Das Trilemma des Wechselkursregimes beschreibt einen der Zielkonflikte, dem ein Staat bei seinen wechselkurspolitischen Entscheidungen ausgesetzt ist. Entwickelt wurde das Impossible Trinity-Modell (deutsch: Unmöglichkeit der Dreieinigkeit) von John Marcus Fleming im Jahre 1962 und Robert Alexander Mundell im Jahre 1963 jeweils unabhängig voneinander. Das Modell lässt sich vereinfacht als Dreieck zusammenfassen, wobei die Eckpunkte des Dreiecks die drei wechselkurspolitischen Ziele Wechselkursstabilität, geldpolitische Autonomie und freie Kapitalbewegung darstellen. Im Trilemma gilt es als maximal möglich zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen. Alle drei Ziele gleichzeitig zu erreichen gilt als unmöglich.
mini|400px|„Trilemma des Wechselkursregimes“ (in Anlehnung an Krugman, Internationale Wirtschaft, 2009)
Mundell-Fleming-Modell Das Mundell-Fleming-Modell ist eine Erweiterung des IS-LM-Modells. Das IS-LM-Modell bezieht sich auf den Güter- und Geldmarkt und gilt für geschlossene Volkswirtschaften. Das Mundell-Fleming-Modell betrachtet neben dem Geld- und Gütermarkt zusätzlich den Devisenmarkt (internationale Kapitalbewegungen) und gilt für offene Volkswirtschaften. Da nur zwei Ziele, gemäß Trilemma des Zieldreiecks, erreichbar sind, bedeutet das für offene Volkswirtschaften:
Die Entscheidung für freie Kapitalbewegungen und geldpolitische Autonomie führt zu einem flexiblen Wechselkursregime (z. Bsp. USA, EU) Die Entscheidung für fixe Wechselkurse und Erhalt geldpolitischer Autonomie führt zu Beschränkungen des Kapitalverkehrs (z. Bsp. China) Die Entscheidung für fixe Wechselkurse bei freiem Kapitalverkehr führt zu Verzicht auf geldpolitische Autonomie (z. Bsp. Hongkong)
Wechselkursstabilität Unter Wechselkursstabilität wird die Unterstützung bzw. die Fixierung eines Wechselkurses verstanden. Zur Wechselkursstabilisierung greift die Zentralbank oder die Regierung durch zinspolitische Maßnahmen sowie Interventionen am Devisenmarkt in den Wechselkurs ein, wobei die Wirkung auf die nationale Geldmenge bei Interventionen durch die Zentralbank am stärksten ist. Die Wahl des Wechselkursregimes ist abhängig von der Entwicklung eines Landes. So hat ein Teil der heutigen Industrieländer einen kontrolliert schwankenden Wechselkurs, welcher ein Mischsystem zwischen festem und flexiblen Wechselkurs darstellt. Andere Länder, vor allem Entwicklungsländer, sind mit ihrer Währung an eine andere Währung (meist Dollar) gekoppelt.Samuelson, Paul Anthony u. a.: Volkswirtschaftslehre. Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie, 3., aktualisierte Aufl., Landsberg am Lech, 2007, S. 860
Zur Stabilisierung des Wechselkurses kann ein Land einseitig seine Währung an eine andere Währung oder an einen Korb anderer Währungen binden (Vis-à-Vis a single currency bzw. Vis-à-Vis a basket). Wenn der Wechselkurs um mehr als ein Prozent abweicht, muss die Zentralbank intervenieren.Heiduk, Günter S.: Außenwirtschaft. Theorie, Empirie und Politik der interdependenten Weltwirtschaft, Heidelberg 2005, S. 259 und 298 Das Land betreibt dann keine eigenständige Geldpolitik mehr, sondern vollzieht die gleichen geldpolitischen Entscheidungen wie die Zentralbank des Ankerwährungslandes. Dadurch können Vorteile der stabilen Währung auch für die eigene Währung genutzt werden.Rübel, Gerhard: Grundlagen der monetären Außenwirtschaft, München 2002, S. 131 Bei festen Wechselkursen ist die Notenbank verpflichtet auf dem Devisenmarkt einzugreifen, um den Wechselkurs zu stabilisieren. Allerdings hat dies unmittelbare Auswirkungen auf den Geldmengenumlauf. Hier kann ein Zielkonflikt zwischen Wechselkursstabilität und Preisniveaustabilität entstehen. (PDF) Bei festen Wechselkursen ist, im Gegensatz zu flexiblen Wechselkursen, keine unabhängige und damit effektive Geldpolitik der Zentralbank möglich. Dies soll anhand eines Beispiels, unter Annahme freier