mini|Sarah Springman (2019) Dame Sarah Marcella Springman DBE (* 26. Dezember 1956 in London) ist eine britisch-schweizerische Ingenieurin,Nils Pfändler: Rektorin Sarah Springman im Portrait. NZZ, 7. Dezember 2021, abgerufen am 7. Dezember 2021. ordentliche Professorin für Geotechnik und Rektorin der ETH Zürich bis Januar 2022. Seit Februar 2022 ist sie Direktorin des St Hilda’s College der Universität Oxford. Die ehemalige Spitzensportlerin gewann im Triathlon und weiteren Sportarten zahlreiche nationale und internationale Titel.

Werdegang Akademische Karriere Springman studierte an der Universität Cambridge (Girton College) Ingenieurwissenschaften und machte 1978 ihren Bachelor-Abschluss. Sie wechselte dann in die Industrie und arbeitete während fünf Jahren für das Ingenieurbüro Alexander Gibb an verschiedenen geotechnischen Projekten in England, Australien und auf den Fidschi-Inseln (Monasavu Hydroelectric Scheme), wo sie einen Dammbau betreute (85 m hoch, 1,7 Mio. m³ Erdmaterial) und im Sport 1982 Südpazifische Squash-Meisterin wurde. 1984 machte sie nach ihrer Rückkehr nach Cambridge am St. Catharine’s College den Master-Abschluss (MPhil) in Bodenmechanik und promovierte 1989 ebenfalls in Bodenmechanik am Magdalene College in der Cambridge Soil Mechanics Group von Andrew Schofield bei Malcolm Bolton. Während des Studiums war sie Reserveoffizierin in der britischen „Territorial Army“, zuletzt bei den Royal Engineers. 1990 begann sie ihre akademische Laufbahn als Assistant Lecturer und ab 1993 als Lecturer in Cambridge und wurde Fellow am Magdalene College. 2014 wurde sie zum Honorary Fellow ernannt, 2015 zum Honorary Fellow am Girton College sowie am St. Catharine’s College. 2013 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der University of Bath und 2016 der Universität Bern.

1997 wurde Springman als ordentliche Professorin für Geotechnik an der ETH Zürich Nachfolgerin von Hans-Jürgen Lang. Sie war die erste Frau als Bauingenieur-Professorin an der ETH. In der Folge veranlasste sie unter anderem die Installation einer GeozentrifugeSpringman, Laue, Boyle, White, Zweidler: The ETH Zürich Geotechnical Drum Centrifuge. In: International Journal of Geotechnical Modelling in Geotechnics. Band 1, Nr. 1, 2001, S. 59–70. doi:10.1680/ijpmg.2001.010107, wie sie von der Cambridger Schule um Schofield erstmals verwendet wurde. Von 2001 bis 2005 und 2009 bis 2011 leitete sie das Institut für Geotechnik. In den Jahren 2007 bis 2009 war sie Vorsteherin des Netzwerks für Naturgefahren der ETH Zürich (HazNETH), 2013 und 2014 stellvertretende Vorsteherin des Departements Bau, Umwelt und Geomatik (D-BAUG). Von Januar 2015 bis Januar 2022 war sie zudem Rektorin der Hochschule. Am 3. Juni 2022 hielt sie an der ETH Zürich die Abschiedsvorlesung.Sarah Springman: Abschiedsvorlesung. ETH Zürich, Video, 3. Juni 2022, abgerufen am 10. November 2022. Seit Februar 2022 ist sie Direktorin des St Hilda’s College der Universität Oxford.Nils Pfändler: Rektorin Sarah Springman im Portrait. NZZ, 7. Dezember 2021, abgerufen am 7. Dezember 2021.

Ihr Forschungsinteresse gilt der Interaktion zwischen Boden und Bauwerken sowie den geotechnischen Aspekten von Naturgefahren, insbesondere bei Rutschungen und schmelzendem Permafrost. Springman hat viele multidisziplinäre Feldversuche initiiert und geleitet, unter anderem Bohr- und Überwachungskampagnen auf dem Blockgletscher in Muragl und Murtèl-Corvatsch im Engadin und auf dem Furggwanghorn sowie Rutschexperimente oberhalb von Saas Balen und Meretschibach Bochtür im Wallis, in Tössegg und das bekannteste in Rüdlingen (beide Kanton Schaffhausen), wo eine von künstlichem Niederschlag ausgelöste Rutschung von 130 m³ gemessen und gefilmt wurde.

