mini|Vier Schnellrestaurants nebeneinander Wettbewerb ist in der Wirtschaft, Wirtschaftswissenschaft und insbesondere auf Märkten ein antagonistisches Marktverhalten, bei dem sich mindestens zwei Anbieter (mit dem Ziel der Gewinnmaximierung) oder Nachfrager (mit dem Ziel der Nutzenmaximierung) gegenüberstehen und ihr jeweiliges Ziel zu Lasten des anderen durchzusetzen versuchen.

Allgemeines Antagonistisch bedeutet, dass jeder Marktteilnehmer mindestens einen Aktionsparameter einsetzt, um seinen Zielerreichungsgrad zu Lasten anderer zu verbessern.Ute Arentzen, Thorsten Hadeler (Hrsg.): Gabler Volkswirtschafts-Lexikon, Band 3, 1997, S. 1270. Senkt beispielsweise ein Anbieter seinen Preis und kann dadurch ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen, so macht er einen Gewinn und hat dadurch einen höheren Zielerreichungsgrad als der Anbieter, der wegen seines konstant gebliebenen Preises dasselbe Produkt nicht verkaufen konnte. Wettbewerb ist ein zentraler Begriff in der Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre, der die Anbieter untereinander betrifft. Rivalität dagegen betrifft die Güter und Dienstleistungen untereinander. Im Wettbewerb stehen sich Anbieter und Nachfrager im Sinne einer Komplementaritätsbeziehung gegenüber, denn der Anbieter will etwas verkaufen, das der Nachfrager kaufen möchte. Der Anbieter will dabei eine maximale Produzentenrente und der Nachfrager eine maximale Konsumentenrente erzielen.

Wettbewerb setzt freie Märkte und Wettbewerbsfähigkeit der Marktteilnehmer voraus.

Etymologie Die Unterscheidung von Wettbewerb als sportlichem Vergleich () und Konkurrenz als streitend verdrängendem Vergleich () ist willkürlich und hat sich in der Wirtschaft als Ableitung aus dem Wettbewerbsrecht ausgebildet. Vermutlich ist die anarchische Streitkomponente der Grund für diese Begriffsverwendung in einer konsensorientierten GesellschaftDas anarchische Element mit detailliert kodifiziertem Recht. In der wissenschaftlichen ökonomischen Fachliteratur, insbesondere in der angelsächsischen Literatur, gibt es diese Unterscheidung nicht. Eine linguistische Begründung für diese Unterscheidung gibt es nicht. Die sprachliche Variante Bewerb (in Österreich für sportlichen WettbewerbJakob Ebner: Duden: Wie sagt man in Österreich? Wörterbuch des österreichischen Deutsch. 4., völlig überarbeitete Auflage. Dudenverlag, Mannheim / Wien / Zürich 2009, ISBN 978-3-411-04984-4, S. 72.) hat dieselbe Wortbedeutung, der Wortbestandteil Wette () in Deutschland ist eher unbedeutend.

Definitionen Obwohl der Wettbewerb das Kernelement einer Marktwirtschaft darstellt, fehlt es an einer einheitlichen Definition. Allgemein ist Wettbewerb das Verhalten mehrerer Personen, das dadurch gekennzeichnet ist, dass die eine das zu gewinnen strebt, was auch die andere zur gleichen Zeit zu gewinnen strebt.Stefan Bretthauer: Wettbewerbs- und Kartellrecht, in: Rolf Stober (Hrsg.): Deutsches und internationales Wirtschaftsrecht, 2007, S. 493 (Google Buch). Wettbewerb dieser Art gibt es bei Berufen, in Kunst, Politik, Sport und Wirtschaft. In der Wirtschaft kann Wettbewerb nur entstehen, wenn Wettbewerbsfreiheit vorhanden ist, die einen freien Marktzutritt und die freie wirtschaftliche Betätigung auf diesem Markt ermöglicht.Stefan Bretthauer: Wettbewerbs- und Kartellrecht, in: Rolf Stober (Hrsg.): Deutsches und internationales Wirtschaftsrecht, 2007, S. 493.

