Die Katholische Deutsche Studentenverbindung Vandalia Prag zu München, kurz KDStV Vandalia (Prag) München, ist eine 1905 in Prag gegründete katholische, nicht schlagende, farbentragende Studentenverbindung, die dem Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) angehört. Sie ist die älteste der sudetendeutschen Studentenverbindungen des CV, die alle drei Phasen der sudetendeutschen Cartellverbandsgründungen mitgestaltete und die sich bis heute um die Bewahrung ihres sudetendeutschen Erbes bemüht.
Sudetendeutsche Verbindung in München Die heutige KDStV Vandalia (Prag) München, wurde 1905 in Prag als KDStV Vandalia Prag gegründet. Sie ist eine katholische, nicht schlagende, farbtragendeVgl. Eintrag in Michael Doeberl u. a.: Das akademische Deutschland, Berlin 1931 (II). Studentenverbindung.Tobias Weger: 'Volkstumskampf' ohne Ende? : sudetendeutsche Organisationen, 1945–1955, Frankfurt am Main [u. a.] 2008, S. 307 f. Sie gehört dem Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) von 1905 bis zu ihrem Verbot 1938 und nach ihrer Wiedergründung 1950 in München bis heute an. Als Couleur kennt die Verbindung für Burschen die Farben Schwarz-Rot-Grün, für Füxe Rot-Schwarz-Rot.Vgl. Gladen, Paulgerhard: Gaudeamus igitur, d. studentischen Verbindungen einst und jetzt, München 1986, S. 213, 246 e.a.
Der Verbindungsname Vandalia spielt dabei auf die seit dem 15. Jahrhundert nachweisbare gelehrte Bezeichnung des Landes zwischen Elbe und Weichsel als Vandalia an. Es handelt sich also um eine geographische Bezeichnung.Heinrich Klug: Die Slawenlegende – eine historische Lüge, in: „Der Schlesier“, 19. Nov. 2010.
Nach ihrer Gründung an der Karls-Universität in Prag war sie sowohl bei der Gründung des Prager Cartellverbandes als auch bei der Gründung des Sudetendeutschen CartellverbandesVgl. Kurt Augustinus Huber u. a.: Katholische Kirche und Kultur in Böhmen: ausgewählte Abhandlungen, Münster 2005, S. 323. und des späteren Sudetendeutschen Cartellverbandes der farbentragenden katholischen deutschen StudentenverbindungenVgl. Peter Sitz: Der CV 1919–1938 : der hochschulpolitische Weg des Cartellsverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zur Vernichtung durch den Nationalsozialismus, München 1970. als eigenständigem Dachverband beteiligt. Von den sudetendeutschen studentischen Gemeinschaften ist die Vandalia dabei die älteste Verbindung, die alle drei Phasen der sudetendeutschen Cartellverbandsgründungen durchlaufen hat und die sich auch nach der Wiedergründung in München Teile ihres sudetendeutschen Erbes über lange Zeit bewahren konnte – ein Umstand, der auch durch die Tatsache bedingt wurde, dass die heimatvertriebenen Mitglieder der 1938 aufgelösten Vandalia Prag den Großteil der neuen Alten Herren stellten. Sie ist eine der nur fünf studentischen Verbindungen im CV, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg um die Zusammenführung der Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland bemühten und dieses Erbe auch in der Gegenwart noch durch aktive Teilnahme an entsprechenden Veranstaltungen, so z. B. in Kooperation mit dem Hauses des Ostens in München sowie dem Verein Oberschlesier in MünchenVgl. z. B. Rundbrief 3/2014, oberschlesier.wodok.de sowie Festzeitschriften der Vandaliae. und Kontaktpflege aufrechterhält.Beispiel für eine Veranstaltung mit Heimatvertriebenhintergrund: HDO: Tag der offenen Tür 2014 – Haus des Deutschen Ostens, 2015, http://www.hdo.bayern.de/imperia/md/content/hdo/tag_der_offenen_t__r_2014.pdf. Dort: „… die Blasmusik der Katholischen Deutschen Studentenvereinigung Vandalia zu Prag unter der Leitung ihres schlesischen Dirigenten Damian Schwider. Höhenberger, […], betonte die große Leistung der Heimatvertriebenen um Integration und Kultur und bezeichnete sie als ´Eckpfeiler der deutschen Gesellschaft und Verteidiger und Kämpfer für die demokratische Ordnung´.