Klas Anshelm (* 4. Februar 1914 in Annedal (Göteborg); † 6. Mai 1980 in Lund) war ein schwedischer Architekt und Künstler.
Leben Anshelm wuchs in Göteborg auf und studierte an der dortigen Technischen Hochschule Chalmers (CTH) unter Melchior Wärnstedt und Sigurd Lewerentz Architektur.Klas Anshelm - samlade arbeten (deutsch: Gesammelte Werke), Per Qvarnström, 1998, ISBN 91-540-5819-8.Olle Svedberg: The Architecture of Klas Anshelm. 2004, ISBN 91-86050-61-3. Nach seinem Hochschulabschluss im Jahr 1940 fand er eine Anstellung beim Architekten Hans Westman in Lund und wechselte vier Jahre später in das Architekturbüro Wejke & Odeen in Stockholm. Dort war Anshelm für die Erweiterung des Campus der Universität Lund zuständig.
1947 eröffnete er in Lund sein eigenes Architekturbüro. Am Anfang seiner Selbstständigkeit spezialisierte er sich auf die Architektur von Industrie- und Wissenschaftsgebäuden. Er sicherte sich umfangreiche Aufträge der Universitäten von Göteborg und der von Lund.
Neben der Ehrendoktorwürde der Universität Lund (1973) wurde Anshelm zu Lebzeiten mehrfach für sein Werk ausgezeichnet: 1974 mit dem Kasper Salin-Preis und 1978 mit der schwedischen Prins Eugen-Medaille.
Anshelm war verheiratet, sein Sohn ist der Architekt und Fotograf Sören Anshelm.
Werk Architektur Anshelm folgte in seinen Entwürfen zeitlebens einem später von Kay Fisker als Dänischer Funktionalismus beschrieben Stil: Die Fundamente der tragenden Mauern sind aus Beton, die Mauern und tragenden Wände wiederum sollen schnörkellos und von einer Dicke von 1,5 Steinen sein. Fenster sind entweder traditionelle Öffnungen in den Mauern oder vertikale Glasstreifen. Horizontale Fenster sind nur erlaubt, wenn sie sich oberhalb der gemauerten Wände befinden. Decken sind entweder flach oder von geringer Neigung ohne Abhängung. Die Eingänge zu den Gebäuden sind ebenerdig, und mit hart gebrannten Fliesen ausgelegt. Trotz dieser sehr einschränkenden Prinzipien passte Anshelm seine Entwürfe detailliert an die örtlichen Gegebenheiten an.
Das größte Bauwerk, das Anshelm in diesem Stil errichtete war das 9-stöckige Bürogebäude für die Sydkraft , der heutigen E.ON Sverige AB, in Malmö (1962–1971): Mauern aus vollem Stein, mit einer Dicke von drei Steinen, die dem Bauwerk eine beinahe gotische Struktur verleihen. Neben den gebrannten Steinen aus der jeweiligen Region griff Anshelm auch immer wieder auf mehr oder weniger unbehauenem Naturstein zurück. Es sind diese Wände, die seinen Bauten das charakteristische, solide und den Naturgewalten trotzende Aussehen gaben.
Im Rahmen seiner Tätigkeit sammelte er besonders geglückte Einzellösungen, die er in späteren Werken nach Belieben wiederholte und kombinierte. Ein Musterbeispiel für diese Art der Architektur findet sich im Gebäude der Ingenieurwissenschaftlichen Fakultät der Universität Lund aus den frühen 1960er Jahren.
Der überwiegende Teil von Anshelms Architektur findet sich in Lund, insbesondere in den Gebäuden der Universität. Als seine Hauptwerke gelten: Lunds konsthall (Kunsthalle Lund, 1954–56), Lunds stadshall (Stadthalle Lund, 1961–64)sowie Malmö konsthall (Kunsthalle Malmö, 1971–73).
Skulpturen Neben den Gebäuden schuf Anshelm zahlreiche Skulpturen. Exemplarisch seinen die Fontän (gläserner Brunnen, 1962) vor dem Haupteingang der Sydkraft AB in Malmö und das Trådmodell av transcendental regelyta, (Drahtmodell einer transzendenten Regelfläche, 1966) vor dem Gebäude der Mathematischen Institute der Universität Lund, sowie die LTH-Fontän (gläsernes Wasserspiel, 'Stahl, Glas, Wasser', 1960–1969) in der Technischen Hochschule Lund genannt.
