miniatur|Smertriosfragment auf der Stele der Nautae Parisiaci
Smertrios, auch Smertrius, Smertulitanos, war ein keltischer Gott, der in der Interpretatio Romana mit Mars gleichgesetzt wird. Seine Funktionen sind unbekannt.
Überlieferung Smertrios ist besonders durch seine Darstellung auf einem Quader des Pfeilers der nautae Parisiaci („Pariser Schifferzunft“), die aus der Zeit des Kaisers Tiberius stammt, bekannt geworden. Auf dem sogenannten Quader III, dem „Dioskuren-Quader“, ist sein unvollständiges Relief erhalten, das eine Gottheit mit Keule im Kampf mit einer Schlange zeigt. Die untere Hälfte des Quaders ist verschollen. Die teilweise zerstörte, aber rekonstruierte Inschrift lautet Smert[rios]. Tib(erio) Caesare / Aug(usto) Iovi Opt[i=U]m/o / Max{s}[i=U]mo s(acrum) / nautae Parisiac[i] / publice pos[u=I]erun/[t] // Eurises // Senant Vetlon // Iovis // Tarvos(?) Trigaranus // Volcanus // Esus // [C]ernunnos // Castor // // Smert[ri]os // Fort[una?] // ]TVS[ // D Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 447 f. Die Bildkonzeption erinnert an HerkulesHelmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 647 f., ein dazugehörender Mythos ist jedoch nicht bekannt.
Weitere Fundstellen sind im Großraum Trier, wo Inschriften für Mars Smertrius entdeckt wurden. In einer davon, bei Möhn, mit der Namensvariante Sme[rtuli]t[a]no, wird er als Begleiter von Ancamna bezeichnet. Marti Sme[rtuli]t[a]no et [Anc]amnae / C(aius) G() Sec / II[ In h(onorem) d(omus) d(ivinae) Numin[i Aug(usti?)] / Marti Smertrio et / Vindoridio Boud/nae Cn(aeus) Domitius Cn(aei?) [fil(ius) . Diese Deutung wird durch zwei weitere Inschriften Argiotalus / Smertulitani / f(ilius) Namnis equ(es) / ala Indiana / stip(endiorum) X anno(rum) / XXX h(ic) s(itus) e(st) / (h)eredes posue/runt S[m]ertulitano deo / L(ucius) Victorius Censorin[u]s / sacerdos eiusd(em) numinis d(edit) d(edicavit) // et fib[u]/las / duas / inaura/vit , die den Namen Smertulitanos erwähnen, bestätigt. Eine Inschrift aus Großbuch in Kärnten mit dem Fragment [D]iti Smer[trio] [D]iti Smer[trio] Aug(usto) / M(arcus) Claud(ius) Rufus [et] / [I]ulia Gemellina / aedem fecerunt / l(ibentes) m(erito) könnte eine Gleichsetzung von Smertrios mit Dispater belegen.
Ein Personenname, der etymologisch mit den Götternamen verwandt ist, ist Smertullus. Dieser ist dreimal in Südfrankreich bezeugt, nämlich in Lattes Domitiae / [D]omiti f(iliae) / Smertullus / Fusci f(ilius) pi(us) , Le Veyer im Naturpark Queyras T(itus) Vennonius Sm/ertulli fil(ius) Quir(ina) / civitatem / [ und Cadenet. Lanovalo / Q(uintus) Corn(elius) / Smertullus / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito) / pro Placido / fratri
Etymologie Smertrios wird von manchen Sprachforschern von der indogermanischen Wortwurzel *smeru („Fett“, „Mark“) abgeleitet. Verwandt ist das altirische Wort smertha („eingeschmiert“, „eingefettet“), siehe auch unser Wort „Schmer“ für Schmalz. Andere leiten den Namen von indogermanisch *smer- („gedenken, sich erinnern, sorgen“) ab, wobei Smertrios dann „der Versorger“ wäre.Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 803 f. Der Name der Göttin Rosmerta steht Smertrios etymologisch sehr nahe.
Das Einfetten einer Götterfigur war eine überlieferte Kulthandlung.Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 596.
Literatur Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3, S. ?. Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur (= Kröners Taschenausgabe. Band 466). Kröner, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-46601-5, S. ?.
Einzelnachweise
Kategorie:Gallische Gottheit Kategorie:Männliche Gottheit Kategorie:Beiname einer Gottheit Kategorie:Norische Gottheit