Wettbewerb und Konkurrenz betreffen denselben Sachverhalt; fehlt es auf einem Markt an Wettbewerb, ist nur ein konkurrenzloser Anbieter in Form des Monopols vorhanden.Gerhard Huber, Franz Kafitz (Hrsg.): Lexikon des praktischen Kaufmanns, 1970, S. 440 Der Monopolist kann auf autoritäre Weise Marktpreise und andere Liefer- und Zahlungsbedingungen diktieren. Wettbewerb wird als Verfahren angesehen, die Koordination zwischen Wirtschaftssubjekten auf nicht-autoritäre Weise sicherzustellen, was für diese Freiheitsrechte in deren Rollen als Anbieter und Nachfrager auf den Güter- und Faktormärkten impliziert.Ulrich Fehl: Wettbewerbspolitik, in: Wolfgang Lück (Hrsg.): Lexikon der Betriebswirtschaft, 1983, S. 1274; ISBN 3478376246 „Wettbewerb ist das Bestreben mehrerer voneinander unabhängiger Gewerbetreibender, auf einem gemeinsam zugänglichen Markt mit Vorrang vor den Mitbewerbern zu Geschäftsabschlüssen mit Kunden zu gelangen, …“Carl Creifelds: Creifelds Rechtswörterbuch, 16. Auflage, 2000, S. 1566; ISBN 3406464114

Voraussetzungen Märkte unterliegen meist privaten oder auch staatlichen Wettbewerbsbeschränkungen – etwa beim Vorhandensein eines Kartells oder Monopols. Als Voraussetzungen für funktionierenden Wettbewerb werden daher häufig private Eigentumsrechte, Gewerbefreiheit, Niederlassungsfreiheit, Vertragsfreiheit, eine funktionsfähige Justiz, ein funktionsfähiges Preissystem, ein funktionierendes Währungssystem, Markttransparenz und Marktoffenheit angesehen.

Arten Allgemein können folgende Arten des Wettbewerbs unterschieden werden:Michael Hohlstein: Lexikon der Volkswirtschaft, 3. Auflage, 2009, S. 719. marktkonformes Marktverhalten: Anpassung Mengenanpassung an einen gegebenen Marktpreis (wie der Einkauf im Supermarkt), Preisanpassung an eine gegebene Menge (bei der Auktion), Marktstrategien Autonome Strategie: die Reaktion anderer Marktteilnehmer wird nicht berücksichtigt (Monopolpreise), Konjekturale Strategie: die vermutete Reaktion anderer Marktteilnehmer wird bei der Wahl der eigenen Aktion berücksichtigt (bargainingForm der Preisbildung, bei der Preis und Menge eines Gutes auszuhandeln sind wie beim bilateralen Monopol bei Tarifverhandlungen), Überlegenheitsstrategie: die vorab bekannte Reaktion anderer Marktteilnehmer wird bei der Wahl der eigenen Aktion eingeplant (Preisoffensive des Marktführers). Marktfeindliches Marktverhalten: Verdrängungswettbewerb: Konkurrenten werden letztlich zum Marktaustritt gezwungen, Wirtschaftskartelle: schalten den Wettbewerb aus, Konzerne: steigern ihre Marktmacht, Boykotte, Streiks/Aussperrungen. Der Autor sieht auch Streiks und Aussperrungen als marktfeindliches Marktverhalten an, obwohl dieses Verhalten nach erfolglosem Verlauf der Tarifverhandlungen mit der Marktwirtschaft als systemkonform angesehen werden muss.

Je nach dem Erfüllungsgrad der Prämissen eines Marktes wird unterschieden: Vollkommener Wettbewerb liegt vor: wenn es keine Präferenzen zwischen Anbietern und Nachfragern gibt, bei vollkommener Markttransparenz, bei Homogenität der Handelsobjekte, bei unendlicher Anpassungsgeschwindigkeit aller Marktteilnehmer, Anbieter und Nachfrager verfolgen das Unternehmensziel der Gewinnmaximierung, Verbraucher das persönliche Ziel der Nutzenmaximierung. Unvollkommener Wettbewerb liegt vor, wenn eine oder mehrere dieser Prämissen auf dem Markt nicht vorhanden sind.Alfred Stobbe: Mikroökonomik, Springer-Lehrbuch, 1991, 2. Auflage, ISBN 9783540541363, S. 561. Es handelt sich um theoretische Modelle, die in den Wirtschaftswissenschaften zur Beurteilung von Marktstrukturen und Markttypologien herangezogen werden. Die meisten Märkte sind in der Praxis unvollkommen.

