Uwe-Detlev Jessen, auch Uwe Detlef Jessen (* 2. Oktober 1931 in Wismar; † 19. Januar 2019 in Berlin), war ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Schauspiellehrer.
Leben Uwe-Detlev Jessen, Sohn der Schauspielerin Elli Jessen-Somann, stand bereits als Kind im Alter von sechs Jahren in einem Dialektstück in Güstrow erstmals auf der Theaterbühne. Er absolvierte nach dem Abitur von 1951 bis 1954 eine Schauspielausbildung an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin-Schöneweide.
Von 1954 bis 1959 war er als Schauspieler am Theater Senftenberg, ab 1959 am Berliner Maxim-Gorki-Theater engagiert. Als Oberspielleiter kehrte er von 1963 bis 1965 an das mittlerweile in Theater der Bergarbeiter umbenannte Theater Senftenberg zurück. In der Spielzeit 1965/66 arbeitete er als Schauspieler und Spielleiter an der Volksbühne Berlin; von 1966 bis 1980 gehörte er als Schauspieler und Regisseur zum Ensemble des Deutschen Theaters Berlin. Von 1980 bis 1989 war er am Volkstheater Rostock als Schauspieldirektor, Regisseur und Schauspieler tätig.
Nach der Wende hatte er Gastengagements unter anderem am Schlosstheater Celle und seit 1993 regelmäßig am Ohnsorg-Theater in Hamburg. In den 1990er Jahren trat er dort in komödiantischen Rollen unter anderem in den Lustspielen und Komödien Die Lokalbahn, Der Bürgermeisterstuhl, Der Oleanderpapagei und Der goldene Anker auf. Einige dieser Inszenierungen, in denen er häufig auch an der Seite von Heidi Kabel spielte, waren auch im Fernsehen, unter anderem beim Norddeutschen Rundfunk zu sehen.
Ab den 1960er Jahren wirkte Jessen in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen bei der DEFA und dem Deutschen Fernsehfunk mit. 1960 hatte er in dem Fernsehspiel Der erlauchte Gast neben seiner Mutter eine frühe Fernsehrolle. Häufig wurde er dabei als Charakterkomiker eingesetzt. Jessen, der mehrere Dialekte beherrschte, spielte ein breites Rollenspektrum, das „vom nüchternen Funktionär bis zu skurril-hintergründigen Gestalten“ reichte.
In dem Märchenfilm Die goldene Gans (1964) spielte er den komisch-rechthaberischen Bruder Kunz. 1961 spielte er die Rolle des Franz in dem Stacheltier-Film Das große und das kleine ABC; ein weiterer Stacheltier-Film folgte 1962. In der Literaturverfilmung Der geteilte Himmel (1964) verkörperte er den dogmatischen und sturen Studenten Mangold, der mit der weiblichen Titelfigur Rita Seidel gemeinsam eine Klasse besucht.
Ab 1972 arbeitete Jessen für das Fernsehen der DDR auch als Regisseur; er inszenierte dort ungefähr zwanzig Fernsehfilme und Fernsehspiele, oft auch Produktionen, insbesondere Märchenverfilmungen, für das Kinderfernsehen der DDR. Außerdem spielte er in mehreren Episoden der Krimiserie Polizeiruf 110 mit.
Jessen war auch intensiv als Schauspiellehrer und Theaterpädagoge tätig. Er hatte zwischen 1962 und 1991 mehrfach Lehraufträge an der Staatlichen Schauspielschule Berlin-Schöneweide; außerdem arbeitete er als Dozent an der Theaterhochschule Rostock. Uwe-Detlev Jessen starb im Januar 2019 im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit in Berlin. Er hinterließ drei Kinder.
Filmografie (Auswahl) Regisseur in Fernsehfilmen 1972: Bach in Arnstadt 1974: Hausarrest (über Beethoven)Hausarrest Fernsehen der DDR (Memento) 1977 Haydn in LondonHaydn in London Fernsehen der DDR (Memento) 1977: Der Wolf und die sieben Geißlein 1978: Schwarz auf weiß 1979: Die Ringe aus ZinnDie Ringe aus Zinn Fernsehen der DDR (Memento) 1979: Die Bremer StadtmusikantenDie Bremer Stadtmusikanten Fernsehen der DDR (Memento) 1981: Das tapfere Schneiderlein 1985: Der Sohn des Schützen
Schauspieler Fernsehfilme 1960: Der erlauchte Gast 1960: Flucht aus der Hölle (Fernsehmehrteiler)
DEFA-Spielfilme 1961: Das Stacheltier – Das große und das kleine ABC 1962: Das Stacheltier – Das große Geheimnis 1962: Die aus der 12b 1964: Die goldene Gans 1964: Der geteilte Himmel 1965: Berlin um die Ecke 1967: Die gefrorenen Blitze
Fernsehfilme 1968: Wege übers Land (Fernsehserie) 1968: Der Staatsanwalt hat das Wort: Strafsache Anker 1969: Zeit zu leben 1970: Der Staatsanwalt hat das Wort: Außenseiter 1972: Polizeiruf 110: Blutgruppe AB 1973: Der Staatsanwalt hat das Wort: … und wenn ich nein sage? 1974: Die Frauen der Wardins (Dreiteiler) 1976: Leben und Tod Richard III. (Theateraufzeichnung) 1977: Dantons Tod (Theateraufzeichnung) 1979: Polizeiruf 110: Am Abgrund 1980: Solo für Martina 1981: Kippenberg 1984: Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung 1988: Bereitschaft Dr. Federau 1989: Polizeiruf 110: Der Fund (TV-Reihe) 1990: Alter schützt vor Liebe nicht 1994: Die Lokalbahn (Theateraufzeichnung) 1995: Brandstiftung (Theateraufzeichnung) 1995: Der Oleanderpapagei (Theateraufzeichnung) 1997: Der verflixte Strumpf (Theateraufzeichnung) 1997: Frau Sperlings Raritätenladen (Theateraufzeichnung) 2000: Der letzte Wille 2001: Der goldene Anker
