Die Pfinz ist ein gut 60 Kilometer langer rechter und östlicher Zufluss des Rheins, der am Nordrand des Schwarzwalds entspringt, den südlichen Kraichgau durchfließt, bei Karlsruhe-Grötzingen in die Oberrheinische Tiefebene eintritt und, teilweise in mehrere Flussarme aufgespalten, durch den Nordwesten des Landkreises Karlsruhe zum Rhein fließt.
Name und Namensgeberin Der Name Pfinz wird zum Teil auf das indogermanische Wort pat, „sich ausbreiten, versumpfen“ bzw. auf mittellateinisch pontus, „Sumpf“ zurückgeführt. Andere Herleitungen gehen davon aus, dass mögliche Römerbrücken (Ad pontem, „An der Brücke“) dem Fluss den Namen gaben.
Die Gegend um den Fluss oberhalb von Durlach wird auch als Pfinzgau bezeichnet. Dieser Name ist schon seit 769 („Phuntzingouue“) schriftlich belegt.
Die Pfinz ist Namensgeberin der Gemeinde Pfinztal, zu der sich im Zug der Gebietsreform in Baden-Württemberg am 1. Januar 1974 vier an oder nahe der Pfinz gelegene Gemeinden zusammenschlossen.
Früher spiegelte sich der Name auch im evangelischen Dekanat Alb-Pfinz der Evangelischen Landeskirche in Baden, das seinen Sitz in Pfinztal hatte, wider. Mit der Neuordnung der Kirchenbezirke wurde das Dekanat zum 1. Januar 2014 aufgelöst und die Kirchenbezirke Alb-Pfinz und Karlsruhe-Land fusioniert (neuer Name Evangelischer Kirchenbezirk Karlsruhe-Land).
Geographie Definition des Flusslaufes Bedingt durch die Aufteilung in mehrere Flussarme und durch wasserbauliche Maßnahmen wie die Pfinz-Saalbach-Korrektion (Pfisako, 1934–1962) bestehen unterschiedliche Definitionen des Flusslaufs und der Lage der Pfinzmündung.
Im Amtlichen Digitalen Wasserwirtschaftlichen Gewässernetz (AWGN) wird der Pfinz zwischen Stutensee-Blankenloch und Graben-Neudorf der Flussarm Heglach (auch Pfinz-Heglach) zugeordnet. Dies entspricht der Abflussverteilung am Abzweig der Heglach. In Topographischen Karten und im örtlichen Sprachgebrauch wird der Name Pfinz eher für den rechten, östlichen Flussarm über Staffort und Neuthard verwandt. Für diesen Flussarm bestehen abschnittsweise weitere Bezeichnungen: Pfinz-Überleitung, Pfinzkorrektion und Alte Pfinz/Alter Pfinzgraben.
Laut AWGN ist der Rußheimer Altrhein Teil der Pfinz, womit die Pfinz nördlich der Insel Elisabethenwörth und damit auf dem Gebiet der rheinland-pfälzischen Stadt Germersheim direkt in den Rhein mündet. Der Altrhein ist seit der Pfisako eingedeicht und vom Rhein durch die Kurfürstenbauschleuse abgetrennt. Dieses Wehr wird bei hohen Rheinwasserständen geschlossen. Dann erfolgt der Abfluss aus dem Rußheimer Altrhein in den Rhein ausschließlich über den Rheinniederungskanal, den Philippsburger Altrhein und gegebenenfalls das Schöpfwerk Philippsburg. Günther Malisius sieht unter Verweis auf die beiden Abflussmöglichkeiten keine „eindeutige“ Mündung in den Rhein. Im Wassergesetz für Baden-Württemberg, im örtlichen Sprachgebrauch und in topographischen Karten, aber auch in Unterlagen zur geplanten Deichrückverlegung auf Elisabethenwörth wird die Pfinz als Nebenfluss des Rheinniederungskanals angesehen. Gemäß dieser Sichtweise liegt die Pfinzmündung westlich von Rußheim unmittelbar südlich des Dükers unter dem Saalbachkanal.
Verlauf Nordschwarzwald und Kraichgau Die Pfinz entspringt einer Sickerquelle innerhalb des Naturschutzgebiets Pfinzquellen, das 2016 als eines der letzten großen zusammenhängenden Wiesenlandschaften des nördlichen Schwarzwaldes unter Schutz gestellt wurde. Die Gewässer im Naturschutzgebiet werden als naturnahe Abschnitte eines Flachlandbachs beschrieben; teilweise sind sie von Auwaldstreifen begleitet. Das AWGN definiert als Quelle der Pfinz ein Rinnsal, das nördlich von Straubenhardt-Langenalb und westlich der Straße nach Karlsbad-Ittersbach entsteht. Günther Malisius lehnt diese Definition ab, da in diesem Quellstrang nur bei Regen Wasser fließe. Er lokalisiert die Pfinzquelle rund 800 Meter weiter nördlich am Schnittpunkt der Straße Langenalb–Ittersbach mit der Kreisgrenze zwischen dem Enzkreis und dem Landkreis Karlsruhe. In der topographischen Karte ist eine Quelle unweit des Zusammenflusses dieser beiden Quellstränge und südlich von Ittersbach als Pfinzquelle beschriftet.