“ Die Archivdaten der Verbindung wurden von zahlreichen Autoren für die Dokumentation des Prager Studentenverbindungswesen sowie der Phasen des akademischen Kulturkampfes und weiterer Spannungsfelder der Jahre 1905–1909 in Prag sowie der weiteren Entwicklung der Cartellverbände bis 1938 herangezogen.Bsp. siehe Literaturangaben in: Egon Erwin Kisch: Prager Farben : Studentenverbindungen und Verbindungsstudenten im alten Prag, Hilden 2001. Peter Stitz: Der CV 1919–1938 : der hochschulpolitische Weg des Cartellsverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) vom Ende des 1. Weltkrieges bis zur Vernichtung durch den Nationalsozialismus, München 1970. Hans Schmid-Egger: Staffelstein : Jugendbewegung und katholische Erneuerung bei den Sudetendeutschen zwischen den Grossen Kriegen, München 1983. Gerade für die Betrachtung der Cartellgeschichte in Böhmen, Mähren und Prag wurde die Verbindungsgeschichte aufgegriffenWalter Gustav Wieser: Geschichte des Cartellverbandes in Böhmen, Mähren und in der Bukowina, Wien 1967, S. 78, 82., da sie diese fast drei Dekaden lang maßgeblich mitgestaltete.
Mit Stand 2016 kennt sie als neuen Hochschulstandort die Ludwig-Maximilians-Universität München.
Geschichte Gründungsjahre Im Zeitraum von 1898 bis 1903 hatte die Mutterverbindung K.D.St.V. Ferdinandea-Prag zu Heidelberg, zum damaligen Zeitpunkt natürlich noch als KDStV Ferdinandea Prag bezeichnet, mit stark rückläufigen Mitgliederzahlen zu kämpfen. Die Situation schlug erst ab 1903 durch die tatkräftige Werbung des von der Austria Innsbruck gekommenen Richard Wollek und die zeitgleiche Anschaffung einer eigenen Studentenwohnung („Bude“) in der Nähe des Prager Wenzelsplatzes um. Die Mitgliederentwicklung verlief so erfreulich, dass auf dem Cumulativconvent der Studentenverbindung Ferdinandea am 28. Januar 1905 die Gründung der Tochterverbindung KDStV Vandalia Prag erfolgen konnte.Simon Binder: Ferdinandea 1886–1911, Festschrift zum 25-jährigen Stiftungsfest der akademisch-technischen Verbindung Ferdinandea zu Prag, Prag 1911, S. 18–46. Die hierzu notwendige Teilung der bestehenden Verbindung wurde einstimmig und endgültig beschlossen, nachdem am selben Tage die Statuten vom akademischen Senat genehmigt worden waren. Gründungschargen der Vandalia waren jur. Alfred Kotschwar als Senior und med. Ludwig Zuderell als Schriftführer. Auch die weiteren Jahre verliefen mehr als erfreulich, so dass die KDStV Vandalia Prag schon 1907 ihrerseits eine weitere Tochterverbindung, die heutige KaV Saxo-Bavaria Prag in Wien, gründen konnte. Ein Umstand, der sicherlich auch dem Wahltriumph des politischen Katholizismus in Form der Christlichsozialen Partei geschuldet war.Alexander Graf: „Los von Rom“ und „heim ins Reich“ das deutschnationale Akademikermilieu an den cisleithanischen Hochschulen der Habsburgermonarchie 1859–1914, Berlin 2015, S. 163 ea. Die Vandalia benutzte als Bude Räumlichkeiten im Haus des „Deutschen Handwerkervereins“, in der Smetschkagasse 22, in Prag. Die Gründung und die ersten Jahre des Bestehens der Prager CV-Verbindungen Ferdinandea, Vandalia und Saxo-Bavaria fielen in eine Zeit der schwersten weltanschaulichen und nationalen Kämpfe auf Prager Boden. Wobei die Vandalia von der Badeni-Krise 1897 nur indirekt betroffen war, aber die 1908 in Prag erfolgten schweren Ausschreitungen in vollem Umfang mitmachte. Es zeigte sich, beginnend mit 1904/05 