António de Albuquerque Coelho [] (* 1682 in Santa Cruz de Macuttá, Maranhão, Brasilien; † 1745 in Madre de Deus, Portugiesisch-Indien) war ein portugiesischer Kolonialverwalter.António de Albuquerque Coelho (portugiesisch) Im Laufe der Zeit lebte er in nahezu allen Regionen des portugiesischen Kolonialreichs. Ungewöhnlich für die damalige Zeit, hatte er trotz seiner gemischten europäisch-afrikanisch-indianischen Herkunft mehrere hohe Posten inne, so war er Gouverneur in Macau, Timor und Pate.
Familie António de Albuquerque Coelho war der uneheliche Sohn von António de Albuquerque Coelho de Carvalho, der verschiedene Verwaltungsposten in Portugal, Brasilien und zuletzt in Angola innehatte, und Ângela de Bairros ou de Azevedo, deren Eltern und Großeltern aus Portugal, Afrika und von den Indianern Brasiliens abstammten. Somit galt der Sohn als Mestize.
Leben Aufstieg mini|Das portugiesische Kolonialreich um 1700
Seine erste Ausbildung erhielt Albuquerque Coelho vom Priester seiner Heimatgemeinde. (PDF; 7,5 MB) Als Jugendlicher wurde Albuquerque Coelho nach Portugal geschickt, um zu studieren. Vermutlich durch den Einfluss seines Vaters erhielt er am 10. März 1700 den Titel Fidalgo cavaleiro da Casa Real inklusive eines festen Einkommens und wurde in den Christusorden aufgenommen. Dafür musste der Sohn in die portugiesischen Besitzungen nach Asien gehen. Die gefährliche sechsmonatige Überfahrt forderte unter den Reisenden an Bord verhältnismäßig viele Opfer.
Am 12. September 1700 erreichte er an Bord der São Pedro Gonçalves die Stadt Goa in Indien. Hier war Albuquerque Coelho Tenente de mar e guerra (Leutnant zur See), später Capitão-tenente (Kapitänleutnant). Dies waren überwiegend nominelle Posten. Da er sich auf der Überfahrt bewährt hatte, wurde er nun auf Kriegsschiffen in der Straße von Hormus und im Indischen Ozean eingesetzt. Für seine Verdienste auf See wurde er bei seiner Rückkehr erneut ausgezeichnet. Allerdings kam es zu Problemen, als Albuquerque Coelho, ohne Erlaubnis des Vizekönigs von Indien, aus gesundheitlichen Gründen nach Lissabon zurückkehrte. Hier traf er nochmals auf seinen Vater, der gerade ebenfalls in Portugal weilte und heiratete. Als Albuquerque Coelho wieder nach Indien zurückkehren wollte, beantragte er beim König, zum Capitão de infantaria einer Flotte von Naus ernannt zu werden. Dies wurde ihm aber verweigert, da er ohne Erlaubnis Indien verlassen hatte.
1706 war Albuquerque Coelho als Capitão de infantaria einer Fregatte in Macau stationiert. Hier begegnete er der damals siebenjährigen Waise Maria de Moura e Vasconcellos und wollte sie heiraten, wohl aus Statusgründen und des Vermögens ihrer Familie wegen. Standesgemäße, ledige Frauen waren in den Kolonien eine Seltenheit. Die Großmutter des Mädchens, Maria de Vasconcelos, stellte sich dagegen; einmal, weil der verstorbene Vater Francis de Moura de Bastos in seinem letzten Willen verfügt hatte, dass seine Tochter erst im Alter von zwölf heiraten sollte und wohl auch weil Albuquerque Coelho ein Mestize war. In dieser Angelegenheit erfolglos, kehrte er zunächst nach Goa zurück.
