alt=Nikolaus Glattauer 2018 bei der Präsentation von Ende der Kreidezeit|mini|Niki Glattauer (2018) Nikolaus „Niki“ Glattauer (* 1. Jänner 1959 in Zürich; † 4. September 2025 in Wien) war ein österreichischer Journalist, Buchautor, Kolumnist und Schuldirektor in Wien.

Leben Herkunft und Journalismus Niki Glattauer wurde in Zürich als erster Sohn des Journalisten Herbert O. Glattauer, eines Wieners mit böhmisch-jüdischen Wurzeln, der als Reporter für die Schweizer Boulevardzeitung Blick arbeitete, und einer Kärntner Slowenin geboren. Nach der Geburt seines Bruders Daniel, der später Schriftsteller wurde, zog die Familie 1960 nach Wien in einen Gemeindebau in Favoriten, wo Glattauer aufwuchs.

Bis Mitte der 1990er Jahre war Glattauer, beruflich seinem Vater nachfolgend, als Journalist tätig. Er arbeitete, zum Teil in leitenden Positionen, für die Tageszeitungen Die Presse, Kronen Zeitung, Kurier und Arbeiter-Zeitung sowie für das Wochenmagazin News, dort zuletzt in der Funktion eines stellvertretenden Chefredakteurs. Aus privaten Gründen verließ er News und beendete seine Journalistenlaufbahn.

Lehrer und Autor Als Quereinsteiger ließ sich Glattauer im Alter von fast 40 Jahren zunächst zum Lehrer für Hauptschulen (heute Mittelschulen), danach berufsbegleitend auch zum Lehrer für Sonderpädagogik ausbilden und begann 1998, nach einem Zwischenspiel als Chefredakteur von krone.online, an Wiener Schulen zu unterrichten. Von Herbst 2017 bis Ende 2020 war er Direktor der Allgemeinen Sonderschule in Wien-Meidling.Der Amtsführende Präsident des Stadtschulrates für Wien hat betraut. (PDF; 370 kB) In: Verordnungsblatt des Stadtschulrates für Wien. Nr. 9/2017, 1. November 2017, S. 10, abgerufen am 3. September 2025:

Glattauer veröffentlichte seit 2002 zwölf Bücher, darunter zwei Romane und drei Kinderbücher. Seine Kinderbücher Schlaf gut, Susi! – Schlaf gut, Schlaf! (2010) und Flucht (2017) wurden für die Kollektion des Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreises ausgewählt. Flucht wurde 2017 in einer Bühnenfassung im Rahmen des Theaterfestivals Schäxpir am Landestheater Linz uraufgeführt. Seine großteils erzählenden Sachbücher mit stark belletristischem Charakter, die aus persönlicher Perspektive Schule und Bildung thematisieren, erreichten allesamt Spitzenplätze in den österreichischen Bestsellerlisten, drei davon Platz 1, z. B. 2016 Best of Schule. Zum Weinen komisch, zum Lachen traurig. Das Buch Mitteilungsheft. Leider hat Lukas …, eine unter dem Motto „Eltern gegen Lehrer – das ist Brutalität!“ stehende Satire auf die Schule von heute, wurde 2014 mit dem Österreichischen Buchliebling in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet.

Im Februar 2018 erschien Ende der Kreidezeit. Ein bisschen Schule und der irre Rest des Lebens, eine autobiographische Satire, in der Glattauer die Tücken und Fallen der digitalisierten Alltagswelt thematisiert. Auch dieses Buch erreichte in Österreich Platz 1 der Bestsellerlisten.

Für die Tageszeitung Kurier verfasste Niki Glattauer die wöchentliche Kolumne Schule und der Rest des Lebens, unfreiwillig nach acht Jahren die letzte Ausgabe am 23. Dezember 2018. Von 2019 an schrieb Glattauer eine Kolumne für das Boulevardmedium Heute unter dem Titel Glattauer gibt Noten, die letzte erschien im Juli 2025.

Glattauer war von 2012 bis zum Frühjahr 2015 Juror beim Literaturpreis Ohrenschmaus für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Von 2016 bis 2022 war er im Präsidium des Instituts für Jugendliteratur. 2019 war er Mitglied der Jury für den internationalen Medienkunstwettbewerb Prix Ars Electronica, der unter anderem Projekte von Schülern und Jugendlichen unter dem Motto „Create Your World“ auszeichnet.