Im Hinblick auf die Handelsobjekte wird zwischen Preis-, Mengen-, Service- und Qualitätswettbewerb unterschieden. Beim Preiswettbewerb wird als Aktionsparameter der Preis eingesetzt, der Qualitätswettbewerb ist einerseits durch die qualitative Veränderung (Verbesserung oder Verschlechterung) bestehender Produkte (Produktdifferenzierung) und andererseits durch Produktentwicklung und Produktinnovation gekennzeichnet.Thorsten Hadeler (Hrsg.): Gabler Volkswirtschafts-Lexikon, Band 1, 1996, S. 903 Aktionsparameter ist hier die Produktqualität/Dienstleistungsqualität. Diese Arten können wie folgt gegenübergestellt werden:

Preiswettbewerb Qualitätswettbewerb Mengenwettbewerb Servicewettbewerb Aktionsparameter Preis Produktqualität / Dienstleistungsqualität Absatzvolumen Kundendienst Wettbewerbsstrategie Preisführerschaft Qualitätsführerschaft Marktführerschaft Kundenbindung

Als Wettbewerbsstrategie kann unter anderem Preisführerschaft oder Qualitätsführerschaft angestrebt werden. Preisstrategie ist das Streben von Anbietern, mit einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis vor anderen Anbietern bei den Nachfragern zum Verkaufserfolg zu kommen.

Wettbewerbsfunktionen In der Wettbewerbstheorie unterscheidet man folgende Funktionen des Wettbewerbs:Verlag Dr. Th. Gabler: Gabler Wirtschafts-Lexikon, Band 6, 1984, Sp. 2242Jochen Lux: Der Tatbestand der allgemeinen Marktbehinderung, 2006, S. 15 Verteilungsfunktion: Das Einkommen wird nach Leistung verteilt, die im Marktgeschehen durchgesetzt werden muss. Steuerungsfunktion: Erfolgreiche Unternehmen gewinnen Marktanteile, weil ihr Güterangebot den Präferenzen der Güternachfrager entspricht. Grenzanbieter scheiden aus dem Markt aus (Marktaustritt). Allokationsfunktion: Produktionsfaktoren werden möglichst effizient eingesetzt. Innovationsfunktion: Technischer Fortschritt wird für kostengünstige Produktinnovationen und verbesserte Produktqualität genutzt. Anreizfunktion: Sie treibt die Unternehmen zu ständigen Leistungsverbesserungen (Marktpreis, Produktqualität) an. Anpassungsfunktion: Auf Angebots- oder Bedarfsverschiebungen wird durch flexible Anpassung der Produktionsprogramme, Produktionstechnik, Produktionsverfahren und Kapazitäten reagiert. Güterangebot und Güternachfrage werden durch den Wettbewerb am Markt bestimmt.Stefan Bretthauer: Wettbewerbs- und Kartellrecht, in: Rolf Stober (Hrsg.): Deutsches und internationales Wirtschaftsrecht, 2007, S. 494.

Messung Da sich der Wettbewerb quantitativ nicht messen lässt, ist die Messung der Unternehmenskonzentration durch die Konzentrationsrate ein wichtiges Hilfsmittel.Dirk Piekenbrock: Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaft. 3500 Begriffe nachschlagen, verstehen, anwenden. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Gabler, Wiesbaden 2003, ISBN 978-3-409-21803-0, S. 431. Wenn beispielsweise auf einem Markt fünf Unternehmen mit einem gleichen Marktanteil von 20 % agieren, dann gibt die für die zwei größten Unternehmen einen Wert von

an.

Wettbewerbsniveau Konzentrationsrate Bemerkungen Perfekter Wettbewerb liegt in einer Branche vor, wenn die Konzentrationsrate beträgt hoher Wettbewerb 0 % – 40 % 0 % bedeutet vollkommener Wettbewerb im Polypol mittlerer Wettbewerb 40 % – 70 % typisch für das Oligopol geringer Wettbewerb 70 % – 100 % bei 100 % fehlt es am Wettbewerb wegen eines Monopols

Der Wettbewerb ist umso schwächer, je weniger Marktteilnehmer vorhanden sind (absolute Konzentrationsrate) oder je ungleichmäßiger die Verteilung des Marktvolumens auf die Marktteilnehmer ist (relative Konzentrationsrate).

Die Messung der Branchenrivalität bzw. der Marktmacht einzelner Anbieter stellt sowohl für Praktiker als auch für Kartellbehörden eine große Herausforderung dar. Ausgangspunkt für die Ermittlung von Marktmacht ist die Betrachtung von Marktanteilen der Anbieter im relevanten Markt. Das einfachste Maß ist die Konzentrationsrate. Sie bestimmt sich aus dem Marktanteil der größten Unternehmen. Üblicherweise beträgt n zwischen eins und fünf, d. h. man summiert die Marktanteile von bis zu fünf der größten Anbieter. Dies kürzt man mit ab.

Wettbewerbsrecht