mini|Ehemaliger Hauptsitz am Paradeplatz in Zürich mini|hochkant|Credit Suisse in Lugano (2013) Die Credit Suisse AG [ AG], kurz CS AG (ehemals Schweizerische Kreditanstalt, kurz SKA), war eine Schweizer Grossbank mit Sitz in Zürich.
Nach einer schweren Bankenkrise wurde am 19. März 2023 die Übernahme des Mutterunternehmens, der Credit Suisse Group AG, durch die Konkurrentin UBS Group AG bekanntgegeben. Der Bundesrat beschloss dafür umfangreiche Finanzhilfen. Die Übernahme wurde am 12. Juni 2023 vollzogen, sie führte im Mai 2024 zur Fusion der Credit Suisse AG mit der UBS AG. Per 1. Juli 2024 legte die UBS auch das Schweizer Geschäft ihrer Töchter Credit Suisse (Schweiz) AG und UBS Switzerland AG zusammen. Mehr als eine Million Kundenbeziehungen mussten auf die UBS-Systeme migriert werden, mehrheitlich im Jahr 2025.
Geschichte mini|Die Schweizerische Kreditanstalt (SKA), 1895
Schweizerische Kreditanstalt (SKA), 1856 mini|Aktie der SKA vom 31. Mai 1898 über 500 Franken Am 5. Juli 1856 gründete Alfred Escher gemeinsam mit der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt, welche 50 % des Eigenkapitals hielt, die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) – die heutige Credit Suisse – und machte damit Zürich zum führenden Bankenstandort und Wirtschaftszentrum der Schweiz. Der Hauptsitz der SKA und der späteren CS befand sich seit 1873 am Paradeplatz im Zentrum von Zürich. 1895 lancierte die SKA das Effekten-Kursblatt, das als erste regelmässig erscheinende Bankpublikation der Welt betrachtet wird. 1944 wurde es in bulletin umbenannt und war seither das an Kunden, Anspruchsgruppen und weitere Interessierte gerichtete Magazin der Bank. Mit der Eröffnung der ersten Filiale in Basel 1905 begann die Expansion der SKA in der Schweiz, die hauptsächlich durch die Übernahme von Regionalbanken erfolgte. Die ersten Filialen in der französisch- und der italienischsprachigen Schweiz wurden 1906 in Genf und 1913 in Lugano eröffnet. Nach der Eröffnung der ersten Vertretung in New York 1870 gründete die SKA weltweit an verschiedenen Standorten Vertretungen, so in Paris (1910), London (1954), Buenos Aires (1959), Hongkong (1969) oder Bahrain (1975), zunächst unter SKA International. 1964 erhielt die Filiale der SKA in New York eine Lizenz als Universalbank in den Vereinigten Staaten.
Der «Fall Chiasso» – aufgedeckt von Max Mabillard und Roger de Weck – brachte 1977 der SKA den grössten Verlust ihrer Geschichte ein. Die Leiter der SKA-Filiale von Chiasso hatten mit Unterstützung von Tessiner Anwälten und Politikern jahrelang Gelder aus Italien unrechtmässig nach Liechtenstein verschoben.Hans Ulrich Jost: . In: WOZ Die Wochenzeitung. 22. März 2001. Unter dem Druck dieser Krise wandelte sich die SKA vom Zürcher Traditionsinstitut zum internationalen Finanzdienstleister.
CS Holding, 1982 Die Zusammenarbeit der SKA mit der 1932 als Tochter der First National Bank of Boston gegründeten First Boston Corporation begann 1978. 1988 entstand die CS First Boston Inc. in New York. Die CS Holding wurde 1982 als Schwestergesellschaft der SKA geschaffen, um verschiedene Beteiligungen zusammenzufassen. 1989 wurde die SKA als Tochtergesellschaft in die CS Holding integriert. 1990 erhielt die CS Holding die Mehrheitskontrolle an der CS First Boston und wurde zur ersten nichtamerikanischen Gesellschaft mit einer Mehrheitsbeteiligung an einer US-Investmentbank. 1992 trennte sich die SKA durch ein Management-Buy-out vom Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG Fides Peat (heute KPMG AG), an dem sie seit 1928 mehrheitlich beteiligt war.
Zu den letzten wichtigen Übernahmen der SKA in der Schweiz zählen die Akquisitionen der Bank Leu 1990 und der Schweizerischen Volksbank 1993. Die Schweizerische Volksbank (damals einzigartig als Genossenschaft und nicht als AG strukturiert) war damals die viertgrösste Bank der Schweiz, während die SBG (Schweizerische Bankgesellschaft) und der Schweizerische Bankverein (SBV) die Positionen 1 und 2 innehatten. SBG und SBV fusionierten später zur heutigen UBS.