Kapitalbewegungen (keine Beschränkungen des Kapitalverkehrs), erklärt werden: Die Zentralbank erhöht die inländische Geldmenge. Dies führt zu einem Sinken des inländischen Zinssatzes. Wird der inländische Zinssatz kleiner als im Ausland, werden die Anleger ihr Kapital im Ausland anlegen wollen. Das Kapital fließt dann aus dem Inland ab (Kapitalexport). Der Nachfrageüberschuss nach ausländischen Kapitalanlagen (Devisen) hätte eine Abwertung der heimischen Währung zur Folge. Die Zentralbank muss nun auf dem Devisenmarkt intervenieren, um dem Abwertungsdruck entgegenzuwirken und den Wechselkurs stabil zu halten. Daher kauft sie nun inländische Währung gegen Verkauf von Devisen. Dem Abwertungsdruck wird entgegengewirkt, aber durch den Kauf inländischer Währung zieht sie wieder eine gewisse Geldmenge ein. Die Zentralbank kann also durch Offenmarktgeschäfte die Geldmengenerhöhung neutralisieren. Das Ungleichgewicht auf dem Devisenmarkt aber bleibt, denn die Zentralbank hält nun weniger Devisen (Währungsreserven). Die Devisenverluste entsprechen der Geldmengenerhöhung im Inland. Will die Zentralbank verhindern, dass Kapital abfließt, müsste dies über Beschränkungen des Kapitalverkehrs erfolgen.
Es gibt eine ganze Reihe von möglichen Wechselkursregimen.
Hard Pegs:
Formale Dollarisierung, Currency Board, Währungsunion
Floating Regimes:
Freie Wechselkurse, Administrierte Wechselkurse
Soft Pegs:
Conventional fixed pegs, Crawling Pegs (gleitende Parität), Crawling Bands (gleitende Bänder), Tightly Managed Floats
Hard Pegs Regimes (fixe Wechselkurse) Formale Dollarisierung Von offizieller Dollarisierung wird gesprochen, wenn ein Land eine andere Währung (US-Dollar) verwendet und diese zugleich gesetzliches Zahlungsmittel ist. Bei der formalen Dollarisierung wird die heimische Währung durch den US-Dollar ersetzt. In vielen Entwicklungsländern fand Dollarisierung faktisch statt, aber nur wenige Länder änderten auch formal ihre Währung in Dollar. Dazu gehören Panama (1904), Ecuador (2000) und El Salvador (2001). Mit der Übernahme des US-Dollars als Zahlungsmittel übernehmen die Länder auch die Geldpolitik der US Federal Reserve (US Fed).Jayant Menon: "Dealing with Dollarization: What Options for the Transitional Economies of Southeast Asia?", ADB Institute Discussion Paper No. 63, März 2007 S. 1–2 (PDF; 138 kB)
Vorteile: (PDF; 66 kB)
Ausschluss des Währungsrisikos Wegfall der Wechselkursrisikoprämie Niedrigere inländische Zinssätze Geringere Schuldendienstkosten für die Regierung und die Unternehmen Eliminierung des währungsbedingten Ungleichgewichts Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Finanzmitteln Verfügbarkeit langfristiger inländischer Finanzmittel für Investitionen steigt Zum Teil Rückgang der monetären Inflation Glaubwürdigkeit in die Unwiderruflichkeit der Entscheidung
Nachteile:
Länderrisiko bleibt weiterhin bestehen Rückgang der Inlandszinsen nimmt nicht bis auf US-Niveau ab Verlust der Geldschöpfungsgewinne – Seignorage Verzicht auf unabhängige Geldpolitik (kann bei exogenen Schock negative Folgen haben) Zentralbank verliert Rolle als und kann im Krisenfall nicht mehr mit Liquidität versorgen
Currency Boards Das Currency Board ist eine unabhängige Finanzinstitution und verteidigt einen gesetzlich festgelegten Wechselkurs. Die gesamte Geldmenge ist ausschließlich durch Währungsreserven gedeckt. Dieser Umstand soll vor Spekulationen schützen und wird daher fallweise in Entwicklungsländern zur Einführung empfohlen, insbesondere zur Bewältigung von Finanzkrisen.Paul R.; Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft. Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 2009, S. 852 Seinen Ursprung findet das Currency Board in früheren europäischen Kolonialgebieten. Das erste wurde von einer britischen Kronkolonie in Hongkong eingeführt. Neben Hongkong haben auch Litauen, Estland und Bosnien das Currency Board installiert und ihre Währungen an den Euro gebunden.Jayant Menon: "Dealing with Dollarization: What Options for the Transitional Economies of Southeast Asia?", ADB Institute Discussion Paper No. 63, März 2007 S. 3 (PDF; 138 kB) Voraussetzung für ein funktionierendes Currency Board ist, dass sich beide Länder annähernd gleich wirtschaftlich entwickeln.Rübel, Gerhard: Grundlagen der monetären Außenwirtschaft, München 2002, S. 133