Rezeption Der Designer Åke Axelsson entwarf 1995 den Stuhl 'Anselm' bzw. später 'Anselm I' in Gedenken an Klas Anshelm:Produktbeschreibung (PDF; 109 kB) Er kombiniert klare Linien und plane Flächen mit Sitzkomfort. Charakteristisch ist die als Griff fungierende kreisrunde Aussparung in der Lehne. Mit dem 'Anshelm II' aus dem gleichen Jahr'Anshelm II' Stuhl. kombinierte er Anshelms Idee der Verarbeitung unbearbeiteter Materialien in einem Stuhl: Die Armlehne und die mit ihr verbundenen, hinteren Stuhlbeine sind aus unbehandeltem Birkenholz gefertigt. Die Stapelfähigkeit und damit die beliebige Wiederholbarkeit des Designeelements Stuhl, ist eine Hommage an die Modularität von Klas Anshelms Entwürfen.Produktbeschreibung (PDF; 178 kB)
Charakteristische Architekturbeispiele Lunds konsthall (Kunsthalle Lund, 1954–1956)
Lunds stadshall (Rathaus Lund, 1961–1964)
Malmö konsthall (Kunsthalle Malmö, 1971–1973)
Skulpturen
Bauten von Klas Anshelms Architekturbüro
Jahr(Beginn) Jahr(Ende) Ort Beschreibung Arbeit Zustand Geokoordinaten Publiziertes Bildmaterial 1947 1947 Mariestad Landsstadtshus, Entwurf 1947, Bau 1953 NeubauOriginal 1948 1953 Lund Universität Lund, Sölvegatan, Medicinarlängan, (Physiologisches Institut)NeubauTeilerhalten 1948 1978 LundUniversität Lund, (Technologiezentrum, Jurazentrum, Anatomie, Genetik, Geschichte, Klassik, Physik)Umbau und Erweiterung 1959 1959 LundCWK Gleerup AB, Oresundsvägen, (Verlagshaus)Neubau 1951 1951 LundAB Svensk Torvförädling, (Forschungslabor)Neubau 1951 1957 LundUniversitätsbibliothek (UB 1), HelgonabackenUmbau und Erweiterung 1951 1965 LandskronaLandsverk AB, (Montagehalle und Berufsschule)Neubau 1952 1952 LundVilla RausingNeubau 1952 1969 LundS:t Lars sjukhus, (Krankenhaus: Behandlungspavillons, Ergotherapie, medizinisches Zentrum)Neubau 1954 1954 AlnarpStatens Maskinprovningar, (Prüfungshalle)Neubau 1954 1959 GöteborgUniversität Göteborg, Medicinarberget, (Medizinische Institutionen und Bibliothek)Neubau 1955 1955 LundBrio AB, Södra vägen, (Schokoladenfabrik)Neubau 1955 1955 LundBibliotekstjänst AB, TornavägenNeubau 1955 1969 LundWohnhaus, KävlingevägenUmbau und Restaurierung 1956 1956 LundLunds konsthall, MårtenstorgetNeubauOriginal 1956 1956 LundMedeltidshallen, Kulturen, (Ausstellungshalle)Neubau 1956 1963 ArlövSvenska Sockerfabriks AB, (Forschungslabor und Hörsaal)Neubau 1958 1958 KristianstadLandsstatshusNeubauOriginal 1958 1958 BarsebäckhamnFritidshus (10 Ferienhäuser)NeubauTeilerhalten 1958 1968 LundLunds Nation, AgardhsgatanNeubau 1959 1959 LundCWK Gleerup AB, Oresundsvägen, (Verlagshaus)Neubau 1959 1959 Lund"Pelarsalarna", Universitetshuset, "Sparta"Umbau des Kellers 1959 1959 HälleviksstrandSommarhus RehnbergNeubau 1959 1959 LundTextilhallen, Kulturen, (Ausstellungshalle)Neubau 1959 1959 LundÖstarpshallen, Kulturen, (Ausstellungshalle)Neubau 1960 1960 LundPolhemsskolan, Trollebergsvägenj, (Berufsschule)Neubau 