Nördliche bis nordöstliche Richtung einschlagend, wechselt die Pfinz noch im Naturschutzgebiet vom Naturraum Schwarzwald-Randplatten in den Kraichgau. Westlich von Ittersbach mündet der Feldrennacher Bach, der etwas kürzer als der Oberlauf der Pfinz ist, aber ein größeres Einzugsgebiet hat. Die oberste Mühle der Pfinz war die Ittersbacher Schleemühle, nordöstlich des Ortes liegend mit einem Wasserspiegel von und einem Einzugsgebiet von 12 Quadratkilometern. Bis Weiler, einem Ortsteil von Keltern und dem ersten Ort direkt an der Pfinz, folgte die frühere Landesgrenze zwischen Baden und Württemberg in etwa dem Verlauf des Flusses. Zwischen Ittersbach und Ellmendingen (zu Keltern) nutzte bis 1968 die Pforzheimer Kleinbahn das Tal der Pfinz. Die auch als Panoramabahn bezeichnete Schmalspurbahn hatte in Ittersbach Anschluss nach Karlsruhe. Zwischen Ellmendingen und Dietenhausen mündet im Naturschutzgebiet Ellmendinger Roggenschleh von rechts der Arnbach.
Oberhalb von Nöttingen, einem Ortsteil von Remchingen, liegt das nach dem Ort benannte Hochwasserrückhaltebecken mit einem Rückhalteraum von 560.000 Kubikmeter. Zwischen Nöttingen und Remchingen-Wilferdingen überquert die Pfinztalbrücke mit der Bundesautobahn 8 die Pfinz. Zwischen Wilferdingen und Singen, zwei weiteren Ortsteilen von Remchingen, mündet der größte rechtsseitige Zufluss der Pfinz, der Kämpfelbach. Ab Wilferdingen verlaufen die Bundesstraße 10 und die Bahnstrecke Karlsruhe–Mühlacker im Pfinztal, das sich nach Norden bis Nordwesten wendet. Mit Kleinsteinbach, Söllingen und Berghausen durchfließt die Pfinz drei Ortsteile der Gemeinde Pfinztal. Ab Berghausen in westliche Richtung fließend, erreicht die Pfinz in Grötzingen das Gebiet der Stadt Karlsruhe.
Oberrheinische Tiefebene Westlich von Grötzingen verlässt die Pfinz den Kraichgau und tritt in den Naturraum Hardtebenen in der Oberrheinischen Tiefebene über. Am Hühnerlochwehr in Grötzingen zweigt von der Pfinz (nach links) der Pfinz-Entlastungskanal (Mitte) sowie der Gießbach (nach rechts) ab. Die Pfinz, die zwischen Söllingen und Grötzingen für einen Abfluss von 110 Kubikmeter pro Sekunde ausgebaut ist, erhält am Wehr maximal fünf Kubikmeter pro Sekunde; höhere Abflüsse werden über den Entlastungskanal zum Rhein abgeschlagen.
Gleichwohl urkundliche Belege fehlen, wird angenommen, dass die Pfinz im Spätmittelalter zur Stadt Durlach (heute zu Karlsruhe) abgeleitet wurde, um dort Mühlen anzutreiben und den Graben vor der Stadtmauer zu füllen. Der am Hühnerlochwehr abzweigende Gießbach ist vermutlich ein alter Pfinzlauf. Bis Durlach fließt die Pfinz Richtung Südwesten. Vor dem 20. Jahrhundert floss die Pfinz am Nordrand des Durlacher Stadtkerns entlang, ehe sie weiter nach Norden verlegt wurde.
Unterhalb von Durlach wendet sich die Pfinz nach Norden und folgt der Kinzig-Murg-Rinne, einer Senke, die am Ostrand der Rheinebene liegt. Ungefähr ab dem Elfmorgenbruch verläuft der Fluss zwischen Dämmen in Hochlage; der Wasserspiegel liegt teilweise über dem Geländeniveau. Die auch bei anderen Fließgewässern der Region übliche Hochlage dürfte Folge des bereits für das Spätmittelalter belegbaren „Bachputzens“ sein. Dabei wurde die hohe Sedimentfracht, oft Löß aus dem Kraichgau, aus dem Gerinne ausgehoben und am Ufer abgelagert. Nordöstlich von Karlsruhe-Hagsfeld unterquert die Pfinz den Pfinz-Entlastungskanal in einem Düker. An der Gewässerkreuzung kann Pfinzwasser in den Entlastungskanal übergeleitet werden.