mini|Kirche Santo António in Macau
1708 wurde Albuquerque Coelho als Capitão de infantaria der Fregatte Nossa Senhora das Neves, unter dem Kommando von Kapitän Jeronimo de Mello Pereira, wieder nach Macau geschickt. Das Schiff erreichte Macau am 23. August. Es war auf der Fahrt so schwer durch einen Taifun beschädigt worden, dass die Reparatur zwei Jahre in Anspruch nahm, so dass Albuquerque Coelho zunächst bei den Franziskanern Quartier nahm. Mit an Bord waren auch die Edelmänner Dom Henrique de Noronha, erster Leutnant des Schiffes, und Francisco Xavier Doutel, ein in Macau etablierter Kaufmann, mit denen Albuquerque Coelho später eine folgenreiche Feindschaft verbinden sollte. Er hatte, den Quellen nach, viel Temperament und ging schnell Konfrontationen ein, weswegen er sich auch leicht Feinde machte. So, als er sich in Macau erneut um Maria de Moura bewarb, denn es gab auch andere Interessenten, wie Henrique de Noronha, der ebenfalls um das Mädchen warb. Noronha hatte sich mit Doutel, einem Schwager von Marias Onkel Francisco Leite Pereira, angefreundet. Der Streit über die Wahl des Bräutigams spaltete die gesamte portugiesische Bevölkerung in der Kolonie, die damals aus etwa 3000 bis 4000 Personen bestand. Neben Onkel und Großmutter konnte Noronha sich der Unterstützung der Dominikaner und des französischen Kardinals Charles Thomas Maillard de Tournon (1668 bis 1710), dem Patriarchen von Antiochia und päpstlichen Gesandten in Macau, sicher sein. Da sich der Bischof, der sich zum Vormund des Mädchens gemacht hatte, die Jesuiten, Kapitän Mello Pereira und die meisten seiner Soldaten und später auch Macaus Gouverneur Diogo de Pinho Teixeira auf seine Seite stellte, konnte sich Albuquerque Coelho schließlich durchsetzen. Am 30. Juni 1709 erzwang er sich Zugang in das Haus der Großmutter und nahm Maria de Moura mit zur Kirche Santo António, wo die Verlobung durch Generalvikar Lourenço Gomes beschlossen wurde.
Als Albuquerque Coelho am 2. August durch die Rua Formosa ritt, verfehlte ihn ein Schuss aus einer Donnerbüchse. Bei der Verfolgung des Schützen, einem afrikanischen Sklaven, traf Albuquerque Coelho einige Straßen weiter ein weiterer Schuss oberhalb des rechten Ellbogens. Dom Henrique de Noronha hatte ihn aus einem Fenster abgefeuert. Albuquerque Coelho floh zum Kloster São Francisco. Ein dritter Schuss eines weiteren Sklaven Noronhas verfehlte ihn wieder, so dass er sich in das Kloster retten konnte, wo man ihn bereits vom Pferd helfen musste, da er schon zu schwach war. Der Arm wurde zwar vom portugiesischen Schiffsarzt behandelt, musste aber 16 Tage später von einem englischen Chirurgen teilweise abgenommen werden, weil er brandig geworden war. Um dem Gefängnis zu entgehen, floh Dom Henrique de Noronha in das Haus des Patriarchen von Antiochia im Dominikanischen Konvent, das der Gouverneur daraufhin von Soldaten umstellen ließ. Erst als der Patriarch starb, konnte Dom Henrique de Noronha am 18. Februar 1711 mit einem Schiff nach Goa in ein Gefängnis gebracht werden. Marias Großmutter protestierte heftig gegen die Verbindung und schrieb am 26. Dezember 1709 sogar Briefe an den Leal Senado (der Senat Macaus) und nach Portugal an den Überseerat (Conselho Ultramarino). Doch immer fiel die Entscheidung zugunsten von Albuquerque Coelho, auch wenn er zeitweise plante, im Notfall mit Maria de Moura auf seinen Schiff nach Goa zu fliehen. Der Richter Manuel Vicente Rosa, der zu Gunsten der Großmutter entschieden hatte, wurde suspendiert. Folge war eine lebenslange Feindschaft Rosas gegen Albuquerque Coelho.
Die Hochzeit zwischen Albuquerque Coelho und Maria de Moura fand am 22. August 1710 in der Casa de Campo de São Francisco statt. Die Trauung vollzog der Kaplan der Nossa Senhora das Neves. Sie musste in der Nacht und unter dem Schutz von Albuquerque Coelhos Marinesoldaten stattfinden, da Francisco Leite Pereira drohte, den Bräutigam noch in der Kirche zu töten. Doch die Mörder warteten bei der Kirche Santo António, weil sie dort die Trauung erwarteten. Durch die Hochzeit erhielt Albuquerque Coelho zudem die Bürgerrechte Macaus. Die Umstände der Eheschließung brachten ihm viele Feinde ein, doch Albuquerque Coelho gewann auch Verbündete, wie den Gouverneur, den Bischof und verschiedene Geistliche. Aus den Geschehnissen erschuf ein lokaler Dichter einige Zeilen, die noch jahrelang als Volkslied überdauerten:
Albuquerque Coelho verließ zunächst den Staatsdienst und lebte einige Jahre nur von seinem Vermögen, oder mehr von dem seiner Frau. Positiv wird seine Vermittlung im Streit um die „chinesischen Riten“ gesehen. Es bestand die Frage, inwieweit die konfuzianischen Bräuche mit dem Katholizismus vereinbar seien. Die örtlichen Jesuiten hatten hier eine sehr liberale Haltung, die von Franziskanern und Dominikanern kritisiert wurde. Papst Clemens XI. hatte zur Streitschlichtung Maillard De Tournon entsandt, doch letztlich starb der päpstliche Entsandte, ohne eine Entscheidung in der Frage getroffen zu haben. 1712 ernannte der Leal Senado Albuquerque Coelho zu seinen Vorsitzenden. Im selben Jahr gebar seine Frau seine Tochter mit dem Namen Ignez, die jedoch nur sieben Tage später starb. Am 20. Juli 1714 wurde ein Sohn geboren, der am 27. Juli getauft wurde. Am 31. Juli verstarb Maria de Moura am Wochenbettfieber.
