wie ein Zusammenschnitt der Fernsehrealität – und das ist ja nicht lustig, sondern eher traurig.“

Inhalt Jede Folge besteht aus mehreren inhaltlich voneinander abgegrenzten Parodien. Längere Sketche werden in der Regel unterbrochen und im Verlauf der Sendung fortgesetzt. Zwischen den einzelnen Sketchen wird das Umschalten auf einen anderen Sender durch einen Effekt angedeutet. Am Beginn jeder Folge, vor dem Intro, wird in einer kurzen Parodie auf wechselnde Sendungen durch die Erwähnung des Namens der Sendung Switch reloaded, meist im Zuge einer Empfehlung, diese angekündigt. Auf die Parodie aus dem Vorspann wird in der Folge nicht mehr eingegangen, auch wird der Name der Sendung nicht mehr erwähnt.

Parodierte Sendungen Akte 010: Während der Anmoderation wechselt häufig die Kameraeinstellung, sodass sich Moderator Ulrich Meyer (Nottmeier) ständig nach links oder rechts drehen muss. Aktenzeichen XY … ungelöst: Rudi Cerne (Müller) präsentiert absurde Kriminalfälle oder ruft fiktive Gestalten, etwa die Mainzelmännchen, zur Fahndung aus. Bei der Anmoderation schaut er jedes Mal auf die Moderationskarten, um seinen eigenen Namen vorzulesen. Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei: Die Kriminalhauptkommissare Ben Jäger (Müller) und Semir Gerkhan (Nottmeier) gelangen während ihres Dienstes in absurde Situationen oder werden in den Innendienst strafversetzt. Während in der echten Serie häufig Explosionen oder spektakuläre Fahrmanöver stattfinden, wird hier meistens auf die Folgen derlei Aktionen oder den häufigen Wechsel eines der Darsteller angespielt. ARD-Brennpunkt: Die Sendungen haben Themen zum Inhalt, die uninteressant, irrelevant oder sinnlos sind. Moderator Ulrich Deppendorf (Müller) erwähnt dabei auch immer, dass eine nachfolgende Sendung oder ein unterbrochener Brennpunkt, die weit wichtigere Themen zum Inhalt haben, sich um die Sendezeit des Brennpunktes verschieben. Astro TV: Verschiedene Formate des Senders werden parodiert: „Schwarzsehen mit Karten“ mit Kartenlegerin Roswitha (Sharma), die Anrufern ihre negative Zukunft voraussagt und deshalb Suizid empfiehlt, Alex Kara (Hoëcker) der dauergenervt versucht, seinen Anrufern das Geld aus der Tasche zu ziehen sowie der Astro-TV-Shop mit Daniel Kreibich (Giermann), der überteuerte Esoterik-Gegenstände verkauft. Beckmann: Talkshow-Moderator Reinhold Beckmann (Giermann) löchert seine prominenten Gäste andauernd mit intimen oder auch völlig sinnlosen, investigativ wirkenden Fragen. Dabei macht er durchweg einen selbstverliebten Eindruck. Bones – Die Knochenjägerin: Bones (Hill) und Seeley Booth (Giermann) verwenden in fast jedem Satz den Namen des anderen und betonen ihn besonders. Bones wird dabei als äußerst gefühlskalt dargestellt. Börse im Ersten: Anja Kohl (Hill) berichtet von der Börse, wobei diese „Berichterstattung“ fast ausschließlich aus erfundenen und zusammenhangslos aneinandergereihten Sprichwörtern besteht. Dabei wird ihr Dialekt parodiert, indem sie Wörter falsch betont oder Buchstaben falsch ausspricht. So beendet sie ihre Beiträge immer mit den Worten „An ter Pörse ist das nicht anders. Pis morgen!“. Die Tagesentwicklungen an der Börse werden am unteren Bildrand eingeblendet, wobei die Namen der Unternehmen verfremdet wurden, so wurde beispielsweise aus Microsoft „Mikrosoftporn“. Im Hintergrund wird die Kurve eines Börsencrashs gezeigt, für den die Anzeigetafel nicht ausreicht, weshalb sie mit Papier nach unten verlängert wird. CSI: Miami: Horatio Caine (Kessler) und Delko (Giermann) besichtigen Tatorte, wobei sich Horatio ständig an banalen Dingen am Tatort mehr abarbeitet als an der Tat selbst. Dabei setzt er nach jeder Kameraeinstellung seine Sonnenbrille auf und wieder ab, unabhängig davon, wo er sich befindet. Das aktuelle Sportstudio / EM Studio 2012: Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein (Nadolny) verhält sich Fußballexperte Oliver Kahn (Giermann) gegenüber übertrieben freundschaftlich, während Kahn durchweg einen abschätzigen Eindruck vermittelt. Häufiger Interviewpartner ist Bundestrainer Joachim Löw (Giermann). Das Supertalent: Es werden die Castings der Show mit den Jurymitgliedern der 2. bis 4. Staffel Dieter Bohlen (Giermann), Bruce Darnell (Hoëcker) und Sylvie van der Vaart (Hill) parodiert. Dabei treten häufig Prominente wie Elke Heidenreich (Nadolny) oder Menowin Fröhlich (Klempnow) auf, wobei Bohlen letzteren trotz seiner Teilnahme an Deutschland sucht den Superstar nicht erkennt. Der Bulle von Tölz: Ottfried Fischer (Hoëcker) wird mit einem Fettanzug parodiert. Der VIP Hundeprofi: „Hundeprofi“ Martin Rütter (Klempnow) besucht Prominente, die Probleme mit ihren Vierbeiner haben. Dabei benimmt er sich selbst wie ein Hund, indem er etwa andere Leute anknurrt oder Gegenständen hinterherjagt. Die 10 …: Moderatorin Sonja Zietlow (Pätzold) präsentiert die Rankingshow und muss während ihrer Anmoderation durch die wechselnden Kameraeinstellungen ständig die Blickrichtung ändern. Die Folgen haben lächerliche oder unsinnig gewählte Titel, etwa „Die 10 spektakulärsten Kinderlieder“ oder „Die 10 sensationellsten Dosengerichte“. Während der Einspieler geben parodierte Prominente Kommentare zu den Beiträgen ab. Die Geissens – Eine schrecklich glamouröse Familie: Es werden Szenen aus dem vermeintlichen Alltag der Familie dargestellt, wobei der Fokus auf dem herablassend wirkenden Umgang Robert Geiss' (Klempnow) mit seiner Ehefrau Carmen (Hill) liegt. Carmen nennt ihren Mann dabei ständig „Rooooobäärt“. Die Hit-Giganten: Hugo Egon Balder (Giermann) präsentiert unsinnige Musikhits, etwa die Charts aus dem 12. Jahrhundert oder Stadion-Fangesänge.