Credit Suisse Group, 1997
1996 beschlossen die CS Holding und die Winterthur, eine Allianz einzugehen, um gemeinsame Absatzmöglichkeiten für ihre Produkte zu erschliessen. 1997 wurde die CS Holding zur Credit Suisse Group mit vier Geschäftseinheiten: Credit Suisse, Credit Suisse Private Banking, Credit Suisse First Boston und Credit Suisse Asset Management. Im selben Jahr erfolgte der Zusammenschluss der Credit Suisse Group und der Winterthur.
2004 gab die Gruppe bekannt, die Winterthur fortan als Finanzbeteiligung zu führen und für eine mögliche Kapitalmarkttransaktion vorzubereiten. Am 14. Juni 2006 wurde der Verkauf der Winterthur an die französische AXA-Gruppe bekanntgegeben. Seit Januar 2006 trat die Credit Suisse als integrierte globale Bank mit drei Geschäftsbereichen – Investment Banking, Private Banking, Asset Management – unter einem einzigen Markennamen Credit Suisse auf. Am 1. Januar 2007 wurden alle bisherigen Credit-Suisse-Töchter im Bereich Private Banking, Bank Leu, Clariden Bank, Bank Hofmann, BGP Banca di Gestione Patrimoniale und Credit Suisse Fides, zur Clariden Leu vereinigt, der nun fünftgrössten Privatkundenbank der Schweiz. 2012 wurde die Clariden Leu wiederum mit der Credit Suisse fusioniert. Während der Weltfinanzkrise 2007–2008 konnte die Bank ihr Fortbestehen ohne direkte staatliche Unterstützung sicherstellen. Nach dem G-20-Gipfel 2009 änderte die Credit Suisse ihre Vergütungsrichtlinien.. Credit Suisse, 20. Oktober 2009 (Pressemitteilung).
2010 rückte die Bank in Deutschland in den Fokus von Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden im Zusammenhang mit dem Kauf einer Steuer-CD mit Datensätzen von mutmasslichen Steuersündern durch das Land Nordrhein-Westfalen wegen vermuteter Beihilfe von Mitarbeitern zur Steuerhinterziehung.. In: tagesschau.de. 14. Juli 2010. Im September 2011 einigte sich die Credit Suisse mit der Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Gegen eine Zahlung von 150 Millionen Euro (ca. 181 Millionen Franken) stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Mitarbeiter der Bank ein. Entsprechende Anträge zur Einstellung des Verfahrens reichte die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Düsseldorf ein.Credit Suisse kauft sich in Deutschland frei. In: NZZ Online. 19. September 2011. Credit Suisse, 19. September 2011 (Pressemitteilung). In diesem Zusammenhang wurde auch eine interne PowerPoint-Präsentation der Credit Suisse bekannt, die zeigte, dass die Bank selbst davon ausging, dass mehr als 80 Prozent ihrer deutschen Kunden unversteuertes Geld angelegt hatten.Hans Leyendecker: Schweizer Daten-Krimi. In: Süddeutsche Zeitung. 2. April 2012, S. 5.
2010, 2011 und 2012 wurde die Credit Suisse vom Magazin Euromoney als beste Privatbank weltweit ausgezeichnet. Euromoney verlieh diese Auszeichnungen aufgrund der Ergebnisse ihrer jährlichen Private-Banking-Umfrage.. Credit Suisse, abgerufen am 4. Februar 2011.Credit Suisse retains private banking crown in benchmark Euromoney private banking survey. In: euromoney.com. 3. Februar 2011, abgerufen am 4. Februar 2011. Im Juli 2012 wurde durch Presseberichte bekannt, dass in Deutschland gegen mehrere tausend deutsche Kunden der Bank, die von der Schweiz aus betreut wurden, Ermittlungen liefen. Ihnen wurde vorgeworfen, mittels Schein-Versicherungsverträgen, sogenannten Insurance Wrappers (Versicherungsmäntel), Milliarden von Euro am deutschen Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Die Produkte wurden von der Tochtergesellschaft Credit Suisse Life & Pensions auf Bermuda entwickelt und von 2004/05 bis 2009 angeboten. Gegen die Bank wurde nicht ermittelt.Zoé Baches: Fragen zu den Razzien bei CS in Deutschland. In: Neue Zürcher Zeitung. 12. Juli 2012.