Sarah Springman wirkte in verschiedenen nationalen und internationalen Forschungsgremien mit, so etwa von 2000 bis 2007 im Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat, dem heutigen Wissenschafts- und Innovationsrat (SWIR). Von 2005 bis 2010 war sie Vorsitzende des Technischen Komitees in „Physical Modelling in Geotechnics“ der International Society for Soil Mechanics and Geotechnical Engineering (ISSMGE) und 2010 Gastgeberin der alle vier Jahre stattfindenden International Conference on Physical Modelling in Geotechnics (ICPMG) in Zürich am Institut für Geotechnik. Aktuell ist sie namentlich Mitglied der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW), der Royal Academy of Engineering (RAEng) (seit 2009) und der Women’s Engineering Society (WES). Frauenförderung war und ist ihr ein Anliegen. 2017 hielt sie die Vienna Terzaghi Lecture (Is soil friction fiction? – Is cohesion optional? – A review). Für das Jahr 2025 wurde Springman ausgewählt, die gleichnamige Terzaghi Lecture der ASCE zu halten.

Triathlon

Springman amtierte von 2007 bis 2012 als Präsidentin der British Triathlon Federation. In den Jahren 1984 bis 1993 war sie selbst auf höchstem Niveau aktiv als Triathletin. Sie gewann nicht nur 20 europäische ETU-Medaillen (im Einzel und in Mannschaftswertungen), sondern nahm auch fünfmal am Ironman-Wettbewerb in Hawaii teil (Triathlon-Weltmeisterschaft auf der Langdistanz) und wurde 1985 sowie 1987 Fünfte. 1985 und 1986 wurde sie in den beiden ersten Jahren der Austragung auf der Triathlon-Langdistanz Europameisterin, 1988 Europameisterin auf der olympischen Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen).

ITU-Präsident Les McDonald initiierte 1990 die ITU Frauen-Kommission mit Springman als „Co-Chair“. Von 1992 bis 1996 war sie zudem Vizepräsidentin der International Triathlon Union (ITU) und danach Ehrenmitglied. 2008 wurde sie erneut als Vizepräsidentin gewählt und 2012 als Erste Vizepräsidentin (1st Vice President) wiedergewählt. In beiden Phasen war Springman maßgeblich daran beteiligt, Triathlon einen Platz in modernen Multisport-Spielen zu verschaffen. So trug sie wesentlich dazu bei, dass Triathlon olympischen Programmstatus erreichte und in die Commonwealth-Spiele aufgenommen wurde. Als ITU-Vizepräsidentin spielte sie auch eine führende Rolle dabei, dass 2010 das Internationale Paralympische Komitee (IPC) den Paratriathlon ins Programm der Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro (Austragung 2016) aufnahm. Sie war aktiv bei der Förderung der Triathlon Mixed Relay (Frauen und Männer gemeinsam im Team) als mögliche Sportart in den Commonwealth-Spielen; diese wurde dann auch an den Spielen in Glasgow 2014 erstmals erfolgreich ausgetragen.

Von 1993 bis 1996 war sie Mitglied des Sports Council of Great Britain (GB). Bei der Nachfolgeorganisation UK Sport war sie Mitglied bis 2001 sowie erneut ab 2014, beim britischen Nationalen Olympischen Komitee in den Jahren 2008 bis 2012.

Auch als Altersklassen-Athletin ist Sarah Springman im Triathlon und anderen Ausdauersportarten noch aktiv, u. a. 2010 bei der Wintertriathlon-Europameisterschaft in Oslo und 2011 in Ostersund, in verschiedenen Langlaufrennen im Engadin und beim ETH Zürich Professorinnen-Ruderachter.

Sportliche Erfolge

Datum/Jahr Rang Wettbewerb Austragungsort Zeit Bemerkung 10 ITU Triathlon World Championship Series Gold Coast 01:21:13 ITU World Championship – Grand Final; Altersgruppe 50-54, Sprint 1 GBR Triathlon National Championships 3 ETU Triathlon European Championships Cascais 02:22:36 1 ETU Triathlon European Championships Venedig Triathlon-Europameisterin auf der Kurzdistanz 2 ETU Middle Distance Triathlon European Championships Roth Vizeeuropameisterin auf der Mitteldistanz 2 ETU Triathlon European Championships Marseille Vizeeuropameisterin auf der Kurzdistanz 2 ETU Triathlon European Championships Milton Keynes Vizeeuropameisterin auf der Kurzdistanz 2 ETU Middle Distance Triathlon European Championships Åbenrå Vizeeuropameisterin auf der Mitteldistanz (2,5 km Schwimmen, 80 km Radfahren und 20 km Laufen)