Südöstlich von Stutensee-Blankenloch, aber noch auf dem Gebiet der Stadt Karlsruhe, zweigt die Heglach nach links ab. Die Fortsetzung der Pfinz wird oft als Pfinz-Überleitung bezeichnet und ist ein meist trocken liegender Graben, da ein Wehr im Regelfall den gesamten Abfluss in die Heglach leitet. Die beiden Zuflüsse der Pfinz-Überleitung, der Rossweidgraben (auch Gießgraben genannt) und ein abgetrenntes Teilstück des in Grötzingen abzweigenden Gießbachs, liegen ebenfalls im Regelfall trocken. Allerdings entwässert der Retentionsraum Oberfüllbruch in die Pfinz-Überleitung. Im Retentionsraum kann bei außergewöhnlichem Hochwasser der Pfinz Wasser zurückgehalten werden, das über den Pfinz-Entlastungskanal zufließt.
Zwischen Blankenloch und Weingarten (Baden) vereinigt sich die Pfinz-Überleitung mit dem Weingartener Entlastungskanal zur regelmäßig durchflossenen Pfinzkorrektion. Der Entlastungskanal wird unter anderem von dem bei Weingarten aus dem Kraichgau kommenden Walzbach und dem in Grötzingen abzweigenden Gießbach gespeist.
Die Pfinzkorrektion ist ein für einen Abfluss von 20 Kubikmeter pro Sekunde ausgebauter Entwässerungskanal, der zur Stützung des Grundwasserspiegels durch Kulturwehre gestaut wird, so dass er abschnittsweise einem stehenden Gewässer gleicht. Die Gewässersohle ist oft von Schlamm oder Faulschlamm bedeckt. Zwischen Blankenloch und Stutensee-Staffort („stete Furt“ oder „Furt mit Stapfen/Stufen“) mündet die Alte Bach, die kurz zuvor die Heglach unterquert hat, von links in die Pfinzkorrektion. Die Alte Bach verläuft ab Durlach links und westlich parallel zu Pfinz und Heglach in Tieflage. Nördlich von Stutensee-Spöck mündet von rechts der Walzbach, der in der Rheinebene Weingarter Bach genannt wird und unterhalb des Zuflusses des Grombachs auch Lachengraben heißt.
Bei Neuthard zweigt nach links und Nordwesten die Alte Pfinz (auch als Alter Pfinzgraben bezeichnet) ab, die den gesamten Trockenwetterabfluss aufnimmt. Noch Anfang der 1990er Jahre erhielt die vergleichsweise naturnahe Alte Pfinz nur wenig Wasser. Zwischen 1991 und 1993 trocknete die Alte Pfinz in jedem Sommer aus, was Fischsterben und das Verschwinden von drei dort heimischen Flussmuschelarten zur Folge hatte.
Die Fortsetzung der Pfinzkorrektion, oft als Pfinzkanal bezeichnet, mündet nach gut zwei Kilometer von links in den Saalbachkanal. Über den Pfinzkanal werden die höheren Abflüsse abgeführt, zudem ist der Kanal Vorfluter der Kläranlage nördlich von Neuthard. Einziger Zufluss ist der Hartgraben (auch Hardtgraben oder Neugraben), der gemeinsame Unterlauf mehrerer Gräben, die das Gebiet zwischen den Schwemmkegeln von Walzbach im Süden und Saalbach im Norden sowie angrenzende Flächen im Kraichgau entwässern. Vorläufer des Pfinzkanals war der Kieselschorrengraben, der sich mit dem Hartgraben zum Saugraben vereinigte.
Bei Graben-Neudorf vereinigen sich Alte Pfinz und Heglach zur Pfinz, die nach Westen bis Nordwesten fließt. Unterhalb des Ortes verlässt der Fluss die Haardtebenen, tritt in den Naturraum Nördliche Oberrheinniederung ein, die Talaue des Rheins, und durchfließt die Grabener Bucht. Dabei liegt der Fluss im westlichen Teil der Bucht wieder in Hochlage und überquert den Verlängerten Pfinzkanal.
Die untersten beiden Mühlen der Pfinz lagen südlich von Rußheim (zu Dettenheim); nach den Mühlen verläuft die Pfinz parallel zum Saalbachkanal, der in der Rheinniederung von hohen Dämmen eingefasst ist. Knapp einen Kilometer westlich von Rußheim und unmittelbar oberhalb eines Dükers unter dem Saalbachkanal mündet die Pfinz von Südosten und rechts in den Rheinniederungskanal.
Zuflüsse
Tabelle der Pfinz-Zuflüsse mit einem Einzugsgebiet über 7 km², der Abzweige, die einen erheblichen Teil des Abflusses aufnehmen können, und der Pfinz selbst. Mit Namen, Fließgewässerkennzahl (GKZ), Mündungsseite, Stationierung der Zuflussstelle (von der Mündung der Pfinz selbst aufwärts gerechnet), Länge und Einzugsgebiet (EZG) nach den Daten der amtlichen Gewässerkarte. Orte und Höhen nach der amtlichen topographischen Karte. Nachweise für diese Übersicht sind im Hauptartikel. Die dieser Tabelle zugrunde liegende Definition des Flusslaufes richtet sich nach den Beschriftungen der Gewässerläufe auf der Topographischen Karte.
Geschichte Wasserbau