1960 1963 GöteborgChalmers Tekniska Högskola, (Physiklabor, Chemie Institut)Neubau 1960 1969 LundLund Tekniska Högskola: (Mathematik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Straßen- und Wasserbau, Architektur, Chemie)Neubau 1960 1969PerstorpPerstorp AB, (Abteilung für Forschung und Lehre)Neubau 1960 1973 LundUniversität Lund, (Institut für Pflanzenphysiologie)Neubau 1961 1961 StockholmGalleri Blanche, MynttorgetUmbau 1962 1962 ÖlandUniversität Uppsala, (Außenstelle für Ökologen)Neubau 1962 1968 HelsingborgGustav Adolfs kyrkaRestaurierung 1962 1971 Malmö Sydkraft AB (Kontorhaus), RegementsgatanNeubauOriginal 1971 1971 MalmöSydkraft AB Datacentral (Rechenzentrum), ReglementsgatanNeubauOriginal 1964 1964 MalmöGalleri LegerUmbau 1964 1964 ÅreskutanFjällstuga Neubau 1964 1968 LundStadthalle und Rathaus, Stortorget Neu- und UmbautenOriginal 1965 1965 SvalövFridhems folkhögskola, (Volkshochschule)Neubau 1966 1970 LundRättspsykiatriska kliniker: S:t Lars sjukhus (Forensisch-psychiatrische Kliniken)Neubau 1966 1970 UppsalaRättspsykiatriska kliniker: Ulleråkers (Forensisch-psychiatrische Kliniken)Neubau 1966 1970 GöteborgRättspsykiatriska kliniker: S:t Jörgens sjukhus (Forensisch-psychiatrische Kliniken)Neubau 1968 1968 LundLandstingskansli, Baravägen NeubauOriginal 1968 1968 MalmöSjömansgården, FiskehamnsgatanNeu- und Umbauten 1968 1968 SödertäljeVilla Högestätt Neubau 1969 1969 GöteborgVilla Westlund Neubau 1969 1969 LundArbeitszimmer für Sigurd Lewerentz, Kävlingevägen Neubau 1970 1970 GöteborgUniversität Göteborg, (Hygieneinstitut)Neubau 1970 1971 GöteborgVilla Oljelund Neubau 1972 1972AlnarpKallförråd, Statens Maskinprovningar, (Kühllager)NeubauOriginal 1973 1973 MalmöKunsthalle Malmö, Magistratsparken NeubauOriginal 1973 1973 LundAtelje Trotzig, Västergatan Neubau 1974 1974 LundBibliotekstjänst AB, Traktorvägen Neubau 1974 1974 LundBibliotekstjänst AB, Traktorvägen Erweiterung 1974 1974 GöteborgChalmers Tekniska Högskola, "Trapphuset" Forskarhus 2 Neubau 1975 1977 LundUniversität Lund, filialbibliotek UB 2 NeubauOriginal 1976 1976 LundUniversität Lund, Hygieneinstitut Neubau 1976 1976 StockholmHalmhus, Ararat, Moderna Museet Neubau 1977 1977 GöteborgFiskets husNeubau 1978 1978 LundUniversität Lund, "Absalon", (Sprachlabor)Neubau 1978 1978 LundUniversität Lund, Gamla Kirurgen, (Weiterbildungsbibliothek)Sanierung
Literatur
Olle Svedberg: The Architecture of Klas Anshelm. 2004, ISBN 91-86050-61-3. Per Qvarnström: Klas Anshelm - samlade arbeten. (deutsch: Gesammelte Werke). 1998, ISBN 91-540-5819-8. Per Qvarnström, Per Helander: Klas Anshelm: Till Brancusi. Nastan 20. 1994, ISBN 91-7704-065-1. Klas Anshelm byggnader. (deutsch: Thema: Die Gebäude von Klas Anshelm) In: Arkitektur. 79 (1979), Arkitektur förlag, Stockholm, , S. 7.
Weblinks
Einzelnachweise
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