Datum/Jahr Rang Wettbewerb Austragungsort Zeit Bemerkung 3 ETU Long Distance Triathlon European Championships Rødekro Dritte bei der Triathlon-Europameisterschaft 7 Ironman Hawaii Hawaii 10:02:02 5 Ironman Hawaii Hawaii 10:08:25 2 ETU Long Distance Triathlon European Championships Joroinen 1 ETU Long Distance Triathlon European Championships Säter Triathlon-Europameisterin auf der Langdistanz 5 Ironman Hawaii Hawaii 10:47:35 Triathlon-Weltmeisterschaft auf der Langdistanz (3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und 42,195 km Laufen)The Ironmate GB Triathlon Hall of Fame; 1985–2010 1 ETU Long Distance Triathlon European Championships Almere Triathlon-Europameisterin auf der Langdistanz

Datum/Jahr Rang Wettbewerb Austragungsort Zeit Bemerkung 3 GBR Duathlon National Championships

Datum/Jahr Rang Wettbewerb Austragungsort Zeit Bemerkung 2 ETU Winter Triathlon European Championship 55-59 Östersund 01:29:15 Vizeeuropameisterin Winter-Triathlon AG55-59 2 ETU Winter Triathlon European Championship 50-54 Lygna 01:17:02 Vizeeuropameisterin Winter-Triathlon AG50-54

Sonstiges 2013 und 2014 war sie – bis zu ihrem Amtsantritt als Rektorin der ETH Zürich – Mitglied des Verwaltungsrats der Schweizer Baufirma Implenia.

Sarah Marcella Springman war von 2015 bis 2020 Mitglied des Stiftungsrats der Schweizerischen Studienstiftung.

Auszeichnungen Springman wurde 1997 als Officer des Order of the British Empire (OBE) ausgezeichnet und 2012 zum Commander des Order of the British Empire (CBE) erhoben, für ihre Verdienste im Sport, insbesondere im Triathlon.Rendez-vous mit der Queen (30. März 2012) Anfang 2022 wurde sie als Dame Commander des Order of the British Empire (DBE) geadelt, für ihre Dienste auf den Gebieten der Ingenieurwissenschaften und der internationalen Sportsadministration. Im Anschluss daran wurde durch die Schweizer Bundesverwaltung eine Abklärung durchgeführt, ob die Verleihung eines Adelstitels wegen des geltenden Ordensverbots für Bundesangestellte rechtens sei. Nach Abschluss ihres Arbeitsverhältnisses an der ETH per Ende Januar 2022 sei die Verleihung per Anfang Februar in Ordnung.Giorgio Scherrer: Die Queen macht die ehemalige ETH-Rektorin zur Adeligen. Doch der Bund wittert einen Gesetzesverstoss. NZZ, 1. Februar 2022, abgerufen am 2. Februar 2022.

Schriften Auswahl Veröffentlichungen: Herausgeberin Constitutive and Centrifuge Modelling: Two Extremes, Swets & Zeitlinger, Lisse 2002, ISBN 90-5809-361-1. Herausgeberin mit Phillips, Arenson Permafrost (Proc. 8th International Conference on Permafrost), Swets und Zeitlinger, Lisse 2003, ISBN 90-5809-582-7. Herausgeberin mit Laue, Seward Physical Modelling in Geotechnics (Proc. 7th Int. Conference, ICPMG, Zürich), CRC Press, 2010, ISBN 978-0-415-59288-8. P. W. Mayne, M. R. Coop, Sarah Springman, A. B. Huang, J. Zornman: State of the Art Paper: GeoMaterial Behavior and Testing. In: Proc. 17. ICSMGE. Band 4, 2009, Mill Press/IOS Press, Rotterdam, S. 2777–2872 Journal Papers (Auswahl) mit Schwerpunkt: Soil Structure Interaction C.W.W. Ng, S.M. Springman, A.R.M. Norrish: Centrifuge modelling of Spread-base Integral Bridge Abutments subjected to Cyclic Deformation. In: ASCE JGE. Band 124, 1998, S. 376–388. M.F. Bransby, S.M. Springman: Selection of load-transfer functions for passive lateral loading of pile groups. In: Computers and Geotechnics. Band 24, Nr. 3, 1999, S. 155–184. E.A. Ellis, S.M. Springman: Full-height piled bridge abutments constructed on soft clay. In: Géotechnique. Band 51, Nr. 1, 2001, S. 3–14. M. Berli, B. Kulli, W. Attinger, M. Keller, J. Leuenberger, H. Flühler, S.M. Springman, R. Schulin: Compaction of agricultural and forest subsoils by tracked heavy construction machinery. In: Soil and Tillage Research. Band 75, Elsevier B.V, 2004, S. 37–52. R. Hufenus, R. Rüegger, K. Weingart, R. Banjac, P. Mayor, S.M. Springman, R. Brönnimann, G. Feltrin: Full-scale field tests on geosynthetic reinforced unpaved roads on soft subgrade. In: Geotextiles & Geomembranes. Band 24, Nr. 1, 2006, S. 21–37. Best Paper published in Geotextiles & Geomembranes in 2006.