Vorteile: Rübel, Gerhard: Grundlagen der monetären Außenwirtschaft, München 2002, S. 132–134Paul R.; Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft. Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 2009, S. 845
Fehlendes Abwertungsrisiko Rückgang der Inflation möglich Besserer Zugang zum internationalen Kapitalmarkt und bessere Konditionen Höhere Attraktivität für Direktinvestitionen Hohe Währungsreserven schützen vor spekulativen Angriffen
Nachteile:
Verzicht auf autonome Geldpolitik Exogenen Störungen kann geldpolitisch nicht entgegengewirkt werden Größere Flexibilität nationaler Güter- und Faktormärkte notwendig Währungsrisiko kann nicht vollumfänglich eliminiert werden (PDF; 66 kB)
Währungsunion Eine Währungsunion ist ein einheitliches Währungsgebiet. Sie kann entweder mit fixen Wechselkursen oder durch Einführung einer gemeinsamen Währung mit Zentralbank geschaffen werden. Beispiel für eine Währungsunion mit fixen Wechselkursen war die Skandinavische Münzunion der Länder Dänemark, Norwegen und Schweden im Zeitraum 1872 bis 1924. Als Beispiel für eine gemeinsame Währung mit Zentralbank gilt die Europäische Union (EU). Der Euro wurde am 1. Januar 1999 als gemeinsame Währung in 11 Ländern eingeführt. (abgerufen am 6. Dezember 2010) Für die Schaffung der Währungsunion sollten die beizutretenden Länder makroökonomisch gleich entwickelt sein. Ein großes Problem stellt die gemeinsame Ausrichtung der Finanzpolitik dar. (abgerufen am 6. Dezember 2010)
Vorteile:
preisstabilisierende Wirkung Wachstumseffekte im Außenhandel Keine bis geringere Transaktionskosten Keine Wechselkursrisiken mehr höherer Schutz vor der Gefahr von Währungskrisen
Nachteile:
Verzicht auf geldpolitische Autonomie gemeinsame Ausrichtung auf stabilitätsorientierte Ziele, wie z.Bsp. Preisniveaustabilität oder Vollbeschäftigung, kann sich als schwierig erweisen Länder sollten sich wirtschaftlich gleich entwickeln (gilt als Eintrittsbedingung und als Erfolgsfaktor) nach Beitritt verschwindet der Anreiz stabilitätskonform zu handeln Währungsunion ohne Wirtschaftsunion ineffizient und nicht optimalHamburger Jahrbuch für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik: 38. Jahr, Renate Ohr: Integration in einen nicht-optimalen Währungsraum, 1993, S. 37–38
Floating Regimes (flexible Wechselkurse) Beim völlig flexiblen (freien) Wechselkurs bildet sich der Kurs ausschließlich durch Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt und auf staatliche Eingriffe wird verzichtet. Sie werden auch frei schwankende Wechselkurse genannt. Seit dem Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods besteht bei den Weltwährungen US-Dollar, japanische Yen und dem Euro ein flexibler Wechselkurs.Samuelson, Paul Anthony u. a.: Volkswirtschaftslehre. Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie, 3., aktualisierte Aufl., Landsberg am Lech, 2007, S. 859
Administrierte Wechselkurse sind flexible Wechselkurse, die aufgrund bestimmter Bandbreiten nur begrenzt flexibel sind. Ab Erreichen eines bestimmten Interventionspunktes greift die Zentralbank ein, um den Wechselkurs innerhalb der Bandbreite zu halten. Dies wird auch „kontrolliertes floaten“ genannt. Länder mit administrierten Wechselkursen sind beispielsweise Kanada, Japan und viele Entwicklungsländer.Samuelson, Paul Anthony u. a.: Volkswirtschaftslehre. Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie, 3., aktualisierte Aufl., Landsberg am Lech, 2007, S. 860
Internationale Währungssysteme