Nur wenige Monate nach dem Tod Marias kam es erneut zum Konflikt mit einem von Albuquerque Coelhos Widersachern. Vicente Rosa schrieb in seiner Funktion als Beisitzender Richter (Ouvidor) am 22. September 1714: „Ich betrachte mich seit fünf Jahren als Ihr ernannter Feind.“ Albuquerque Coelho hatte veranlasst, dass Vicente Rosa verhaftet wurde. Er hatte sich geweigert, als Vormund der Kinder seines verstorbenen Schwagers, dessen Schulden zu begleichen. Erst als diese getilgt waren, kam Vicente Rosa wieder frei. Vicente Rosa und seine Parteifreunde beschwerten sich beim Vizekönig Vasco Fernandes César de Menezes in Goa. Dieser leitete den Brief am 10. Januar 1715 nach Lissabon weiter und bestellte Albuquerque Coelho nach Goa, damit er Stellung zu den Vorwürfen beziehen könne. Doch es kam nicht mehr dazu, da Manuel Vicente Rosa ihn festnehmen ließ. Aus dem Gefängnis heraus schrieb Albuquerque Coelho zwei Briefe, zuerst an den Senat und zehn Tage später an die Stadtgemeinde. Er argumentierte, dass ein gewöhnlicher Richter keine Gewalt über die Senatoren habe, da diese dem Landgericht in Goa unterstünden. Die Gemeinde gab ihm Recht und Albuquerque Coelho kam frei. Um das Neujahr 1714/1715 veräußerte Albuquerque Coelho seinen gesamten Besitz und verließ Macau, vermutlich nach Goa. Seinen Sohn, der noch ein Baby war, ließ er zurück. Erst später erlaubte der Vizekönig dem Vater, ihn abzuholen. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit schrieb Menezes:
Gouverneur von Macau mini|Der „Leal Senado“ in Macau um 1751
Im Mai 1717 ernannte der Erzbischof von Goa und Vertreter des Vizekönigs Sebastião de Andrade Pessanha, António de Albuquerque Coelho zum Gouverneur von Macau. Als er aber am 22. Mai nach Macau zurückkehren wollte, war das Schiff heimlich bei Nacht aus dem Hafen gesegelt. Sein Kapitän und Eigentümer war ausgerechnet Francisco Xavier Doutel gewesen, der alte Freund von Noronha. Der neu ernannte Gouverneur entschied sich daraufhin, mit einer kleinen Truppe quer durch Indien zu reisen, um an der Ostküste ein anderes Schiff zu suchen. Die Pferde und sogar ihre Stiefel verloren die Portugiesen bei der Durchquerung eines Flusses bei Mangalore. Es regnete in Strömen. Nach der Durchquerung der Berge und des Dschungels bei Bangalore erhielten sie in Velure wieder Pferde und zwei Elefanten als Reittiere.
Sie erreichten am 16. Juli den 2600 km entfernten portugiesischen Stützpunkt São Tomé de Meliapor (das heutige Chennai). Erst am 5. August konnten sie ihre Reise auf einem dort gekauften Schiff fortsetzen. In Malakka floh der Navigator vom Schiff, so dass man nun selbst das Schiff steuern musste. Durch Stürme war es beschädigt und im niederländischen Malakka verweigerte man ihnen die Reparatur, so dass man nach Johor weiter fuhr. Nach zwei Monaten erreichten die Portugiesen Johor, wo sie in die Machtkämpfe des Reiches verwickelt wurden. Sie unterstützten den Herrscher gegen die Rebellion und als das Reich wieder befriedet war, erlaubte der siegreiche Sultan den Portugiesen im März 1718 eine Kirche in Johor zu bauen. Am 18. April setzten sie ihre Reise fort. An Bord erkrankten alle an Beriberi und erreichten in einem erbärmlichen Zustand die Insel São João (Shangchuan), die 270 km von Macau entfernt liegt. Hier wurden die Portugiesen von den chinesischen Einwohnern gesund gepflegt und schließlich nach Macau gebracht, das sie am 29. Mai 1718 erreichten. Albuquerque Coelho trat sein Amt als Gouverneur am 30. Mai 1718 an.