und den darauffolgenden Jahren bis zu diesem Krisenjahr, dass die überwunden geglaubten Feindseligkeiten zwischen deutschen und tschechischen Studenten keineswegs überwunden worden waren. Aber auch zwischen den deutschen Studenten war es mit dem 1897/98 noch spürbaren Einvernehmen vorbei. So verweigerte ein am 10. März 1904 sich konstituierender Studentenausschuss der Ferdinandea die Teilnahme und bei der Gründung der Vandaliae erfolgten massive Verhinderungsversuche durch die deutschstämmige Studentenschaft.Gerhard Hartmann: Für Gott und Vaterland: Geschichte und Wirken des CV in Österreich, Lahn-Verl 2006, S. 180. Dies greift das folgende historische Couplet, verfasst von dem Zeitzeugen Brix (Mitglied der Ferdinandea Prag) auf:
Eine besondere Rezeption in den Protokollen des Wiener Reichrathes verdiente sich die Vandalia durch das 1908 ausgesprochene Farbenverbot mit der Begründung, dass für die „Daseinsberechtigung kein Akt vorliege“.Austria. Reichsrat. Abgeordnetenhaus: Stenographische Protokolle über die Sitzungen des Hauses der Abgeordneten des österreichischen Reichrathes, Wien 1908. Hintergrund stellte das am 10. Oktober 1907 bei der akademischen Behörde eingereichte Gesuch der Tochterverbindung Saxo-Bavaria um formale Anerkennung und die Erlaubnis des Farbtragens dar. Auf Grund des auch in Prag stattfindenden akademischen Kulturkampfs wurde das Gesuch am 23. Juli 1908 negativ beschieden und konnte erst auf dem Rekursweg über das Kultusministerium am 27. August 1908 zur Umsetzung gebracht werden. In der Zwischenzeit hießen Mutter- und Tochterverbindung Vandalia und beiden Verbindungen war durch den Bescheid vom Juli 1908 das Farbtragen untersagt. Das Prager Cartell, auch als Prager Cartellverband bezeichnet, ist nicht mit der AkademiaWeiterführend: Adolf Siegl: Die Prager deutschen Hochschulen und ihre Studenten in den Jahren von 1870 bis 1914. Einst und Jetzt, Bd. 21 (1976), S. 122. gleichzusetzen, auch wenn beide in fast demselben Zeitfenster entstanden. Die Akademia war zur Abgrenzung von den bestehenden liberalen und völkischen, ein eigenständiger katholischer Lese- und RedevereinVgl. Prager Senioren-Convent, Glaubenskämpfe und dortige Quellenangabe: A. Siegl: Die Prager deutschen Hochschulen und ihre Studenten in den Jahren von 1870 bis 1914. Einst und Jetzt, Bd. 21 (1976), S. 122.Vgl. und siehe: Hans Schmid-Egger: Staffelstein : Jugendbewegung und katholische Erneuerung bei den Sudetendeutschen zwischen den Grossen Kriegen, München 1983, S. 83.; „in ihm waren die vier CV-Verbindungen Prags (Ferdinandea, Vandalia, Saxo-Bavaria, Nordgau) mit Freistudenten und den Hochschulgruppen von Staffelstein und Quickborn zusammengeschlossen…“
Vom Prager zum sudetendeutschen Cartellverband Die studentischen Verbindungen „Ferdinandea“, „Vandalia“ und „Saxo-Bavaria“ bildeten den Prager Cartellverband (PCV)Gerhard Hartmann: Für Gott und Vaterland: Geschichte und Wirken des CV in Österreich, Lahn-Verl 2006, S. 75., dessen erklärtes Ziel es war, ein katholisches Akademikerhaus für deutsche Studenten in Prag zu errichten. Dies wurde von Pius X. durch eine besondere Spende in Form einer prachtvollen, „in Gold gestickte Kassette mit einem in Gold und Silber gefaßten Rosenkranz aus echten Perlen‘“.R. Geser u. a. (Hg): Katholische Deutsche Studentenverbindung Ferdinandea-Prag zu Heidelberg im CV – 1886–1986, Bd. I, Heidelberg 1986, S. 220. Das nicht alle Ereignisse dieser Zeit so erfreulich verliefen, zeigt die Verwüstung der Bude der Vandaliae am 16. November 1920.Vgl. Gerhard Hartmann: Für Gott und Vaterland: Geschichte und Wirken des CV in Österreich, Lahn-Verl 2006, S. 368.