Namenserfindung Ötzi (1991) Niki Glattauer, damals Ressortleiter Chronik der Arbeiter-Zeitung (AZ), wird die erstmalige Verwendung des Namens Ötzi für die 1991 gefundene Gletschermumie zugeschrieben. Der damalige Chefredakteur Peter Pelinka habe einen einprägsamen, griffigen Namen verlangt. Aus Vorschlägen seines Journalistenkollegen Karl Wendl wählte Glattauer „Ötzi“ aus:Lorelies Ortner: Von der Gletscherleiche zu unserem Urahn Ötzi. Zur Benennungspraxis in der Presse. In: Deutsche Sprache. Ausgabe 2/1993, S. 97–127.

Privates Niki Glattauer war Vater einer Tochter und eines Sohnes. Die Mutter seiner Kinder und damalige Ehefrau ist die aus China stammende diplomierte Krankenschwester Zhuofeng Glattauer-Wang. Zuletzt hatte er eine Lebenspartnerin, die in Thailand lebte.

Ende August 2025 bat Glattauer die ihm vertrauten Journalisten Christian Nusser (Newsflix.at) und Florian Klenk (Falter) in seine Gemeindebauwohnung in Favoriten, in der er aufgewachsen war und in die er nach dem Tod seiner Eltern zurückgezogen war. In seinem letzten Interview sprach er mit Nusser und Klenk über sein Leben und seinen, wegen seines fortgeschrittenen Gallengangskrebses, geplanten assistierten Suizid, der am 4. September 2025 vollzogen wurde. Nach Glattauers Tod veröffentlichte Nusser in einem „Kopfnüsse extra“ auf Newsflix.at Details aus Glattauers Krankengeschichte, die veranschaulichen, dass Glattauer aufgrund seiner Krebserkrankung, aber auch aufgrund von Mängeln in der medizinischen Versorgung, keine Alternativen für die von ihm gewählte Art zu sterben sah.

Publikationen Jakobus, Stiefsohn Gottes. Roman. Jung und Jung, Salzburg / Wien 2002, ISBN 978-3-902144-45-4. Die Päpste. (= Krone Wissen. Das Wichtigste in Kürze, Sonderband 1.) Holzhausen, Wien 2005, ISBN 978-3-85493-220-8. Im Vogelblick. Roman. Picus, Wien 2005, ISBN 978-3-85452-490-8. Schlaf gut, Susi! Schlaf gut, Schlaf! Mit Bildern von Verena Hochleitner. Nilpferd in Residenz, St. Pölten / Salzburg 2009, ISBN 978-3-7017-2050-7. Der engagierte Lehrer und seine Feinde. Zur Lage an Österreichs Schulen. Ueberreuter, Wien 2010, ISBN 978-3-8000-7484-6. Der Sternenblätterbaum. Mit Bildern von Verena Hochleitner. Nilpferd in Residenz, St. Pölten / Salzburg 2011, ISBN 978-3-7017-2086-6. Die Pisa-Lüge. Wie unsere Schule wirklich besser wird. Ueberreuter, Wien 2011, ISBN 978-3-8000-7514-0. Mitteilungsheft. Leider hat Lukas … (Und am Kugelschreiber Verena Hochleitner). Kremayr & Scheriau, Wien 2013, ISBN 978-3-218-00881-5. Leider hat Lukas schon wieder … (Und am Buntstift Verena Hochleitner). Kremayr & Scheriau, Wien 2015, ISBN 978-3-218-00992-8. mit Verena Hochleitner: Flucht. Mit Wassergeistern von Daniel Glattauer jun. Tyrolia, Innsbruck / Wien 2016. ISBN 978-3-7022-3560-4. Best of Schule. Zum Lachen traurig, zum Weinen lustig. Kremayr & Scheriau, Wien 2016 ISBN 978-3-218-01041-2. Ende der Kreidezeit. Ein bisschen Schule – und der irre Rest des Lebens. Mit 15 Bildern von Verena Hochleitner. Brandstätter, Wien 2018, ISBN 978-3-7106-0154-5.

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