Im Rechtsstreit mit der US-amerikanischen Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) als Konservatorin der Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac einigte sich Credit Suisse am 22. März 2014 in einem Vergleich zur Zahlung von 885 Millionen US-Dollar. Damit wurden Ansprüche aus zwei Klagen wegen falscher oder unvollständiger Angaben beim Verkauf von Residential Mortgage-backed Securities (RMBS) im Umfang von rund 16,6 Milliarden US-Dollar zwischen 2005 und 2007 beglichen.Streit um US-Hypotheken. Credit Suisse muss 885 Millionen Dollar zahlen. In: Der Spiegel. 21. März 2014. Am 20. Mai 2014 bekannte sich die Credit Suisse gegenüber den USA der Beihilfe zur Steuerflucht amerikanischer Bürger schuldig und aussergerichtlich bereit, dafür eine Strafe von insgesamt 2,815 Milliarden Dollar zu zahlen, davon 2 Milliarden an das US-Justizministerium.. Credit Suisse, 20. Mai 2014 (Pressemitteilung).
2015 kritisierte Verwaltungsrat Jean-Daniel Gerber bei seinem Rücktritt intern das Geschäftsgebaren der Credit Suisse deutlich.
2021 wurde die 1999 gegründete Wincasa AG an die Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site verkauft.
Die Credit Suisse Group AG beschäftigte umgerechnet in Vollzeitäquivalent 50'480 Mitarbeiter (Stand Ende 2022), davon 16'700 in der Schweiz. Die Bank verwaltete weltweit CHF 1252 Milliarden Vermögen (Stand März 2023) und beschäftigte dafür rund 3600 Kundenberater. Das Unternehmen war in die regional ausgerichteten Divisionen Swiss Universal Bank (SUB), International Wealth Management und Asia Pacific unterteilt. Per Ende 2022 wies die Credit Suisse eine Bilanzsumme von 531,358 Milliarden Schweizer Franken aus. Der Verlust betrug 7,3 Milliarden Franken.
Die Aktien der Credit Suisse Group AGCredit Suisse Group AG in: SIX Swiss Exchange. (CSGN) waren bis zur Übernahme durch die UBS Group AG an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange und als American Depositary Share (CS) an der New York Stock Exchange (NYSE) kotiert.
Credit Suisse (Schweiz) AG, 2016
Im November 2016 wurde auf Grund der Too-Big-To-Fail-Vorschriften der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht das schweizerische Geschäft in die neu gegründete Bank Credit Suisse (Schweiz) AG übertragen, für die ursprünglich ein teilweiser Börsengang im Jahr 2018 geplant war. Diese neue Bank übernahm von der Credit Suisse AG deren bisherige Instituts-Identifikation 4835 und den BIC CRESCHZZXXX. Per Ende November 2020 wurde die bis anhin eigenständige Tochtergesellschaft Neue Aargauer Bank im Rahmen von Umstrukturierungen in die Credit Suisse (Schweiz) AG integriert. Am 26. Oktober 2020 wurde die Direktbank CSX lanciert.
Zur Credit Suisse (Schweiz) AG gehörte die auf Privatkredite und Leasing spezialisierte Bank-now. Darüber hinaus war die Credit Suisse (Schweiz) AG mit der Tochtergesellschaft Fides Treasury Services AG im internationalen Multibank- und Service-Bureau-Markt tätig. Swisscard AECS GmbH war ein Joint Venture der Credit Suisse (Schweiz) AG und von American Express.
Im Zuge der überarbeiteten Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) hatte Credit Suisse vor, den Open-Banking-Hub von SIX zu nutzen, um Drittanbietern Zugriff auf die Bankkonto-Daten zu ermöglichen. Um mit den Neobanken zu konkurrieren, wurde 2019 die Einheit «Direct Banking» gegründet. Ab Juli 2020 wurden die Maestro-Karten durch Debit Mastercards ersetzt und im September 2020 die App CSX lanciert.
Im November 2022 wurde bekannt, dass Credit Suisse 14 von 109 CS-Filialen bis Ende Februar 2023 schliessen wollte. Nach der Zusammenlegung des Schweizer Geschäfts in der Credit Suisse (Schweiz) AG und der UBS Switzerland AG per 1. Juli 2024 sollen von den 95 Filialen der CS und den 190 Filialen der UBS im Jahr 2025 noch insgesamt 194 Filialen bleiben.
Liquiditätsengpass und Übernahme, 2023
mini|Die Nationalbank (hinten im Bild) unterstützte die Übernahme der Credit Suisse mit Liquiditätshilfe.