Theater (Auswahl) Regie 1974: Nikolai Haitow: Wege (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele)
Schauspieler 1956: Aurel Baranga: Das tolle Lamm (Parteisekretär) – Regie: Horst Schönemann (Stadttheater Senftenberg) 1957: Maxim Gorki: Nachtasyl – Regie: Horst Schönemann (Stadttheater Senftenberg) 1959: Maxim Gorki: Feinde (Rjabzow) – Regie: Hans Dieter Mäde (Maxim-Gorki-Theater Berlin) 1961: Rainer Kerndl: Schatten eines Mädchens (Ulrich) – Regie: Horst Schönemann (Maxim-Gorki-Theater Berlin) 1961: Ewan MacColl: Unternehmen Ölzweig (Soldat) – Regie: Horst Schönemann (Maxim-Gorki-Theater Berlin) 1961: Ewan MacColl: Rummelplatz – Regie: Hans Dieter Mäde (Maxim-Gorki-Theater Berlin) 1962: Pavel Kohout (nach Jules Verne): Die Reise um die Erde in 80 Tagen (Passepartout) – Regie: Horst Schönemann (Maxim-Gorki-Theater Berlin) 1965: Peter Hacks: Moritz Tassow (Kurt Blasche) – Regie: Benno Besson (Volksbühne Berlin) 1967: Friedhold Bauer: Baran oder die Leute im Dorf (Soldat) – Regie: Friedo Solter (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1967: Nikolai Gogol: Heirat (Shewakin) – Regie: Hans-Diether Meves (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1968: Ariano Suassuna: Das Testament eines Hundes (Bischof) – Regie: Friedo Solter (Deutsches Theater Berlin) 1969: Hans Lucke: Mäßigung ist aller Laster Anfang (Lothar) – Regie: Uta Birnbaum/Friedo Solter (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1969: Günther Rücker: Der Nachbar des Herrn Pansa (Gaspar) – Regie: Friedo Solter (Deutsches Theater Berlin) 1973: Volker Braun: Die Kipper (Gäbler) – Regie: Klaus Erforth/Alexander Stillmark (Deutsches Theater Berlin) 1975: Georges Courteline: Der gemütliche Kommissar (Kommissar) – Regie: Michael Hamburger (Deutsches Theater Berlin – Kleine Komödie) 1975: Georges Courteline: Der Stammgast (Staatsanwalt) – Regie: Michael Hamburger (Deutsches Theater Berlin – Kleine Komödie) 1976: Arnold Wesker: Tag für Tag – Regie: Horst Schönemann (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1978: Alexander Wampilow: Letzten Sommer in Tschulimsk (Metschotkin) – Regie: Horst Schönemann (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1980: Gabriele Bigott (nach Dieter Noll): Kippenberg (Dr. Kortner) – Regie: Peter Schroth/Peter Kleinert (Theater im Palast)
Hörspiele 1962: Gerhard Stübe: Das Südpoldenkmal (Hasselt) – Regie: Fritz Göhler (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1969: Claude Prin: Potemkin 68 (Mitglied des Streikkomitees) – Regie: Edgar Kaufmann (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1969: Peter Hacks nach Aristophanes: Der Frieden (Chor) – Regie: Wolf-Dieter Panse (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1970: Tschingis Aitmatow: Die Straße des Sämanns (Kassym) – Regie: Werner Grunow (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1970: Bodo Schulenburg: Der Nachtigallenstern (Arbeiter) – Regie: Christa Kowalski (Kinderhörspiel – Rundfunk der DDR) 1970: Sophokles: Die Antigone des Sophokles (Chor der Alten) – Regie: Martin Flörchinger (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1974: Hans-Ulrich Lüdemann: Blümlein ist gegangen (Enderle) – Regie: Fritz Göhler (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1975: Joachim Witte: Die Schlange (Ohme) – Regie: Joachim Witte (Hörspielreihe: Neumann, zweimal klingeln – Rundfunk der DDR) 1980: Volksbuch: Fortunatus’ Glückssäckel oder die Kunst, reich zu sein (Pferdehändler) – Regie: Andreas Scheinert (Hörspiel – Litera)
Literatur Frank-Burkhard Habel, Volker Wachter: Das große Lexikon der DDR-Stars. Die Schauspieler aus Film und Fernsehen. Erweiterte Neuausgabe. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002, ISBN 3-89602-391-8, S. 172. Frank-Burkhard Habel: Lexikon. Schauspieler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2009, ISBN 978-3-355-01760-2, S. 189.
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Einzelnachweise
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